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Spannen-Quiz: Schlag die Spanne

Eine Zahl liegt fast immer ein bisschen daneben — eine Spanne kann stimmen oder nicht, und das lässt sich nachzählen. Hier bist du dran: Für einen vergangenen Tag aus dem Archiv dieser Seite gibst du eine Spanne an, in der die gemessene Höchsttemperatur mit 80 % Wahrscheinlichkeit liegt. Nach 10 Runden steht deine Trefferquote neben 80 % und deine Breite neben der Spanne der Wettermodelle — samt der Rechnung, die zeigt, wie wenig zehn Runden beweisen.

Schlag die Spanne

  1. Das Quiz zieht einen echten Fall aus dem Archiv: eine von 25 Städten, einen Tag, an dem diese Seite eine Vorhersage abgelegt hat, und einen Zieltag 1 bis 7 Tage später.
  2. Du gibst eine Spanne an — „von“ und „bis“ in °C —, in der die Höchsttemperatur an der DWD-Station mit 80 % Wahrscheinlichkeit lag. Ehrlich gemeint: Von zehn solchen Spannen sollen etwa acht treffen, nicht alle zehn.
  3. Dann wird aufgelöst: was gemessen wurde und was die Modelle damals sagten. Nach zehn Runden folgt die Bilanz.
Was du vor deiner Schätzung siehst

Umschalten geht jederzeit und gilt sofort, auch für die offene Runde. Eine Runde, in der die Modellwerte zu sehen waren, zählt als „mit Modellen“; kommen beide Arten vor, wertet die Bilanz sie getrennt.

Noch nichts geladen. Erst nach deinem Klick lädt dein Browser das Archiv — ausschließlich von diesem Server: vier Dateien mit zusammen knapp 400 kB, danach je Runde eine Vorhersagedatei von rund 20 bis 55 kB. Kein fremder Dienst, keine Cookies, gespeichert wird nichts.

Das Quiz braucht JavaScript. Die Erklärungen und Formeln unten gelten auch ohne.

Warum eine Spanne ehrlicher ist als eine Zahl

„Morgen 23 °C“ liegt fast immer daneben — die Frage ist nur, wie weit. Ob ein halbes Grad oder drei Grad, sagt die Zahl nicht. Eine Spanne macht dagegen eine Aussage, die man prüfen kann: „zwischen 21 und 25 °C, in vier von fünf Fällen“. Trifft sie über viele Tage so oft, wie sie verspricht, heißt sie kalibriert. Genau das prüft die Trefferquote für die Spanne der Startseite — und dieses Quiz für deine eigene.

Eine Spanne kann auf zwei Arten unehrlich sein. Ist sie zu eng, trifft sie seltener als versprochen: Man war sich sicherer, als man sein durfte. Ist sie zu breit, trifft sie fast immer — und sagt dabei nichts mehr. „Morgen zwischen −10 und 40 °C“ ist nie falsch und nie nützlich. Gut ist eine Spanne, die so oft trifft, wie sie verspricht, und dabei so schmal ist wie möglich. Dieselbe Idee steckt in der Regenwahrscheinlichkeit: An Tagen mit 30 % soll es an rund drei von zehn regnen.

Warum 80 %? Weil die Spanne aus den Wettermodellen im Archiv dieser Seite ungefähr so oft trifft — im Mittel über die Vorläufe 1 bis 7 in rund 78 % der Fälle; die aktuelle Zahl lädt das Quiz aus der Trefferquote und zeigt sie in der Bilanz. Bei gleicher Trefferquote lässt sich die Breite fair vergleichen: Wer mit schmaleren Spannen genauso oft trifft, hat mehr gewusst. Der Haken: Die Modellspanne trifft bei kurzem Vorlauf deutlich öfter als bei langem (siehe Annahmen). Fair ist der Vergleich deshalb nur im Mittel über viele Runden, nicht in jeder einzelnen.

Wie gezogen wird

Wie gewertet wird — die Formeln

Treffer. l und u sind deine Grenzen, x ist die Messung. Wer genau auf einer Grenze landet, trifft. Verglichen wird in Zehntelgrad, so genau wie die Messung; deine Eingabe wird darauf gerundet.

