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Wissen · Atmosphäre

Ozonschicht & Ozonloch

Hoch über dem Wetter schluckt eine dünne Schicht Ozon den größten Teil der UV-Strahlung, die Sonnenbrand und Hautkrebs auslösen kann. Menschengemachte Gase haben sie ausgedünnt; über der Antarktis reißt seit Jahrzehnten jedes Jahr im Frühling der Südhalbkugel ein Ozonloch auf. Diese Seite erklärt, wie es entsteht, warum es im Süden liegt, was das Montreal-Protokoll erreicht hat und wann die Erholung erwartet wird. Es ist eine der wenigen echten Erfolgsgeschichten der Umweltpolitik — und gerade deshalb steht hier auch, wo sie Lücken hat.

Gutes Ozon oben, schlechtes Ozon unten

Ozon ist ein Molekül aus drei Sauerstoffatomen (O₃). Rund 90 % davon befinden sich in der Stratosphäre, grob zwischen 15 und 35 km Höhe — das ist die Ozonschicht. Sie schluckt zusammen mit dem gewöhnlichen Sauerstoff die energiereichste UV-C-Strahlung der Sonne vollständig und den größten Teil der UV-B-Strahlung, die Sonnenbrand verursacht und das Hautkrebsrisiko erhöht. Was davon am Boden ankommt, beschreibt der UV-Index.

Skizze der Ozonverteilung mit der Höhe: Der größte Teil des Ozons liegt in der Stratosphäre zwischen etwa 15 und 35 km Höhe, die Konzentration ist dort um 20 bis 25 km am höchsten. Der kurzwellige, energiereichste Teil der UV-Strahlung (UV-C ganz, UV-B größtenteils) wird in dieser Schicht geschluckt; UV-A kommt weitgehend bis zum Boden durch. Am Boden gibt es eine kleine, davon getrennte Ozonmenge: das bodennahe Ozon des Sommersmogs. 0 km 10 20 30 40 50 UV-C und UV-B UV-A Ozonschicht rund 90 % des Ozons Stratosphäre Tropopause Troposphäre: hier ist Wetter bodennahes Ozon (Sommersmog) mehr Ozon →
Skizze, keine Messung. Die blaue Linie zeigt schematisch, wie sich das Ozon mit der Höhe verteilt; die kurzen Pfeile stehen für UV-C und UV-B, die in der Ozonschicht ganz bzw. größtenteils geschluckt werden; der gestrichelte Pfeil rechts für UV-A, das die Ozonschicht kaum aufhält und den größten Teil der UV-Strahlung am Boden ausmacht. Ein Rest UV-B kommt ebenfalls durch, er löst den Sonnenbrand aus. Die Tropopause, die Grenze zwischen Wetterschicht und Stratosphäre, liegt je nach geographischer Breite und Wetter in unterschiedlicher Höhe; über den Polen tiefer, über den Tropen höher. Das bodennahe Ozon ist übertrieben groß gezeichnet, damit man es sieht.

Am Boden ist dasselbe Molekül ein Schadstoff. Bodennahes Ozon entsteht an heißen, sonnigen Tagen aus Abgasen, reizt Augen und Atemwege und wird als Sommersmog gemessen; die Grenz- und Schwellenwerte stehen auf Luftqualität und Smog. Oft wird gefragt, ob dieses Ozon nicht nach oben steigen und das Loch auffüllen könnte. Nein: Es wird in den unteren Kilometern innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen wieder abgebaut, und der Austausch läuft überwiegend in die andere Richtung, aus der Stratosphäre nach unten. Oben und unten sind zwei getrennte Probleme, die nur das Molekül gemeinsam haben.

Wie man Ozon zählt: die Dobson-Einheit

Wie viel Ozon über einem Ort steht, wird in Dobson-Einheiten (DU) angegeben, benannt nach dem britischen Physiker und Meteorologen Gordon Dobson, der in den 1920er-Jahren ein Messgerät dafür baute. Man stellt sich vor, alles Ozon der Luftsäule würde bei 0 °C und normalem Luftdruck am Boden zusammengeschoben: 1 DU entspräche dann einer Schicht von 0,01 mm. Im weltweiten Mittel sind es etwa 300 DU, also rund drei Millimeter — so dünn ist der ganze Schutzschild.

