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Wissen · Woher die Grad-Zahl kommt

Wie Temperatur gemessen wird

„30 °C“ heißt nicht „30 °C in der Sonne“. Damit Werte überhaupt vergleichbar sind, misst der DWD nach festen Regeln: in 2 Metern Höhe, im Schatten, gut belüftet. Diese Seite zeigt diese Regeln, wie aus den Messwerten ein Tagesmittel wird und warum Bodenfrost etwas anderes ist als Luftfrost — jede Angabe wörtlich vom DWD belegt.

Zwei Meter, im Schatten, belüftet

Die bodennahe Lufttemperatur wird beim DWD — nach WMO-Vorgabe — in einer festen Höhe gemessen:

„Im Deutschen Wetterdienst wird die Lufttemperatur in 2 m Höhe über dem Boden mit Hilfe eines strahlengeschützten Messfühlers ermittelt.“ — DWD

Entscheidend ist der Strahlungsschutz: Gemessen wird nicht in der prallen Sonne, sondern abgeschattet in einer belüfteten Wetterhütte (historisch die weiße „Englische Hütte“ mit jalousienartigen Lamellenwänden, heute ein moderner Lamellen-Strahlungsschutz aus Kunststoff mit Lüfter). Der DWD:

„Gemessen wird die Lufttemperatur immer in zwei Metern Höhe über Grund. Die Messung erfolgt jedoch nicht in der prallen Sonne, sondern abgeschattet mit einem modernen … gut ventilierten Lamellen-Strahlungsschutz.“ — DWD

Warum das ehrlich ist

Deshalb ist die „gemessene Temperatur“ immer die Schatten-Temperatur in 2 m — eine klar definierte Größe, kein Gefühlswert. In direkter Sonne oder am heißen Asphalt kann es sich völlig anders anfühlen; das versucht die gefühlte Temperatur zu fassen (und ist dann ein Modell).

Wie aus Messwerten ein Tagesmittel wird

Seit dem 1. April 2001 bildet der DWD die Tagesmitteltemperatur als arithmetisches Mittel der 24 Stundenwerte (0:00 bis 23:00 UTC); die Stundenwerte sind selbst Mittel aus 10-Minuten-Werten. Fällt zu viel aus, wird ersatzweise aus den vier Hauptterminen (0/6/12/18 UTC) gemittelt.

Früher nutzte man die Mannheimer Stunden (7, 14 und 21 Uhr Ortszeit), wobei der Abendwert doppelt zählte:

TTag = ( T7 + T14 + 2 · T21 ) / 4

Der klimatologische Tag läuft dabei nicht von Mitternacht zu Mitternacht, sondern (ab 2001) etwa von 23:51 UTC des Vortages bis 23:50 UTC — auch Tagesminimum und Tagesmaximum beziehen sich auf diesen Zeitraum.

Boden gegen Luft: die 5-Zentimeter-Messung

Neben der 2-m-Messung misst der DWD — ebenfalls strahlengeschützt — dicht über dem Boden:

„Die Temperatur in Bodennähe wird – ebenfalls strahlengeschützt – in 5 cm über einem unbewachsenen Boden gemessen.“ — DWD

Das erklärt einen häufigen Widerspruch: Bodenfrost ist nicht dasselbe wie Luftfrost. Nachts kühlt die bodennahe Luft stärker aus als die Luft in 2 m. Laut DWD kann Bodenfrost „bereits bei einer gemessenen Lufttemperatur von 3 bis 5 °C auftreten“ — das Thermometer in der Hütte zeigt dann noch Plusgrade, während es am Boden schon friert.

Kurz

Luftfrost = unter 0 °C in 2 m (die amtliche Messhöhe). Bodenfrost = unter 0 °C in Bodennähe (5 cm) — kann schon auftreten, wenn die 2-m-Temperatur noch bei +3 bis +5 °C liegt. Wichtig für Landwirtschaft und Gärtner. Mehr zum Thema unter Frost.

Quellen

Alle Angaben stammen vom Deutschen Wetterdienst (Dokumentationen, Wetterlexikon und „Thema des Tages“):

Erläuterungen zur Lufttemperatur (2 m, 5 cm) · Thermometerhütte · Von der Messung der Lufttemperatur · Tagesmitteltemperatur · Bodenfrost

Wie die Startseite Messwerte von Modellwerten trennt, steht unter Methodik & Quellen; das Messnetz dahinter unter Messnetz.