Treffer, wenn  l ≤ x ≤ u

Wertung einer Runde. Sie zählt die Breite immer und jedes Grad daneben zehnfach; kleiner ist besser. Im Fachjargon heißt das interval score (Gneiting & Raftery 2007):

W = (u − l) + 10 · (l − x)   wenn x < l

W = (u − l)   wenn l ≤ x ≤ u

W = (u − l) + 10 · (x − u)   wenn x > u

Die 10 ist kein Geschmack, sondern 2/α mit α = 0,2 für eine 80-%-Spanne. Mit genau diesem Gewicht erzielt im Mittel die beste Wertung, wer als Grenzen seine eigenen 10-%- und 90-%-Schwellen angibt — wer also ehrlich sagt, was er glaubt. Zu eng wird durch Fehlbeträge bestraft, zu breit durch die Breite. Nachgerechnet: Für 400.000 normalverteilte Werte liegt das Minimum der mittleren Wertung bei den 10-%- und 90-%-Quantilen. Beispiel: Spanne 20 bis 24 °C, gemessen 25 °C ergibt 4 + 10 · 1 = 14; gemessen 22 °C ergibt 4.

Modellspanne. Kleinster bis größter Wert der Modelle, die für den Zieltag einen Wert geliefert haben — wie auf der Startseite. Für Breite und Wertung wird sie wie eine 80-%-Spanne behandelt (siehe Annahmen).

Plausibler Bereich. Wer in jeder Runde eine ehrliche 80-%-Spanne angibt, trifft in n Runden K Mal, und K folgt der Binomialverteilung:

P(K = k) = (n über k) · 0,8k · 0,2n−k

plausibel sind alle k mit P(K ≤ k) > 2,5 % und P(K ≥ k) > 2,5 %

Bei zehn Runden sind das 5 bis 10 Treffer. Genau 8 Treffer kommen nur in 30 % der Fälle vor, alle 10 in 10,7 %, 4 oder weniger in 0,6 %.

95-%-Spanne für deine wahre Trefferquote, exakt nach Clopper & Pearson (1934): Die untere Grenze pu ist die Quote, bei der k oder mehr Treffer nur noch mit 2,5 % Wahrscheinlichkeit vorkommen, die obere po die, bei der k oder weniger nur noch mit 2,5 % vorkommen.

P(K ≥ k | pu) = 2,5 %   (bei k = 0 ist pu = 0)

P(K ≤ k | po) = 2,5 %   (bei k = n ist po = 1)

Wer 8 von 10 trifft — also genau 80 % —, dessen wahre Quote kann trotzdem irgendwo zwischen 44,4 und 97,5 % liegen. Gerechnet wird in deinem Browser; die Zahlen auf dieser Seite sind mit SciPy gegengeprüft.

Wie wenig zehn Runden beweisen

Zehn Runden fühlen sich nach einem Urteil an. Sie sind keins. Wer ehrlich 80-%-Spannen angibt, landet irgendwo zwischen 5 und 10 Treffern. Umgekehrt fällt jemand, dessen Spannen in Wahrheit nur 60 % der Fälle treffen, in zehn Runden meistens nicht auf:

Plausibler Bereich für ehrliche 80-%-Spannen — und wie oft jemand, der in Wahrheit nur 60 % trifft, trotzdem darin landet. Binomialverteilung, mit SciPy 1.13 nachgerechnet.
Rundenplausibel bei ehrlichen 80 %darin landet trotzdem, wer nur 60 % trifft
105 bis 10 Treffer83 %
2012 bis 19 Treffer60 %
3019 bis 28 Treffer43 %
5034 bis 45 Treffer16 %
10072 bis 88 Treffer0,8 %

Erst nach einigen Dutzend Runden trennt sich „zu eng“ halbwegs verlässlich von „ehrlich“. Deshalb hört das Quiz nach zehn Runden nicht auf, sondern bietet zehn weitere an und rechnet die Bilanz über alle. Dasselbe gilt für jede Vorhersage: Ob eine Spanne taugt, zeigt nie ein einzelner Tag, sondern erst die Zählung über viele — darum gibt es die Trefferquote.

Annahmen, offen benannt

  • Die Modellspanne gilt als 80-%-Spanne. Nur so lassen sich Breite und Wertung vergleichen. Gerechtfertigt ist das nur, soweit sie im Archiv wirklich etwa 80 % trifft; die Bilanz nennt die aktuelle Zahl. Streng genommen ist die Modellspanne gar keine Wahrscheinlichkeitsaussage, sondern einfach der kleinste und der größte Wert.
  • … aber nur im Mittel über die Vorläufe. Wie oft die Modellspanne trifft, hängt stark vom Vorlauf ab: im Archiv in 90,5 % der Fälle bei Vorlauf 1, in 63,6 % bei Vorlauf 7; ihre Breite wächst dabei im Median von 4,5 auf 6,3 K. Über alle Fälle mit Vorlauf 1 bis 7 sind es 78,5 % (Stand 28.09.2026). In einer Runde mit kurzem Vorlauf ist sie also eher eine 90-%-Spanne, mit langem eher eine 65-%-Spanne. Welche Vorläufe in zehn Runden drankommen, ist Zufall; die Bilanz nennt deshalb, wie oft die Modellspanne für genau die Vorläufe deiner Runden im Archiv getroffen hat.
  • Die Runden sind unabhängig. Die Binomialrechnung setzt das voraus. Verschiedene Zieltage helfen, aber benachbarte Tage teilen sich oft dieselbe Wetterlage — die wahre Unsicherheit ist eher größer als gezeigt.
  • 95 % und 2,5 % je Seite sind eine Konvention, keine Naturkonstante. Mit 90 % wären die Bereiche schmaler; die Aussage bliebe: Zehn Runden sind wenig.
  • Grenzen zählen mit, Eingaben werden kaufmännisch auf Zehntelgrad gerundet, also −8,95 zu −9,0 und 8,95 zu 9,0. Vertauschte Grenzen werden umgedreht übernommen.
  • Deine Spanne soll eine 80-%-Spanne sein. Was du gemeint hast, kann das Quiz nicht prüfen — nur, wie oft du triffst.

