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Wissen · Weltraumwetter

Polarlicht und Weltraumwetter

Im Mai 2024 leuchtete der Himmel bis nach Bayern rot und grün — viele sahen zum ersten Mal ein Polarlicht in Deutschland. Diese Seite erklärt, wie es entsteht, was der Kp-Index bedeutet und warum die Vorhersage so unsicher ist: Die entscheidende Zahl kennt man erst eine knappe Stunde vorher. Auch hier gilt die Haltung der ganzen Seite — lieber die Unsicherheit zeigen als eine falsche Zusage.

Wie ein Polarlicht entsteht

Die Sonne gibt ständig einen Strom geladener Teilchen ab, den Sonnenwind. Bei einem Ausbruch schleudert sie zusätzlich eine riesige Wolke aus Teilchen und Magnetfeld ins All, einen koronalen Massenauswurf. Trifft er ein bis vier Tage später auf das Magnetfeld der Erde, kann er es kräftig durchschütteln: ein geomagnetischer Sturm. Dabei werden Teilchen in die obere Atmosphäre gelenkt, wo sie Sauerstoff und Stickstoff zum Leuchten bringen — in rund 100 bis über 200 km Höhe, weit oberhalb von allem Wetter. Dieses Stockwerk heißt Thermosphäre; wie es über Wetterschicht, Ozonschicht und Mesosphäre liegt und warum es dort trotz Hunderter Grad niemanden wärmen würde, zeigt Aufbau der Atmosphäre.

Die Farben verraten die Höhe: Grün kommt von Sauerstoff in den unteren Schichten und ist am häufigsten. Rot stammt ebenfalls von Sauerstoff, aber aus größerer Höhe — deshalb sieht man in Deutschland, weit südlich des Polarlichtovals, oft vor allem den roten oberen Rand. Violette und bläuliche Töne kommen von Stickstoff.

Der Kp-Index

Wie stark das Erdmagnetfeld gestört ist, fasst der Kp-Index zusammen: eine Skala von 0 (ruhig) bis 9 (extremer Sturm), ermittelt alle drei Stunden aus Magnetfeldmessungen rund um die Welt. Berechnet wird er vom GFZ in Potsdam. Der US-Weltraumwetterdienst übersetzt ihn in fünf Sturmstufen: G1 entspricht Kp 5, G5 entspricht Kp 9.

Grobe Faustregel, keine Garantie — es kommt auch auf Dunkelheit, Wolken und freien Blick nach Norden an.
KpSturmstufeIn Deutschland
0–4kein Sturmpraktisch nie zu sehen
5G1allenfalls ganz im Norden, meist nur mit Kamera
6–7G2–G3in Norddeutschland möglich, im Süden selten
8–9G4–G5in ganz Deutschland möglich — wie am 10./11. Mai und am 10. Oktober 2024

Der Sturm im Mai 2024 erreichte die höchste Stufe G5, zum ersten Mal seit 2003. Häufiger sind solche Ereignisse in den Jahren um das Maximum des etwa elfjährigen Sonnenzyklus; das aktuelle Maximum lag nach heutigem Stand um 2024/2025.

Warum die Vorhersage so unsicher ist

Dass ein Massenauswurf unterwegs ist, sieht man auf Sonnenbildern sofort. Zwei Dinge weiß man aber lange nicht:

Eine Polarlicht-Vorhersage für „heute Nacht“ ist deshalb immer eine Wahrscheinlichkeit mit großer Spanne — ganz ähnlich einer Gewittervorhersage auf der Erde (Hitzegewitter). Und wie beim Wetter gilt: Wer nur eine Zahl zeigt, verschweigt die Spanne.

Warum das Handy mehr sieht als du

Viele Polarlicht-Fotos zeigen kräftiges Rot und Grün, während man mit bloßem Auge nur einen fahlen, grauweißen Schimmer sieht. Das ist keine Fälschung: Bei wenig Licht sieht das menschliche Auge kaum Farben, ein Kamerasensor sammelt dagegen über Sekunden Licht und zeigt die Farbe. Die Farbe ist echt, nur eben für die Kamera sichtbar, nicht immer für dich.

Warum hier keine Live-Werte stehen

Diese Seite fragt für jede Zahl einen Dienst ohne Schlüssel direkt aus deinem Browser — und nennt jeden dieser Dienste in der Datenschutzerklärung. Ein aktueller Kp-Wert bräuchte einen weiteren Fremdserver. Solange er nicht wirklich gebraucht wird, bleibt die Liste kurz. Aktuelle Werte und Vorhersagen gibt es direkt beim US-Weltraumwetterdienst (NOAA SWPC) und beim GFZ Potsdam, verlinkt unten.

Quellen

Kp-Index: GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung, Potsdam — gfz-potsdam.de.

Sturmstufen, Vorhersagen, Sturm vom Mai 2024: NOAA Space Weather Prediction Center — swpc.noaa.gov.

Weltraumwetter allgemein: ESA — esa.int.

Die Sichtbarkeitsangaben in der Tabelle sind eine grobe Faustregel, zusammengefasst aus den Ereignissen von 2024; eine amtliche Schwelle für Deutschland gibt es nicht.