Diese Seite setzt die UV-Seite voraus
Was der UV-Index ist, wie die fünf international einheitlichen Stufen von niedrig bis extrem heissen, welche Schutzmaßnahmen dazugehören und wie der DWD den Wert berechnet — das alles steht auf UV-Strahlung und wird hier nicht wiederholt. Diese Seite stellt genau eine Frage weiter: Wie viel von dem, was heute möglich wäre, nimmt die Bewölkung tatsächlich weg? Mit Zahlen, für deinen Ort, Stunde für Stunde.
Warum zwei Linien und nicht eine
Fast jede Wetteranzeige zeigt eine UV-Zahl. Damit verschwindet die
interessanteste Information: Wie viel von dem, was die Sonne heute könnte, kommt am Boden
tatsächlich an? Die Schnittstelle, die diese Seite benutzt, liefert beide Zahlen getrennt
— uv_index mit der vorhergesagten Bewölkung und
uv_index_clear_sky für denselben Ort und dieselbe Stunde ohne
Wolken. Also zeigen wir beide, statt eine davon zu „dem“ UV-Index zu erklären.
Dass dieser Unterschied benannt gehört, ist keine Erfindung dieser Seite. Die WHO-Anleitung zum UV-Index schreibt in ihren Vorgaben zur Veröffentlichung ausdrücklich:
„UVI forecasts should include effects of cloud on UV radiation transmission through the atmosphere. Programmes not incorporating cloud effects in their forecasts should refer to them as a ‚clear sky‘ or ‚cloud free‘ UVI.“ WHO/WMO/UNEP/ICNIRP: Global Solar UV Index: A Practical Guide, 2002, S. 6
Eine UV-Zahl ohne Angabe, ob Wolken darin stecken, ist also nach der eigenen Regel der Quelle unvollständig. Genau diese Lücke schließt das Diagramm unten — nicht durch eine bessere Zahl, sondern durch die zweite.
Der Vergleich für deinen Ort
Was dieser Wert ist — und was er nicht ist
- Ein Modellwert, keine Messung. Es steht kein Messgerät an deinem Ort. Beide Kurven kommen aus einem Rechenlauf. Die WHO nennt beide Wege nebeneinander: „The determination of the UVI can be through measurements or model calculations.“ Hier ist es der zweite. (Dass auch die DWD-Zahl auf der UV-Seite eine Berechnung ist, steht dort.)
- Die Bewölkung ist der unsicherste Teil. Das ist die Kehrseite der These dieser Seite: Weil fast alles andere feststeht, steckt praktisch die gesamte Vorhersageunsicherheit in genau dem Abstand, den das Diagramm zeigt. Die gestrichelte Klarhimmel-Linie ist die robustere der beiden; die durchgezogene ist die interessantere und zugleich die wacklige. Wer den Abstand liest, liest die Bewölkungsvorhersage — mit deren Treffsicherheit.
- Er gilt für eine waagerechte Fläche am Boden. Wörtlich in der WHO-Anleitung (Anhang C, S. 21): „It is a measure of the UV radiation that is relevant to and defined for a horizontal surface.“ Ein Gesicht, eine Schulter, ein Skihang stehen nicht waagerecht. Der Index sagt nichts darüber, was auf einer geneigten Fläche ankommt.
- Boden und Höhe kommen obendrauf. Die WHO-Anleitung nennt dafür Zahlen (S. 2): frischer Schnee reflektiert bis zu 80 % der UV-Strahlung, trockener Strandsand rund 15 %, Gischt rund 25 %; je 1000 Meter Höhenzunahme steigt die UV-Strahlung um 10 % bis 12 %. Nichts davon steckt in den zwei Kurven. Auf Schnee, am Wasser, im Gebirge liegt die tatsächliche Belastung höher als hier gezeigt.
