Was Nebel ist — und der Unterschied zum Hochnebel
Nebel entsteht, wenn feuchte Luft so weit abkühlt, dass der Wasserdampf zu winzigen, schwebenden Tröpfchen kondensiert. Meteorologisch spricht man erst dann von Nebel, wenn diese Tröpfchen die horizontale Sichtweite unter 1000 Meter drücken; ist die Sicht besser, heißt dasselbe Phänomen Dunst. Physikalisch ist Nebel damit schlicht eine Wolke, die den Boden berührt.
Der Unterschied zwischen Nebel und Hochnebel ist die Höhe der Untergrenze: Beim Nebel reicht die Tröpfchenschicht bis zum Boden — man steht mitten drin, die Sicht ist kurz. Beim Hochnebel liegt dieselbe tiefe Wolkenschicht als geschlossene, graue Decke einige Hundert Meter über dem Boden: Von unten ist es trüb und sonnenlos, die Sicht am Boden aber gut. Auf einem Berg über der Schicht steht man dann in der Sonne, während im Tal der graue Deckel liegt.
Strahlungsnebel — der häufigste Typ
Die klassische Form in Deutschland ist der Strahlungsnebel. In klaren, windschwachen Nächten strahlt der Boden seine Wärme ungehindert in den Himmel ab und kühlt stark aus. Die bodennahe Luft kühlt mit — bis sie ihren Taupunkt erreicht und das Wasser auskondensiert. Deshalb bildet sich Strahlungsnebel bevorzugt in den kalten Morgenstunden, in Senken, Flusstälern und über feuchten Wiesen, wo sich die kälteste Luft sammelt. Schon ein leichter Wind oder die Morgensonne, die den Boden wieder erwärmt, löst ihn oft innerhalb einer Stunde wieder auf.
Daneben gibt es weitere Entstehungswege — etwa Advektionsnebel, wenn milde, feuchte Luft über kalten Boden strömt, oder Nebel, der aus absinkendem Hochnebel entsteht. Für die Gefahr und die Vorhersage ist der Mechanismus zweitrangig: Entscheidend ist immer, wie weit die Sicht sinkt.
Wie der DWD vor Nebel warnt — eine einzige Schwelle
Anders als bei Gewitter, Wind oder Schnee gibt es beim Nebel keine vierstufige Warnskala. Der Deutsche Wetterdienst kennt für Nebel genau eine Warnstufe mit einer einzigen, harten Zahl — und mehr steht in den amtlichen Kriterien nicht. Wir erfinden hier keine weiteren Stufen.
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1 Nebel Stufe 1 · Wetterwarnung (gelb)
„überörtlich Sichtweite unter 150 m“. Das ist der Wörtlaut des DWD-Kriteriums. Gewarnt wird, wenn die Sicht nicht nur an einer einzelnen Stelle, sondern überörtlich unter 150 Meter fällt.
- Schwelle
- Sichtweite unter 150 m (überörtlich)
Das ist die einzige amtliche Nebel-Warnstufe des DWD. Es gibt in der Kriterientabelle keine Stufe 2, 3 oder 4 für Nebel — also nennen wir auch keine. (Zum Vergleich: Meteorologisch beginnt „Nebel“ schon bei Sicht unter 1000 m, aber gewarnt wird erst bei unter 150 m.)
Warum die Zahl 150 m im Verkehr so ernst ist
150 Meter Sicht klingt nach viel — im Straßenverkehr ist es wenig. Wer mit 100 km/h fährt, legt in einer Sekunde knapp 28 Meter zurück; der Anhalteweg übersteigt bei dieser Geschwindigkeit die Sichtweite. Die grausame Eigenschaft von Nebel ist zudem, dass er nicht gleichmäßig ist: Aus freier Sicht fährt man in Sekunden in eine dichte Nebelbank — genau die Situation, aus der Massenkarambolagen auf Autobahnen entstehen.
