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Heizgradtage-Rechner

Wie viel Heizwärme hat das Wetter an deinem Ort verlangt? Der Rechner zählt die Gradtage jeder Heizsaison seit 1950 — als Gradtagzahl G20/15 nach VDI 3807, als Heizgradtage nach Eurostat oder als Heizgradtage G15 —, stellt die laufende Saison neben das Mittel 1991–2020 bis zum selben Tag und rechnet deinen Verbrauch wetterbereinigt. Grundlage ist die ERA5-Reanalyse: eine Gitterzelle, kein Thermometer vor deinem Haus. Daten holt die Seite erst, wenn du auf „Gradtage laden“ tippst.

Gradtage für deinen Ort

Noch nichts geladen. Erst nach deinem Klick fragt dein Browser die Tagesmittel seit 1950 beim Open-Meteo-Archiv ab (rund ein halbes Megabyte); für einen eingetippten Ort vorher die Ortssuche. Gespeichert wird nichts.

Rechenweise

Gezählt wird jeder Tag mit einem Tagesmittel unter 15 °C, und zwar mit 20 °C minus Tagesmittel. Wärmere Tage zählen 0.

Verbrauch fair vergleichen

Weniger verbraucht — gespart oder nur ein milder Winter? Trag zwei Zeiträume und deinen Verbrauch ein (Zählerstände, Abrechnung; kWh, m³ Gas oder Liter Öl, aber für beide dieselbe Einheit). Der Rechner teilt den Heizanteil durch die Gradtage des jeweiligen Zeitraums und vergleicht dann „Verbrauch je Gradtag“. Er nutzt die oben geladene Reihe und die oben gewählte Rechenweise.

Zeitraum A
Zeitraum B

Die Grundlast ist der Teil, der nicht vom Wetter abhängt. Heizt dieselbe Anlage auch dein Warmwasser, schätz ihn aus einem Sommermonat ohne Heizbetrieb: Verbrauch des Monats geteilt durch seine Tage. Mit 0 gilt alles als Heizung — dann fällt die Bereinigung etwas zu stark aus. Tausender darfst du mit Punkt schreiben (14.500), Dezimalstellen mit Komma.

Was eine Gradtagzahl misst

Ein Haus verliert Wärme durch Wände, Fenster und Lüftung, und zwar ungefähr im Verhältnis zum Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen. Ist es draußen doppelt so weit unter der Raumtemperatur, fließt ungefähr doppelt so viel Wärme ab. Zählt man diesen Unterschied über alle Tage zusammen, bekommt man ein Maß dafür, wie viel Heizwärme das Wetter verlangt hat — die Gradtagzahl, in Kelvintagen (Kd).

Geheizt wird aber nicht bis 20 °C draußen: Sonne durchs Fenster, Menschen, Kochen und Geräte liefern auch Wärme. Unterhalb einer Heizgrenze reicht das nicht mehr, erst dann gilt ein Tag als Heiztag. Die in Deutschland übliche Gradtagzahl G20/15 rechnet so:

G20/15 = Σ (20 °C − Tm)   über alle Tage mit Tm < 15 °C

HDDEurostat = Σ (18 °C − Tm)   über alle Tage mit Tm ≤ 15 °C

G15 = Σ (15 °C − Tm)   über alle Tage mit Tm < 15 °C (Heizgradtage im engeren Sinn)

Tm = Tagesmittel der Lufttemperatur in 2 m Höhe; alle anderen Tage zählen 0.

Beitrag eines einzelnen Tages zur Gradtagzahl in Abhängigkeit vom Tagesmittel: Bei G20/15 zählt ein Tag mit 20 Grad minus Tagesmittel, solange das Tagesmittel unter 15 Grad liegt, bei 15 Grad springt der Beitrag von 5 auf 0. Bei Eurostat zählt ein Tag mit 18 Grad minus Tagesmittel bis einschließlich 15 Grad, der Sprung geht von 3 auf 0. 0 10 20 30 Kd −10 −5 0 5 10 15 20 °C Tagesmittel der Außentemperatur Heizgrenze 15 °C G20/15: 20 − Tagesmittel Eurostat (gestrichelt): 18 − Tagesmittel 0
Was ein einzelner Tag beiträgt. Bei G20/15 zählt ein Tag mit 14,9 °C noch 5,1 Kd, ein Tag mit 15,0 °C nichts (offener Kreis: 15,0 gehört nicht mehr dazu). Bei Eurostat zählt 15,0 °C noch mit 3 Kd (voller Punkt). Unter 15 °C liegen die beiden Linien genau 2 Kd auseinander.

Ein Beispiel: Ein Januartag mit 2 °C im Mittel bringt 20 − 2 = 18 Kd. Ein Oktobertag mit 16 °C bringt nichts. Eine ganze Saison summiert sich in Deutschland auf einige tausend Kelvintage; wie viele genau an deinem Ort, zeigt der Rechner oben.

