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Wissen · Luftqualität

Luftqualität

Das „Arsenal“ der Startseite zeigt einen Luftqualitätsindex, Feinstaub, Ozon und Stickstoffdioxid. Diese Seite erklärt, was diese Werte bedeuten, woher die Stoffe kommen und wie sie wirken — und nennt getrennt die geltenden EU-Grenzwerte und die strengeren WHO-Leitwerte. Und im Geist der ganzen Seite: sie sagt ehrlich dazu, dass die angezeigten Zahlen aus einem Modell stammen, nicht aus einer amtlichen Messung.

Was die Startseite zeigt — und was es nicht ist

Im Arsenal steht der Block „Luftqualität und Pollen“. Er nennt vier Luftwerte: den Luftqualitätsindex (EU), Feinstaub PM10 und PM2,5 sowie Ozon — Feinstaub und Ozon in Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³). Dazu kommen die Pollenwerte, um die es hier nicht geht.

Diese Zahlen kommen von der Air-Quality-Schnittstelle von Open-Meteo, und die speist sich aus dem europäischen Vorhersagemodell CAMS (Copernicus Atmosphere Monitoring Service). Das ist wichtig: Es ist eine Modellrechnung auf einem Raster, keine amtliche Immissionsmessung. Eine echte Messung stünde an einer festen Messstation — in Deutschland etwa im Messnetz des Umweltbundesamts und der Länder. Die Startseite fragt keine solche Station ab, sondern ein Modell, das für deinen Ort einen Wert rechnet. Deshalb gilt hier dieselbe Regel wie für das Wetter: eine Modellrechnung ist keine Messung, und die Seite gibt sie auch nicht als solche aus. Wie und woher genau, steht unter Methodik & Quellen.

Kurz gesagt

Die Luftwerte im Arsenal sind eine Vorhersage/Analyse aus einem Modell, keine gemessene Immission. Als grobe Orientierung taugen sie gut; für eine amtliche Aussage „Grenzwert überschritten“ zählt allein die Messung an einer offiziellen Station.

Der Luftqualitätsindex

Ein Luftqualitätsindex (englisch Air Quality Index, AQI) fasst mehrere Schadstoffe in einer einzigen, farbcodierten Kennzahl zusammen — von „gut“ bis „extrem schlecht“. Die Startseite nutzt den europäischen Luftqualitätsindex der Europäischen Umweltagentur (EEA). Er wird aus den Werten für Feinstaub (PM2,5 und PM10), Ozon, Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid gebildet; der jeweils schlechteste Einzelwert bestimmt die Gesamtstufe. Ein einziger hoher Schadstoff zieht den Index also nach unten, auch wenn die anderen unauffällig sind.

Die sechs Stufen des europäischen Luftqualitätsindex mit ihren Zahlenbereichen: 0 bis 20 gut, 20 bis 40 mäßig, 40 bis 60 mittel, 60 bis 80 schlecht, 80 bis 100 sehr schlecht, über 100 extrem schlecht. 0 20 40 60 80 100 gut mäßig mittel schlecht sehr schlecht extrem schlecht
Die sechs Stufen des europäischen Luftqualitätsindex (0–20 gut bis über 100 extrem schlecht) in den amtlichen EEA-Indexfarben. Schematisch — die Farbbalken sind gleich breit gezeichnet, nicht maßstabsgetreu.

Es gibt mehrere AQI-Systeme — etwa das europäische und das US-amerikanische — mit unterschiedlichen Stufen und Schwellen. Dieselbe Luft bekommt je nach System eine andere Indexzahl. Deshalb zählt immer, welcher Index gemeint ist; die Startseite nennt ihn ausdrücklich „(EU)“. Mehr im Glossar.

Feinstaub: PM2,5 und PM10

Feinstaub sind winzige, in der Luft schwebende Teilchen. Die Zahl gibt die Größe an: PM10 sind Teilchen bis 10 Mikrometer Durchmesser (ein Hundertstel Millimeter), PM2,5 die noch feineren bis 2,5 Mikrometer. „PM“ steht für das englische particulate matter, also „partikelförmiger Stoff“. Zum Vergleich: ein menschliches Haar ist rund 50 bis 70 Mikrometer dick — PM2,5 ist also etwa zwanzig- bis dreißigmal dünner.

Größenvergleich: ein menschliches Haar mit etwa 50 bis 70 Mikrometer Durchmesser, daneben ein PM10-Teilchen bis 10 Mikrometer und ein sehr kleines PM2,5-Teilchen bis 2,5 Mikrometer. Menschliches Haar rund 50–70 µm PM10 bis 10 µm PM2,5 bis 2,5 µm schematisch — die Kreise zeigen die Größenordnung, nicht die exakten Maße
Größenvergleich von Feinstaub. Je kleiner die Teilchen, desto tiefer dringen sie in die Atemwege ein. Bewusst schematisch, nicht maßstabsgetreu.