- Wolken sind kein Schutzdach. Auch das steht in derselben Quelle (S. 2): „UV radiation levels are highest under cloudless skies but even with cloud cover, UV radiation levels can be high. Scattering can have the same effect as the reflectance by different surfaces and thus increase total UV radiation levels.“ Ein Abstand von 20 % zwischen den Linien heißt: 80 % kommen trotzdem an.
- Den von der WHO genannten Aufschlag kennt das Modell nicht. Wenn
Streuung an Wolkenrändern die Strahlung über den wolkenlosen Wert hebt, müsste
die durchgezogene Linie stundenweise über der gestrichelten liegen. Nachgezählt am
01.08.2026 an sieben Orten (Karlsruhe, Hamburg, Reykjavík, Singapur, Sydney,
Zugspitzregion, New York): in 840 Stundenpaaren kein einziges Mal. Der
uv_indexliegt in dieser Quelle immer bei oder unter dem Klarhimmel-Wert. Wer unter aufgelockerter Bewölkung mehr abbekommt als die Kurve sagt, findet das hier also nicht wieder — die Zeichnung kann es darstellen, die Daten geben es nicht her. - Grob im Raum, grob in der Zeit. Open-Meteo führt den globalen CAMS-Datensatz mit 0,4° Gitterweite (rund 45 km), 3-Stunden-Schritten, Aktualisierung alle 12 Stunden und fünf Tagen Reichweite. Dass der UV-Index von dort stammt und nicht aus dem feineren europäischen Datensatz, ist daraus zu schließen, dass er weltweit und über fünf Tage geliefert wird — nachgeprüft für Reykjavík, Singapur, Sydney und einen Punkt in der Antarktis. Die Stundenwerte im Diagramm sind demnach aus gröberen Modellschritten abgeleitet, nicht 24 eigenständige Rechnungen pro Tag.
- Angefangene Tage zählen nicht. Der CAMS-Lauf bricht mitten im fünften Tag ab. Ein Tageshöchstwert aus drei Nachtstunden wäre keine kleine Ungenauigkeit, sondern eine falsche Zahl. Die Seite zeigt deshalb nur Tage, für die alle 24 Stundenwerte in beiden Feldern vorliegen — in der Regel vier.
Die vier Linien im Diagramm
Waagerecht durch beide Diagramme laufen vier gestrichelte Linien. Sie sind die Stufengrenzen der international einheitlichen UV-Skala — dieselben, die auf UV-Strahlung ausführlich mit ihren Schutzempfehlungen stehen. Hier nur, was man zum Ablesen des Diagramms braucht, und woher die Zahlen kommen:
- ab 3
- Stufe mittel — die Schwelle, ab der die WHO Schutzmaßnahmen empfiehlt.
- ab 6
- Stufe hoch.
- ab 8
- Stufe sehr hoch — die zweite Schwelle der WHO.
- ab 11
- Stufe extrem.
Belegt in: WHO/WMO/UNEP/ICNIRP, Global Solar UV Index: A Practical Guide, 2002 — Zahlenbereiche in Tabelle 1 (S. 6), die Begründung der beiden Schwellen auf S. 8: „Above the threshold value of 3, protection is necessary, and this message should be reinforced at UVI values of 8 and above.“ Jede Linie trägt im Diagramm ihren Namen als Text — die Zuordnung hängt nirgends allein an einer Farbe.
Die Stufe in Tabelle und Balkenbeschriftung gehört zum gerundeten Wert. Auch das ist keine Auslegung, sondern steht so in der Anleitung (S. 6): „The UVI should be presented as a single value rounded to the nearest whole number.“ Ein Modellwert von 5,75 ist deshalb Stufe „hoch“ (gerundet 6) und nicht „mittel“.
Warum die senkrechte Achse in beiden Diagrammen bei 0 beginnt: Der UV-Index hat einen echten Nullpunkt und eine lineare Skala — er ist ein gewichtetes Integral über die Bestrahlungsstärke, mal einer festen Konstanten (Anhang C, S. 21). Erst dadurch darf man die zwei Kurven überhaupt voneinander abziehen und den Abstand als „so viel weniger“ lesen. Wäre die Achse abgeschnitten, sähe ein Unterschied von einem halben Punkt aus wie ein Absturz.
