Warum überhaupt elf Modelle?
Ein Wettermodell ist ein Computerprogramm, das den heutigen Zustand der Atmosphäre nimmt und die physikalischen Gleichungen Schritt für Schritt in die Zukunft rechnet. Weil niemand die Atmosphäre lückenlos misst und weil jedes Rechenzentrum eigene Entscheidungen trifft — wie fein das Gitter ist, wie die Messdaten eingespeist werden, wie Wolken und Gelände vereinfacht werden — kommt jedes Modell zu einem leicht anderen Ergebnis. Wie eine Vorhersage entsteht und woher diese Unsicherheit kommt, erklärt ausführlich die Seite Wie eine Vorhersage entsteht.
Diese Seite bezieht ihre Modellwerte über Open-Meteo, das die frei verfügbaren Ergebnisse vieler nationaler Wetterdienste unter einem Dach abfragbar macht. Die Startseite wählt daraus elf Modelle aus und stellt ihre Vorhersagen für denselben Ort und Zeitpunkt gegenüber. Der Abstand zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert ist die Spanne — ein ehrliches Maß dafür, wie sicher oder unsicher sich die Modelle gerade sind.
Man unterscheidet grob zwei Typen. Globale Modelle
rechnen die ganze Erde, meist mit gröberem Gitter und für viele Tage im Voraus.
Regionale Modelle rechnen nur einen Ausschnitt — etwa Europa oder ein
einzelnes Land — dafür mit deutlich feinerem Gitter und für einen kürzeren
Zeitraum. Viele Dienste kombinieren beides zu einem „nahtlosen“
(seamless) Produkt: nah dran das feine regionale Modell, weiter
draußen das globale. Was unten als „typische/dokumentierte Auflösung“
steht, sind die von Open-Meteo dokumentierten Gitterweiten der jeweiligen Modellvarianten.
Was „Auflösung“ heißt — und was nicht
Die Auflösung ist der Abstand zwischen zwei Gitterpunkten. Ein 2-km-Modell rechnet alle zwei Kilometer einen Wert, ein 25-km-Modell nur alle 25 Kilometer. Feiner ist nicht automatisch richtiger: Ein feines Modell sieht kleine Täler und einzelne Schauer, kann sie aber am falschen Ort platzieren; ein grobes Modell ist ruhiger, verpasst dafür lokale Effekte. Die Zahlen unten sind dokumentierte Näherungswerte und ändern sich, wenn ein Wetterdienst sein Modell umstellt.
Die elf Modelle im Einzelnen
Sortiert von Deutschland her über Europa und Nordamerika bis nach Asien. Jede Karte nennt den Open-Meteo-Bezeichner, den Betreiber und das Land, den Typ und die dokumentierte Auflösung der Modellvarianten. Der Farbstreifen links zeigt den Typ:
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icon ICON Deutscher Wetterdienst (DWD) · Deutschland
Das Heimmodell. Der DWD betreibt ICON als nahtlose Familie: ein globales Modell, ein Europa-Ausschnitt und ein sehr feines Modell für Mitteleuropa. Dieselbe Modellfamilie liefert auch die DWD-Warnungen, die die Startseite zeigt.
- Typ
- global + regional (seamless)
- Auflösung
- ICON global 0,1° (≈ 11 km) · ICON-EU 0,0625° (≈ 7 km) · ICON-D2 0,02° (≈ 2 km, Mitteleuropa)
- Stärke
- Feines Gitter genau über Deutschland; nah an der amtlichen DWD-Warnlage.
-
gfs GFS NOAA · USA
Das große US-Modell. Das Global Forecast System der US-Wetterbehörde NOAA ist eines der bekanntesten und frei verfügbaren Weltmodelle; für Nordamerika kommt das sehr feine HRRR-Modell hinzu.
- Typ
- global (regionale US-Zusatzmodelle)
- Auflösung
- GFS 0,11° (≈ 13 km) und 0,25° (≈ 25 km) · HRRR 3 km (nur Nordamerika)
- Stärke
- Weltweit verfügbar, lange Vorlaufzeit, sehr breit genutzt.
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ecmwf / ifs IFS ECMWF · Europa
Der internationale Maßstab. Das Integrated Forecasting System des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF, getragen von vielen Staaten) gilt in der mittleren Frist oft als das treffsicherste Weltmodell. Open-Meteo nutzt die frei veröffentlichten Daten.
