Wie der DWD misst
Eine Wetterstation ist kein einzelnes Gerät, sondern ein kleiner, streng genormter Messplatz: eine ebene, freie Grasfläche, möglichst ohne Gebäude, Bäume oder Asphalt in der Nähe, die das Ergebnis verfälschen würden. Nur so sind die Werte einer Station in Hamburg mit denen in München überhaupt vergleichbar. Die Normen dafür kommen von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO); der DWD setzt sie in Deutschland um.
Die Lufttemperatur: 2 Meter über Grund, im Schatten
Die Lufttemperatur wird nach WMO-Standard immer in 2 Metern Höhe über dem Boden gemessen — das ist ungefähr die Höhe, in der Menschen die Temperatur wahrnehmen, und es hält Abstand zum Erdboden, der sich tagsüber stark aufheizt und nachts stark abkühlt. Gemessen wird nie in der prallen Sonne, sondern im Schatten einer Strahlungsschutzhütte: einem weißen, gut belüfteten Gehäuse aus Lamellen, das den Fühler vor direkter Sonneneinstrahlung schützt, aber die Außenluft frei durchstreichen lässt. An automatischen Stationen hat diese Kunststoff-Lamellenhütte die klassische „englische Hütte“ aus weiß gestrichenem Holz weitgehend abgelöst; letztere steht nur noch an wenigen personell besetzten Referenzstationen. Warum in zwei Metern Höhe und im Schatten gemessen wird, steht auf Temperaturmessung.
Wer misst: haupt- und nebenamtliche Stationen
Das Bodenmessnetz des DWD besteht aus zwei großen Gruppen. Die hauptamtlichen Stationen sind die professionell betriebenen, heute vollautomatisch arbeitenden Hauptstationen. Dazu kommen weit mehr nebenamtliche Stationen auf privatem oder kommunalem Grund, die von ehrenamtlich tätigen Beobachterinnen und Beobachtern betreut werden — ein großer Teil davon meldet inzwischen ebenfalls automatisch. Die folgenden Größenordnungen stammen aus der DWD-Darstellung des Bodenmessnetzes; die genauen Zahlen ändern sich mit dem Ausbau des Netzes.
-
Hauptamtliche Wetterstationen nach DWD: rund 180
Vollautomatisch betriebene Hauptstationen — das Rückgrat des Netzes. Der DWD nennt 181 vollautomatisch betriebene hauptamtliche Wetterstationen (Größenordnung).
-
Nebenamtliche Stationen nach DWD: über 1700
Auf privatem oder kommunalem Grund, betreut von ehrenamtlichen Beobachtern; ein Teil arbeitet als automatische Online-Station. Wie groß dieser Teil ist, sagt die verlinkte DWD-Quelle nicht — sie nennt die 181 und die über 1700, sonst nichts. An dieser Stelle stand bis zum 01.08.2026 „nach DWD-Angaben in der Größenordnung von rund 840“. Die Zahl ließ sich in keiner der zitierten Quellen wiederfinden und ist deshalb raus.
-
Niederschlagsmessnetz Größenordnung: einige hundert
Ein eigenes, dichtes Netz reiner Niederschlagsstationen ergänzt die Wetterstationen, weil Regen räumlich sehr kleinteilig fällt (Größenordnung mehrere hundert automatische Niederschlagsstationen).
-
Wetterradar-Verbund Größenordnung: rund 17
Ein bundesweiter Verbund von Radarstandorten erfasst Niederschlag flächendeckend zwischen den Stationen — die Grundlage für das Regenradar und den Nowcast der Startseite.
Darüber hinaus misst der DWD auch die Atmosphäre in der Höhe: An einigen Standorten steigen Radiosonden an Wetterballons auf und messen Temperatur, Feuchte und Wind bis in große Höhen; Satelliten liefern das Bild von oben. Zusammen ergeben Boden, Höhe und Radar erst das vollständige Bild, aus dem die Wettermodelle rechnen — mehr dazu unter Wie eine Vorhersage entsteht.
Wie der Tageshöchstwert entsteht
Der „Höchstwert“ oder die Tagesmaximumtemperatur, die diese Seite anzeigt, ist kein einzelner Messstich zu einer bestimmten Uhrzeit. Die Station misst die 2-m-Temperatur laufend, und der Höchstwert ist schlicht das Maximum dieser 2-m-Temperatur über den Tag — also der wärmste Moment, den genau diese eine Hütte an genau diesem einen Ort zwischen Mitternacht und Mitternacht gesehen hat. Meist liegt er am frühen Nachmittag, wenn die Sonne den Boden am stärksten aufgeheizt hat.
