Böe oder mittlerer Wind — zwei verschiedene Dinge
Eine Böe ist eine kurze, heftige Windspitze von wenigen Sekunden. Der mittlere Wind ist das über zehn Minuten gemittelte Tempo. Böen sind deutlich schneller als der mittlere Wind — und sie sind es, die Dächer abdecken und Bäume werfen.
Deshalb warnt der DWD vor Böen, nicht vor mittlerem Wind: Der Schaden entsteht in der Spitze. Die bekannte Beaufort-Skala dagegen beschreibt den mittleren Wind in etwa 10 m Höhe über freiem Gelände. Beide Maße tragen dieselben Namen — „Sturm“, „Orkan“ —, meinen aber nicht genau dasselbe. Wer sie verwechselt, vergleicht Äpfel mit Birnen. Darum stehen sie hier getrennt.
Die Beaufort-Skala: mittlerer Wind von 0 bis 12
Der britische Admiral Francis Beaufort ordnete Windstärken nach ihrer sichtbaren Wirkung. Die Skala reicht von 0 (Windstille) bis 12 (Orkan). Der Orkan beginnt bei Windstärke 12, also ab 118 km/h mittlerem Wind — ein Wert, der als Dauerwind an Land in Deutschland selten erreicht wird; in Böen wird er häufiger überschritten.
| Bft | Bezeichnung | m/s | km/h | Auswirkung im Binnenland |
|---|---|---|---|---|
| 0 | Windstille | 0–0,2 | < 1 | Rauch steigt senkrecht auf |
| 1 | leiser Zug | 0,3–1,5 | 1–5 | Windrichtung nur am Zug des Rauches erkennbar |
| 2 | leichte Brise | 1,6–3,3 | 6–11 | Wind im Gesicht spürbar, Blätter bewegen sich |
| 3 | schwache Brise | 3,4–5,4 | 12–19 | bewegt dünne Zweige, streckt Wimpel |
| 4 | mäßige Brise | 5,5–7,9 | 20–28 | bewegt dünnere Äste, hebt Staub und loses Papier |
| 5 | frische Brise | 8,0–10,7 | 29–38 | kleine Laubbäume schwanken, Schaumkronen auf Seen |
| 6 | starker Wind | 10,8–13,8 | 39–49 | starke Äste schwanken, Regenschirme schwer zu halten |
| 7 | steifer Wind | 13,9–17,1 | 50–61 | fühlbare Hemmung beim Gehen, ganze Bäume bewegen sich |
| 8 | stürmischer Wind | 17,2–20,7 | 62–74 | Zweige brechen von Bäumen, Gehen im Freien erheblich erschwert |
| 9 | Sturm | 20,8–24,4 | 75–88 | Äste brechen, kleinere Schäden an Häusern (Dachziegel) |
| 10 | schwerer Sturm | 24,5–28,4 | 89–102 | Wind bricht Bäume, größere Schäden an Häusern |
| 11 | orkanartiger Sturm | 28,5–32,6 | 103–117 | Wind entwurzelt Bäume, verbreitet Sturmschäden |
| 12 | Orkan | ab 32,7 | ab 118 | schwere Verwüstungen |
Werte: mittlere Windgeschwindigkeit in 10 m Höhe über freiem Gelände (DWD-Wetterlexikon, „Beaufort-Skala“). Die Auswirkungen sind Anhaltspunkte, keine Messvorschrift.
Wie der DWD warnt: die amtlichen Böen-Schwellen
Die DWD-Windwarnungen richten sich nach der erwarteten Böengeschwindigkeit (Spitze in etwa 10 m Höhe über offenem, freiem Gelände). Sechs Stufen, mit fest definierten Schwellen — von der Windböe bis zur extremen Orkanböe. Die Warnstufe (1 bis 4) steuert Farbe und Dringlichkeit: Stufe 1 markante Wetterwarnung, Stufe 3 Unwetterwarnung, Stufe 4 extremes Unwetter.
| Warnereignis | Böe (km/h) | m/s | Bft | Warnstufe |
|---|---|---|---|---|
| Windböen | ab 50 | 14 | 7 | 1 |
| Sturmböen | 65–89 | 18–24 | 8–9 | 2 |
| Schwere Sturmböen | 90–104 | 25–28 | 10 | 2 |
| Orkanartige Böen | 105–119 | 29–32 | 11 | 3 |
| Orkanböen | ab 120 | ab 33 | 12 | 3 |
| Extreme Orkanböen | überörtlich über 140 | — | — | 4 |
Quelle: DWD-Warnkriterien (Kategorie Wind). Die Beaufort-Angaben sind die vom DWD genannten Entsprechungen — die Warnskala ist an Beaufort angelehnt, deshalb gibt es geringe Abweichungen. Wichtig: Diese Schwellen gelten für Böen. Eine Orkanböe (ab 120 km/h) kann auftreten, ohne dass der mittlere Wind Orkanstärke (118 km/h, Bft 12) erreicht.
