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Wetterlagen · Föhn

Föhn

Föhn ist ein warmer, trockener Fallwind im Lee eines Gebirges: auf der windzugewandten Seite staut sich die Luft und regnet ab, auf der windabgewandten Seite fällt sie herunter, erwärmt sich dabei und bringt ungewöhnlich klare Fernsicht. Diese Seite erklärt die Physik — und sagt ehrlich, dass es keine eigene DWD-Föhnwarnung gibt: die gefährlichen Böen laufen unter Wind und Sturm.

Was Föhn ist

Föhn entsteht, wenn Luft quer über ein Gebirge strömt. Auf der Luvseite (der dem Wind zugewandten Seite) wird sie gezwungen aufzusteigen. Beim Aufsteigen kühlt sie ab, der Wasserdampf kondensiert — es bilden sich Wolken und meist Niederschlag. Genau diese aufgestaute, oft weit über den Kamm quellende Wolkenwand ist die Föhnmauer. Der Regen fällt größtenteils schon auf der Luvseite; die Luft verliert dabei ihre Feuchtigkeit.

Auf der Leeseite (der windabgewandten Seite) sinkt die nun trockene Luft wieder herab. Beim Absinken wird sie zusammengedrückt und erwärmt sich — und zwar, weil keine Wolken mehr entstehen, trockenadiabatisch: um rund 1 °C je 100 Meter Abstieg. Weil dieselbe Luft beim Aufsteigen auf der Luvseite langsamer abgekühlt ist (sie gab beim Kondensieren Wärme frei), kommt sie im Lee wärmer und deutlich trockener unten an als vorher. Das ist der Föhn: ein warmer, trockener Fallwind, der Sturmstärke erreichen kann.

Föhn ist damit kein Talwind: Er braucht eine großräumige Strömung quer über das Gebirge und weht auch nachts. Die Winde, die ein sonniger, ruhiger Tag ganz ohne großräumigen Druckgegensatz über dem Gebirge anwirft — Hang-, Tal- und Bergwind, an der Küste Seewind und Landwind —, erklärt Lokale Winde.

Schematischer Schnitt durch ein Gebirge: Von links strömt Luft an, steigt an der Luvseite auf, bildet die Föhnmauer aus Stauwolken und regnet ab; über den Kamm sinkt die nun trockene Luft auf der Leeseite herab, erwärmt sich und bringt als warmer Fallwind klare Fernsicht und ein wolkenarmes Föhnfenster. Kamm Luv — Aufstieg, Stau, Regen Lee — warmer Fallwind Föhnmauer (Stauwolke) Aufstieg, kühlt ab Absinken, erwärmt sich Föhnfenster: klarer Himmel, gute Fernsicht schematisch — nicht maßstabsgetreu, keine Achsen
Schematischer Schnitt durch eine Föhnlage. Luvseitig steigt die Luft auf, bildet die Föhnmauer und regnet ab; leeseitig sinkt die trockene Luft herab, erwärmt sich trockenadiabatisch und bringt klare Sicht. Bewusst schematisch, ohne Maßstab.

Zwei Erkennungszeichen fallen auf. Erstens das Föhnfenster: über dem Lee reißt die Bewölkung auf, oft steht über dem Gebirgskamm eine scharfe Wolkenkante, dahinter blanker Himmel. Zweitens die Fernsicht: die absinkende, trockene Luft ist besonders klar, weit entfernte Bergketten wirken zum Greifen nah. Beides sind verlässliche optische Hinweise auf eine Föhnlage.

Hinter dem Kamm schwingt die Luft oft in Leewellen weiter. An ihren Wellenbergen stehen dann glatte, linsenförmige Wolken still am Himmel, darunter können sich stark turbulente Luftwalzen bilden, sogenannte Rotoren — eine bekannte Gefahr für kleine Flugzeuge und Segelflieger. Mehr dazu auf Turbulenz im Flugzeug.

Amtliche Einordnung — ehrlich: Föhn ist kein eigenes DWD-Warnelement

Es gibt keine eigene „Föhnwarnung“ mit Föhn-km/h-Schwellen

Der Deutsche Wetterdienst beschreibt Föhn als Wetterphänomen, führt ihn aber nicht als eigenes Warnelement mit eigenen Windgeschwindigkeits-Schwellen. Es gibt also keine amtliche Zahl „ab X km/h ist es Föhn“ — und diese Seite erfindet auch keine.

Was gewarnt wird, sind die Böen, die ein kräftiger Föhn (etwa an der Alpennordseite) auslöst. Die laufen unter dem ganz normalen Warnelement Wind / Sturm — mit denselben Schwellen wie bei jeder anderen Windlage.

