← zurück zur Rubrik Wissen

Wissen · Das DWD-Messnetz

Das DWD-Messnetz: wie und wo gemessen wird

Jede Temperatur, jeder Niederschlag und jede Böe auf dieser Seite beginnt an einem physischen Gerät irgendwo im Gelände. Diese Seite zeigt, wie der Deutsche Wetterdienst misst — in 2 Metern Höhe, in einer belüfteten Schutzhütte, an tausenden Stationen — und warum das für den Kern dieser Seite so wichtig ist: eine Station ist ein Punkt, nicht die ganze Stadt.

Wie der DWD misst

Eine Wetterstation ist kein einzelnes Gerät, sondern ein kleiner, streng genormter Messplatz: eine ebene, freie Grasfläche, möglichst ohne Gebäude, Bäume oder Asphalt in der Nähe, die das Ergebnis verfälschen würden. Nur so sind die Werte einer Station in Hamburg mit denen in München überhaupt vergleichbar. Die Normen dafür kommen von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO); der DWD setzt sie in Deutschland um.

Die Lufttemperatur: 2 Meter über Grund, im Schatten

Die Lufttemperatur wird nach WMO-Standard immer in 2 Metern Höhe über dem Boden gemessen — das ist ungefähr die Höhe, in der Menschen die Temperatur wahrnehmen, und es hält Abstand zum Erdboden, der sich tagsüber stark aufheizt und nachts stark abkühlt. Gemessen wird nie in der prallen Sonne, sondern im Schatten einer Strahlungsschutzhütte: einem weißen, gut belüfteten Gehäuse aus Lamellen, das den Fühler vor direkter Sonneneinstrahlung schützt, aber die Außenluft frei durchstreichen lässt. An automatischen Stationen hat diese Kunststoff-Lamellenhütte die klassische „englische Hütte“ aus weiß gestrichenem Holz weitgehend abgelöst; letztere steht nur noch an wenigen personell besetzten Referenzstationen. Warum in zwei Metern Höhe und im Schatten gemessen wird, steht auf Temperaturmessung.

Schematischer Aufbau einer Wetterstation: auf einer Grasfläche steht ein Mast, an dem in 2 Metern Höhe eine weiße Lamellen-Schutzhütte mit dem Temperaturfühler hängt; die Sonne strahlt von schräg oben, die Hütte hält die Strahlung ab. Rechts daneben steht ein Niederschlagsmesser als Rohr, in das Regen fällt. ebene, freie Grasfläche Sonne Strahlungsschutz- hütte (T-Fühler) 2 m Niederschlags- messer schematisch — nicht maßstabsgetreu, keine Achsen
Schematischer Aufbau: die Schutzhütte mit dem Temperaturfühler hängt in 2 Metern Höhe, im Schatten und gut belüftet; daneben fängt ein Niederschlagsmesser den Regen. Bewusst schematisch, ohne Maßstab.

Wer misst: haupt- und nebenamtliche Stationen

Das Bodenmessnetz des DWD besteht aus zwei großen Gruppen. Die hauptamtlichen Stationen sind die professionell betriebenen, heute vollautomatisch arbeitenden Hauptstationen. Dazu kommen weit mehr nebenamtliche Stationen auf privatem oder kommunalem Grund, die von ehrenamtlich tätigen Beobachterinnen und Beobachtern betreut werden — ein großer Teil davon meldet inzwischen ebenfalls automatisch. Die folgenden Größenordnungen stammen aus der DWD-Darstellung des Bodenmessnetzes; die genauen Zahlen ändern sich mit dem Ausbau des Netzes.

Darüber hinaus misst der DWD auch die Atmosphäre in der Höhe: An einigen Standorten steigen Radiosonden an Wetterballons auf und messen Temperatur, Feuchte und Wind bis in große Höhen; Satelliten liefern das Bild von oben. Zusammen ergeben Boden, Höhe und Radar erst das vollständige Bild, aus dem die Wettermodelle rechnen — mehr dazu unter Wie eine Vorhersage entsteht.

Wie der Tageshöchstwert entsteht

Der „Höchstwert“ oder die Tagesmaximumtemperatur, die diese Seite anzeigt, ist kein einzelner Messstich zu einer bestimmten Uhrzeit. Die Station misst die 2-m-Temperatur laufend, und der Höchstwert ist schlicht das Maximum dieser 2-m-Temperatur über den Tag — also der wärmste Moment, den genau diese eine Hütte an genau diesem einen Ort zwischen Mitternacht und Mitternacht gesehen hat. Meist liegt er am frühen Nachmittag, wenn die Sonne den Boden am stärksten aufgeheizt hat.

