Wie viel Strom macht das Wetter gerade?
Wetter bleibt auf den meisten Seiten dieser Sammlung eine Beschreibung: so warm, so windig, so hell. Hier bekommt es eine Wirkung. Wenn über Nordfriesland Wind aufkommt, dreht sich irgendwo eine Zahl mit — und die Zahl steht öffentlich, viertelstündlich, bei der Bundesnetzagentur. Diese Seite holt beides gleichzeitig und legt es nebeneinander: die Sonne und den Solarstrom, den Wind und den Windstrom. Man muss den Zusammenhang nicht glauben, man kann ihn ansehen.
Wie die Zahlen unten zu lesen sind
- Zwei Quellen, die nichts voneinander wissen. Das Wetter kommt von Open-Meteo, der Strom von SMARD, der Datenplattform der Bundesnetzagentur. Keine der beiden Zahlen ist aus der anderen abgeleitet. Genau deshalb sagt es etwas, wenn ihre Kurven dieselbe Form haben.
- Der Strom ist gemessen, das Wetter ist gerechnet. Was die Anlagen einspeisen, wird erfasst. Was in 100 Metern Höhe weht und wie viel Strahlung auf den Boden trifft, stammt dagegen aus einem Wettermodell — diese Größen werden fast nirgends gemessen. Hier steht also eine Messung neben einer Rechnung, nicht zwei Messungen nebeneinander.
- Es ist eine Momentaufnahme, kein Tagesmittel. Die Zahlen ganz oben gelten für eine Viertelstunde. Eine Viertelstunde später sind es andere.
- Alle Uhrzeiten stehen in deutscher Zonenzeit, auch wenn dieser Browser woanders steht. Die Daten beschreiben Deutschland, also werden sie auch so beschriftet.
Die Seite lädt die Zahlen beim Öffnen selbst.
Drei Fallen in diesen Daten — und wie diese Seite sie umgeht
Alle drei sehen harmlos aus. Alle drei liefern Zahlen, die man ohne Verdacht veröffentlichen würde. Sie stehen hier, weil beim Bauen dieser Seite jede einzelne von ihnen zugeschlagen hat.
- Die Einheit ist nicht Megawatt. SMARD liefert Megawattstunden je Viertelstunde. Nachgemessen am 03.08.2026 um 21:15 Uhr: Die Summe aller Erzeugungsarten war 11.269,92. Als Megawatt gelesen wären das 11,3 Gigawatt für ganz Deutschland — einen so niedrigen Wert erreicht die deutsche Erzeugung auch in der ruhigsten Nachtstunde nicht; sie bewegt sich seit Jahren grob zwischen 30 und 80 Gigawatt. Mal vier gerechnet: 45,1 Gigawatt, und das liegt mitten in diesem Bereich. Diese Plausibilitätsprüfung kommt zugegebenermaßen von außen — aus den Zahlen selbst ist die Einheit nicht ablesbar, und genau das macht die Falle gefährlich: Der Fehler wäre Faktor vier gewesen, ohne dass die Zahl unplausibel aussieht. Diese Seite rechnet deshalb durchgängig Leistung = Wert mal vier und stellt den Rohwert in der Zahlentafel daneben, damit man es nachprüfen kann.
- Die Arten werden unterschiedlich schnell gemeldet. Am selben Tag reichten Braunkohle und Wind auf See bis 22:30 Uhr, Photovoltaik und Wind an Land nur bis 21:15 Uhr — 75 Minuten Unterschied. Wer von jeder Art den jeweils letzten Wert nimmt, addiert einen Netzzustand zusammen, den es nie gegeben hat: Kohle aus der Nacht plus Sonne aus der Dämmerung. Diese Seite benutzt ausschließlich den jüngsten Zeitpunkt, an dem alle Arten einen Wert haben, und zeigt die einzelnen Meldestände in der Zahlentafel offen an — dort sieht man die Falle statt sie nur zu lesen.
- Der Pumpspeicher erzeugt nichts. Er gibt Strom wieder ab, den er sich vorher aus dem Netz genommen hat, und beim Hin und Zurück geht ein Teil verloren. Zählte man ihn in die Summe, stünde derselbe Strom zweimal darin. Er steht hier deshalb getrennt neben dem Balken, auf derselben Skala, aber nicht im Nenner der Prozentrechnung.
Dazu kommt ein vierter Punkt, der keine Falle ist, sondern eine Regel: Kennung 1224 — Kernenergie — antwortet mit HTTP 404. Seit der Abschaltung der letzten Kraftwerke gibt es für sie keine Datei mehr. Die Seite ruft sie trotzdem ab und schreibt hin, was tatsächlich zurückkam. Ein misslungener Abruf ist kein Messwert Null, und er wird hier auch nicht zu einem gemacht. Käme eines Tages wieder eine Reihe, würde sie mitgezählt.
Warum die beiden Verlaufsbilder verschieden gut zusammenpassen
Bei Sonne und Solarstrom liegen die Kurven fast übereinander, und das hat einen einfachen Grund: Eine Photovoltaikzelle hat keine andere Quelle als das Licht, das gerade ankommt. Sie hat keinen Speicher, keine Anlaufzeit und keine Mindestleistung. Geht eine Wolke durch, geht die Leistung mit.
