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Wetterlagen · Hitze · Definitionen und Warnkriterien nach dem Deutschen Wetterdienst

Hitze: warum die gefühlte Temperatur zählt, nicht das Thermometer

Ab wann ist es „eine Hitzewelle“? Und warum warnt der DWD nicht einfach ab einer bestimmten Thermometer-Zahl? Diese Seite erklärt die gefühlte Temperatur, die Definitionen von Sommertag, heißem Tag und Tropennacht und die amtlichen Kriterien der Hitzewarnung — sachlich, ohne Panik, aber ohne das Gesundheitsrisiko kleinzureden. Sie ist ehrlich dazu, wie gut sich Hitze vorhersagen lässt. Jede Zahl unten hat eine DWD-Quelle, unten verlinkt.

Gefühlte Temperatur: was der Körper spürt, nicht was das Thermometer zeigt

Für die Belastung durch Hitze zählt nicht die reine Lufttemperatur, sondern die gefühlte Temperatur — sie berücksichtigt zusätzlich Luftfeuchte, Wind und Sonnenstrahlung.

30 °C in schwüler, windstiller Luft mit voller Sonne belasten den Körper stärker als 30 °C in trockener Luft mit etwas Wind im Schatten. Die gefühlte Temperatur ist ein biometeorologisches Maß: Sie bildet ab, wie ein Mensch die Wärme tatsächlich empfindet, indem sie den Wärmeaustausch des Körpers mit seiner Umgebung modelliert. Genau auf dieser Größe beruhen die DWD-Hitzewarnungen — nicht auf dem blanken Thermometerwert.

Eine rein physikalische Grenze für feuchte Hitze ist die Kühlgrenze (Feuchtkugeltemperatur): Kälter als sie kann Schweiß die Haut nicht kühlen. Was die oft zitierte theoretische Obergrenze aus der Forschung bedeutet — und warum Versuche deutlich tiefere Werte zeigen —, steht beim Kühlgrenz-Rechner. Eine Warnschwelle ist sie nicht.

Die Kenntage: Sommertag, heißer Tag, Tropennacht

Der DWD zählt heißes Wetter mit festen Schwellen — hier geht es um die gemessene Lufttemperatur, nicht um die gefühlte:

Definitionen von Sommertag, heißem Tag und Tropennacht nach dem DWD-Wetterlexikon
KenntagSchwelleBezugsgröße
SommertagMaximum ≥ 25 °CHöchsttemperatur des Tages
Heißer TagMaximum ≥ 30 °CHöchsttemperatur des Tages
TropennachtMinimum ≥ 20 °CTiefsttemperatur der Nacht (18 bis 06 UTC)

Die Tropennacht ist dabei die tückischste Größe: Kühlt es nachts nicht unter 20 °C ab, findet der Körper keine Erholung von der Tageshitze — und die Wohnräume heizen sich über mehrere Tage immer weiter auf. Genau diese fehlende nächtliche Abkühlung ist mit ein Grund, warum der DWD warnt (siehe unten). Tropennächte sind in Deutschland selten: an den meisten DWD-Stationen im Mittel weniger als eine pro Jahr.

Und die „Hitzewelle“?

Ehrlich: Für den Begriff Hitzewelle gibt es keine einzelne, weltweit verbindliche Zahlendefinition — gemeint ist üblicherweise eine länger anhaltende Periode ungewöhnlich heißen Wetters über mehrere Tage. Verschiedene Stellen setzen die Schwellen unterschiedlich. Feste, amtliche Schwellen gibt es dagegen für die Kenntage oben und für die Hitzewarnung — und nur die stehen auf dieser Seite als Zahlen.

Wie der DWD warnt: die amtliche Hitzewarnung

Die DWD-Hitzewarnung ist zweistufig und beruht auf der gefühlten Temperatur am frühen Nachmittag. Sie wird herausgegeben, wenn eine starke Wärmebelastung vorhergesagt wird und eine ausreichende nächtliche Abkühlung der Wohnräume nicht mehr gewährleistet ist — Tageshitze und ausbleibende Nachtkühle zusammen.

Amtliche Kriterien der DWD-Hitzewarnung nach gefühlter Temperatur und Warnstufe
WarnereignisSchwelle (gefühlte Temperatur)Stufe
Starke Wärmebelastungüber etwa 32 °C, dazu nur geringe nächtliche Abkühlung1
Extreme Wärmebelastungüber 38 °C3

Quelle: DWD-Warnkriterien (Kategorie Hitze) und DWD-Hitzewarnungen. Die Hitzewarnung nutzt nur zwei der vier DWD-Warnstufen (1 und 3). Die 32-°C-Schwelle ist bewusst „etwa“: Wegen des Gewöhnungseffekts (Akklimatisation) liegt sie im Frühsommer etwas niedriger und im Hochsommer etwas höher.

