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Wissen · Feuchte, Taupunkt und Schwüle

Taupunkt & Luftfeuchtigkeit

Der Taupunkt ist die ehrlichere Feuchte-Zahl: Er sagt nicht nur, wie feucht die Luft ist, sondern ab wann das Wasser sichtbar wird — als Tau, Nebel oder Reif. Diese Seite erklärt Taupunkt und Luftfeuchtigkeit, den Unterschied zwischen relativ und absolut und warum ein hoher Taupunkt schwül macht. Jede Definition ist wörtlich aus dem DWD-Wetterlexikon belegt.

Drei Begriffe, sauber getrennt

Taupunkt (Taupunkttemperatur)
Die Temperatur, auf die man ungesattigte Luft bei gleichbleibendem Druck abkühlen muss, damit sie gesättigt ist — also die relative Feuchte 100 % erreicht. Kühlt es weiter ab, setzt Kondensation ein.

DWD: „… die Temperatur, auf die ein ungesättigtes Luftquantum bei gleichbleibendem Druck über einer ebenen, chemisch reinen Wasserfläche abgekühlt werden muss, um zur Sättigung zu gelangen. Im Sättigungszustand beträgt die relative Luftfeuchtigkeit 100 Prozent. Bei weiterer Abkühlung tritt Kondensation ein.“

Relative Luftfeuchtigkeit
Wie voll die Luft im Verhältnis zu ihrem Maximum ist — in Prozent. Sie ist temperaturabhängig, weil warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann als kalte. Formal: f = 100 · e / E (tatsächlicher Dampfdruck e geteilt durch den temperaturabhängigen Sättigungsdampfdruck E).
Absolute Luftfeuchtigkeit
Wie viel Wasserdampf tatsächlich in einem Kubikmeter Luft steckt (in g bzw. kg pro m³). Diese Menge ist temperaturunabhängig — sie ändert sich nicht, nur weil die Luft wärmer oder kälter wird.

Warum der Taupunkt oft aussagekräftiger ist als die Prozentzahl

„70 % relative Feuchte“ fühlen sich bei 10 °C und bei 30 °C völlig unterschiedlich an, weil die 70 % sich auf ein anderes Maximum beziehen. Der Taupunkt dagegen ist eine feste Temperatur: Ein Taupunkt von 20 °C bedeutet immer dieselbe reale Wasserdampfmenge — egal, wie warm es gerade ist. Deshalb nutzen Meteorolog­innen ihn gern, um „Schwüle“ und Kondensationsneigung zu beschreiben. Am DWD wird der Taupunkt übrigens nicht direkt gemessen, sondern aus Temperatur und relativer Feuchte berechnet.

Vom Taupunkt zu Tau, Nebel und Reif

Sobald Luft oder eine Oberfläche auf den Taupunkt abkühlt, kann der Wasserdampf nicht mehr „drinbleiben“ und wird sichtbar. Was dabei entsteht, hängt vom Ort und von der Temperatur ab:

Tau — am Boden, über 0 °C

Kühlt nachts der Erdboden oder ein Gegenstand unter den Taupunkt der umgebenden Luft ab, kondensiert Wasserdampf direkt darauf: Tau. Der DWD zählt Tau zu den „abgesetzten Niederschlägen … die durch Kondensation von Wasserdampf am Erdboden oder an erdbodennahen Gegenständen entstehen“.

Drinnen passiert dasselbe an kalten Fensterscheiben und Außenwandecken, sobald sie kälter sind als der Taupunkt der Raumluft. Ab welcher Oberflächentemperatur es kritisch wird und ob Lüften hilft, zeigt Richtig lüften.

Nebel — in der Luft, Sicht unter 1 km

Kondensiert der Wasserdampf nicht am Boden, sondern in der bodennahen Luft selbst, entsteht Nebel. Der DWD spricht von Nebel, „wenn die Sichtweite in Bodennähe unter einen Kilometer absinkt, wobei die relative Luftfeuchte nahe der Sättigung (100 %) liegt“ — also genau am Taupunkt.