Als Ozonloch gilt das Gebiet, in dem die Säule unter 220 DU fällt. Die Grenze ist historisch gewählt: Werte darunter wurden über der Antarktis vor 1979 nicht beobachtet. Ein Loch im wörtlichen Sinn ist es also nicht, sondern eine stark ausgedünnte Stelle, auch wenn Ballonsonden über dem Südpol in manchen Jahren in einzelnen Höhenschichten fast kein Ozon mehr messen.

Wie FCKW das Ozon zerstören

Ozon entsteht in der Stratosphäre laufend neu: Harte UV-Strahlung spaltet Sauerstoffmoleküle, die freien Atome lagern sich an andere Sauerstoffmoleküle an. Zugleich zerfällt Ozon wieder. Diesen Kreislauf hat Sydney Chapman 1930 beschrieben. Solange Bildung und Abbau sich die Waage halten, bleibt die Schicht im Mittel gleich dick.

FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) galten lange als ideale Industriegase: ungiftig, nicht brennbar, chemisch träge. Sie steckten in Kühlschränken, Spraydosen, Schaumstoffen und Reinigungsmitteln. Gerade die Trägheit wurde zum Problem. In der unteren Atmosphäre werden FCKW kaum abgebaut, sie gelangen über Jahre in die Stratosphäre, und erst dort zerlegt die harte UV-Strahlung sie. Dabei wird Chlor frei. Diesen Weg haben Mario Molina und F. Sherwood Rowland 1974 in der Fachzeitschrift Nature beschrieben.

Chlor wirkt als Katalysator: Ein Chloratom zerlegt ein Ozonmolekül, wird im nächsten Schritt wieder frei und kann von vorn anfangen. Erst wenn es in einer trägen „Reservoir“-Verbindung wie Chlorwasserstoff gebunden wird, ist vorerst Schluss. Wie viele Ozonmoleküle ein einzelnes Chloratom bis dahin zerstört, wird unterschiedlich angegeben: Die US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA schreibt von „vielen Tausend“, die US-Umweltbehörde EPA von über 100.000. Die Angaben liegen weit auseinander, weil die Zahl davon abhängt, in welcher Höhe und unter welchen Bedingungen das Chlor unterwegs ist, bevor es gebunden wird. Wir nennen beide, statt uns eine auszusuchen; sicher ist nur die Größenordnung: Tausende und mehr. Brom aus Halonen, früher in Feuerlöschanlagen, zerstört Ozon auf ähnliche Weise.

Dazu kommt die Lebensdauer. Das häufige FCKW-11 bleibt im Mittel rund 50 Jahre in der Atmosphäre, FCKW-12 rund 100 Jahre. Was in den 1980er-Jahren ausgestoßen wurde, wirkt heute noch. Deshalb dauert die Erholung Jahrzehnte, obwohl die Produktion längst fast vollständig eingestellt ist.

Warum das Loch über der Antarktis liegt

Chlor aus FCKW ist überall in der Stratosphäre. Dass es über der Antarktis so heftig wirkt, liegt an den Bedingungen dort oben. Im Südwinter liegt der Pol monatelang im Dunkeln, die Stratosphäre kühlt stark aus, und ein kräftiger Westwindgürtel, der Polarwirbel, schließt die kalte Luft ein (Polarwirbel). Unter etwa −78 °C bilden sich polare Stratosphärenwolken. Ihre auffälligste Form sind die schillernden Perlmuttwolken, die man in hohen Breiten gelegentlich in der Dämmerung sieht.

An der Oberfläche der Wolkenteilchen wird Chlor aus seinen harmlosen Reservoir-Verbindungen gelöst und in eine reaktionsbereite Form gebracht. Im Dunkeln passiert damit noch wenig. Kehrt im Frühjahr die Sonne zurück, spaltet ihr Licht diese Verbindungen, und das freie Chlor zerstört das Ozon binnen Wochen. Das Loch wächst deshalb ab August, erreicht meist zwischen Mitte September und Anfang Oktober seine größte Ausdehnung und schließt sich im November oder Dezember, wenn der Wirbel zerfällt und ozonreichere Luft einströmt.

