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Wetterlagen · Tauwetter

Tauwetter

Tauwetter ist mehr als ein milder Tag: Wenn nach längerem Frost die Temperatur steigt und dazu Regen fällt, gibt die Schneedecke große Wassermengen frei — oft in kurzer Zeit. Diese Seite erklärt, was dabei physikalisch passiert, wie der DWD warnt (mit den echten l/m²-Schwellen) und — im Geist der ganzen Seite — wie sicher diese Vorhersage überhaupt ist.

Was Tauwetter ist

Tauwetter ist der Übergang von Frost zu Milderung, bei dem eine vorhandene Schneedecke schmilzt. Gefährlich wird es, weil in der Schneedecke über Wochen Wasser gespeichert sein kann: Nicht die Schneehöhe in Zentimetern zählt, sondern das darin gebundene Wasser (das Schneewasseräquivalent). Taut es rasch ab, läuft dieses Wasser in kurzer Zeit ab.

Besonders viel Wasser kommt zusammen, wenn zur Schmelze noch Regen tritt — der sogenannte „Regen auf Schnee“. Der Regen bringt selbst Wasser mit und beschleunigt die Schmelze, weil er Wärme in die Schneedecke trägt. Genau diese Summe fasst der DWD als Niederschlagsdargebot zusammen: die Abflussmenge aus flüssigem Niederschlag und der Wasserabgabe aus der Schneedecke.

Ist der Boden zusätzlich noch gefroren, kann das Wasser kaum versickern und fließt oberflächlich ab — direkt in Bäche und Flüsse. Deshalb ist Tauwetter eine klassische Vorstufe von Hochwasser.

Schematischer Schnitt: eine Schneedecke auf gefrorenem Boden, von oben treffen mildere Luft und Regen auf, die Schneedecke gibt Schmelzwasser ab, das zusammen mit dem Regen als Abfluss oberflächlich in einen Fluss läuft. mildere Luft & Regen — Wärme und Wasser von oben Schneedecke — gespeichertes Wasser (Schneewasseräquivalent) gefrorener Boden — Wasser versickert kaum Abfluss schematisch — nicht maßstabsgetreu, keine Achsen
Regen und mildere Luft treffen auf die Schneedecke; deren Schmelzwasser summiert sich mit dem Regen zum Niederschlagsdargebot. Auf gefrorenem Boden läuft es oberflächlich ab. Bewusst schematisch, ohne Maßstab.

Wie der DWD vor Tauwetter warnt — die zwei Stufen

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Tauwetter über die Abflussmenge — das Niederschlagsdargebot aus flüssigem Niederschlag und der Wasserabgabe aus der Schneedecke, gestaffelt nach Zeitfenster. Die Schwellen und Beschreibungen unten stehen wörtlich in der DWD-Kriterientabelle „Tauwetter“. Eine Stufe 1 (gelb) und eine Stufe 4 (violett) führt der DWD für Tauwetter nicht — deshalb beginnt die Staffel hier bei Stufe 2 und endet bei Stufe 3.

Werte wörtlich aus der DWD-Kriterientabelle „Tauwetter“. Die Warnfarben (ocker, rot) sind die amtliche Kennzeichnung der Stufen 2 und 3. Der Wert bezeichnet die Summe aus Regen und Schmelzwasser — nicht die Schneehöhe, die abnimmt.

Der Zusammenhang: Hochwasser und Glätte

Tauwetter steht selten für sich. Es hängt eng mit zwei anderen Lagen zusammen, die auf dieser Seite eigene Artikel haben:

→ Hochwasser
Das Schmelzwasser plus Regen läuft in Bäche und Flüsse. Auf gefrorenem oder gesättigtem Boden fast vollständig oberflächlich — deshalb ist Tauwetter eine der klassischen Ursachen von Winter- und Frühjahrshochwasser. Wie der DWD und die Pegeldienste davor warnen, steht unter Hochwasser.
→ Glätte
Tauwetter am Tag, Frost in der Nacht: Das tagsüber geschmolzene Wasser gefriert abends wieder — als überfrierende Nässe. Der Wechsel aus Tauen und erneutem Gefrieren ist eine häufige Glättequelle. Die Formen der Glätte und die DWD-Stufen dazu stehen unter Glätte & Schnee.

Wie gut vorhersagbar? Ehrlich: die Milderung ja, die Menge schwer

Dass eine Milderung kommt — also warme Luft heranzieht und dazu Regen fällt —, ist großräumig oft mehrere Tage vorher gut absehbar. Das ist der einfache Teil.

Der schwierige Teil ist die Menge des Abflusses. Sie hängt an Größen, die man punktgenau kaum kennt: Wie viel Wasser steckt überhaupt in der Schneedecke (Schneewasseräquivalent)? Ist der Boden gefroren oder aufnahmefähig? Wie warm wird es nachts — taut es durch oder friert es wieder zu? Wie genau fällt der Regen aus? Jede dieser Größen ist für sich unsicher, und sie multiplizieren sich zur Abflussmenge.

Deshalb gilt auch hier: Eine Vorhersage, die dir Tage im Voraus eine exakte Abflussmenge oder einen exakten Pegelstand auf den Zentimeter nennt, verkauft Präzision, die die Ausgangsdaten nicht hergeben. Belastbar wird die Aussage erst kurzfristig — wenn Schneedecke, Bodenzustand und die tatsächlich fallende Regenmenge bekannt sind. Dann zählen die aktuellen Warnungen und die gemessenen Pegel mehr als jede Tagesprognose von vorgestern.

Kurz gesagt

Dass Tauwetter kommt: oft Tage vorher absehbar. Wie viel Wasser abläuft und ob es für Hochwasser reicht: erst kurzfristig verlässlich, weil es an Schneewasseräquivalent, Bodenzustand und Regenmenge zugleich hängt.

Was tun bei Tauwetter

Kurz und seriös. Maßgeblich sind im Ernstfall immer die aktuellen amtlichen Warnungen und Hinweise des DWD sowie die Pegelstände der zuständigen Hochwasserdienste.

Aktuelle Lage für deinen Ort

Die Startseite zeigt live die DWD-Warnungen für deine Region — darunter Tauwetter-, Hochwasser- und Glättewarnungen, sobald eine aktiv ist.

Quellen

Alle Warnschwellen (l/m², Zeitfenster) und die Stufenbeschreibungen stammen wörtlich aus den amtlichen Warnkriterien des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Tabelle „Kriterien für Wetter- und Unwetterwarnungen“ für das Wetterelement Tauwetter:

https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_aktuell/kriterien/warnkriterien.html

Die Warnfarben (ocker, rot) und die Stufennamen (markante Wetterwarnung, Unwetterwarnung) sind der amtlichen Benennung derselben DWD-Seite entnommen. Herkunft und Grenzen der auf der Startseite gezeigten Daten stehen unter Methodik & Quellen.