Skala der gefühlten Temperatur mit den zwei amtlichen Hitzewarn-Schwellen: starke Wärmebelastung ab etwa 32 Grad, extreme ab 38 Grad 20 24 28 32 36 40 gefühlte Temperatur (°C) ~32°: stark (Stufe 1) 38°: extrem (Stufe 3) Schematisch. Achse: gefühlte Temperatur, nicht Lufttemperatur.
Die zwei amtlichen Schwellen der DWD-Hitzewarnung auf der Skala der gefühlten Temperatur. Die 32-°C-Marke verschiebt sich saisonal etwas (Akklimatisation). Zahlen: DWD-Warnkriterien und DWD-Hitzewarnungen.

Warum Hitze ein echtes Gesundheitsrisiko ist — sachlich

Hitze ist nicht nur unangenehm. Der Sommer 2003 hat in Europa nach Schätzungen des DWD rund 35.000 bis 50.000 Menschen das Leben gekostet; auch in Deutschland waren einige tausend Todesfälle zu beklagen. Das macht Hitze zu einem der tödlichsten Wetterrisiken überhaupt — unauffälliger als ein Sturm, aber in der Summe folgenschwerer.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen — ihr Körper reguliert die Wärme langsamer und ihre Reserven sind schneller erschöpft — sowie Kleinkinder, chronisch Kranke und Menschen, die im Freien körperlich arbeiten. Stadtbewohner trifft es zusätzlich, weil sich bebaute Flächen stärker aufheizen und nachts schlechter abkühlen. Darum sprechen die DWD-Hitzewarnungen diese Gruppen gezielt an.

Kein Grund zur Panik, aber ein Grund, es ernst zu nehmen: Die meisten hitzebedingten Notfälle sind vermeidbar. Es geht um simple, konsequente Vorsorge — siehe unten.

Wie gut lässt sich Hitze vorhersagen? Vergleichsweise gut — ehrlich eingeordnet

Hitzewellen gehören zu den besser vorhersagbaren Wetterlagen. Sie werden von großräumigen, trägen Hochdruckgebieten getragen, die sich oft tagelang kaum von der Stelle bewegen. Dass eine heiße Phase kommt, zeichnet sich darum häufig mehrere Tage bis über eine Woche im Voraus ab — anders als eine einzelne Gewitterböe, die kurzfristig und kleinräumig ist.

Ehrlich bleibt die Einschränkung bei den genauen Werten: Ob der Höhepunkt 36 oder 39 °C bringt, ob eine Nacht knapp über oder unter der Tropennacht-Schwelle bleibt, und der exakte Tag des Umschwungs — das verschiebt sich mit dem Vorlauf. Der Feldbericht dieser Seite zeigt an echten Messungen, wie der Fehler der Höchsttemperatur-Vorhersage mit dem Vorlauf wächst und wie weit die Modelle auseinanderliegen. Fazit: Das Ob ist früh ziemlich sicher, das genaue Wie viel bleibt eine Spanne — genau deshalb zeigt die Startseite die Modellspanne statt einer einzelnen Zahl.

Wie gut die heißen Tage dieses Sommers tatsächlich vorhergesagt wurden, rechnet Hitzetage im Rückspiegel aus dem eigenen Archiv nach — in zwei Blickrichtungen, nach gemessenen und nach angesagten 30 °C, und mit der Falle, in die man dabei leicht tappt: der Regression zur Mitte.

Was bei Hitze sinnvoll ist

Breit anerkannte, einfache Hinweise — im Warnfall gelten die konkreten Empfehlungen zur aktuellen DWD-Hitzewarnung und die der Gesundheitsbehörden.

Aktuelle Warnungen stehen auf der Startseite. Ob für einen Ort gerade eine Hitzewarnung gilt und welche Stufe, zeigt die Wetterseite mit den Live-Daten. Diese Seite hier erklärt nur, was die Stufen bedeuten — sie ist selbst keine Warnung.

Quellen

Datenquelle Deutscher Wetterdienst (DWD). Diese Seite gibt amtliche Definitionen und allgemeine Empfehlungen wieder und ersetzt keine medizinische Beratung; im Warnfall gilt immer die aktuelle Warnung des DWD.