Flussabfluss für deinen Ort

Es gibt eine Schnittstelle, die für jeden Punkt der Erde eine Zahl in Kubikmetern pro Sekunde ausspuckt: so viel Wasser fließt dort. Man könnte daraus eine schöne Anzeige bauen — „Dein Fluss heute: 0,7 m³/s“. Man sollte es nicht. Denn die Zahl ist kein Pegelstand, sie ist keine Messung, und sie gilt nicht für den Bach vor der Haustür. Sie kommt aus einem hydrologischen Modell auf einem groben Flussnetz und gehört zu einer Gitterzelle von rund fünf Kilometern Kantenlänge — die zufällig neben dem Fluss liegen kann. Diese Seite zeigt die Zahl trotzdem. Sie zeigt nur gleich daneben, was sie wert ist. Dasselbe Problem am Meer — eine Zahl, die zu einer anderen Stelle gehört als zur angefragten — behandelt Seegang & Wassertemperatur.

Der Befund, den man selbst nachprüfen kann

Am 01.08.2026 haben wir zwei Orte gegeneinandergestellt. Karlsruhe liegt am Rhein, dem wasserreichsten Fluss Deutschlands. Wietzendorf liegt in der Lüneburger Heide, ohne nennenswerten Fluss. Das Modell antwortete:

Beide bekommen eine Zahl, beide liegen unter 1 m³/s. Am Wert allein ist nicht zu erkennen, welcher der beiden Orte am Rhein liegt. Das ist der Kern des Problems: Ein Ort ohne Fluss bekommt keine Fehlermeldung, sondern eine unauffällige kleine Zahl — und eine unauffällige kleine Zahl bekommt auch, wer direkt am größten Strom des Landes wohnt.

Getrennt werden die Fälle erst durch die Nachbarschaft. Im 7 mal 7-Fenster um Karlsruhe steht am Westrand eine Kette von vier Zellen mit rund 475 m³/s — das ist der Rhein, 18,2 km entfernt, Faktor 684 gegenüber der eigenen Zelle. Um Wietzendorf bleibt das ganze Fenster unter 0,5 m³/s. Dort ist im Modellnetz einfach kein Fluss.

Gegenproben vom selben Tag: Köln 0,44 gegen 624,17 m³/s (Faktor 1419) — auch eine Rheinstadt, deren Zelle nicht auf dem Rhein liegt. Passau dagegen 641,69 m³/s: Dort liegt die Zelle des Ortes tatsächlich selbst auf der Donau. Es geht also, es ist nur nicht die Regel. Genau dieses Raster zeichnet die Seite oben für jeden gesuchten Ort neu, und den Befund zieht sie daraus.

Open-Meteo schreibt es in der eigenen Dokumentation selbst dazu: Wegen der 5-km-Auflösung werde der nächstgelegene Fluss unter Umständen nicht richtig getroffen, und es helfe, die Koordinate um 0,1° zu variieren. Das Raster hier ist nichts anderes als dieser Rat, systematisch ausgeführt und hingeschrieben statt im Kleingedruckten versteckt.

Modell gegen gemessenen Pegel — zwei verschiedene Dinge

Ein Pegel ist ein Bauwerk mit einer Messstelle. Er misst den Wasserstand in Zentimetern, und aus einer für diese Stelle vermessenen Abflusskurve wird daraus ein Abfluss in m³/s. Das ist eine Beobachtung: Sie hat einen Ort, einen Zeitstempel und eine zuständige Behörde.

Der Wert auf dieser Seite ist das Gegenteil davon. Er ist gerechnet: Ein Modell bekommt Niederschlag, Verdunstung und Bodenfeuchte vorgesetzt, schiebt das Wasser durch ein schematisches Flussnetz und sagt, wie viel unten ankommt. Niemand war dort. Es gibt keine Messstelle. Und weil das Netz schematisch ist, folgt es dem echten Flusslauf nur ungefähr.

Beides nebeneinander zu stellen, ist lehrreich — und genau das tut die Startseite im Abschnitt „Der Fluss sagt es selbst“ bereits: Dort steht der gemessene Abfluss eines echten Pegels der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (PEGELONLINE, alle 15 Minuten) neben dem Modellwert für dieselbe Koordinate, samt Abweichungsfaktor. Diese Seite wiederholt das nicht. Sie kümmert sich um die andere Hälfte: warum die Modellzahl so aussieht, wie sie aussieht, und wie man ihr ansieht, ob sie überhaupt zu einem Fluss gehört.

Wann aus Dauerregen ein Hochwasser wird, wer davor warnt und warum der DWD es nicht ist, erklärt Hochwasser & Starkregen. Die amtliche Lage steht bei den Hochwasserzentralen der Länder, nicht hier.

Was ein Kubikmeter pro Sekunde ist

1 m³/s heißt: In jeder Sekunde fließt ein Würfel Wasser von einem Meter Kantenlänge vorbei. Das sind tausend Liter je Sekunde. Die Einheit misst einen Durchfluss, keine Höhe — sie sagt nichts darüber, wie hoch das Wasser steht, wie breit der Fluss ist oder wie schnell er fließt. Derselbe Abfluss kann als schmaler reißender Kanal oder als breite träge Fläche daherkommen.

Deshalb steht oben eine Maßstabstabelle mit benannten Gitterzellen aus demselben Abruf: Sie zeigt live, was das Modell heute für Donau, Rhein, Elbe und Main rechnet — und daneben für eine Heidefläche ohne Fluss. Erst im Vergleich wird aus einer Zahl eine Größenordnung. Feste Zahlen stehen hier bewusst nicht im Text: Abfluss schwankt über das Jahr um ein Vielfaches, eine ins Fließtext gegossene Zahl wäre in vier Wochen falsch.

Was hier bewusst nicht behauptet wird

Quellen und Weiterlesen

Daten: die keyless Flut-Schnittstelle von Open-Meteo, Lizenz CC BY 4.0, Endpunkt /v1/flood, Tagesfelder river_discharge, river_discharge_mean, river_discharge_median, river_discharge_min, river_discharge_max, river_discharge_p25 und river_discharge_p75.

Als Grundlage nennt Open-Meteo das Global Flood Awareness System (GloFAS) des Copernicus-Programms, standardmäßig Version 4 mit 0,05° Auflösung (rund 5 km) und 30 Tagen Vorhersage. Die statistischen Felder stammen laut Dokumentation aus 50 Ensemble-Mitgliedern und gibt es nur für die Vorhersage, nicht für die konsolidierte Vergangenheit — das deckt sich mit dem, was in den abgerufenen Daten steht, und die Seite rechnet es jedes Mal nach. Dokumentation: open-meteo.com/en/docs/flood-api.

Echte, gemessene Flusspegel — Wasserstand und Abfluss, alle 15 Minuten — liefert PEGELONLINE der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes: pegelonline.wsv.de. Die Gegenüberstellung Messung gegen Modell steht auf der Startseite.

Die amtliche Hochwasserlage führen die Länder im länderübergreifenden Hochwasserportal: hochwasserzentralen.de. Was Hochwasser von einer Sturzflut unterscheidet und wer wofür warnt, steht auf Hochwasser & Starkregen. Woher das Wasser kommt, bevor es im Fluss ankommt, zeigt Bodenfeuchte in vier Tiefen. Wie ein Ensemble überhaupt zu lesen ist, erklärt der Ensemble-Fächer. Herkunft und Grenzen aller Datenquellen dieser Site stehen unter Methodik & Quellen.