Drei Zahlen, die man nicht verwechseln darf

„Heizgradtage“ steht auf dieser Seite als Oberbegriff. Im engeren deutschen Sprachgebrauch sind damit aber oft nur die Abstände zur Heizgrenze gemeint — und das ist eine andere Zahl als die Gradtagzahl. Wer Tabellen vergleicht, sollte deshalb zuerst nachsehen, welche der drei dahintersteht.

G20/15 ist die Gradtagzahl der Richtlinie VDI 3807 für Verbrauchskennwerte von Gebäuden. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht sie als offene Daten je Wetterstation und Monat, dazu Klimafaktoren je Postleitzahl für Energieverbrauchsausweise: das Verhältnis der Gradtage eines festen Referenzklimas (Testreferenzjahr Potsdam) zu den Gradtagen am Standort in den jeweils betrachteten zwölf Monaten.

Heizgradtage G15 zählen an jedem Heiztag nur den Abstand des Tagesmittels zur Heizgrenze von 15 °C, also Σ (15 °C − Tm). So rechnete die VDI 3807 Blatt 1 in ihrer Ausgabe von 1994, und viele Tabellen im Netz zeigen noch diese Zahl. Sie liegt je Heiztag 5 Kd unter G20/15. Im Rechner steht sie als Rechenweise „15/15“.

Die Heizgradtage nach Eurostat nutzt die EU-Energiestatistik. Sie nimmt 18 statt 20 °C als Bezug, dieselbe Heizgrenze von 15 °C, zählt einen Tag mit genau 15,0 °C aber noch mit. Eurostat rechnet mit einem eigenen Temperaturgitter der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU; die Werte hier sind deshalb nachgerechnet, nicht die amtliche Reihe.

Umrechnen kann man die drei nicht mit einem festen Faktor: Jeder Tag unter 15 °C bringt bei G20/15 genau 2 Kd mehr als bei Eurostat und 5 Kd mehr als bei G15 (ein Tag mit genau 15,0 °C zählt nur bei Eurostat), der Unterschied hängt also davon ab, wie viele Heiztage ein Jahr hatte. Wer Zahlen aus verschiedenen Quellen vergleicht, muss zuerst prüfen, welche Definition dahintersteht — der Rechner zeigt alle drei aus denselben Tagen.

Warum die Saison am 1. Juli beginnt

Ein Winter gehört zusammen. Zählte man nach Kalenderjahren, läge jeder Winter halb im einen und halb im anderen Jahr. Deshalb rechnet diese Seite in Heizjahren vom 1. Juli bis 30. Juni, lückenlos über alle Tage. Die oft genannte Heizperiode vom 1. Oktober bis 30. April ist im Monatsdiagramm nur markiert: Wer sie zum Zählen nähme, ließe die kühlen Tage im September und Mai unter den Tisch fallen — wie viel das an deinem Ort ausmacht, steht unter dem Monatsdiagramm. Jahreszeiten nach Kalender und nach Sonnenstand erklärt Jahreszeiten.

Verbrauch bereinigen: was die Rechnung kann

Heizanteil H = Verbrauch − Grundlast je Tag × Tage

Verbrauch je Gradtag = H / GZeitraum

Änderung = (HB / GB) / (HA / GA) − 1

auf mittleres Wetter umgerechnet = Grundlast × Tage + H × Gnormal / GZeitraum

Gnormal ist die Summe der mittleren Gradtage je Kalendertag aus den Saisons 1991/92–2020/21 über genau dieselben Kalendertage wie dein Zeitraum. So lässt sich auch ein Abrechnungszeitraum vom 15. März bis 14. März fair einordnen.

Die Rechnung setzt voraus, dass der Heizbedarf proportional zu den Gradtagen ist. Das stimmt nur ungefähr, und am stärksten hängt es an der Heizgrenze deines Hauses: Ein gut gedämmtes Haus braucht erst bei tieferen Außentemperaturen Wärme als ein unsaniertes. Deshalb rechnet der Vergleich zusätzlich mit Heizgrenzen von 12 bis 17 °C und zeigt die Spanne. Liegt sie auf beiden Seiten der Null, lässt sich über eine Ersparnis nichts sagen.

