Zuerst das Wichtigste: Der DWD warnt nicht vor Flusshochwasser
Wer warnt wovor
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor dem Niederschlag — Starkregen und Dauerregen, also davor, dass viel Wasser vom Himmel fällt. Er warnt nicht vor dem Wasserstand eines Flusses.
Den amtlichen Hochwasser-Warndienst — also die Warnung vor steigenden Flusspegeln — machen die Bundesländer mit ihren Hochwassernachrichtenzentralen (HND), gebündelt im länderübergreifenden Hochwasserportal. Wer wissen will, ob ein konkreter Fluss über die Ufer tritt, schaut dorthin und auf die Live-Pegel — nicht in eine Wetter-App.
Diese Seite erklärt die Wetterseite des Problems (den Regen, den der DWD misst und vorhersagt) und verweist für die Pegelseite ehrlich an die zuständigen Stellen.
Flusshochwasser und Sturzflut — zwei verschiedene Gefahren
Flusshochwasser entsteht über Stunden bis Tage: Anhaltender Dauerregen (oft zusammen mit Schneeschmelze) füllt ein ganzes Einzugsgebiet, das Wasser sammelt sich in den Flüssen, der Pegel steigt langsam und meist vorhersehbar. Man sieht es kommen — genau deshalb funktioniert hier ein Pegel-Warndienst.
Wie die amtlichen Schwellen für Stark- und Dauerregen im Einzelnen aussehen, wie selten eine Menge an einem bestimmten Ort wirklich ist (KOSTRA-DWD-2020) und warum das Radar die Menge nur schätzt, steht auf der eigenen Seite Starkregen.
Die Sturzflut (auch urbane Sturzflut) ist das Gegenteil: extremer Starkregen entlädt in kurzer Zeit gewaltige Wassermengen auf eine kleine Fläche. Der Boden und die Kanalisation können das nicht schlucken, das Wasser schießt oberflächlich ab — Straßen werden zu Flüssen, Unterführungen und Keller laufen in Minuten voll. Eine Sturzflut braucht keinen Fluss in der Nähe; sie trifft auch Höhenlagen und Ortschaften abseits jedes Gewässers. Sie ist die unmittelbare Folge der Regenmengen, die der DWD in seinen Starkregen-Stufen beschreibt.
Wie der DWD vor Starkregen warnt — die Stufen
Beim Starkregen geht es um viel Wasser in kurzer Zeit — die Ursache von Sturzfluten. Der DWD staffelt nach Regenmenge in Litern je Quadratmeter (l/m²) für 1 Stunde und 6 Stunden. Es folgen die real gelisteten Werte. Eine gelbe Stufe 1 für Starkregen ist in der Kriterientabelle nicht als eigene Zahl geführt — die Staffel beginnt bei Stufe 2.
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2 Starkregen Stufe 2 · markante Wetterwarnung (ocker)
- Regenmenge
- 15 bis 25 l/m² in 1 Stunde · 20 bis 35 l/m² in 6 Stunden
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3 Heftiger Starkregen Stufe 3 · Unwetterwarnung (rot)
- Regenmenge
- 25 bis 40 l/m² in 1 Stunde · 35 bis 60 l/m² in 6 Stunden
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4 Extrem heftiger Starkregen Stufe 4 · extremes Unwetter (violett)
- Regenmenge
- über 40 l/m² in 1 Stunde · über 60 l/m² in 6 Stunden
Werte wörtlich aus der DWD-Kriterientabelle „Starkregen“. Der DWD listet für Starkregen die Zeiträume 1 Stunde und 6 Stunden — keinen 24-Stunden-Wert. Für länger anhaltenden Regen gilt stattdessen das eigene Element „Dauerregen“.
Dauerregen — die Stufen für langanhaltenden Regen
Der Dauerregen ist die typische Zutat zum Flusshochwasser: nicht extrem in der Spitze, aber lange und flächig, bis ein ganzes Einzugsgebiet gesättigt ist. Der DWD staffelt hier nach Regenmenge in 12 Stunden und 24 Stunden.
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2 Dauerregen Stufe 2 · markante Wetterwarnung (ocker)
- Regenmenge
- 25 bis 40 l/m² in 12 Stunden · 30 bis 50 l/m² in 24 Stunden
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3 Ergiebiger Dauerregen Stufe 3 · Unwetterwarnung (rot)
- Regenmenge
- 40 bis 70 l/m² in 12 Stunden · 50 bis 80 l/m² in 24 Stunden
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4 Extrem ergiebiger Dauerregen Stufe 4 · extremes Unwetter (violett)
- Regenmenge
- über 70 l/m² in 12 Stunden · über 80 l/m² in 24 Stunden
Werte wörtlich aus der DWD-Kriterientabelle „Dauerregen“.