Weil er ein Maximum ist, hängt er stark davon ab, wo die Hütte steht. Eine Station am Stadtrand auf freiem Feld meldet an einem sonnigen Sommertag einen anderen Höchstwert als eine mitten in einer aufgeheizten Innenstadt oder eine oben auf einem Berg — obwohl beide korrekt und nach denselben Regeln messen. Der Wert ist richtig; er gilt nur eben für seinen Punkt.
Warum die Station wichtig ist — ein Punkt, nicht die ganze Stadt
Hier ist der Kern dieser Seite. Eine Wetterstation misst ehrlich und genau — aber sie misst an einem Punkt. Sie ist nicht „das Wetter von Hamburg“ oder „die Temperatur in München“, sondern die Temperatur an ihrem Standort. Zwischen zwei Stellen derselben Stadt kann es an einem klaren Tag mehrere Grad Unterschied geben: Innenstadt gegen Stadtrand, Talsohle gegen Höhenlage, Asphalt gegen Grünfläche, Nähe zum Wasser oder nicht. Der Wert einer Station gilt exakt für ihren Fleck — und näherungsweise für die Umgebung, je ähnlicher diese ist. Warum eine Station mitten in der Stadt systematisch andere Werte liefert als eine im Umland, behandelt Stadtklima. Wie weit die Stationen der 25 Städte dieser Seite von ihrer Stadt entfernt stehen und ob die Vorhersage dort beständig zu warm oder zu kalt liegt, rechnet die Ortsbilanz aus dem eigenen Archiv nach.
Warum diese Seite bewusst die Station zeigt
Genau deshalb nennt diese Seite immer die Station, an der ein Wert entstanden ist, statt so zu tun, als gälte er für einen ganzen Ort. Das ist die Kern-Ehrlichkeit der Seite: lieber sagen „so warm war es an dieser Station“ als eine Präzision für die ganze Stadt vorzutäuschen, die eine einzelne Messung nicht leisten kann. Warum die Seite Station statt Ort zeigt, steht ausführlich unter Methodik & Quellen; wie stark sich zwei Stationen unterscheiden können, lässt sich im Vergleich direkt nebeneinander sehen.
Geprüft oder roh: zwei Qualitätsstufen
Eine Messung ist nicht sofort ein endgültiger Wert. Der DWD gibt seine Stationsdaten in zwei Stufen heraus, und diese Seite kennzeichnet, welche sie gerade zeigt:
-
Roh (aktuell)
currentDie frischen, noch ungeprüften Messwerte der letzten Stunden und Tage — schnell verfügbar, aber noch ohne die volle Qualitätskontrolle. Gut, um zu sehen, was gerade passiert; einzelne Ausreißer sind nicht ausgeschlossen.
-
Geprüft (historisch)
historicalÄltere Werte, die der DWD geprüft und korrigiert hat — das belastbare Archiv, auf dem Statistik und Rekorde beruhen. Diese Werte ändern sich nicht mehr.
Deshalb kann ein sehr frischer Wert später noch leicht angepasst
werden, wenn die Prüfung ihn ersetzt. Was hinter current und
historical genau steckt, steht im
Glossar; woher jede Zahl der Startseite stammt, unter
Methodik & Quellen.
Quellen
Die Stationszahlen (hauptamtliche und nebenamtliche Stationen) stammen aus der Darstellung des Bodenmessnetzes durch den Deutschen Wetterdienst (DWD). Sie sind hier bewusst als Größenordnung angegeben, weil sich der Netzumfang mit dem Ausbau ändert:
https://www.dwd.de/DE/derdwd/messnetz/bodenbeobachtung/_functions/Teasergroup/bodenmessnetz.html
Die Standardmesshöhe von 2 Metern, die Messung im Schatten und die Strahlungsschutzhütte (früher die „englische Hütte“) sind in den Erläuterungen des DWD zur Messung der Lufttemperatur beschrieben und folgen dem Standard der Weltorganisation für Meteorologie (WMO):
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/9/14.html
Angaben zum Niederschlagsmessnetz und zum Radarverbund sind Größenordnungen nach DWD-Darstellung. Woher jede Zahl der Startseite kommt und warum die Seite bewusst die Station statt eines Ortes zeigt, steht unter Methodik & Quellen.