Im Norden ist der Wirbel im Mittel wärmer und unruhiger. Große Wellen aus der Wetterschicht stören ihn immer wieder, bis hin zur plötzlichen Stratosphärenerwärmung; polare Stratosphärenwolken bilden sich seltener und halten kürzer. Ausnahmen gibt es: Im Frühjahr 2020 war der arktische Wirbel ungewöhnlich kalt und stabil, und über der Arktis wurde so viel Ozon zerstört wie nie zuvor seit Beginn der Messungen — in rund 18 km Höhe nach Ballonmessungen gut 90 % (Wohltmann und Kollegen, 2020). Ob der Klimawandel solche kalten arktischen Winter häufiger macht, ist umstritten: von der Gathen und Kollegen (2021) sehen Hinweise darauf, Polvani und Kollegen (2023) halten mit Verweis auf Klima-Chemie-Modelle dagegen.

Umgekehrt kann auch im Süden das Wetter das Loch klein halten. 2019 störte eine seltene Stratosphärenerwärmung den antarktischen Wirbel; das Loch blieb so klein wie seit 1982 nicht mehr. Die NASA betonte damals ausdrücklich, das liege an den warmen Temperaturen in der Stratosphäre und sei kein Zeichen, dass sich die Ozonschicht plötzlich schneller erhole. Diese Vorsicht gilt für jedes einzelne Jahr, in beide Richtungen.

Eine Entdeckung vom Boden aus

Entdeckt wurde das Ozonloch nicht von einem Satelliten, sondern mit einem Dobson-Messgerät auf der britischen Antarktisstation Halley. Farman, Gardiner und Shanklin vom British Antarctic Survey zeigten 1985 in Nature, dass die Ozonsäule dort im Oktober nur noch etwa zwei Drittel so dick war wie in früheren Jahrzehnten. Ganz allein waren sie nicht: Ungewöhnlich niedrige Werte hatte 1984 auch Shigeru Chubachi von der japanischen Station Syowa auf einer Fachtagung vorgestellt, allerdings nur in einem Tagungsband, der kaum beachtet wurde. Den langjährigen Rückgang und die Verbindung zu den FCKW machten erst Farman und Kollegen bekannt.

Stationen der Ozongeschichte
JahrWas geschah
1881Walter Hartley erklärt, warum das Sonnenspektrum am Boden im kurzwelligen UV abbricht: Ozon in der Atmosphäre schluckt diese Strahlung.
1913Charles Fabry und Henri Buisson messen in Marseille, wie stark Ozon UV-Licht schluckt, und schätzen daraus erstmals ab, wie viel Ozon über ihnen steht: zusammengeschoben nur wenige Millimeter.
1920erGordon Dobson misst die Ozonsäule regelmäßig; nach ihm ist die Einheit benannt.
1930Sydney Chapman erklärt, wie Ozon aus Sauerstoff und UV-Licht entsteht und wieder zerfällt.
1974Molina und Rowland warnen: FCKW setzen in der Stratosphäre Chlor frei, das Ozon zerstört.
1985Farman, Gardiner und Shanklin veröffentlichen die Ozonverluste über Halley.
1987Das Montreal-Protokoll wird am 16. September unterzeichnet, in Kraft seit 1. Januar 1989.
1991Deutschland erlässt die FCKW-Halon-Verbots-Verordnung.
1995Chemie-Nobelpreis für Paul Crutzen, Mario Molina und F. Sherwood Rowland für ihre Arbeiten zur Bildung und zum Abbau von Ozon.
um 2000Die ozonzerstörenden Stoffe über der Antarktis erreichen ihr Maximum. Im September 2000 misst die NASA das größte Loch an einem einzelnen Tag (29,9 Mio. km²), 2006 das größte im Mittel der Saison.
2016Die Kigali-Änderung des Montreal-Protokolls begrenzt die Ersatzstoffe HFKW, aus Klimagründen.
2019Kleinstes Loch seit 1982 — wegen einer Stratosphärenerwärmung.
2020Rekord-Ozonverlust über der Arktis im Frühjahr.

Die Geschichte vom Satelliten, der die Daten wegwarf

Oft wird erzählt, ein NASA-Satellit habe das Loch längst gemessen, ein Computer habe die niedrigen Werte aber als Ausreißer aussortiert. So stimmt das nicht. Nach der Darstellung der beteiligten NASA-Forscher (Bhartia und McPeters, 2018) wurden die Werte nicht verworfen, sondern als verdächtig markiert und geprüft. Verglichen wurde mit der Dobson-Station am Südpol, und die zeigte um 300 DU, also normale Werte. Ein Messfehler des Satelliten galt deshalb als wahrscheinlicher. Später stellte sich heraus, dass ausgerechnet diese Bodenwerte falsch waren und sich nicht mehr korrigieren ließen. Erst mit den Halley-Daten war klar, dass der Satellit recht hatte.

