Was Luftfeuchtigkeit ist
„Als Luftfeuchte (auch: Luftfeuchtigkeit) wird der Anteil des gasförmigen Wassers (Wasserdampf) am Gasgemisch der Erdatmosphäre bezeichnet.“ — DWD
Wasserdampf ist ein unsichtbares Gas (die sichtbaren Wolken- und Nebeltröpfchen sind bereits kondensiert). Wie viel Wasserdampf drinsteckt, kann man auf zwei Arten angeben — und die werden ständig verwechselt.
Relativ oder absolut — zwei Maße
Relative Feuchte (in %)
Der Wert aus der Wettervorhersage. Er setzt den aktuellen Wasserdampfgehalt ins Verhältnis
zum bei dieser Temperatur maximal möglichen. Der DWD: das „Verhältnis
zwischen dem tatsächlichen und dem maximal möglichen Wasserdampfgehalt des betrachteten
Luftvolumens (meistens 1 m³ Luft)“ — als Formel f = 100 · e/E
(tatsächlicher Dampfdruck e geteilt durch Sättigungsdampfdruck E).
Absolute Feuchte (in g/m³)
Sie „gibt den Gehalt an Wasserdampf in einem definierten Luftvolumen an … meist in Gramm oder Kilogramm Wasserdampf in einem Kubikmeter Luft“ (DWD). Der entscheidende Unterschied: „Im Gegensatz zur absoluten Feuchte ist die relative Feuchte … von der Temperatur der Luft abhängig.“ Die absolute Feuchte ist es nicht.
Praktisch heißt das: Dieselbe Wassermenge in der Luft (gleiche absolute Feuchte) ergibt beim Abkühlen eine höhere relative Feuchte — ohne dass ein Tropfen Wasser hinzugekommen wäre. Nur der Nenner (das maximal Mögliche) ist kleiner geworden.
Umgekehrt beim Lüften: Kalte, feuchte Außenluft wird im warmen Zimmer trocken — Regen bei 10 °C und 100 % hat bei 20 °C nur noch rund 53 %. Ob Lüften deine Wohnung trocknet oder einen Keller im Sommer nass macht, rechnet Richtig lüften vor.
Warum warme Luft mehr Wasserdampf fasst
„Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kältere.“ — DWD
Der Grenzwert heißt Sättigungsdampfdruck: der Dampfdruck „ist ein Maß für den Feuchtigkeitsgehalt der Luft und hängt maßgeblich von ihrer Temperatur ab“ (DWD, Einheit hPa). Je wärmer, desto mehr Wasserdampf passt hinein, bevor Sättigung erreicht ist — und der Anstieg ist steil:
Der Taupunkt — wenn 100 % erreicht sind
Kühlt Luft ab, steigt ihre relative Feuchte, bis sie gesättigt ist. Der Taupunkt ist genau die Temperatur, auf die man die Luft abkühlen muss, „um zur Sättigung zu gelangen“ (DWD). Dann gilt: „Im Sättigungszustand beträgt die relative Luftfeuchtigkeit 100 Prozent. Bei weiterer Abkühlung tritt Kondensation ein“ — Tau, Nebel, Wolken. Deshalb ist der Taupunkt das ehrlichere Feuchtemaß als die relative Feuchte allein.
Schwüle — wenn der Schweiß nicht mehr kühlt
Feuchte Luft fühlt sich schwer an, weil sie das Verdunsten von Schweiß bremst: Schwüle „charakterisiert die Behinderung der Fähigkeit des menschlichen Körpers, über Verdunstung (Schwitzen) Wärme an die Umgebung abzugeben“ (DWD). Als vereinfachte Schwülegrenze gilt ein Dampfdruck von 18,8 hPa, das entspricht einem Taupunkt von knapp 17 °C (nach der Magnus-Formel genau 16,6 °C). Ehrlich dazu der DWD selbst: „Schwüle ist ein subjektives Empfinden, es gibt keine eindeutige, meteorologisch fundierte Definition.“ Mehr dazu auf Gefühlte Temperatur; nachrechnen lässt es sich im Taupunkt- & Feuchte-Rechner.
Bis zum 30.09.2026 stand hier „das entspricht einem Taupunkt von 17 °C“. Das ist gerundet; der Feuchte-Rechner hat mit genau diesen 17 °C geprüft und Luft mit 16,6 bis 17 °C Taupunkt fälschlich als nicht schwül gemeldet.
Womit gemessen wird
„Hygrometer sind Geräte zur direkten Messung der Luftfeuchte“ (DWD). Das Psychrometer misst indirekt über die „psychrometrische Differenz, d.h. die Differenz zwischen dem feuchten und dem trockenen Thermometer“ — verdunstet am feuchten Thermometer Wasser, kühlt es ab, und aus dem Temperaturunterschied folgt die Feuchte.
Die Temperatur, die das feuchte Thermometer dabei erreicht, heißt Feuchttemperatur oder Kühlgrenze. Den umgekehrten Weg — aus Temperatur und Feuchte die Kühlgrenze — rechnet der Kühlgrenz-Rechner vor.
Ehrliche Einordnung: Die Formulierung, Luft „nehme Wasserdampf auf“ oder „speichere“ ihn, ist physikalisch vereinfacht — der Sättigungsdampfdruck ist eine Funktion der Temperatur, die Luft hält den Dampf nicht wie ein Schwamm. Der DWD verwendet „aufnehmen“, deshalb steht es auch hier; als strenge Physik ist es nicht zu lesen.
Quellen
Alle Angaben aus dem DWD (Wetterlexikon und „Thema des Tages“):
Luftfeuchte · Relative Feuchte · Absolute Feuchte · Dampfdruck · Taupunkt · Schwüle · Hygrometer · Psychrometer · Thema des Tages: Feuchte ist nicht gleich Feuchte (Diagramm-Zahlen)
Verwandt: Taupunkt · Gefühlte Temperatur · Wie Wolken entstehen · Nebel.