Grenzen

  • Rückblick ist kein Blick nach vorn. Die Fälle liegen in der Vergangenheit. Wer sich an eine Hitzewelle erinnert, weiß mehr als die Modelle damals — das kann das Quiz nicht verhindern.
  • Punkt gegen Gitter. Gemessen wird an einer Station, die Modelle rechnen für eine Gitterzelle. Ein Teil jedes Fehlbetrags der Modelle ist dieser Unterschied, nicht ihr Irrtum.
  • Ein Sommer, eine Größe. Das Archiv beginnt im Juli 2026 und hat Lücken im August und Anfang September; gefragt ist nur die Höchsttemperatur. Wie gut Spannen im Winter oder für Regen treffen, sagt das Quiz nicht — für Regen gibt es die Regenprobe.
  • Elf Namen sind nicht elf Meinungen. KNMI, DMI und MET Norway liefern ab Vorlauf 3 bitgleiche Werte: nachgezählt in allen 6.000 Fällen von Vorlauf 3 bis 7 (48 Ausgabetage, 25 Städte, Stand 28.09.2026), bei Vorlauf 2 in 86 %. Dazu rechnen manche Modelle nicht so weit — am Tag +7 antworten weniger. Was das für die Spanne heißt, steht unter Elf Modelle — wie viele Meinungen?
  • Das Klimamittel ist Gitter, nicht Station, und beschreibt 1991–2020. Es sagt, was an diesem Kalendertag üblich war, nicht, wie weit ein einzelner Tag davon abweichen kann.

Was dein Browser dabei lädt

Nur Dateien von dieser Seite selbst: /data/index.json, /data/measured.json, /data/klimatologie.json, /data/trefferquote.json und je Runde eine Datei aus /data/forecasts/ — und zwar erst nach dem Klick auf „Quiz starten“. Kein fremder Server, keine Cookies, nichts wird im Browser gespeichert; wer die Seite neu lädt, fängt von vorn an. Mehr unter Datenschutz.

Quellen

Archiv dieser Seite: Vorhersagen von Open-Meteo (CC BY 4.0), abgelegt unter /data/forecasts/; Messungen des DWD über Bright Sky (DWD GeoNutzV) in /data/measured.json; Klimamittel aus ERA5 (Copernicus Climate Change Service) über Open-Meteo in /data/klimatologie.json; Trefferquote der Modellspanne in /data/trefferquote.json. Aufbau aller Dateien: Das offene Datenarchiv.

Wertung: T. Gneiting & A. E. Raftery (2007): Strictly proper scoring rules, prediction, and estimation. Journal of the American Statistical Association 102(477), 359–378, doi:10.1198/016214506000001437 — dort als „interval score“. Dass ehrliche 10-%- und 90-%-Schwellen sie im Mittel am kleinsten machen, ist hier zusätzlich selbst nachgerechnet (Simulation, siehe oben).

Exakte Binomialspanne: C. J. Clopper & E. S. Pearson (1934): The use of confidence or fiducial limits illustrated in the case of the binomial. Biometrika 26(4), 404–413.

Gegenprobe der Zahlen: Binomialwahrscheinlichkeiten und Clopper-Pearson-Grenzen mit SciPy 1.13 (scipy.stats.binom, binomtest mit der Methode „exact“), die Wertung mit dem Python-Paket scoringrules 0.10. Die Auswahl der Fälle ist gegen die Regeln in trefferquote.json geprüft: gleiche Läufe, gleiche 7.322 Fälle für Vorlauf 1 bis 7.

Wie gut Menschen allgemein 80-%-Spannen schätzen, haben psychologische Studien untersucht. Wir zitieren hier keine, weil wir die Angaben beim Schreiben nicht am Original prüfen konnten — lieber keine Zahl als eine ungeprüfte. Was für dich gilt, zeigt ohnehin deine eigene Bilanz.