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Wissen · Der Pazifik als Weltwetter-Schalter

El Niño, La Niña & ENSO

Ein warmes Wasserband im tropischen Pazifik kann das Wetter auf halber Erde verschieben. ENSO (El Niño–Southern Oscillation) ist das gekoppelte Wechselspiel von Ozean und Atmosphäre dort. Diese Seite erklärt den Normalzustand, El Niño und La Niña, ab wann man offiziell von einem Ereignis spricht — und ist ehrlich dabei, wo die Folgen klar sind und wo nicht. Belegt mit DWD und NOAA.

Der Normalzustand

Normalerweise treiben die Passatwinde das warme Oberflächenwasser des Pazifiks nach Westen. Der DWD: „Im normalen Zustand sorgen die Passatwinde dafür, dass das warme Oberflächenwasser des Pazifiks in Äquatornähe in Richtung Indonesien und Papua-Neuguinea getrieben wird.“ Im Osten, vor Südamerika, steigt dafür kaltes Tiefenwasser auf (Auftrieb). Dieses Gefüge aus Ost-Passat, aufsteigender Luft im Westen und absinkender im Osten ist die Walker-Zirkulation. Die zweite große Strömung, die über Europas Wetter mitentscheidet, behandelt Golfstrom.

El Niño und La Niña — wenn das Muster kippt

El Niño — die „Warme Episode“

„Bei einem El Niño Ereignis flauen die Passate fast vollständig ab. Dadurch fehlt der Antrieb, der das Oberflächenwasser in Richtung Westen treibt“ (DWD) — und es „kommt zu einer Erwärmung der Meeresoberfläche im östlichen Pazifik“. Das warme Wasser bleibt im Osten, der Auftrieb kalten Wassers versiegt.

La Niña — die „Kalte Episode“

Das Gegenstück: Die oberen Wasserschichten des tropischen Ostpazifiks „kühlen … anomal stark ab“, und La Niña geht laut DWD „mit einer Verstärkung der normalen tropischen Passat-Ostwinde“ einher — also das normale Muster, nur übertrieben.

Ab wann heißt es offiziell El Niño?

Damit nicht jede kleine Schwankung als „El Niño“ gilt, nutzt die US-Behörde NOAA einen festen Index — den Oceanic Niño Index (ONI) im Meeresgebiet Niño-3.4 (5°N–5°S, 120°–170°W). Die Schwelle: eine Abweichung von ±0,5 °C, die über mindestens fünf aufeinanderfolgende, überlappende Dreimonats-Zeiträume erfüllt sein muss (ONI = gleitendes Dreimonatsmittel der Wassertemperatur-Anomalie). Über +0,5 °C: El Niño; unter −0,5 °C: La Niña.

Was das anrichtet — und wo es ehrlich unsicher ist

Direkt am Pazifik sind die Folgen klar: Bei El Niño kommt es laut DWD „an der Westküste Südamerikas … zu starken Niederschlägen, wohingegen Indonesien und Papua-Neuguinea trocken bleiben“. Weltweit werden El Niño und La Niña mit Dürren und Überschwemmungen in verschiedenen Regionen in Verbindung gebracht.

Und bei uns in Mitteleuropa?

Hier ist Ehrlichkeit gefragt — und der DWD ist es: „Der Einfluss der Warm- und Kaltphasen der El Niño Southern Oscillation (ENSO) auf unser Wettergeschehen hier in Mitteleuropa ist in Wissenschaftskreisen eher umstritten.“ Es gibt mögliche indirekte Wege (über den Nordatlantik und den Polarwirbel), aber keinen so klaren, direkten Zusammenhang wie in den Tropen. Wer also einen konkreten Winter in Deutschland auf El Niño schiebt, geht über das hinaus, was gesichert ist.

Quellen

Definitionen und Mechanismus vom DWD, der ONI-Schwellenwert von der US-Behörde NOAA:

DWD – Was ist ENSO? · DWD-Wetterlexikon – El Niño und La Niña · DWD – El Niño und Europa (umstritten) · NOAA CPC – Oceanic Niño Index (ONI)

Verwandt: Jetstream · Luftdruck, Hoch und Tief · Wetter und Klima.