Konkret: Sobald ein Föhnsturm die amtlichen Windschwellen erreicht, gibt der DWD eine Wind- oder Sturmwarnung heraus — nach der Kriterientabelle „Wind (Böen)“. Dort beginnt die Staffel bei Windböen ab 50 km/h (Stufe 1), Sturmböen ab 65 km/h (Stufe 2) und steigt über schwere Sturm-, orkanartige und Orkanböen weiter. Die vollständige Stufentabelle mit allen echten Zahlen steht auf der Seite Sturm & Orkan — sie gilt für Föhnböen genauso wie für jeden anderen Wind.

Warum das wichtig ist: Eine seriöse Seite kann hier nicht mit einer „Föhn-Warnstufe“ auftrumpfen, weil es sie amtlich nicht gibt. Ehrlicher ist der Verweis auf das tatsächlich zuständige Warnelement Wind.

Die „Föhnkrankheit“ — nüchtern betrachtet

Rund um den Föhn ranken sich viele Beschwerden: Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit, Schlafstörungen. In Föhnregionen ist die „Föhnkrankheit“ ein fester Begriff. Ehrlich bleibt: Ein einzelner, eindeutig belegter Wirkmechanismus ist wissenschaftlich nicht zweifelsfrei gesichert. Diskutiert werden der rasche Luftdruck- und Temperaturwechsel, sehr trockene Luft und Schlafmangel durch den oft böigen, laut pfeifenden Wind.

Wetterfühligkeit ist real erlebbar, aber individuell sehr verschieden — viele Menschen spüren gar nichts. Diese Seite übertreibt das Thema bewusst nicht und macht daraus keine Diagnose. Wer bei Föhnlagen regelmäßig Beschwerden hat, nimmt sie ernst, ohne sie zu dramatisieren.

Wie gut ist Föhn vorhersagbar? Ehrlich: die Lage ja, das genaue Durchbrechen nur bedingt

Ob eine Föhnlage entsteht, lässt sich oft mehrere Tage im Voraus recht gut abschätzen. Föhn hängt an einem großräumigen Luftdruckgegensatz quer über das Gebirge (etwa Südwetterlage mit tiefem Druck nördlich, hohem Druck südlich der Alpen). Diese Großwetterlage ist gut rechenbar — sie ist groß, träge und grenzüberschreitend organisiert.

Schwieriger ist das Detail: ob und wann der Föhn im Tal wirklich „durchbricht“ bis zum Boden, wie weit er sich ins Vorland vorschiebt und wie stark die Böen genau werden, hängt empfindlich von der Talform, der Schichtung der Luft und kleinen Änderungen ab. Föhn hat einen „An/Aus“-Charakter: Er kann an einem Ort stundenlang über die Hänge streichen und erst spät oder gar nicht bis ins Tal durchgreifen. Diese lokale, zeitlich genaue Aussage ist deutlich unsicherer als die Feststellung, dass überhaupt Föhnpotential besteht.

Kurz gesagt

Die Föhnlage (Druckgegensatz über dem Gebirge): mehrere Tage im Voraus gut abschätzbar. Das genaue Durchbrechen und die Böenstärke im einzelnen Tal: kurzfristiger und unsicherer — hier zählen die aktuellen Beobachtungen und Warnungen mehr als eine Tagesprognose von vorgestern.

Was tun bei Föhn

Kurz und seriös. Maßgeblich sind im Ernstfall immer die aktuellen amtlichen Wind- und Sturmwarnungen des DWD.

Aktuelle Lage für deinen Ort

Die Startseite zeigt live die DWD-Warnungen (darunter Wind und Sturm, unter denen auch Föhnböen laufen) sowie die aktuellen Wind- und Böenwerte. Die vollständigen Windschwellen erklärt die Seite Sturm & Orkan.

Quellen

Die Beschreibung des Föhns (warmer, trockener Fallwind im Lee, Aufstieg und Stau auf der Luvseite, trockenadiabatische Erwärmung beim Absinken um rund 1 °C je 100 m, Föhnmauer) folgt dem Glossar des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Einträge Föhn, Föhnmauer und Fallwind:

https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?lv3=100882&lv2=100784

Dass Föhn kein eigenes Warnelement ist und die Böen unter dem Element Wind (Böen) gewarnt werden, ergibt sich aus den amtlichen Warnkriterien des DWD; die dort gelisteten Windschwellen (Windböen ab 50 km/h, Sturmböen ab 65 km/h und höher) stehen ausführlich auf Sturm & Orkan:

https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_aktuell/kriterien/warnkriterien.html

Bewusst keine eigene Föhn-Windschwelle auf dieser Seite: Eine solche amtliche Zahl existiert nicht. Herkunft und Grenzen der auf der Startseite gezeigten Daten stehen unter Methodik & Quellen.