Die vier Arten winterlicher Glätte — sauber getrennt
„Glätte“ ist ein Sammelbegriff für sehr unterschiedlich gefährliche Phänomene. Wer sie verwechselt, unterschätzt die gefährlichste. Der Reihe nach:
- Reif
- Wasserdampf gefriert direkt zu feinen Eiskristallen auf kalten Oberflächen — die dünne weiße Schicht auf Autoscheiben und Wiesen an klaren Morgen. Auf Gehwegen und Fahrbahnen kann er punktuell glatt machen.
- Überfrierende Nässe
- Vorhandene Nässe (Regen, Schmelzwasser) gefriert, wenn die Temperatur unter null sinkt — die Fahrbahn sieht nur nass aus, ist aber vereist. Tückisch, weil kaum erkennbar.
- Gefrierender Regen / Glatteis
- Unterkühlter Regen fällt und gefriert im Moment des Aufpralls zu einer geschlossenen, spiegelglatten Eisschicht — auf allen Oberflächen gleichzeitig. Die mit Abstand gefährlichste Form (siehe unten).
- Schnee- und Eisglätte
- Festgefahrener Schnee oder gefrorener Schneematsch auf der Fahrbahn — die „normale“ winterliche Glätte, mit der man rechnet.
Warum gefrierender Regen so gefährlich ist
Gefrierender Regen entsteht in einer besonderen Schichtung der Atmosphäre: Schnee fällt aus der Höhe, durchquert eine mildere Luftschicht und schmilzt zu Regen — und fällt dann durch eine bodennahe Kaltluftschicht, ohne wieder zu gefrieren. Er bleibt unterkühlt flüssig und wird erst beim Aufprall auf den kalten Boden schlagartig zu Eis. Das Ergebnis ist eine durchgehende Eisschicht auf Straßen, Wegen, Autos und Ästen — oft binnen Minuten und praktisch ohne Vorwarnung im Straßenbild.
Wie der DWD vor Glätte warnt — die vier Stufen
Der Deutsche Wetterdienst staffelt die Glättewarnung in vier Stufen. Die Kurzbeschreibungen unten stehen wörtlich in der DWD-Kriterientabelle „Glätte/Glatteis“. Beachtenswert: Glätte wird über die Art und Schwere der Beeinträchtigung gestaffelt, nicht über eine Zentimeter- oder Millimeterschwelle — eine solche Zahl nennt der DWD hier nicht, also nennen wir sie auch nicht.
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1 Glätte Stufe 1 · Wetterwarnung (gelb)
„(vereinzelt) Glätte mit Rutschgefahr durch überfrierende Nässe oder Reif“. Die leichte, meist punktuelle Glätte, mit der man im Winter grundsätzlich rechnen sollte.
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2 Markante Glätte Stufe 2 · markante Wetterwarnung (ocker)
„markante Glätte mit starken Verkehrsbehinderungen durch Raueisablagerungen (mit Gefahr von Eisbruch/umstürzenden Bäumen) oder leichten gefrierenden Regen oder Sprühregen oder überfrierende Nässe“.
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3 Glatteis Stufe 3 · Unwetterwarnung (rot)
„Glatteisbildung mit Beeinträchtigungen auf allen Verkehrswegen durch gefrierendem Regen oder in Einzelfallentscheidung auch bei verbreitetem Auftreten von überfrierender Nässe“. Ab hier spricht der DWD von einem Unwetter.
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4 Extremes Glatteis Stufe 4 · extremes Unwetter (violett)
„Bildung extremen Glatteises mit erheblichem Beeinträchtigungen auf allen Verkehrswegen durch gefrierendem Regen mit starkem Eisansatz oder verbreiteten Eisbruch“. Die höchste Stufe — selten, großflächig lahmlegend.
Wörtlaut aus der DWD-Kriterientabelle „Glätte/Glatteis“. Die vier Warnfarben (gelb, ocker, rot, violett) sind die amtliche Kennzeichnung der Stufen 1 bis 4.
Schneefall — die Stufen nach Neuschneemenge
Beim Schneefall staffelt der DWD nach Neuschneemenge je Zeitraum, und die Schwellen unterscheiden sich zwischen Flachland (bis 800 m) und Bergland (über 800 m) — im Bergland ist mehr Neuschnee nötig, um dieselbe Stufe auszulösen. Es folgen die real gelisteten Werte; wir nennen hier die 6-, 12- und 24-Stunden-Schwellen. (Die Kriterientabelle führt zusätzlich 48/72-Stunden-Werte.)
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1 Leichter Schneefall Stufe 1 · Wetterwarnung (gelb)
- Neuschnee
- bis 5 cm in 6 h · bis 10 cm in 12 h · bis 15 cm in 24 h
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2 Schneefall Stufe 2 · markante Wetterwarnung (ocker)
- Flachland
- 5 bis 10 cm in 6 h · 10 bis 15 cm in 12 h · 15 bis 30 cm in 24 h
- Bergland
- 5 bis 20 cm in 6 h · 10 bis 30 cm in 12 h · 15 bis 40 cm in 24 h
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3 Starker Schneefall Stufe 3 · Unwetterwarnung (rot)
- Flachland
- 10 bis 20 cm in 6 h · 15 bis 25 cm in 12 h · 30 bis 40 cm in 24 h
- Bergland
- 20 bis 30 cm in 6 h · 30 bis 50 cm in 12 h · 40 bis 60 cm in 24 h
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4 Extrem starker Schneefall Stufe 4 · extremes Unwetter (violett)
- Flachland
- über 20 cm in 6 h · über 25 cm in 12 h · über 40 cm in 24 h
- Bergland
- über 30 cm in 6 h · über 50 cm in 12 h · über 60 cm in 24 h
Werte wörtlich aus der DWD-Kriterientabelle „Schneefall“ (Flachland bis 800 m, Bergland über 800 m).