Warum hier keine Eigenschutzzeit steht
Die naheliegendste Frage — „wie lange darf ich raus?“ — beantwortet diese Seite nicht. Nicht aus Vorsicht, sondern weil die Quelle selbst davon abrät. Die WHO-Anleitung widmet dem einen eigenen Abschnitt mit der Überschrift „Reporting burn times is not recommended“:
„People tend to interpret burn times to mean that there is a safe level of unprotected sun exposure. Hence, relating UVI values to ‚time to burn‘ or ‚safe tanning time‘ sends out the wrong message to the public.“ ebenda, S. 6
Dazu kommt das Praktische: Eine solche Zeit hängt am Hauttyp, an der Kleidung, an der Neigung der Haut zur Sonne, an Reflexion und Höhe — an lauter Größen, von denen diese Schnittstelle keine einzige kennt. Ein Diagramm kann sagen, wie stark die Strahlung voraussichtlich sein wird. Was das für einen bestimmten Menschen bedeutet, ist eine medizinische Frage.
Deshalb steht hier auch keine Hauttyp-Tabelle und keine Faustformel für den Lichtschutzfaktor. Was an allgemeinen Schutzmaßnahmen zu den Stufen gehört, steht auf UV-Strahlung.
Quellen
Die Zahlen im Diagramm kommen live von der keyless
Luftgüte-Schnittstelle von
Open-Meteo
(air-quality-api.open-meteo.com/v1/air-quality), Felder
uv_index und uv_index_clear_sky,
Zeitzone auto, forecast_days=5.
Dahinter steht der globale Lauf des Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS); Open-Meteo
gibt dafür 0,4° Gitterweite (rund 45 km), 3-Stunden-Schritte, Aktualisierung alle
12 Stunden und fünf Tage Vorhersage an. Attribution nach Vorgabe von Open-Meteo:
CAMS ENSEMBLE data provider und Open-Meteo. Kein Zugangsschlüssel, kein eigener Server
— die Abfrage geht direkt aus deinem Browser, deine Eingabe wird nirgends gespeichert.
Beide Felder am 01.08.2026 gegen die Schnittstelle geprüft.
Alle wörtlichen Zitate und die Stufengrenzen stammen aus der Primärquelle: World Health Organization, World Meteorological Organization, United Nations Environment Programme, International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection: Global Solar UV Index: A Practical Guide. Genf, WHO, 2002. ISBN 92 4 159007 6, WHO-Kennung WHO/SDE/OEH/02.2. Abgerufen und geprüft am 01.08.2026.
Eintrag im WHO-Katalog:
https://www.who.int/publications/i/item/9241590076
Volltext (PDF) im WHO-Repositorium IRIS:
iris.who.int — Global Solar UV Index: A Practical Guide (PDF)
Belegstellen im Einzelnen: Hinweis zu „clear sky“-Vorhersagen S. 6 · Stufengrenzen Tabelle 1, S. 6 · Rundung auf ganze Zahlen S. 6 · Ablehnung von Eigenschutzzeiten S. 6 · Schwellen 3 und 8 S. 8 · Einflussgrößen, Höhenzunahme 10–12 % je 1000 m und Reflexionsgrade von Schnee (bis 80 %), Strandsand (rund 15 %) und Gischt (rund 25 %) S. 2 · Definition für eine waagerechte Fläche, CIE-Wirkungsspektrum nach ISO 17166:1999 / CIE S 007/E-1998 und „measurements or model calculations“ Anhang C, S. 21.
Weiter: UV-Strahlung (Skala, die fünf Stufen mit Schutzempfehlungen, Berechnung durch den DWD) · Bewölkung (wie der Bedeckungsgrad zustande kommt, der hier den Abstand macht) · Sonnenscheindauer · Methodik & Quellen.