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Wissen · Das Windband in der Höhe

Jetstream — warum das Wetter von Westen kommt

Hoch oben, nahe der Tropopause, zieht ein schmales Band aus Starkwind um die Erde: der Jetstream. Er entsteht aus dem Temperaturgegensatz zwischen Pol und Tropen, treibt unser Wetter von West nach Ost und steuert, wo Hoch und Tief liegen. Weil er ständig in Bewegung ist, macht er Vorhersagen unsicher. Jede Kernangabe ist wörtlich aus dem DWD-Wetterlexikon belegt.

Was ein Jetstream ist

„Ein Jetstream oder Strahlstrom stellt ein schmales, bandartiges Starkwindfeld in der Troposphäre oder Stratosphäre dar, das durch hohe … Windgeschwindigkeitsscherungen charakterisiert wird und ein Geschwindigkeitsmaximum oder mehrere Geschwindigkeitsmaxima aufweist.“ — DWD

Er ist erstaunlich dünn für seine Länge: laut DWD nur 50 bis 100 km breit und 1 bis 2 km dick, dabei aber einige 1000 km lang. Er liegt nahe der Tropopause — dem Übergang von Troposphäre zu Stratosphäre; der DWD nennt beispielhaft das 300-hPa-Niveau (um 9100 m), die US-Behörde NOAA den Bereich rund 9.000–12.000 m.

Wo die Tropopause liegt, warum sie über den Tropen etwa doppelt so hoch ist wie über den Polen und wo an ihren Brüchen die Jetstreams liegen, zeigt der Höhenschnitt auf Aufbau der Atmosphäre.

Die Geschwindigkeiten sind enorm: Ein Strahlstrom beginnt laut DWD bei mindestens 30 m/s (108 km/h), häufig sind 70 bis 100 m/s (ca. 250–360 km/h), in Spitzen nennt der DWD Höhenwinde bis 500 km/h.

Weil sich der Wind am Rand dieses nur ein bis zwei Kilometer dicken Bandes mit der Höhe stark ändert, ist der Jetstream auch die wichtigste Quelle für Turbulenz in Reiseflughöhe — unsichtbar, ohne Wolke und ohne Radarecho. Warum es dort ruckelt, warum es trotzdem kein „Luftloch“ gibt und was an mehr Turbulenz durch den Klimawandel dran ist, steht auf Turbulenz im Flugzeug.

Woher er kommt: der Temperaturgegensatz

Ein Jetstream entsteht laut DWD „durch horizontale Temperaturdifferenzen und daraus resultierender, sich mit der Höhe verschärfender Druckunterschiede zwischen den Warm- und Kaltluftmassen“. Der für uns wichtige Polarfrontjet liegt an der Polarfront — dem „Übergangsbereich zwischen warmen … und kalten Luftmassen“ in den mittleren Breiten. Kurz: Wo warme und kalte Luft aufeinandertreffen, entsteht das größte Gefälle — und daraus der Starkwind in der Höhe.

Warum das Wetter von West nach Ost zieht

Der Höhenwind wird „durch die Corioliskraft auf der Nordhalbkugel nach rechts … d. h. jeweils nach Osten abgelenkt“ (DWD). Deshalb dominiert bei uns die West-Wetterlage:

„Dabei ziehen am Nordrand des Azorenhochs immer wieder Tiefdruckgebiete mit ihren dazugehörenden Fronten … vom Atlantik her über die Britischen Inseln, die Nord- und Ostsee hinweg bis nach Osteuropa.“ — DWD-Wetterlexikon

Typisch dafür ist „eine unbeständige Witterung … mit Stürmen und einem Wechsel von teils kräftigen Niederschlägen und kurzen Aufheiterungsphasen“. Auch die NOAA bestätigt die Grundrichtung: Jetstreams wehen „generally … from west to east“.

Der Jet mäandriert — und hält Wetter fest

Der Jetstream läuft nicht schnurgerade. Er „mäandriert wie Flussläufe, kann sich in mehrere Äste aufspalten und ist … ständigen Veränderungen unterworfen“ (DWD). Diese großen Schlängel sind die Rossby-Wellen — „planetarische Wellen mit … großer Wellenlänge und Wellenamplitude“, die die Hoch- (Keil) und Tiefdruckgebiete (Trog) steuern. Welche Muster daraus werden — Trog, Vb-Zugbahn, Omegalage, Kaltlufttropfen —, erklärt Großwetterlagen.

Blockierung

Wird der Jet stark wellig, kann er Wetterlagen festhalten: Aus den Rossby-Wellen „können Blockierungslagen entstehen, die dafür sorgen, dass Hoch- oder Tiefdruckgebiete über lange Zeit an Ort und Stelle liegen bleiben“ (DWD). So werden aus einem sonnigen Tag eine wochenlange Hitzewelle oder aus einem Tief ein Dauerregen.

Warum das Vorhersagen schwer macht

Die Atmosphäre ist laut DWD „ein chaotisches System“: „Nur geringe Abweichungen in diesen Anfangsbedingungen können zu einer völlig anderen Wetterentwicklung in der Zukunft führen“ — weshalb „die Modellrechnungen mit zunehmender Vorhersagezeit immer unsicherer“ werden. Weil gerade der Jet die Zugbahnen der Tiefs steuert und selbst ständig in Bewegung ist, kann schon eine kleine Verschiebung seiner Lage die vorhergesagte Zugbahn kippen. Genau diese Unsicherheit macht die Startseite mit der Spanne aus elf Modellen sichtbar — und prüft sie im Feldbericht nach.

Ehrlich dazugesagt: Der letzte Satz verknüpft belegte Einzelfakten (chaotisches System, Jet steuert Druckgebilde, Jet ist variabel) zu einer anschaulichen Kette — jeder Baustein ist DWD-belegt, die Verknüpfung ist die naheliegende fachliche Schlussfolgerung.

Quellen

Primär Deutscher Wetterdienst (Wetterlexikon und „Thema des Tages“), ergänzend NOAA:

Jetstream (Definition, Maße) · Strahlströme (Entstehung, Tempo) · Polarfrontjet & Corioliskraft · West-Wetterlage · Rossby-Wellen & Blockierung · Grenzen der Vorhersagbarkeit · NOAA – What is the Jet Stream?

Verwandt: Luftdruck, Hoch und Tief · Wetterkarte lesen · Wie eine Vorhersage entsteht · Polarwirbel & Stratosphärenerwärmung.