Weil er ein Maximum ist, hängt er stark davon ab, wo die Hütte steht. Eine Station am Stadtrand auf freiem Feld meldet an einem sonnigen Sommertag einen anderen Höchstwert als eine mitten in einer aufgeheizten Innenstadt oder eine oben auf einem Berg — obwohl beide korrekt und nach denselben Regeln messen. Der Wert ist richtig; er gilt nur eben für seinen Punkt.

Warum die Station wichtig ist — ein Punkt, nicht die ganze Stadt

Hier ist der Kern dieser Seite. Eine Wetterstation misst ehrlich und genau — aber sie misst an einem Punkt. Sie ist nicht „das Wetter von Hamburg“ oder „die Temperatur in München“, sondern die Temperatur an ihrem Standort. Zwischen zwei Stellen derselben Stadt kann es an einem klaren Tag mehrere Grad Unterschied geben: Innenstadt gegen Stadtrand, Talsohle gegen Höhenlage, Asphalt gegen Grünfläche, Nähe zum Wasser oder nicht. Der Wert einer Station gilt exakt für ihren Fleck — und näherungsweise für die Umgebung, je ähnlicher diese ist. Warum eine Station mitten in der Stadt systematisch andere Werte liefert als eine im Umland, behandelt Stadtklima. Wie weit die Stationen der 25 Städte dieser Seite von ihrer Stadt entfernt stehen und ob die Vorhersage dort beständig zu warm oder zu kalt liegt, rechnet die Ortsbilanz aus dem eigenen Archiv nach.

Schematische Karte einer Stadt mit Umland: die bebaute Fläche, ein Fluss und ein Hügel. Nur an einer einzigen Stelle ist ein farbiger Punkt eingezeichnet — die Wetterstation. Der Rest der Fläche ist nicht gemessen, sondern nur ähnlich. Stadt (bebaut) Fluss Höhenlage Station — hier wird gemessen alles andere: nicht gemessen, nur ähnlich schematisch — erfundene Karte, ein Standort steht für ein ganzes Gebiet
Ein einziger Punkt in einem ganzen Gebiet ist gemessen — die Station. Der Rest der Fläche (Innenstadt, Fluss, Höhenlage) ist nicht gemessen, sondern nur mehr oder weniger ähnlich. Bewusst schematisch.

Warum diese Seite bewusst die Station zeigt

Genau deshalb nennt diese Seite immer die Station, an der ein Wert entstanden ist, statt so zu tun, als gälte er für einen ganzen Ort. Das ist die Kern-Ehrlichkeit der Seite: lieber sagen „so warm war es an dieser Station“ als eine Präzision für die ganze Stadt vorzutäuschen, die eine einzelne Messung nicht leisten kann. Warum die Seite Station statt Ort zeigt, steht ausführlich unter Methodik & Quellen; wie stark sich zwei Stationen unterscheiden können, lässt sich im Vergleich direkt nebeneinander sehen.

Geprüft oder roh: zwei Qualitätsstufen

Eine Messung ist nicht sofort ein endgültiger Wert. Der DWD gibt seine Stationsdaten in zwei Stufen heraus, und diese Seite kennzeichnet, welche sie gerade zeigt:

Deshalb kann ein sehr frischer Wert später noch leicht angepasst werden, wenn die Prüfung ihn ersetzt. Was hinter current und historical genau steckt, steht im Glossar; woher jede Zahl der Startseite stammt, unter Methodik & Quellen.

Quellen

Die Stationszahlen (hauptamtliche und nebenamtliche Stationen) stammen aus der Darstellung des Bodenmessnetzes durch den Deutschen Wetterdienst (DWD). Sie sind hier bewusst als Größenordnung angegeben, weil sich der Netzumfang mit dem Ausbau ändert:

https://www.dwd.de/DE/derdwd/messnetz/bodenbeobachtung/_functions/Teasergroup/bodenmessnetz.html

Die Standardmesshöhe von 2 Metern, die Messung im Schatten und die Strahlungsschutzhütte (früher die „englische Hütte“) sind in den Erläuterungen des DWD zur Messung der Lufttemperatur beschrieben und folgen dem Standard der Weltorganisation für Meteorologie (WMO):

https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/9/14.html

Angaben zum Niederschlagsmessnetz und zum Radarverbund sind Größenordnungen nach DWD-Darstellung. Woher jede Zahl der Startseite kommt und warum die Seite bewusst die Station statt eines Ortes zeigt, steht unter Methodik & Quellen.