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Wetterlagen · Smog & Inversion Wie eine solche Sperrschicht zustande kommt, erklärt Temperaturinversion.

Smog & Inversionswetterlage

Smog entsteht nicht aus dem Nichts: Meist sperrt eine Temperaturinversion wie ein Deckel die Luft am Boden ein, und Schadstoffe reichern sich darunter an. Diese Seite erklärt die Wetterseite des Problems — Sommersmog (bodennahes Ozon) und Wintersmog (Feinstaub) — und sagt ehrlich, welche Schwellen heute wirklich gelten.

Was eine Inversion ist — der Deckel über der Luft

Normalerweise wird es nach oben kühler: Warme Luft am Boden ist leichter, steigt auf, und mit ihr steigen Schadstoffe weg — die Luft „durchmischt“ sich. Bei einer Temperaturinversion ist das umgedreht: In einer Höhenschicht liegt wärmere Luft über kälterer Bodenluft. Diese warme Schicht wirkt wie ein Deckel. Die kalte Bodenluft ist schwerer und kann nicht durch ihn hindurch aufsteigen — die Durchmischung bricht ab.

Unter dem Deckel sammelt sich dann alles, was am Boden ausgestoßen wird — Abgase, Ruß, Feinstaub —, weil es nirgends hin kann. Typisch entsteht so eine Inversion in windschwachen Hochdrucklagen: nachts kühlt der Boden aus, im Winter oft über Tage, und absinkende Luft im Hoch erwärmt die Höhenschicht zusätzlich. Kein Wind, der durchlüftet, kein Aufsteigen, das räumt — die Schadstoffe bleiben bodennah eingesperrt. Das ist die Wetterzutat zum Smog.

Schematischer Vergleich: links normale Schichtung, in der warme Bodenluft aufsteigt und Schadstoffe wegträgt; rechts eine Inversion, bei der eine warme Luftschicht wie ein Deckel über der kalten Bodenluft liegt und Schadstoffe darunter eingesperrt bleiben. normale Schichtung Luft mischt sich, Schadstoffe steigen weg Inversion warme Schicht — Deckel kalte Bodenluft Schadstoffe bleiben unter dem Deckel schematisch — nicht maßstabsgetreu, keine Achsen
Links steigt warme Bodenluft auf und trägt Schadstoffe weg; rechts liegt eine warme Schicht als Deckel über der kalten Bodenluft und sperrt die Schadstoffe ein. Bewusst schematisch, ohne Maßstab.

Sommersmog und Wintersmog — zwei verschiedene Probleme

Wintersmog ist der klassische Fall: Bei einer winterlichen Inversion sammeln sich Feinstaub und andere primär ausgestoßene Schadstoffe (aus Heizungen, Verkehr, Industrie) unter dem Deckel. Er hängt unmittelbar an der Inversion: kalt, windschwach, oft neblig-trüb, über Tage. Der historische „London Smog“ war dieser Typ.

Sommersmog funktioniert anders. Hier ist der Leitschadstoff das bodennahe Ozon. Ozon wird nicht direkt ausgestoßen, sondern entsteht erst in der Luft: aus Vorläuferstoffen (Stickoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen) unter intensiver Sonnenstrahlung. Deshalb ist Sommersmog ein Schönwetter-Problem — er braucht Hitze, Sonne und eine stabile Hochdrucklage, und die Ozonwerte steigen typischerweise am frühen Nachmittag auf ihr Tagesmaximum. Ozon reizt Atemwege und Augen; empfindliche Menschen spüren es bei körperlicher Anstrengung im Freien zuerst.

Nicht zu verwechseln mit dem Ozon in 15 bis 35 km Höhe: Dort schirmt die Ozonschicht UV-Strahlung ab, und dort liegt auch das Ozonloch. Oben und unten sind dasselbe Molekül, aber zwei getrennte Probleme (Ozonschicht & Ozonloch).

Welche Schwellen heute wirklich gelten — ehrlich: die EU-Werte, nicht die alten Smog-Verordnungen

Die alten deutschen Smog-Verordnungen sind außer Kraft

Viele erinnern sich an „Smog-Alarm“ mit Fahrverboten nach den Smog-Verordnungen der Bundesländer. Diese Verordnungen sind heute außer Kraft — das alte Smog-Alarm-System mit seinen Stufen gibt es so nicht mehr.