Deshalb ist die Nebelwarnung vor allem eine Verkehrswarnung: Sie sagt nicht „draußen ist es grau“, sondern „rechne mit Stellen, an denen du kaum weiter als bis zur nächsten Leitplanke siehst“.
Wie gut ist Nebel vorhersagbar? Ehrlich: räumlich kaum
Nebel ist das Musterbeispiel für die These dieser Seite. Ob eine Nacht überhaupt nebelanfällig ist, lässt sich gut abschätzen: klarer Himmel, wenig Wind, feuchte Luft, lange Nächte — diese großräumige Lage ist rechenbar, und im Herbst und Winter kann man Nebel oft schon Tage vorher „in der Luft“ erwarten. Wo genau er sich bildet und wie dicht er wird, ist dagegen kaum punktgenau vorherzusagen.
Der Grund ist die Kleinräumigkeit: Ob sich in einer Senke Nebel bildet, während die Ortschaft 500 Meter weiter am Hang frei bleibt, entscheidet sich an Details — der genauen Bodenfeuchte, einer leichten Luftbewegung, einem Grad Temperaturunterschied. Diese Feinheiten liegen unter dem Raster, das ein Vorhersagemodell auflösen kann. Zwei Orte wenige Kilometer auseinander können dieselbe Nacht erleben — der eine im dichten Nebel, der andere sternenklar.
Genauso schwer ist die Auflösung: Ob sich der Nebel um 9 Uhr lichtet oder bis in den Nachmittag hält, hängt daran, ob die Sonne durchkommt und wie feucht der Boden ist — kleine Unterschiede mit großer Wirkung. Was hilft, ist auch hier eher der kurze Blick auf die aktuelle Lage als eine scheingenaue Uhrzeit-Prognose für übermorgen.
Kurz gesagt
Ob eine Nacht nebelanfällig ist: oft schon Tage vorher grob abschätzbar. Wo genau und wie dicht: kaum, weil Nebel sich auf wenigen Hundert Metern entscheidet. Eine App, die dir für einen einzelnen Ort eine exakte Nebel-Uhrzeit nennt, verkauft eine Genauigkeit, die es nicht gibt.
Was tun bei Nebel
Kurz und seriös. Maßgeblich sind im Ernstfall immer die aktuellen amtlichen Warnungen und Hinweise des DWD.
- Geschwindigkeit an die Sichtweite anpassen — Faustregel im Verkehr: nicht schneller fahren, als man innerhalb der sichtbaren Strecke anhalten kann.
- Abblendlicht statt Fernlicht (Fernlicht wird im Nebel reflektiert und blendet zurück); Nebelschlussleuchte nur bei Sicht unter 50 Metern — sie blendet sonst den Hintermann.
- Mit plötzlichen dichten Nebelbänken rechnen, besonders in Senken, an Gewässern und im Wald — Abstand halten, nicht am Ende einer Nebelbank abrupt bremsen.
- Bei Nebelwarnung Fahrten in den frühen Morgenstunden wenn möglich verschieben, bis die Sonne den Strahlungsnebel auflöst.
Aktuelle Lage für deinen Ort
Die Startseite zeigt live die DWD-Warnungen — darunter die Nebelwarnung, wenn eine für deinen Ort aktiv ist. Weil Nebel so kleinräumig ist, gilt eine Warnung immer der Region, nicht garantiert deiner Straße.
Quellen
Das Warnkriterium (Sichtweite unter 150 m, überörtlich) und der Umstand, dass Nebel beim DWD nur eine einzige Warnstufe hat, stammen wörtlich aus den amtlichen Warnkriterien des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Tabelle „Kriterien für Wetter- und Unwetterwarnungen“, Wetterelement Nebel:
https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_aktuell/kriterien/warnkriterien.html
Die meteorologische Abgrenzung Nebel/Dunst (Sicht unter bzw. über 1000 m) ist die allgemein gebräuchliche Definition und wird hier nur zur Einordnung genannt — sie ist keine Warnschwelle. Herkunft und Grenzen der auf der Startseite gezeigten Daten stehen unter Methodik & Quellen.