Bei Wind und Windstrom ist der Gleichlauf regelmäßig deutlich schwächer — und das ist nicht der Fehler des Vergleichs, sondern seine eigentliche Auskunft. Vier Gründe stehen dahinter:
- Windräder stehen überall. Von der Nordsee bis ins Voralpenland, dazu die Ostsee. Zwei Punkte können nicht wissen, was gleichzeitig in Brandenburg passiert. Bei der Sonne ist das milder, weil ihr Tagesgang überall derselbe ist: Sie geht in Flensburg und in München am selben Tag auf, steigt und sinkt, und nur die Bewölkung unterscheidet sich. Wind dagegen kann an einem Ende der Republik auffrischen, während er am anderen einschläft.
- Die Leistung steigt nicht proportional zur Windgeschwindigkeit. Doppelter Wind ist grob das Achtfache an Energie im Luftstrom — bis die Anlage ihre Nennleistung erreicht hat und abregelt. Unterhalb einer Anlaufgeschwindigkeit dreht sie sich gar nicht, oberhalb einer Abschaltgeschwindigkeit stellt sie sich aus dem Wind. Zwischen Windgeschwindigkeit und Leistung liegt also eine Kurve mit Knick, keine Gerade.
- Nicht jede Flaute in der Kurve ist Wetter. Anlagen stehen wegen Wartung still. Netzbetreiber drosseln Windparks, wenn die Leitungen nach Süden voll sind. Beides senkt die Erzeugung, ohne dass sich am Wind etwas ändert.
- 100 Meter sind eine Wahl, kein Naturgesetz. Diese Seite fragt den Wind in 100 Metern Höhe ab, weil moderne Anlagen dort ungefähr ihre Nabe haben. Die viel geläufigeren 10-Meter-Windwerte beschreiben eine ganz andere Luftschicht, dichter am Boden und stärker gebremst; sie wären hier die falsche Zahl. Wie stark der Wind mit der Höhe zunimmt, steht auf Windskala.
Der Gleichlaufwert unter jedem Bild misst also nicht, ob Wind Strom macht — das weiß man aus der Physik und nicht aus einer Tageskurve. Er misst, wie deutlich sich der Zusammenhang an diesem Tag mit diesen vier Punkten in den Daten abzeichnet. Ein hoher Wert ist ein Indiz, ein niedriger kein Gegenbeweis.
Was diese Seite ausdrücklich nicht sagt
- Keine Aussage über Ihren Stromtarif. Was hier steht, ist Erzeugung, nicht Verbrauch und nicht Preis. Der Strom aus Ihrer Steckdose lässt sich keiner Erzeugungsart zuordnen — das Netz mischt.
- Kein Urteil, ob das viel oder wenig ist. Dafür bräuchte es einen Vergleichszeitraum, und den zieht diese Seite bewusst nicht: Sie holt die laufende Woche, nicht die letzten zehn Jahre. Ein Anteil von 54 Prozent ist an einem windigen Sommersonntag etwas anderes als an einem windstillen Januardienstag.
- Keine Prognose. Hier steht, was war — bis zur letzten vollständig gemeldeten Viertelstunde. Was in drei Stunden ist, sagt diese Seite nicht, obwohl beide Schnittstellen Vorhersagen anbieten würden.
- Keine Bilanz mit dem Ausland. Deutschland importiert und exportiert ständig Strom. Diese Seite zeigt die Erzeugung im Land, nicht das, was hier verbraucht wird. Beides ist selten gleich.
- Kein Wirkungsgrad, keine installierte Leistung. Wie viel Prozent ihrer möglichen Leistung die Anlagen gerade bringen, wäre eine interessante Zahl — sie bräuchte aber die installierte Leistung, und die steht nicht in diesen Reihen. Sie zu schätzen hieße, eine Zahl zu erfinden und ihr dann zu glauben.
- Kein Gramm CO&sub2;. Eine Emissionsrechnung bräuchte Emissionsfaktoren je Kraftwerkstyp; die liefert diese Schnittstelle nicht mit.
Quellen und Weiterlesen
Strom: SMARD, die
Datenplattform der Bundesnetzagentur, über ihre offenen Diagramm-Dateien
(/app/chart_data/), Auflösung Viertelstunde, Marktgebiet Deutschland.
Kein Zugangsschlüssel, kein eigener Server. Verwendete Kennungen: 4067 Wind an Land,
1225 Wind auf See, 4068 Photovoltaik, 4066 Biomasse, 1226 Wasserkraft, 1228 Sonstige
erneuerbare, 1223 Braunkohle, 4069 Steinkohle, 4071 Erdgas, 1227 Sonstige konventionelle,
4070 Pumpspeicher sowie 1224 Kernenergie — letztere ausdrücklich mit dem
Ergebnis, das der Abruf tatsächlich liefert.
Wetter: die keyless Vorhersage-Schnittstelle von
Open-Meteo (Lizenz CC BY 4.0), Felder
wind_speed_100m, shortwave_radiation und
cloud_cover, stundenweise, für vier fest eingetragene Punkte. Welche das
sind und wo genau sie liegen, steht oben in der Tabelle „Die vier Punkte“
— samt dem Gitterpunkt, auf den die Abfrage tatsächlich eingerastet ist.
Warum eine Modellrechnung keine Messung ist, erklären Wettermodelle und Das Messnetz. Wie stark der Wind mit der Höhe zunimmt und was die Stufen der Beaufort-Skala bedeuten, steht auf Windskala; aus welcher Richtung er über das Jahr weht, zeigt die Windrose. Wie viel Sonne tatsächlich ankommt, behandelt Sonnenscheindauer, und was die Bewölkung damit macht, steht auf Bewölkung. Wie diese Seite grundsätzlich mit Zahlen umgeht — und warum hier so viel dabeisteht, was sie nicht behauptet —, steht in Methodik & Quellen.