Der Boden hat ein Gedächtnis
Und es wird nach unten hin länger. Die obersten Millimeter des Bodens folgen jedem Schauer und jeder Sonnenstunde; einen halben Meter tiefer bewegt sich fast nichts mehr. Diese Seite zeigt vier Bodenschichten übereinander, Stunde für Stunde — und sagt gleich vorweg, was sie nicht tut: Sie stellt keine Ampel auf „trocken“. Warum das mit diesen Zahlen nicht seriös ginge, steht im zweiten Kasten.
Was m³/m³ heißt
Bodenfeuchte wird hier als Wasservolumen je Bodenvolumen angegeben, Einheit m³/m³. Der Wert 0,22 bedeutet also: 22 Prozent des Bodenvolumens sind Wasser, der Rest ist Feststoff und Luft. Es ist ein Anteil, keine Menge — deshalb steht „Kubikmeter je Kubikmeter“ und nicht „Liter“.
- Nach unten begrenzt durch die Null, und die ist ein echter Nullpunkt: kein Wasser. Deshalb dürfen die Achsen auf dieser Seite bei 0 beginnen, ohne zu lügen.
- Nach oben begrenzt durch den Porenraum. Mehr Wasser, als Hohlräume da sind, passt nicht hinein. Wie viel Hohlraum ein Boden hat, hängt an seiner Art und seiner Verdichtung — und genau diese Angabe fehlt in den Daten.
- Rechnen darf man damit trotzdem. Der Unterschied zwischen zwei Zahlen derselben Schicht ist eine saubere Aussage: 0,14 gegenüber 0,04 heißt, dass in derselben Schicht dreieinhalbmal so viel Wasser steckt. Was das für eine Pflanze heißt, ist eine andere Frage — siehe gleich.
Warum hier keine Ampel „trocken / feucht“ steht
Das wäre die naheliegende Zutat — und sie wäre falsch. Ob ein Boden trocken ist, entscheidet nicht die Wassermenge in ihm, sondern wie viel davon Wurzeln herausbekommen. Und das hängt an der Bodenart:
- Sandige Böden speichern insgesamt wenig Wasser, geben aber das meiste davon leicht wieder ab.
- Tonreiche Böden speichern viel — halten aber einen erheblichen Teil so fest an den Teilchen, dass Wurzeln ihn nicht lösen können. Dieses Wasser ist da und zählt in die Zahl hinein, ist für die Pflanze aber nicht vorhanden.
- Daraus folgt: Derselbe Zahlenwert kann auf dem einen Boden reichlich und auf dem anderen knapp bedeuten. Eine Ampel, die nur die Zahl kennt, ordnet zwei Orte in dieselbe Stufe ein, die in Wirklichkeit ganz verschieden dastehen.
- Und die Bodenart liefert die Schnittstelle nicht mit. Deshalb lässt sich hier auch nicht in „Prozent der nutzbaren Feldkapazität“ umrechnen — die Größe, mit der Fachdienste Trockenheit im Boden beschreiben. Was hinter diesen Begriffen steckt und wer sie wofür benutzt, steht auf Dürre & Waldbrand.
Ein zweiter Grund kommt dazu: Ohne Vergleichszeitraum ist „zu trocken“ keine Aussage. Trockenheit ist eine Abweichung vom Üblichen, und was an einem Ort üblich ist, sagen diese vierzehn Tage nicht. Die Vorhersage-Schnittstelle liefert kein Klimamittel der Bodenfeuchte, und wir basteln uns keins zusammen.
Was bleibt, ist trotzdem eine Menge: der Verlauf und der Vergleich der Schichten untereinander. Beides braucht die Bodenart nicht, weil beides innerhalb desselben Bodens bleibt.
Drei Vorbehalte, ohne die die Kurven mehr behaupten, als sie können
- Das ist keine Messung. Bodenfeuchte wird nur an wenigen Spezialstationen gemessen und an Ihrem Ort mit Sicherheit nicht. Diese Zahlen fallen aus dem Bodenmodell eines Wettermodells — einer Rechnung, die Niederschlag, Verdunstung, Versickerung und Pflanzenbewuchs nachbildet. Auch die zurückliegenden Tage links der Trennlinie sind gerechnet und nicht abgelesen.