Die Lehre ist unbequemer als der Mythos: Wer eine Messung sieht, die allem Bisherigen widerspricht, muss sie prüfen — und darf sich dabei auch irren. Nicht nur das neue Gerät kann falsch liegen, auch die Referenz, an der man es prüft. Dass es Monate dauerte, war kein Versagen, sondern der Preis sauberer Prüfung. Genau so behandelt diese Seite ihre eigenen Zahlen (Fehlerprotokoll).

Was das Montreal-Protokoll erreicht hat

Das Montreal-Protokoll von 1987 wurde mehrfach verschärft, unter anderem 1990 in London und 1992 in Kopenhagen. Die Industrieländer stiegen bis 1996 aus der FCKW-Produktion aus, die Entwicklungsländer bis 2010. Es gehört zu den ersten Verträgen der Vereinten Nationen, die alle Staaten der Welt ratifiziert haben. Laut UN-Umweltprogramm UNEP sind inzwischen rund 99 % der ozonzerstörenden Stoffe aus dem Verkehr gezogen. Deutschland verbot FCKW mit der FCKW-Halon-Verbots-Verordnung von 1991 schrittweise und war Ende 1994 aus den vollhalogenierten FCKW ausgestiegen. Dass selbst Hersteller mitzogen, hatte mit den Messungen zu tun: Im März 1988, kurz nach einem internationalen Bericht zu den Ozontrends, kündigte der große Hersteller DuPont an, seine FCKW-Produktion ganz einzustellen.

Die Wirkung ist messbar. Seit dem Höhepunkt um das Jahr 2000 gehen die ozonzerstörenden Stoffe über der Antarktis zurück, aber langsam: Nach dem Index der NOAA war 2023 gut ein Viertel des Weges vom Höchststand zurück zum Stand von 1980 geschafft (27 %). Wann die Ozonschicht wieder so dick ist wie 1980, haben Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und UNEP in ihrem großen Sachstandsbericht von 2022 mit Modellen abgeschätzt:

Erwartete Rückkehr der Ozonsäule zu den Werten von 1980 (Modellrechnung, WMO/UNEP-Bericht 2022)
Regionetwa im Jahr
Mittel über 60° S bis 60° N (dazu gehört Deutschland)2040
Arktis2045
Antarktis2066

Drei Dinge gehören zu diesen Jahreszahlen dazu. Erstens: 1980 ist ein Vergleichsjahr, kein Urzustand; es wurde gewählt, weil der starke Ozonabbau erst danach deutlich wurde. Zweitens: Es sind Modellwerte mit Spielraum, und sie hängen davon ab, wie viele Treibhausgase die Menschheit noch ausstößt. In Szenarien mit mehr Treibhausgasen kehrt das Ozon in den Modellen außerhalb der Tropen sogar früher zurück, weil Treibhausgase die obere Stratosphäre abkühlen und die Luftzirkulation dort verändern. In der oberen Stratosphäre, oberhalb von etwa 35 km, bremst Kälte die Abbaureaktionen — anders als in der unteren Stratosphäre über den Polen, wo Kälte über die Stratosphärenwolken den Abbau erst möglich macht. In den Tropen dagegen trägt die stärkere Zirkulation Ozon aus der unteren Stratosphäre fort; dort bleibt die Säule in Szenarien mit viel Treibhausgas laut Bericht bis 2100 unter den Werten von 1980. Das ist alles keine gute Nachricht, sondern zeigt nur, wie verwoben beide Probleme sind. Drittens: Der nächste Bericht ist für Ende 2026 angekündigt; die Jahreszahlen können sich dann verschieben.