Wie gut vorhersagbar? Ehrlich: sehr unterschiedlich
Dauerregen und Flusshochwasser gehören zu den besser vorhersagbaren Lagen: großflächiger, langsamer Regen ist mehrere Tage im Voraus rechenbar, und weil sich Wasser im Einzugsgebiet erst sammeln muss, geben die steigenden Pegel zusätzlich Vorlauf. Deshalb funktioniert der länderbasierte Hochwasser-Warndienst hier gut — er stützt sich auf Messpegel flussaufwärts, nicht nur auf die Wettervorhersage.
Starkregen und Sturzflut sind der schwierige Fall — aus denselben Gründen wie beim Gewitter. Die heißesten Zellen sind wenige Kilometer breit und leben kurz; ob ein Tag starkregengefährdet ist, lässt sich ein bis zwei Tage vorher grob abschätzen, wo genau die 40 Liter fallen aber erst im Nowcast der letzten Stunden. Eine punktgenaue Sturzflut-Prognose für einen einzelnen Ort drei Tage im Voraus gibt es nicht — wer sie anzeigt, verkauft Scheingenauigkeit.
Kurz gesagt
Fluss und Dauerregen: gut vorhersehbar, mit Vorlauf über die Pegel — zuständig sind die Länder. Starkregen und Sturzflut: das „Ob“ grob vorher, das „Wo genau“ erst im Nowcast — hier hilft das Regenradar der Startseite mehr als jede Tagesprognose.
Was tun — und wo die richtigen Zahlen stehen
Kurz und seriös. Maßgeblich sind im Ernstfall immer die aktuellen amtlichen Warnungen: die DWD-Regenwarnungen und, für die Flusspegel, die Hochwasserzentralen der Länder.
- Bei Starkregenwarnung Unterführungen, Senken, Tiefgaragen und Bachläufe meiden — sie laufen in Minuten voll. Niemals in überflutete Unterführungen oder durch fließendes Wasser fahren.
- Bei Flusshochwasser-Gefahr die Pegel des zuständigen Landes verfolgen und Kellerwerte/Fahrzeuge rechtzeitig in Sicherheit bringen — hier gibt es Vorlauf, den man nutzen sollte.
- Regenradar und Nowcast beobachten, wenn Starkregenzellen in der Nähe sind — das zeigt die kurzfristige Zugbahn besser als jede Tagesvorhersage.
- Die genaue Pegel-Zahl für einen Fluss immer bei der amtlichen Quelle nachsehen (siehe Kasten), nicht in einer allgemeinen Wetter-App.
Aktuelle Lage für deinen Ort
Die Startseite zeigt live die DWD-Warnungen (darunter Starkregen und Dauerregen), den Nowcast und das Regenradar — also genau die Wetterseite des Problems.
Die Flusspegel kommen von PEGELONLINE (Wasserstand und Abfluss). Die amtliche Hochwasser-Lage führen die Länder im länderübergreifenden Hochwasserportal — die Quellen dazu stehen unten und unter Methodik & Quellen.
Quellen
Die Warnschwellen (l/m²) für Starkregen (1 h/6 h) und Dauerregen (12 h/24 h) stammen wörtlich aus den amtlichen Warnkriterien des Deutschen Wetterdienstes (DWD):
https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_aktuell/kriterien/warnkriterien.html
Den amtlichen Hochwasser-Warndienst der Länder bündelt das länderübergreifende Hochwasserportal: https://www.hochwasserzentralen.de/
Live-Flusspegel (Wasserstand, Abfluss) liefert PEGELONLINE der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes: https://www.pegelonline.wsv.de/
Den modellierten Abfluss derselben Größe — gerechnet statt gemessen, aus dem GloFAS-Raster — und seine Grenzen zeigt Flussabfluss für deinen Ort.
Bewusst keine Pegel- oder Meldestufen-Zahl auf dieser Seite: Hochwasser-Meldestufen sind pegel- und landesspezifisch und stehen nicht in den DWD-Kriterien — die richtige, aktuelle Zahl steht immer bei der zuständigen Hochwasserzentrale. Herkunft und Grenzen der auf der Startseite gezeigten Daten stehen unter Methodik & Quellen.