- Typ
- global
- Auflösung
- IFS HRES 9 km (O1280-Gitter) · frei verfügbare Open-Data-Variante 0,25° (≈ 25 km)
- Stärke
- Sehr gute Trefferquote in der mittleren Frist; internationaler Referenzpunkt.
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gem GEM Environment and Climate Change Canada · Kanada
Das kanadische Modell. Das Global Environmental Multiscale Model des kanadischen Wetterdienstes deckt global ab und wird über Kanada durch feinere regionale Varianten ergänzt.
- Typ
- global + regional (seamless)
- Auflösung
- GEM global 0,15° (≈ 15 km) · RDPS 10 km · HRDPS 2,5 km (Nordamerika)
- Stärke
- Eigenständige Rechenkette — eine unabhängige Stimme im Vergleich.
-
ukmo UKMO UK Met Office · Vereinigtes Königreich
Das britische Modell. Der UK Met Office betreibt ein globales Modell und mit UKV ein feines regionales Modell für die Britischen Inseln. Traditionsreicher Dienst mit langer Modellierungsgeschichte.
- Typ
- global + regional (seamless)
- Auflösung
- UKMO global 0,09° (≈ 10 km) · UKV 2 km (UK und Irland)
- Stärke
- Sehr feines Regionalmodell; gute Ergebnisse in der Nordsee-/Atlantikströmung.
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meteofrance ARPEGE / AROME Météo-France · Frankreich
Das französische Gespann. Météo-France rechnet global mit ARPEGE und sehr fein mit AROME über Frankreich — ein nahtloses Paar aus grobem Welt- und feinem Nahmodell.
- Typ
- global + regional (seamless)
- Auflösung
- ARPEGE global 0,25° (≈ 25 km) · ARPEGE-EU 0,1° (≈ 11 km) · AROME 0,025° (≈ 2,5 km) · AROME-HD 0,01° (≈ 1,5 km)
- Stärke
- Eines der feinsten Regionalmodelle überhaupt (AROME-HD).
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jma GSM / MSM Japan Meteorological Agency · Japan
Das japanische Modell. Die JMA betreibt das globale GSM und das feinere mesoskalige MSM über Japan und Umgebung — ein Dienst mit viel Erfahrung bei Taifunen und intensiven Regenlagen.
- Typ
- global + regional (seamless)
- Auflösung
- GSM global 0,5° (≈ 55 km) · MSM 0,05° (≈ 5 km, Japan/Korea)
- Stärke
- Eigenständige asiatische Rechenkette; ergänzt die Bandbreite.
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knmi HARMONIE AROME KNMI · Niederlande
Das niederländische Modell. Der KNMI rechnet eine Variante des gemeinsam entwickelten HARMONIE-AROME-Modells über den Niederlanden und Teilen Nordeuropas — ein reines Kurzfrist-Feinmodell.
- Typ
- regional (Kurzfrist)
- Auflösung
- HARMONIE-AROME Niederlande 2 km · Europa-Ausschnitt 5,5 km
- Stärke
- Feines Modell für die Nordseeküste und das nahe Deutschland.
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dmi HARMONIE AROME DINI DMI · Dänemark
Das dänische Modell. Das dänische Institut DMI rechnet die DINI-Variante von HARMONIE-AROME über Nordeuropa — feines Gitter, kurzer Vorhersagehorizont, gut für den norddeutsch-skandinavischen Raum.
- Typ
- regional (Kurzfrist)
- Auflösung
- HARMONIE-AROME DINI 2 km
- Stärke
- Feine Auflösung über Nord- und Ostsee sowie Norddeutschland.
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metno MET Nordic MET Norway · Norwegen
Das norwegische Modell. MET Norway liefert mit MET Nordic ein nachbearbeitetes, sehr feines Modell für Skandinavien — das Modell hinter dem populären Dienst yr.no.
- Typ
- regional (Kurzfrist, nachbearbeitet)
- Auflösung
- MET Nordic 1 km (Skandinavien)
- Stärke
- Sehr feines, geländenahes Gitter im hohen Norden.
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cma / grapes GRAPES China Meteorological Administration · China
Das chinesische Modell. Die CMA rechnet mit GRAPES ein globales Modell — eine weitere unabhängige Weltvorhersage, die die Bandbreite über die westlichen Dienste hinaus erweitert.