Zwei Probleme, aber verbunden: Ozonloch und Klimawandel

Eine verbreitete Verwechslung lautet, durch das Ozonloch komme mehr Wärme herein und deshalb werde es wärmer. Das stimmt nicht. Die Erderwärmung kommt von Treibhausgasen (Treibhauseffekt); der Ozonabbau selbst trägt nach den Sachstandsberichten wenig dazu bei und wirkt am Boden eher leicht kühlend. Und doch hängen beide Probleme eng zusammen:

  • FCKW sind starke Treibhausgase. Ein Kilogramm FCKW-12 wärmt, über 100 Jahre gerechnet, mehr als zehntausendmal so stark wie ein Kilogramm CO₂. Das Montreal-Protokoll hat deshalb nebenbei viel fürs Klima getan: Velders und Kollegen (2007) kamen zu dem Ergebnis, dass es bis 2010 ein Mehrfaches dessen an Treibhausgas-Ausstoß vermieden hat, was das Kyoto-Protokoll in seiner ersten Phase an Minderung vorsah.
  • Die Welt ohne Vertrag ist ein Modell. Young und Kollegen (2021) haben durchgerechnet, was ohne FCKW-Verbot passiert wäre: zusätzlich etwa 2,5 °C Erwärmung bis 2100, auch weil stärkere UV-Strahlung Pflanzen geschadet und weniger CO₂ gebunden hätte. Das ist eine plausible Größenordnung, keine Messung — eine Welt, die es nicht gibt, kann man nicht nachprüfen.
  • Die Ersatzstoffe schonen das Ozon, nicht das Klima. Viele FCKW wurden durch HFKW ersetzt. Die enthalten kein Chlor, sind aber ebenfalls starke Treibhausgase. Deshalb regelt die Kigali-Änderung von 2016, in Kraft seit 2019, ihren schrittweisen Abbau — ein Ozonvertrag, der aus Klimagründen erweitert wurde. Wird sie eingehalten, vermeidet sie laut WMO/UNEP-Bericht 2022 bis 2100 etwa 0,3 bis 0,5 °C Erwärmung.
  • Das Loch macht Wetter. Das antarktische Ozonloch hat im Südsommer den Westwindgürtel der Südhalbkugel verstärkt und polwärts verschoben (Globale Zirkulation, Jetstream). Umgekehrt verändern Treibhausgase die Stratosphäre und damit die Erholung des Ozons.

Wo die Erfolgsgeschichte Lücken hat

Das Montreal-Protokoll wirkt, daran gibt es in der Forschung keinen ernsthaften Zweifel. Aber „das Ozonloch ist geheilt“ stimmt nicht, und „das Ozonloch ist zurück“ ebenso wenig. Was offen oder umstritten ist:

Was das für Deutschland heißt

Das antarktische Ozonloch liegt nicht über Deutschland. Ausgedünnt wurde die Ozonschicht aber auch hier. Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) hat der menschengemachte Ozonabbau den UV-B-Anteil in den mittleren Breiten der Nordhalbkugel im Winter und Frühling um etwa 7 % erhöht, im Sommer und Herbst um etwa 4 %. Dieselben Werte nennen die Wirkungsberichte des UN-Umweltprogramms aus der Zeit um 2000, bezogen auf die 1970er-Jahre. Es ist also eine Abschätzung für die Jahre des stärksten Ozonabbaus, kein Anstieg, der sich bis heute fortsetzt.

Dazu kommen Niedrigozon-Ereignisse: ozonarme Luftmassen, die durchziehen und die UV-Strahlung für einige Tage unerwartet ansteigen lassen, oft nach starkem Ozonabbau über der Arktis. Im Rekordfrühjahr 2020 stieg der UV-Index laut BfS Ende März und Anfang April deshalb von 3 auf 6. Im Frühjahr ist das besonders heikel, weil die Haut nach dem Winter noch nicht an die Sonne gewöhnt ist.

Gemessen wird die Ozonschicht in Deutschland seit Jahrzehnten: Der Deutsche Wetterdienst misst am Observatorium Hohenpeißenberg seit 1967 regelmäßig, mit einem Dobson-Gerät vom Boden aus und mit Ozonsonden an Wetterballons (Radiosonde). In die Vorhersage des UV-Index gehen Ozonvorhersagen ein (UV-Index); wie viel davon die Wolken wegnehmen, zeigt UV und Wolken.