Schneeverwehung — wenn Wind den Schnee gefährlich macht
Nicht die Schneemenge allein zählt: Lockerer Neuschnee plus Wind ergibt Verwehungen, die Straßen in Minuten unpassierbar machen und die Sicht auf null drücken. Der DWD kombiniert hier Schneemenge und Windstärke (in Beaufort, Bft).
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2 Schneeverwehung Stufe 2 · markante Wetterwarnung (ocker)
- Kriterium
- Neuschnee oder lockere Schneedecke 5–10 cm und wiederholt Böen 6 oder 7 Bft
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3 Starke Schneeverwehung Stufe 3 · Unwetterwarnung (rot)
- Kriterium
- Neuschnee oder lockere Schneedecke über 10 cm und wiederholt Böen ab 8 Bft
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4 Extreme Schneeverwehung Stufe 4 · extremes Unwetter (violett)
- Kriterium
- Neuschnee oder lockere Schneedecke über 25 cm und wiederholt Böen ab 8 Bft
Werte wörtlich aus der DWD-Kriterientabelle „Schneeverwehung“. Eine Stufe 1 für Schneeverwehung ist dort nicht gelistet — deshalb beginnt die Staffel hier bei Stufe 2.
Zur Abgrenzung: Frost, Reif und überfrierende Nässe
Der DWD hat neben der Glätte auch ein eigenes Warnelement Frost — das warnt vor der Temperatur, nicht vor der Glätte. Beides hängt zusammen, ist aber nicht dasselbe: Frost ermöglicht Glätte, erzeugt sie aber nicht zwingend.
- Frost (Stufe 1)
- „verbreitet Lufttemperatur unter dem Gefrierpunkt in Lagen bis 800 m“.
- Strenger Frost (Stufe 2)
- „überörtlich oder anhaltend Lufttemperatur kleiner minus 10 Grad in Lagen bis 800 m“.
Reif und überfrierende Nässe sind dagegen Glätte-Phänomene und stehen im Kriterium der Glätte-Stufe 1 (siehe oben) — nicht beim Frost.
Wie gut vorhersagbar? Ehrlich: Glatteis ist der harte Fall
Großräumige Schneefall-Lagen sind vergleichsweise gut vorhersagbar: Dass eine Front mit Schnee heranzieht, sieht man oft ein bis zwei Tage vorher — die genaue Schneemenge und wo die Grenze zwischen Schnee und Regen liegt, bleibt allerdings unsicher, weil schon ein Grad Temperatur darüber entscheidet.
Glatteis durch gefrierenden Regen ist der schwierigste Fall überhaupt — und zugleich der gefährlichste. Es setzt die oben gezeigte, sehr spezielle Schichtung voraus: eine warme Zwischenschicht über bodennaher Kaltluft, punktgenau am richtigen Ort und in der richtigen Dicke. Ob der Regen wenige Meter über dem Boden noch gefriert oder als normaler Regen ankommt, hängt an Bruchteilen eines Grades. Diese Feinheit liegt am Rand dessen, was Modelle auflösen — und deshalb kann Glatteis lokal überraschen, während 20 Kilometer weiter nur harmloser Regen fällt.
Kurz gesagt
Schneefall der Fläche nach: ein bis zwei Tage vorher grob abschätzbar, Menge und Schneegrenze unsicher. Glatteis durch gefrierenden Regen: eine der gefährlichsten Lagen und zugleich am schwersten punktgenau vorherzusagen — hier zählt die aktuelle Warnung mehr als jede Tagesprognose.
Was tun bei Glätte und Schnee
Kurz und seriös. Maßgeblich sind im Ernstfall immer die aktuellen amtlichen Warnungen und Hinweise des DWD.
- Bei Glatteiswarnung (Stufe 3/4) Fahrten wenn irgend möglich verschieben — auf spiegelglattem Eis helfen auch Winterreifen kaum, das Auto ist schlicht nicht mehr steuerbar.
- Auf „nur nass“ aussehende Fahrbahnen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt misstrauisch reagieren — das kann überfrierende Nässe sein. Brücken und Waldschneisen frieren zuerst.
- Als Fußgänger festes, profiliertes Schuhwerk; bei Glatteis Nebenwege und ungestreute Flächen meiden.
- Vor der Fahrt Warnungen und aktuelle Lage prüfen, nicht die Tagesvorhersage von vorgestern — gerade Glatteis entsteht kurzfristig.
Aktuelle Lage für deinen Ort
Die Startseite zeigt live die DWD-Warnungen für deine Region — darunter Glätte-, Schneefall- und Frostwarnungen, sobald eine aktiv ist.
Quellen
Alle Warnschwellen (cm, Bft, °C) und Stufenbeschreibungen stammen wörtlich aus den amtlichen Warnkriterien des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Tabellen „Kriterien für Wetter- und Unwetterwarnungen“ für die Wetterelemente Glätte/Glatteis, Schneefall, Schneeverwehung und Frost:
https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_aktuell/kriterien/warnkriterien.html
Die vier Warnfarben (gelb, ocker, rot, violett) und die Stufennamen sind der amtlichen Benennung derselben DWD-Seite entnommen. Herkunft und Grenzen der auf der Startseite gezeigten Daten stehen unter Methodik & Quellen.