Maßgeblich sind heute die EU-Luftqualitätsschwellen aus der Richtlinie 2008/50/EG, in Deutschland umgesetzt in der 39. BImSchV. Sie lösen keine automatischen Fahrverbote aus, verpflichten aber zu Information und Warnung der Bevölkerung, wenn bestimmte Werte überschritten werden.

Für den Sommersmog sind die beiden wichtigsten dieser Schwellen die Ozon-Werte. Sie beziehen sich jeweils auf das 1-Stunden-Mittel der Ozonkonzentration:

Zusätzlich gibt es für Ozon einen Zielwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit: 120 µg/m³ als höchster 8-Stunden-Mittelwert eines Tages, der (im Mittel über drei Jahre) an nicht mehr als 25 Tagen im Jahr überschritten werden soll. Das ist ein längerfristiges Schutzziel, keine akute Alarmschwelle.

Die beiden Farben oben markieren nur die Staffelung (Information < Alarm); sie sind kein amtlicher Luftgüte-Farbindex. Für Feinstaub (Wintersmog) gelten eigene EU-Grenzwerte (Tages- und Jahresmittel); diese Seite nennt bewusst nur die Ozon-Schwellen als Zahl, weil sie die typischen akuten Smog-Warnschwellen sind.

Wie gut ist Smog vorhersagbar? Ehrlich: der Sommersmog ziemlich gut

Sommersmog (Ozon) ist vergleichsweise gut vorhersagbar — besser als ein einzelnes Gewitter. Er hängt an großräumigen, trägen Zutaten: einer stabilen Hochdrucklage, Hitze und viel Sonne. Solche Lagen sind ein bis mehrere Tage im Voraus rechenbar, und der Tagesgang ist regelmäßig: Die höchsten Werte fallen fast immer in den frühen Nachmittag. Deshalb geben die Umweltbehörden bei Hitzewellen brauchbare Ozon-Vorhersagen für den nächsten Tag.

Wintersmog (Feinstaub) ist etwas schwerer punktgenau zu treffen: Ob und wie lange sich eine Inversion hält und wie stark sich die Schadstoffe darunter anreichern, hängt empfindlich von Höhe und Beständigkeit der Deckelschicht, von schwachem Wind und von lokalen Quellen (Verkehr, Heizungen) ab. Die grobe Lage — „anhaltende Inversion, schlechte Durchlüftung“ — ist absehbar, der genaue Feinstaubwert an einem Ort dagegen weniger.

Kurz gesagt

Sommersmog: an Hitze und Hoch gebunden, mit klarem Tagesgang — ein bis zwei Tage vorher gut abschätzbar. Wintersmog: die Inversionslage ja, der genaue Feinstaubwert nur bedingt. In beiden Fällen zählen die aktuell gemessenen Werte mehr als jede Faustregel.

Was tun bei Smog

Kurz und seriös. Maßgeblich sind im Ernstfall immer die aktuellen amtlichen Messwerte und Hinweise der Umweltbehörden.

Aktuelle Lage für deinen Ort

Die Startseite bündelt die aktuellen Luftdaten für deinen Ort; was Feinstaub, Ozon und der Luftqualitätsindex genau bedeuten, erklärt die Seite Luftqualität. Die amtlichen, offiziell gewerteten Luftqualitätsmessungen führt das Umweltbundesamt (siehe Quellen) — dort stehen auch die aktuellen Ozon- und Feinstaubwerte der Messstationen.

Quellen

Die Ozon-Schwellen — Informationsschwelle 180 µg/m³ und Alarmschwelle 240 µg/m³, jeweils als 1-Stunden-Mittel, sowie der Zielwert 120 µg/m³ als höchster 8-Stunden-Mittelwert — stammen von der Ozon-Seite des Umweltbundesamtes (UBA):

https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/ozon-belastung

Rechtsgrundlage sind die EU-Luftqualitätsrichtlinie 2008/50/EG und ihre deutsche Umsetzung, die 39. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (39. BImSchV). Dass die alten Smog-Verordnungen der Länder außer Kraft sind und heute diese EU-Schwellen maßgeblich sind, ist der Grund, warum diese Seite keine alten Smog-Alarmstufen als Zahl nennt.

Bewusst keine eigene Feinstaub-Zahl als Smog-Schwelle auf dieser Seite: Für Feinstaub gelten Tages- und Jahresgrenzwerte, keine akute 1-Stunden-Alarmschwelle wie beim Ozon — die aktuellen Werte stehen bei den Messstationen des UBA. Herkunft und Grenzen der auf der Startseite gezeigten Luftdaten stehen unter Methodik & Quellen.