- Typ
- global
- Auflösung
- GRAPES global 0,125° (≈ 15 km)
- Stärke
- Unabhängige, nicht-westliche Rechenkette — erweitert die Vielfalt.
Alle Auflösungen sind dokumentierte Näherungswerte aus der Open-Meteo-Modelldokumentation (Stand der Abfrage) und beziehen sich auf die einzelnen Modellvarianten. Sie ändern sich, wenn ein Wetterdienst sein Modell umstellt — darum als „typisch/dokumentiert“ zu lesen, nicht als feste Naturkonstante. Welche Modellvariante für deinen Ort tatsächlich zum Zug kommt, wählt Open-Meteo automatisch: nah am Land das feinste passende Modell, weiter draußen das globale.
Warum diese Vielfalt die Spanne ergibt — und warum das gut ist
Legt man die elf Vorhersagen für denselben Ort nebeneinander, passiert eins von zwei Dingen. Entweder sie liegen dicht beieinander — dann ist die Lage gut vorhersagbar und die Spanne schmal. Oder sie laufen auseinander — dann ist die Lage kippelig, und die breite Spanne ist die ehrliche Information: Niemand weiß es heute genau.
Wichtig ist die zweite Hälfte der These: Einigkeit ist kein Beweis. Alle elf Modelle stammen aus verwandten physikalischen Ideen und starten vom ähnlichen Beobachtungsbild. Sie können sich deshalb gemeinsam irren — etwa wenn eine Wetterlage von einer Zutat abhängt, die keines gut erfasst. Eine schmale Spanne heißt also „die Modelle sind sich sicher“, nicht „so wird es kommen“. Wie oft die Vorhersage daneben lag, zeigt ehrlich der Feldbericht: Modell gegen Wirklichkeit, nicht Modell gegen Modell. Ob die Spanne aus diesen elf Modellen die Wirklichkeit überhaupt einschließt — und wie oft sie dafür zu eng oder zu weit war — zählt die Trefferquote nach. Dort steht auch, ab welchem Vorlauftag diese elf Modelle gar keine elf mehr sind.
Zwei Auswertungen gehen dieser Frage bis auf den Grund, beide aus dem eigenen Archiv gezählt: Elf Modelle — wie viele Meinungen? prüft, wie oft zwei dieser Modelle für denselben Ort und Tag bitgenau dieselbe Zahl ausgeben — drei von ihnen tun das ab Vorlauftag 3 ausnahmslos. Und Jedes Modell hat eine Schlagseite rechnet den mittleren Fehler mit Vorzeichen: Ein guter Teil der Spanne oben ist gar kein Streit über das Wetter, sondern eine Sammlung fester Versätze.
Kurz gesagt
Elf Rechenzentren in zehn Ländern — dazu das ECMWF, das keinem einzelnen Staat gehört, sondern von vielen getragen wird —, jedes mit eigenem Gitter und eigenen Annahmen — ihre Unterschiede erzeugen die Spanne der Startseite. Breite Spanne: ehrliche Unsicherheit, Vorsicht. Schmale Spanne: die Modelle sind einig — was das Risiko verkleinert, aber nicht auf null. Einig heißt nicht richtig.
Quellen
Betreiber, Länder, Modelltypen und alle Auflösungsangaben (in km bzw. Grad) stammen aus der Modelldokumentation von Open-Meteo, die die frei verfügbaren Modelle der nationalen Wetterdienste bündelt. Die je Modell verwendeten Dokumentationsseiten:
open-meteo.com/en/docs/dwd-api (ICON) · open-meteo.com/en/docs/gfs-api (GFS) · open-meteo.com/en/docs/ecmwf-api (IFS) · open-meteo.com/en/docs/gem-api (GEM) · open-meteo.com/en/docs/ukmo-api (UKMO) · open-meteo.com/en/docs/meteofrance-api (ARPEGE/AROME) · open-meteo.com/en/docs/jma-api (JMA) · open-meteo.com/en/docs/knmi-api (KNMI) · open-meteo.com/en/docs/dmi-api (DMI) · open-meteo.com/en/docs/metno-api (MET Norway) · open-meteo.com/en/docs/cma-api (GRAPES).
Wie die Startseite die Modellwerte abfragt und zur Spanne verrechnet, steht unter Methodik & Quellen. Auflösungen sind dokumentierte Näherungswerte und können sich mit einer Modellumstellung des jeweiligen Dienstes ändern.