Woher er kommt: Feinstaub entsteht bei jeder Verbrennung — Verkehr (Motoren, Abrieb von Reifen und Bremsen), Heizungen und Holzöfen, Industrie, Landwirtschaft — und wird auch aufgewirbelt oder bildet sich erst in der Luft aus anderen Gasen. Wie er wirkt: Je kleiner die Teilchen, desto tiefer gelangen sie in die Lunge; die feinsten (PM2,5) bis in die Lungenbläschen und den Blutkreislauf. Feinstaub gilt deshalb als besonders gesundheitsrelevant und ist mit Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verknüpft. Gemessen wird die Konzentration in Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³).

Nicht aller Feinstaub ist menschengemacht: Fünf- bis fünfzehnmal im Jahr kommt Wüstenstaub aus der Sahara bis nach Deutschland und kann die PM10-Werte kurzzeitig vervielfachen — solche Tage zählen bei den erlaubten Überschreitungstagen rechtlich nicht mit. Woher er kommt und wie groß sein Anteil gerade ist, steht auf Saharastaub.

Bodennahes Ozon (O₃)

Ozon ist ein Gas aus drei Sauerstoffatomen (O₃). In großer Höhe bildet es die schützende Ozonschicht, die UV-Strahlung abschirmt — bodennahes Ozon dagegen ist ein Schadstoff. Woher es kommt: Es wird nicht direkt ausgestoßen, sondern entsteht erst in der Luft, wenn Sonnenlicht auf Vorläuferstoffe aus Abgasen (Stickoxide, flüchtige organische Verbindungen) trifft. Deshalb sind die Ozonwerte an heißen, sonnigen Sommernachmittagen am höchsten — man spricht dann von Sommersmog.

Mit dem Ozonloch hat das Sommersmog-Ozon nichts zu tun: Es bleibt in den unteren Kilometern und wird binnen Tagen bis weniger Wochen wieder abgebaut, füllt die ausgedünnte Ozonschicht in 15 bis 35 km Höhe also nicht auf. Wie diese Schicht funktioniert und warum sie über der Antarktis jedes Jahr ausdünnt, steht auf Ozonschicht & Ozonloch.

Wie es wirkt: Bei hoher Konzentration reizt Ozon Augen und Atemwege, kann Husten und Kopfschmerzen auslösen und die Lungenfunktion mindern; besonders betroffen sind Kinder, ältere und empfindliche Menschen sowie körperlich Aktive im Freien. Wie das Zusammenspiel von Hitze und Sommersmog zustande kommt, steht auf der Smog-Seite.

Stickstoffdioxid (NO₂)

Stickstoffdioxid ist ein rotbraunes, stechend riechendes Reizgas. Woher es kommt: vor allem aus Verbrennung bei hohen Temperaturen — Kraftfahrzeuge (besonders Diesel), Kraft- und Heizwerke, Industrie. In Städten ist der Verkehr die wichtigste Quelle, weshalb die höchsten NO₂-Werte typischerweise an stark befahrenen Straßen auftreten. Wie es wirkt: NO₂ reizt die Atemwege, kann Entzündungen fördern und die Lungenfunktion beeinträchtigen; es ist zugleich ein Vorläuferstoff für bodennahes Ozon und für Feinstaub. Gemessen wird auch NO₂ in Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³). Das Arsenal der Startseite ruft NO₂ mit ab; prominent angezeigt werden dort Index, Feinstaub und Ozon.

Grenzwerte und Leitwerte: EU-Recht neben WHO-Empfehlung

Zwei Dinge muss man auseinanderhalten. EU-Grenz- und Schwellenwerte sind geltendes Recht (EU-Luftqualitätsrichtlinie 2008/50/EG); ihre Einhaltung wird an amtlichen Messstationen überprüft. Die WHO-Leitwerte von 2021 sind dagegen eine gesundheitsbasierte Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation — nicht rechtsverbindlich, aber wissenschaftlich als das einzustufen, was aus gesundheitlicher Sicht anzustreben wäre. Die WHO-Leitwerte sind durchweg deutlich schärfer als die geltenden EU-Grenzwerte.

