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Wissen · Das Klima in Buchstaben

Klimaklassifikation nach Köppen-Geiger

„Cfb“ — so heißt das Klima in Deutschland im meistgenutzten Ordnungssystem der Welt. Der in St. Petersburg geborene deutsch-russische Klimatologe Wladimir Köppen teilte die Erde nach Temperatur und Niederschlag in Klimazonen, die sich eng an die Vegetation halten. Diese Seite zeigt die fünf Hauptklimate mit ihren exakten Schwellen, was der Buchstaben-Code bedeutet — und warum so scharfe Grenzen über ein fließendes Klima nur ein nützliches Raster sind.

Die Grundidee

Der deutsch-russische Wissenschaftler Wladimir Köppen (1846–1940) legte um 1900 die erste quantitative Weltklimaklassifikation vor; Rudolf Geiger aktualisierte die Weltkarte später. Köppen war Pflanzenphysiologe — sein System ist deshalb eng an die Vegetation gekoppelt und leitet die Zonen aus messbaren Größen ab: Temperatur, Niederschlag und deren Jahresgang. Es ist bis heute die am häufigsten verwendete Klimaklassifikation.

Das DWD-Wetterlexikon beschreibt das Prinzip der „effektiven“ Klassifikation („geht von den messbaren Klimaelementen … aus … Jeder Klimatyp wird durch ganz bestimmte Schwellenwerte gekennzeichnet“). Die exakten Zahlenwerte unten stammen aus der wissenschaftlichen Standard-Aktualisierung Kottek et al. 2006, entstanden am Weltzentrum für Niederschlagsklimatologie des DWD.

Die fünf Hauptklimate (1. Buchstabe A–E)

Unterschieden wird nach der Mitteltemperatur des kältesten Monats (Tmin) bzw. wärmsten Monats (Tmax) — und für das Trockenklima B nach einer Niederschlags-Schwelle.

CodeBezeichnungKern-Schwelle
ATropisch / äquatorialTmin ≥ +18 °C
BTrocken / aridJahresniederschlag < Trockenheitsschwelle
CWarm-gemäßigt / subtropisch−3 °C < Tmin < +18 °C
DKalt-gemäßigt / boreal („Schneeklima“)Tmin ≤ −3 °C
EPolarTmax < +10 °C
Temperatur-Zahlenstrahl der Köppen-Hauptklimate: D bis minus 3 Grad, C von minus 3 bis 18 Grad kältester Monat; E wärmster Monat unter 10 Grad, A kältester Monat ab 18 Grad. −40 −20 −3 0 10 18 40 Monatsmitteltemperatur (°C) D · T min ≤ −3 °C C A · T min ≥ +18 °C E: wärmster Monat < 10 °C
Die Hauptklimate A/C/D unterscheiden sich am kältesten Monat (Schwellen −3 °C und +18 °C); E dagegen am wärmsten Monat (unter 10 °C), B nur über den Niederschlag. Werte nach Kottek et al. 2006.

Der Code: zweiter und dritter Buchstabe

Der zweite Buchstabe beschreibt den Niederschlag: f immerfeucht (keine Trockenzeit), s sommertrocken, w wintertrocken, m Monsun (nur bei A). Der dritte Buchstabe die Temperatur: a heißer Sommer (Tmax ≥ +22 °C), b warmer Sommer (kein a, aber mindestens 4 Monate ≥ 10 °C), c kühler Sommer, d extrem kontinental; bei B steht h für heiß und k für kalt.

Warum Deutschland „Cfb“ ist

C (warm-gemäßigt: kältester Monat zwischen −3 und +18 °C) + f (immerfeucht, keine ausgeprägte Trockenzeit) + b (warmer Sommer: kein Monat ≥ 22 °C, aber mindestens vier Monate ≥ 10 °C). Mitteleuropa wird im Köppen-Geiger-Datensatz flächig als Cfb ausgewiesen.

Ein Raster, kein exaktes Abbild

Eine Klassifikation ist immer eine Vereinfachung: Sie legt scharfe Zahlengrenzen (etwa +18 °C oder +10 °C) über ein in Wirklichkeit fließendes Klima. Ein Ort, der eine Schwelle knapp über-/unterschreitet, springt in der Karte in eine andere Zone, obwohl sich das reale Klima nur graduell ändert. Köppen selbst hat sein System mehrfach überarbeitet — die Grenzen sind gesetzt, nicht naturgegeben.

Und die Zonen sind in Bewegung: Der Klimawandel verschiebt sie, wie Köppen-Geiger-Karten für 1901–2100 zeigen (Rubel & Kottek 2010). Auch das ist ehrlich: Ein Ordnungsraster ist nützlich, aber kein fester Naturzustand. (Hinweis: Manche Lehrbuchfassungen ziehen die C/D-Grenze bei 0 °C statt bei −3 °C — hier gilt die belegte Kottek-Fassung.)

Quellen

Die exakten Schwellen stammen aus der peer-reviewten Standard-Aktualisierung, das Prinzip aus dem DWD-Wetterlexikon:

Kottek et al. 2006 – World Map of the Köppen-Geiger climate classification updated (Meteorol. Z. 15/3) · DWD – Klimaklassifikation (effektive) · Köppen-Geiger-Weltkarte · Rubel et al. 2017 – Verschiebung der Zonen (Alpen)

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