Wie gut lässt sich Sturm vorhersagen? Ehrlich: es kommt darauf an, welcher Wind
Nicht jeder Sturm ist gleich gut vorhersagbar — das hängt daran, wie groß das Wetterereignis ist, das ihn erzeugt.
Großräumige Stürme sind gut vorhersagbar. Ein Wintersturm aus einem atlantischen Tiefdruckgebiet ist Hunderte Kilometer breit und zieht über Stunden bis Tage. Solche Lagen zeichnen sich oft mehrere Tage im Voraus ab; dass ein Stürmisches Wochenende kommt, weiß man häufig früh. Weniger sicher bleiben der genaue Zeitpunkt, die Zugbahn und die Höchstwerte der Böen — die letzten Kilometer pro Stunde entscheiden sich kurzfristig.
Gewitterböen sind das Gegenteil. Eine Sturm- oder Orkanböe aus einem sommerlichen Gewitter (Fallböe, Downburst) entsteht auf wenigen Kilometern und dauert Minuten. So etwas lässt sich nicht Tage vorher punktgenau ansagen — man kann eine Region als gefährdet markieren, aber ob es den einen Ort trifft, zeigt sich oft erst, wenn die Zelle schon steht. Diese Warnungen kommen darum kurzfristig und werden laufend nachgezogen.
Was das für Zahlen bedeutet. Der Feldbericht dieser Seite zeigt an echten Messungen, wie der Vorhersagefehler mit dem Vorlauf wächst und wie weit die Modelle auseinanderliegen — für die Temperatur. Beim Wind, besonders bei Böenspitzen, ist die Streuung eher größer, nicht kleiner. Eine einzelne km/h-Zahl in einer App täuscht darum eine Genauigkeit vor, die es beim Wind noch weniger gibt als bei der Temperatur. Die Startseite zeigt deshalb die Spanne der Modelle statt einer blanken Zahl.
Was bei Sturmwarnung sinnvoll ist
Nur allgemeine, breit anerkannte Hinweise — im Ernstfall gelten die konkreten Empfehlungen zur aktuellen Warnung (DWD, Katastrophenschutz, BBK). Grob gilt: je höher die Warnstufe, desto eher drinnen bleiben.
- Lose Gegenstände sichern: Gartenmöbel, Mülltonnen, Sonnenschirme, Blumenkästen, Baustellenmaterial — alles, was der Wind zum Geschoss machen kann.
- Bei Sturm- und Unwetterwarnung (Stufe 2 und höher) möglichst nicht in den Wald und nicht unter Bäume; herabfallende Äste sind die häufigste Sturmgefahr.
- Fenster, Türen und Dachluken schließen; das Auto nicht unter Bäumen oder neben Baustellen parken.
- Bei Orkanböen (Stufe 3–4) Aufenthalt im Freien vermeiden und Autofahrten wenn möglich verschieben — auf freien Strecken und Brücken reagieren Fahrzeuge auf Seitenböen heftig.
- Abstand zu Gerüsten, Kränen, Freileitungen und lose gedeckten Dächern halten.
Aktuelle Warnungen stehen auf der Startseite. Ob für einen Ort gerade eine Windwarnung gilt und welche Stufe, zeigt die Wetterseite mit den Live-Daten. Diese Seite hier erklärt nur, was die Stufen bedeuten — sie ist selbst keine Warnung.
Quellen
- DWD-Warnkriterien (amtliche Böen-Schwellen je Warnstufe): dwd.de/DE/wetter/warnungen_aktuell/kriterien/warnkriterien.html, Kategorie Wind. Entnommen: Windböen ab 50 km/h (Bft 7, Stufe 1), Sturmböen 65–89 km/h (Bft 8–9, Stufe 2), schwere Sturmböen 90–104 km/h (Bft 10, Stufe 2), orkanartige Böen 105–119 km/h (Bft 11, Stufe 3), Orkanböen ab 120 km/h (Bft 12, Stufe 3), extreme Orkanböen überörtlich über 140 km/h (Stufe 4).
- DWD-Wetterlexikon, „Beaufort-Skala“ (mittlerer Wind 0–12, m/s und km/h, Auswirkungen im Binnenland; Orkan ab 118 km/h): dwd.de/DE/service/lexikon, Stichwort Beaufort-Skala.
Datenquelle Deutscher Wetterdienst (DWD). Diese Seite gibt die amtlichen Definitionen wieder; im Warnfall gilt immer die aktuelle Warnung des DWD.