Annahmen — alle offen und die meisten einstellbar

  • Tagesmittel: das Mittel der 24 Stundenwerte der Reanalyse über den Kalendertag nach deutscher Zeit. Der DWD rechnet seine Gradtage aus Stationsmessungen; eine Gitterzelle kommt auf leicht andere Werte.
  • Raumtemperatur und Heizgrenze: 20/15 nach VDI 3807, 18/15 nach Eurostat, 15/15 für Heizgradtage G15 oder eigene Werte. Die Regel „unter“ bzw. „höchstens“ folgt der jeweiligen Definition; eigene Werte zählen wie VDI (unter der Heizgrenze).
  • Saison: 1. Juli bis 30. Juni. Ganz ist eine Saison nur, wenn alle Tage im Archiv stehen.
  • Mittel: die 30 Saisons, die 1991 bis 2020 beginnen (1991/92–2020/21), angelehnt an die WMO-Normalperiode 1991–2020; zum Vergleich 1961/62–1990/91. Die laufende Saison wird mit denselben Saisons bis zum selben Kalendertag verglichen.
  • Spanne im Verbrauchsvergleich: Heizgrenzen 12 bis 17 °C bei gleicher Raumtemperatur — eine hier gewählte Bandbreite, keine Norm.
  • Grundlast: ein fester Betrag je Tag, den du einträgst. Mit 0 gilt der ganze Verbrauch als Heizung.

Grenzen — was diese Zahlen nicht können

  • Das Wetter, nicht dein Haus. Gradtage kennen nur die Lufttemperatur. Sonne, Wind, Dämmung, Lüften, Urlaub, Besuch oder ein neues Thermostat stecken nicht darin.
  • Eine Gitterzelle, kein Ort. ERA5 rechnet auf einem Gitter von 0,25 Grad (in Deutschland grob 18 × 28 km). Die Schnittstelle rechnet die Temperatur der Gitterzelle auf die Geländehöhe deines Orts um, die sie einem feinen Höhenmodell entnimmt; diese Höhe und die Koordinaten des Gitterpunkts stehen über den Kennzahlen. Eine reine Höhenkorrektur kennt aber keine Kaltluft, die sich nachts im Tal sammelt, keine Inversionen und keine Wärme der Stadt — dort kann dein Ort spürbar abweichen. Wie weit zwei Rekonstruktionen auseinanderliegen können, zeigt Zwei Weltmodelle, ein Ort.
  • Eine Rekonstruktion, keine Messung. Für die ersten Jahrzehnte gab es weniger Beobachtungen, die die Reanalyse stützen. Die Reihe taugt für den Vergleich von Saisons, nicht für den letzten Kelvintag.
  • Einige Tage Verzug. Das Archiv hinkt einige Tage hinterher; welcher Tag der letzte ist, steht bei der Auswertung.
  • Der Sprung an der Heizgrenze. Ein Zehntelgrad um 15 °C entscheidet über 5 Kd oder 0. In der Übergangszeit schwanken die Monatswerte deshalb stärker, als das Wetter es rechtfertigt.
  • Früh in der Saison sind Prozente wertlos. Im September fallen erst wenige Gradtage an; ein paar kühle Tage verdoppeln die Zahl. Deshalb stehen neben der laufenden Saison die absoluten Werte und die Spanne der Vergleichssaisons.
  • Kleine Ersparnisse sind nicht messbar. Ablesedatum, Messfehler und Gewohnheiten verschieben den Verbrauch um einige Prozent; Unterschiede in dieser Größe zeigt die Rechnung, belegt sie aber nicht.
  • Nordhalbkugel. Auf der Südhalbkugel liegt der 1. Juli mitten im Winter; die Saisonwerte taugen dort nicht.

Wie sich die Jahresmittel an deinem Ort seit 1950 entwickelt haben — aus derselben Reanalyse —, zeigen die Klimastreifen; die amtlichen Zahlen für ganz Deutschland stehen unter Klimawandel in Deutschland.

Quellen

Daten: ERA5-Reanalyse des Copernicus-Klimadiensts (ECMWF), Tagesmittel der Lufttemperatur in 2 m, abgerufen über die keyless Archiv-Schnittstelle von Open-Meteo (models=era5, Lizenz CC BY 4.0); Ortssuche über die Geocoding-Schnittstelle. Beschreibung der Reanalyse: Hersbach, H. et al. (2020): The ERA5 global reanalysis. Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society 146, 1999–2049.

Gradtagzahl G20/15: Richtlinie VDI 3807 Blatt 1 (Verbrauchskennwerte für Gebäude), Ausgabe 2013 mit G20/15; die Ausgabe von 1994 rechnete mit Heizgradtagen G15/15. Der DWD stellt Gradtage nach VDI 3807 und Klimafaktoren (Referenz: Testreferenzjahr Potsdam, gleitende zwölf Monate) als offene Daten bereit: Gradtage je Station und Monat, Klimafaktoren je Postleitzahl.

Heizgradtage nach Eurostat: Eurostat, Metadaten zum Datensatz nrg_chdd (Bezug 18 °C, Heizgrenze 15 °C).

Die Formeln sind zusammengefasst, nicht wörtlich übersetzt. Der Verbrauchsvergleich ist das übliche Gradtagverfahren in seiner einfachsten Form; er ersetzt keine Energieberatung und keinen amtlichen Klimafaktor. Wie diese Seite grundsätzlich mit Zahlen umgeht: Methodik & Quellen.