Was diese Seite nicht kann

  • Keine Live-Ozonwerte. Diese Seite misst kein Ozon und zeigt weder die aktuelle Ozonsäule noch die Größe des Ozonlochs. Aktuelle Werte veröffentlichen der Copernicus-Atmosphärendienst, die NASA und der DWD (Adressen unten).
  • Stand der Zahlen: 30.09.2026. Die Angaben zur laufenden Saison 2026 beruhen auf der Copernicus-Mitteilung von Mitte September und sind vorläufig; die Endbilanz eines Ozonlochs steht erst fest, wenn es sich geschlossen hat.
  • Modelljahre sind keine Termine. 2040, 2045 und 2066 sind Mittelwerte aus Modellrechnungen, keine Zusagen — so, wie auch die Wettervorhersage dieser Seite eine Spanne ist und kein Versprechen.

Quellen

Sachstandsbericht: WMO/UNEP, Scientific Assessment of Ozone Depletion: 2022 (veröffentlicht Januar 2023) — Rückkehrjahre 2040/2045/2066, Kigali-Wirkung 0,3–0,5 °C, begrenzte Belege außerhalb der Antarktis, Tropen unter den Werten von 1980, Stratosphären-Aerosole, Hunga Tonga; dazu die Reihe Twenty Questions and Answers About the Ozone Layer — csl.noaa.gov/assessments/ozone; UN-Umweltprogramm zum Montreal-Protokoll — ozone.unep.org.

Laufende Beobachtung: NASA Ozone Watch (220-DU-Grenze, Rekorde 2000 und 2006) — ozonewatch.gsfc.nasa.gov; NOAA/NASA zum Ozonloch 2019 und 2025 — noaa.gov; Copernicus-Atmosphärendienst (CAMS) zu den Saisons 2025 und 2026 — atmosphere.copernicus.eu.

Deutschland: Bundesamt für Strahlenschutz, Einfluss des Ozonabbaus auf die UV-Belastung — bfs.de; zum Bezugszeitraum die Wirkungsberichte des Environmental Effects Assessment Panel beim UN-Umweltprogramm (ozone.unep.org); Deutscher Wetterdienst, Ozonmessungen am Observatorium Hohenpeißenberg — dwd.de; FCKW-Halon-Verbots-Verordnung vom 6. Mai 1991 (BGBl. I S. 1090).

Fachliteratur zur Geschichte: Hartley (1881), Journal of the Chemical Society 39; Fabry & Buisson (1913), Journal de Physique; Chubachi (1984), Memoirs of the National Institute of Polar Research, Sonderheft 34; Maxwell & Briscoe (1997), Business Strategy and the Environment 6, zur Ankündigung von DuPont im März 1988 nach dem Bericht des Ozone Trends Panel.

Fachliteratur: Chapman (1930) zur Ozon-Photochemie; Molina & Rowland (1974), Nature 249; Farman, Gardiner & Shanklin (1985), Nature 315; Velders, Andersen, Daniel, Fahey & McFarland (2007), PNAS 104; Bhartia & McPeters (2018), Comptes Rendus Geoscience 350; Montzka und Kollegen (2018), Nature; Rigby und Kollegen (2019), Nature; Montzka und Kollegen (2021) sowie Park und Kollegen (2021), Nature; Ball und Kollegen (2018), Atmospheric Chemistry and Physics 18; Chipperfield und Kollegen (2018), Geophysical Research Letters; Ravishankara, Daniel & Portmann (2009), Science 326; Young und Kollegen (2021), Nature 596; Reimann und Kollegen (2026), Nature Communications; Tritscher und Kollegen (2021), Reviews of Geophysics 59, zu polaren Stratosphärenwolken und ihrer Temperaturschwelle; Wohltmann und Kollegen (2020), Geophysical Research Letters 47, zur Arktis 2020; von der Gathen und Kollegen (2021), Nature Communications 12, sowie Polvani und Kollegen (2023), Nature Communications 14, zur Zukunft der arktischen Ozonverluste; Millán und Kollegen (2022), Geophysical Research Letters 49, zu Hunga Tonga. Nobelpreis für Chemie 1995 — nobelprize.org.

Die Angaben sind zusammengefasst, nicht wörtlich zitiert. Die Skizze ist schematisch und nicht aus Messwerten gezeichnet. Die Zahlen zur Saison 2026 stammen aus einer Mitteilung von Mitte September und sind vorläufig. Spätere Meldungen von Ende September mit höheren Flächen haben wir nicht an einer Primärquelle prüfen können und deshalb nicht übernommen.