- Ein Teil der Dämpfung ist Arithmetik, nicht Bodenphysik. Die oberste Schicht ist einen Zentimeter dick, die unterste 54. Ein Mittelwert über 54 Zentimeter schwankt schon deshalb weniger, weil er über mehr mittelt. Wie viel des Unterschieds Trägheit des Bodens ist und wie viel schlichte Mittelung, lässt sich aus diesen Zahlen nicht trennen — deshalb steht die Dicke jeder Schicht im Diagramm und in der Tabelle.
- Die Auflösung endet bei 0,001. Die Schnittstelle rundet die Feuchte auf drei Nachkommastellen. Bei den tiefen Schichten liegt die typische Stündlich-Änderung darunter — die vierte Stelle in der Tabelle entsteht erst durch die Mittelung über viele Stunden und ist keine feinere Messung.
Wie man die vier Felder liest
- Die Reihenfolge ist die Tiefe. Oben die Oberfläche, unten der Boden in einem halben Meter Tiefe — so, wie man einen Bodenaufschluss ansieht.
- Im ersten Diagramm zählt die Form, nicht die Höhe. Alle vier Felder sind in m³/m³ gleich hoch skaliert, aber jedes ist um die Mitte seiner eigenen Schicht zentriert. Deshalb sind die Ausschläge direkt vergleichbar — die Höhenlage der Linien dagegen ausdrücklich nicht. Wer wissen will, welche Schicht mehr Wasser trägt, sieht ins zweite Diagramm.
- Die Senkrechte trennt Vergangenheit und Vorhersage, nicht Rechnung und Messung. Rechts der Linie kommt zur Modellunsicherheit die Unsicherheit der Vorhersage hinzu; gerechnet ist beides.
- Nichts ist geglättet. Keine Trendlinie, keine gleitenden Mittel, keine Interpolation über Lücken. Wo ein Wert fehlt, setzt die Linie ab.
Was diese Seite ausdrücklich nicht sagt
- Kein Urteil „trocken“ oder „feucht“ und keine Dürre-Einstufung — die Bodenart fehlt, siehe oben.
- Keine Prozentangabe der nutzbaren Feldkapazität. Diese Umrechnung bräuchte Feldkapazität und Welkepunkt des konkreten Bodens. Beides steht nicht in der Antwort, und beides zu schätzen hieße, eine Zahl zu erfinden und ihr dann zu glauben.
- Kein Vergleich mit einem Normalwert. Ohne Referenzzeitraum gibt es kein „zu wenig“.
- Keine Aussage über Ihren Garten. Die Abfrage rastet auf ein Modellgitter ein; Hanglage, Verdichtung, Bewuchs und der Baum nebenan machen auf zehn Metern mehr Unterschied als das Modell auf zehn Kilometern. Der Gitterpunkt steht in der Zahlentafel.
- Keine Bewässerungsempfehlung. Dafür bräuchte es genau die Angaben, die hier fehlen.
Quellen und Weiterlesen
Daten: die keyless Vorhersage-Schnittstelle von
Open-Meteo (Lizenz CC BY 4.0), Felder
soil_moisture_0_to_1cm, soil_moisture_3_to_9cm,
soil_moisture_9_to_27cm, soil_moisture_27_to_81cm sowie
soil_temperature_0cm und soil_temperature_6cm, stundenweise,
sieben Tage zurück und sieben Tage voraus. Die Einheit der Feuchtefelder gibt die
Schnittstelle selbst mit m³/m³ an. Kein Zugangsschlüssel, kein eigener Server,
keine Weitergabe Ihrer Eingaben. Die Schnittstelle führt zusätzlich eine Schicht
1 bis 3 cm; sie ist hier weggelassen, weil vier Schichten bereits vier Bilder sind.
Was Trockenheit fachlich bedeutet, welche Arten von Dürre unterschieden werden und warum die Bodenfeuchte dabei die Schlüsselgröße ist, steht auf Dürre & Waldbrand. Warum eine Modellrechnung keine Messung ist, erklären Wettermodelle und Das Messnetz; wie diese Seite grundsätzlich mit Zahlen umgeht, steht in Methodik & Quellen. Die Feuchte der Luft — eine ganz andere Größe mit einem ähnlichen Namen — behandelt Luftfeuchtigkeit.