Reif — unter 0 °C, ohne den Umweg über Wasser

Liegt die Oberflächentemperatur unter 0 °C, bildet sich statt Tau Reif: Der Wasserdampf geht durch Sublimation direkt in Eis über, ohne vorher flüssig zu werden. Fachlich beschreibt das nicht der Taupunkt, sondern der Reifpunkt (Sättigung bezüglich einer Eisfläche). „Reif ist die Sammelbezeichnung für Eisablagerungen kristalliner Struktur, welche durch Sublimation des Wasserdampfes aus der umgebenden Luft entstehen.“

Warum hohe Taupunkte schwül machen

Der Körper kühlt sich durch Verdunstung von Schweiß. Je feuchter die Luft, desto schlechter verdunstet der Schweiß — die Wärme bleibt, es fühlt sich schwül an. Der DWD ist hier ehrlich: Schwüle hat „keine eindeutige, meteorologisch fundierte Definition“, weil es ein subjektives Empfinden ist.

Als praktische Schwelle nutzt der DWD trotzdem einen festen Wert — und der ist an den Taupunkt gekoppelt: einen Dampfdruck von 18,8 hPa, was einem Taupunkt von rund 17 °C entspricht. Wie viel relative Feuchte dafür nötig ist, hängt stark von der Temperatur ab — ein schönes Beispiel dafür, warum der Taupunkt das ehrlichere Maß ist:

Lufttemperaturdafür nötige relative Feuchte
20 °Crund 80 %
30 °Crund 44 %
40 °Cnur noch ca. 25 %
Balkendiagramm: relative Feuchte, die für dieselbe Schwüle-Schwelle (Taupunkt 17 °C) nötig ist, bei drei Lufttemperaturen. Bei 20 °C sind es rund 80 %, bei 30 °C rund 44 % und bei 40 °C nur noch rund 25 %. 0% 25% 50% 75% 100% 20 °C 80% 30 °C 44% 40 °C 25%
Für dieselbe Schwüle-Schwelle (Taupunkt 17 °C) nötige relative Feuchte bei verschiedenen Lufttemperaturen (DWD). Je wärmer die Luft, desto weniger relative Feuchte reicht — darum ist der Taupunkt das ehrlichere Maß.

Werte des DWD für dieselbe Schwüle-Schwelle (Taupunkt 17 °C): Je wärmer die Luft, desto weniger relative Feuchte reicht schon für denselben realen Wasserdampfgehalt. Hitzebelastung insgesamt behandelt die Seite Hitze.

Wie aus dem Taupunkt die relative Feuchte wird

Der DWD gibt für seine MOSMIX-Vorhersagen selbst eine — ausdrücklich als „sehr vereinfacht“ bezeichnete — Näherung an, mit der sich aus Taupunkt (TD) und Temperatur (T, jeweils in °C) die relative Feuchte berechnen lässt:

RH = 100 · exp( c2·TD/(c3+TD) − c2·T/(c3+T) )   mit  c2 = 17,5043  und  c3 = 241,2 °C

Quelle: DWD (MOSMIX-Elementbeschreibung). Es ist bewusst eine Vereinfachung — für die exakte Umrechnung nutzt der DWD in seinem Messnetz genauere Formeln. Deshalb steht hier genau diese, vom DWD selbst so veröffentlichte Variante, und keine andere.

Quellen

Alle Definitionen und Zahlenwerte stammen aus dem Deutschen Wetterdienst (Wetterlexikon und Fachseiten):

Taupunkt · Kondensation · Nebel · Schwüle (Taupunkt 17 °C / 18,8 hPa) · MOSMIX: relative Feuchte aus Taupunkt

Dazu die Wetterlexikon-Einträge zu relativer und absoluter Feuchte, Tauerscheinungen und Reif. Wie die Startseite Feuchte und Taupunkt für deinen Ort holt, steht unter Methodik & Quellen; verwandte Lagen: Nebel und Frost.