Warum eine Zahl je Monat nicht reicht
Eine Vorhersage für morgen liegt fast immer näher an der Messung als eine für in sieben Tagen. Wer alle Vergleiche eines Monats in einen Topf wirft, mittelt deshalb nicht nur über das Wetter dieses Monats, sondern auch über die Mischung der Vorläufe — und die ist von Monat zu Monat verschieden.
Das liegt am Archiv selbst. Es beginnt am 18.07.2026: Die ersten Zieltage danach hat nur eine kurze Vorhersage erreicht, eine lange gab es für sie noch nicht. Der Juli ist darum reich an kurzen Vorläufen. Im August und Anfang September fiel die Archivierung aus. Für die Zieltage in einer solchen Lücke fehlen zuerst die kurzen Vorhersagen; die älteren, langen von vor dem Ausfall erreichen ihren Zieltag trotzdem. Der August ist darum reich an langen Vorläufen. Ein roher Monatswert verrät also zum Teil nur, wann das Archiv lückenhaft war.
Deshalb steht unten jeder Monat je Vorlauf — und daneben ein vorlaufbereinigter Wert, bei dem die acht Vorläufe von 0 bis 7 Tagen gleich viel zählen, egal wie viele Vergleiche auf jeden entfallen. Eine dritte Rechnung prüft das Ergebnis gegen: nur die Orte und Zieltage, die in allen acht Vorläufen vorkommen.
Das Zeugnis aus dem Archiv
Die Auswertung wird geladen … Ohne JavaScript liegt sie als Datei unter /data/monatsbilanz.json.
Wie man das Zeugnis liest
- Mittlerer Fehler (MAE): wie weit die Mitte der Modelle — der Median, wie auf der Startseite — im Mittel von der gemessenen Höchsttemperatur entfernt lag, ohne Vorzeichen. Kleiner ist besser.
- In der Spanne: wie oft die Messung zwischen dem kältesten und dem wärmsten Modell lag. Mehr ist nicht automatisch besser — was eine ehrlich gestreute Spanne erreichen müsste, steht auf Trefferquote.
- 95-%-Spanne: wie weit sich der bereinigte Wert verschiebt, wenn man die Zieltage des Monats neu zieht (Block-Bootstrap: ganze Tage mit allen Orten, weil 25 Städte an einem Tag eine Wetterlage teilen). Benachbarte Tage gelten dabei als unabhängig — die Spanne ist deshalb eher zu schmal als zu breit. Schließt die Spanne eines Unterschieds null ein, ist keiner der beiden Monate erkennbar besser.
- Schlagseite: der Fehler mit Vorzeichen, gemittelt. Minus heißt: Die Mitte der Modelle war zu kalt. Ein Betrag nahe null bei großem MAE heißt: Die Fehler streuen in beide Richtungen.
- Zu kalt / zu warm: wie oft die Messung über dem wärmsten Modell lag (alle zu kalt) oder unter dem kältesten (alle zu warm).
- Schlimmster Zieltag: der Tag, an dem die Mitte bei diesem Vorlauf über alle Orte im Mittel am weitesten danebenlag. An welchen Tagen die Spanne aller Modelle an fast allen Orten zugleich verfehlt wurde, zeigt das Diagramm „Der kollektive Irrtum“ auf Trefferquote.
Grenzen, offen benannt
- Ein junges Archiv, mit Lücken. Das Archiv beginnt am 18.07.2026; der Juli hat deshalb nur seine zweite Hälfte. Die Ausfälle im August und September stehen oben in der Stand-Zeile und je Monat bei den Lücken — aus der Datei, nicht von Hand.
- Vorlaufbereinigt heißt nicht: gleiche Tage. Auch je Vorlauf stecken hinter einem Monat nicht immer dieselben Zieltage, und bei langem Vorlauf oft nur wenige. Deshalb braucht jeder Wert neben einer Mindestzahl an Vergleichen auch eine an verschiedenen Zieltagen (beide stehen beim Zeugnis), deshalb die Spanne und die Gegenprobe auf den Zieltagen, die alle acht Vorläufe haben — sie beruht auf wenigen Tagen und ist entsprechend wackelig.
- Punkt gegen Gitter. Gemessen wird an einer DWD-Station, vorhergesagt für einen Modellgitterpunkt. Ein Teil jedes Fehlers ist dieser Unterschied.
- Nur der Tageshöchstwert. Den Tagestiefstwert archiviert die Seite erst seit dem 26.09.2026; für ein Monatszeugnis reicht das noch nicht.
- Der Abstand zum ERA5-Mittel ist keine amtliche Monatsanomalie. Er vergleicht Stationswerte mit einem Gittermittel und trägt den Versatz zwischen beiden in sich. Wie warm ein Monat in Deutschland amtlich war, steht in den Monatsbilanzen des DWD; die gemessene Erwärmung seit 1881 auf Klimawandel in Deutschland.
Quellen
Archiv dieser Seite: Vorhersagen von Open-Meteo (CC BY 4.0), abgelegt unter
/data/forecasts/; Messungen des DWD über Bright Sky (DWD GeoNutzV) in /data/measured.json;
Klimamittel 1991–2020 aus ERA5 (Copernicus Climate Change Service) über Open-Meteo in
/data/klimatologie.json. Die Auswertung selbst:
/data/monatsbilanz.json, gerechnet in jedem Schnappschuss
(build_monatsbilanz in snapshot.py). Aufbau aller Dateien: Das offene Datenarchiv.
Verifikation nach Vorlauf: D. S. Wilks (2019): Statistical Methods in the Atmospheric Sciences, 4. Aufl., Kap. 9 (Forecast Verification), Elsevier — mittlerer absoluter Fehler und mittlerer Fehler (Schlagseite) als Maße für Vorhersagen stetiger Größen.
ERA5: H. Hersbach u. a. (2020): The ERA5 global reanalysis. Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society 146(730), 1999–2049.