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Wissen · Wetter-Apps

Warum Wetter-Apps sich widersprechen

Die eine App sagt 26 °C, die andere 29, die dritte zeigt eine Regenwolke. Keine davon lügt im engeren Sinn — aber jede verschweigt etwas. Diese Seite zeigt, woher die Unterschiede kommen, und endet mit einer Checkliste, mit der du jede Wetter-App ehrlicher liest. Sie ist der Grund, warum es diese Seite gibt: Die Startseite zeigt die Spanne statt einer Zahl.

1. Jede App rechnet mit einem anderen Modell

Hinter jeder Wetter-App steht ein Wettermodell — oder eine Mischung aus mehreren. Welches, schreiben die wenigsten dazu. Die Modelle der großen Wetterdienste kommen aber nicht zum selben Ergebnis. Karlsruhe, Höchstwert für den 17.07.2026, abgefragt am selben Morgen: Die elf Modelle, die diese Seite fragt, lagen zwischen 23,2 °C (JMA) und 31,3 °C (NOAA-GFS) — 8,1 Kelvin für denselben Ort, dieselbe Minute, dieselbe Frage. Eine App, die nur eines davon zeigt, zeigt einen zufällig gewählten Punkt aus diesem Streit.

Wer die Modelle sind und warum sie sich unterscheiden, steht auf Die Wettermodelle; wie oft die Wahrheit am Ende zwischen dem kältesten und dem wärmsten lag, auf Trefferquote.

2. Ein Gitterpunkt ist nicht dein Ort

Ein Wettermodell rechnet auf einem Gitter. Je nach Modell sind die Maschen einige Kilometer bis einige Dutzend Kilometer weit. Der Wert für „deinen Ort“ ist der Wert der Gitterzelle, in der er liegt, oder ein Mittel der Nachbarzellen — mit einer Modellhöhe, die nicht die deines Ortes sein muss. Im Flachland ist das oft egal. Am Hang, im Tal, an der Küste oder in der Stadt kann es mehrere Grad ausmachen. Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt die Seite Flussabfluss am drastischsten Beispiel, das es gibt: Beim Flussabfluss lag der Wert der Gitterzelle an einem Rheinpegel um mehr als das Hundertfache neben der Messung, weil die Zelle neben dem Fluss lag. Bei der Temperatur ist der Effekt kleiner, aber er hat dieselbe Ursache. Wie groß er für die 25 Städte dieser Seite ist und ob er stehen bleibt, rechnet die Ortsbilanz aus dem eigenen Archiv nach.

3. Ein Symbol für 24 Stunden

Das Tagessymbol ist die größte Vereinfachung einer Wetter-App. Eine Stunde Schauer am Nachmittag kann genug sein, damit der ganze Tag eine Regenwolke bekommt — und ein sonniger Tag mit einem kurzen Gewitter am Abend sieht aus wie ein verregneter. Nach welcher Regel eine App ihr Symbol wählt, steht fast nie dabei. Die Stundenansicht ist ehrlicher als das Symbol, und die Regenmenge ehrlicher als die Wolke.

4. Scheinpräzision

„27 °C“ für übermorgen klingt genau. Ehrlich wäre „irgendwo zwischen 24 und 30“. Die Nachkontrolle dieser Seite zeigt, wie weit Vorhersagen tatsächlich danebenliegen: im Mittel unter einem Grad am nächsten Tag, am siebten Tag knapp drei Grad — und an einzelnen Tagen deutlich mehr (Faustregel, Feldbericht). Eine ganze Zahl ohne Spanne behauptet eine Genauigkeit, die es nicht gibt.

5. „30 % Regen“ heißt nicht überall dasselbe

Die Regenwahrscheinlichkeit ist die am häufigsten missverstandene Zahl einer Wetter-App — und sie ist nicht einmal einheitlich definiert. Manche Anbieter meinen einen Punkt, andere eine Fläche, manche eine Stunde, andere den Tag. Wie die Zahl gemeint ist und wie man sie richtig liest, steht auf Was heißt 30 % Regen?; ob die Zahlen der Startseite im Nachhinein stimmen, prüft die Regenprobe.

6. 14 Tage, 42 Tage, „Wintertrend“

Viele Apps zeigen Tag für Tag Temperaturen für zwei Wochen oder länger. Das sieht aus wie eine Vorhersage, ist es aber in der zweiten Woche kaum noch: Kleine Unschärfen im Startzustand wachsen, bis einzelne Rechnungen für einen bestimmten Tag kaum noch etwas taugen — wo diese Grenze heute liegt und woher sie kommt, steht auf Vorhersagbarkeit. Was dann noch Aussagekraft hat, ist die Tendenz eines ganzen Ensembles — etwa „eher wärmer als üblich“ —, nicht der Wert für einen bestimmten Dienstag. Wer für Tag 12 eine Zahl mit Symbol zeigt, zeigt eine einzelne Rechnung, die morgen schon anders aussieht.

Wie schnell die Vorhersage an Wert verliert, rechnet diese Seite am eigenen Archiv nach: Faustregel vergleicht jede Vorhersage mit „wie gestern“ und mit dem langjährigen Mittel.

7. Die gefühlte Temperatur ist keine Messung

„Gefühlt 34 °C“ ist ein Rechenwert aus Temperatur, Feuchte, Wind und manchmal Sonne — und jede App rechnet ihn mit einer eigenen Formel. Zwei gefühlte Temperaturen verschiedener Apps sind deshalb nicht vergleichbar. Was dahintersteckt, steht auf Gefühlte Temperatur.

Checkliste: So liest du eine Wetter-App ehrlich

  1. Frag nach dem Modell. Nennt die App es nicht, vergleiche mit einer zweiten. Liegen beide weit auseinander, ist die Lage unsicher — das ist eine Information, kein Fehler.
  2. Lies Zahlen als Spannen. „27 °C“ übermorgen heißt realistisch „25 bis 29“. In einer Woche eher „23 bis 31“.
  3. Schau auf die Stunden, nicht aufs Symbol. Wann regnet es, wie viel, wie lange?
  4. Ab Tag 7: nur noch Tendenzen. Einzelne Tageswerte in der zweiten Woche sind Unterhaltung.
  5. Bei Gewitter: nicht auf die App verlassen. Wo genau ein Gewitter entsteht, weiß auch das beste Modell selten Stunden vorher. Für Warnungen gibt es amtliche Kanäle (Warnungen verstehen).
  6. Vergleiche morgen mit heute. Wie stark ändert sich die Vorhersage für denselben Tag von Lauf zu Lauf? Das zeigt Vorhersagedrift.

Quellen

Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus dem eigenen Archiv und aus Abfragen bei Open-Meteo: Modellstreit Karlsruhe vom 17.07.2026 (wie im README der Seite dokumentiert), Fehler nach Vorlauf aus /data/faustregel.json.

Die Aussagen über Wetter-Apps sind allgemein gehalten und nennen bewusst keine einzelnen Anbieter: Welche App welches Modell nutzt, ist selten öffentlich belegt und ändert sich.

Verwandt: Die Wettermodelle · Wie eine Vorhersage entsteht · Vorhersagbarkeit · Methodik.