EU 2008/50/EG geltendes Recht — verbindliche Grenzwerte und Schwellen WHO 2021 Empfehlung — gesundheitsbasierte Leitwerte, nicht rechtsverbindlich
Schadstoff · Bezugszeit EU 2008/50/EG WHO 2021
PM2,5 · Jahresmittel25 µg/m³5 µg/m³
PM2,5 · Tagesmittel (24 h)–15 µg/m³
PM10 · Tagesmittel (24 h)50 µg/m³, höchstens 35 ×/Jahr45 µg/m³
PM10 · Jahresmittel40 µg/m³15 µg/m³
NO₂ · 1-Stunden-Mittel200 µg/m³, höchstens 18 ×/Jahr–
NO₂ · Tagesmittel (24 h)–25 µg/m³
NO₂ · Jahresmittel40 µg/m³10 µg/m³
O₃ · höchstes 8-Stunden-Mittel/TagZielwert 120 µg/m³ (höchstens 25 Tage/Jahr, 3-Jahres-Mittel)100 µg/m³
O₃ · Spitzensaison-Mittel–60 µg/m³
O₃ · 1-Stunden-Mittel, Informationsschwelle180 µg/m³–
O₃ · 1-Stunden-Mittel, Alarmschwelle240 µg/m³–

„–“ heißt: für diese Bezugszeit ist im jeweiligen Regelwerk kein eigener Wert festgelegt. Die WHO nennt für NO₂ keinen Stundenwert; die EU keinen PM2,5-Tageswert. Die Werte sind Grenz-, Ziel- bzw. Schwellenwerte im jeweiligen Sinn des Regelwerks — die genauen rechtlichen Definitionen (Grenzwert, Zielwert, Schwelle) stehen in den Originalquellen unten.

Hinweis: Das EU-Recht wird ab Ende 2026 abgelöst

Die hier genannten EU-Werte sind die der seit 2008 geltenden Richtlinie 2008/50/EG. Ende 2024 hat die EU eine überarbeitete Luftqualitätsrichtlinie beschlossen (Richtlinie (EU) 2024/2881), die 2008/50/EG zum 12. Dezember 2026 ablöst und spätestens ab 2030 deutlich strengere, an die WHO angenäherte Grenzwerte vorsieht (etwa PM2,5 im Jahresmittel von 25 auf 10 µg/m³, NO₂ von 40 auf 20 µg/m³). Maßgeblich ist bis dahin die hier aufgeführte Richtlinie 2008/50/EG.

Warum die Startseite keine Grenzwertüberschreitung meldet

Die EU-Grenzwerte gelten für gemessene Werte an amtlichen Stationen, nach festgelegten Verfahren und Mittelungszeiten (Jahresmittel, Tagesmittel, gezählte Überschreitungstage). Die Startseite zeigt dagegen einen Modellwert für den Moment an deinem Ort. Damit lässt sich eine Größenordnung einordnen („ist der Wert hoch oder niedrig?“), aber keine amtliche Aussage treffen, ob ein Grenzwert überschritten ist. Genau das ist der Grund, warum diese Seite die Zahlen als Orientierung zeigt und nicht als behördliche Feststellung ausgibt. Verbindliche Messwerte und Warnungen liefern die Umweltbehörden (in Deutschland Umweltbundesamt und Länder).

Aktuelle Werte für deinen Ort

Die Startseite zeigt im Arsenal live den Luftqualitätsindex, Feinstaub und Ozon für den gewählten Ort — als Modellwert, klar so benannt. Wie Hitze und Sommersmog zusammenhängen, steht auf der Smog-Seite.

Quellen

Die EU-Grenz- und Schwellenwerte (PM10, PM2,5, NO₂, Ozon inkl. Informationsschwelle 180 µg/m³ und Alarmschwelle 240 µg/m³ als 1-Stunden-Mittel) stammen aus der EU-Luftqualitätsrichtlinie 2008/50/EG und der Übersicht der Europäischen Kommission:

https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2008/50/oj/eng
https://environment.ec.europa.eu/topics/air/air-quality/eu-air-quality-standards_en

Der Hinweis auf die ablösende Richtlinie (EU) 2024/2881 (in Kraft seit Dezember 2024, ersetzt 2008/50/EG zum 12. Dezember 2026, strengere Grenzwerte ab 2030): https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2024/2881/oj

Die WHO-Luftgüteleitwerte von 2021 (PM2,5 Jahr 5, 24 h 15; PM10 Jahr 15, 24 h 45; NO₂ Jahr 10, 24 h 25; O₃ 8 h 100, Spitzensaison 60 µg/m³) stammen aus den WHO global air quality guidelines 2021: https://iris.who.int/handle/10665/345329

Der europäische Luftqualitätsindex mit seinen sechs Stufen und Indexfarben ist der Europäischen Umweltagentur (EEA) entnommen. Die Live-Werte der Startseite stammen aus dem CAMS-Modell über Open-Meteo — eine Modellvorhersage, keine amtliche Messung; Herkunft und Grenzen stehen unter Methodik & Quellen.