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Wissen · Wenn das Wetter einem Kalender folgt

Witterungsregelfälle & Singularitäten

Schafskälte, Altweibersommer, Weihnachtstauwetter — es gibt Wetterlagen, die zu bestimmten Zeiten gehäuft wiederkehren. Aber „gehäuft“ heißt nicht „jedes Jahr“. Diese Seite zeigt ehrlich, was der DWD wirklich belegt (mit Wahrscheinlichkeiten) — und wo er relativiert: die berühmten Eisheiligen sind laut DWD „eher ein Mythos“. Jede Angabe wörtlich vom DWD.

Was eine „Singularität“ ist

Singularitäten „gelten [in der Meteorologie] als Witterungsregelfälle, wobei sich in den meisten Jahren im entsprechenden Zeitraum … bestimmte Großwetterlagen einstellen, welche von einer beträchtlichen Erhaltungsneigung … geprägt sind“ — DWD

Der Schlüssel steht schon in der Definition: in den meisten Jahren, nicht in jedem. Und der DWD warnt selbst vor Scheingenauigkeit: „Je nach genauer Definition dieser Singularität … kann die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens … recht unterschiedlich sein.“ Die Zahlen unten sind also Wahrscheinlichkeiten, keine Garantien.

Die bekanntesten im Überblick

RegelfallZeitraum (DWD)Was der DWD belegt
SchafskälteMitte Juni (eng: 10.–12.6.)~80 % zu kalt, ~55 % zu nass; Tendenz sinkend
Siebenschläfer27.6.–8.7.~70 % kühl, ~62 % feucht
Hundstage23.7.–23.8.Volksmund „Hitze“ — Statistik zeigt eher unbeständige Lagen
AltweibersommerMitte Sept.–Anf. Okt.~80 % (letzte Septemberwoche)
Weihnachtstauwetterum Weihnachten60–70 % jährlich (regional)
Eisheilige11.–15. Maistatistisch nicht nachweisbar — „eher ein Mythos“

Die gut belegten

Schafskälte (Juni)

„Mitte Juni tritt in Mitteleuropa relativ häufig ein Kälterückfall auf, ausgelöst durch Zufuhr von Polarluft“ (DWD). Bei der engen Definition 10.–12. Juni „liegt die Wahrscheinlichkeit für eine unterdurchschnittliche Lufttemperatur bei etwa 80 Prozent, für eine überdurchschnittliche Niederschlagsaktivität bei rund 55 Prozent“. Ehrlich: „Aufgrund des Klimawandels nimmt … die Eintrittswahrscheinlichkeit für diese Kaltluftperiode immer weiter ab.“

Altweibersommer (September)

„Eine beständige früherbstliche Hochdrucklage über Mitteleuropa, die besonders häufig Mitte September bis Anfang Oktober auftritt und mit sommerlichen Temperaturwerten am Tag und kühlen Nächten einhergeht“ (DWD). Die Wahrscheinlichkeit „liegt allein für die letzte Septemberwoche nach langjährigen Statistiken bei etwa 80 %“. Der Name meint übrigens die segelnden Spinnfäden („weiben“ = weben) — „weder frauenfeindlich noch despektierlich“, betont der DWD.

Weihnachtstauwetter (Dezember)

Kurz vor dem Fest strömt oft „milde atlantische Luft … von Westen heran“ und zehrt eine frühe Schneedecke auf. Der DWD: Es „ist - je nach Region - mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent jährlich zu erwarten“. Deshalb sind „weiße Weihnachten“ im Flachland selten.

Und die, die der Statistik nicht standhalten

Genau hier trennt sich Wissen von Volksglaube — und der DWD ist erfrischend deutlich:

Hundstage — Hitze? Nicht laut Statistik

Der Name kommt vom Stern Sirius im „Großen Hund“, nicht vom Wetter. Der DWD: „Die vieljährigen Wetterstatistiken weisen … ausgerechnet für den Kern-Zeitraum der Hundstage (28.7. bis 7.8.) in Mitteleuropa unbeständige Südwestwetterlagen aus“ — also gerade nicht die erwartete stabile Hitze.

Eisheilige — „eher ein Mythos"

Die vielleicht berühmteste Regel — und statistisch die schwächste. Der DWD: „Betrachtet man die letzten 50 Jahre … dann trafen sie im Schnitt nur in einem Drittel der Fälle zu, was sehr wenig ist für einen Witterungsregelfall.“ Fazit des DWD: „Tatsächlich scheinen die Eisheiligen als meteorologische Singularität also eher ein Mythos zu sein.“ Trotzdem gilt für Hobbygärtner der Rat, empfindliche Pflanzen erst nach Mitte Mai auszusetzen — das ist Vorsicht, keine belegte Prognose.

Kurz gesagt

„Singularität“ ist eine Wahrscheinlichkeit, kein Naturgesetz. Manche (Schafskälte, Altweibersommer, Weihnachtstauwetter) sind mit 60–80 % gut belegt und definitionsabhängig; andere (Hundstage, Eisheilige) sind eher Kulturgut als Statistik. Und keine von ihnen ersetzt die aktuelle Vorhersage — genauso wenig wie eine Bauernregel. Der Wert einer Regel liegt im „meistens“, nicht im „immer“.

Quellen

Alle Angaben aus dem DWD (Wetterlexikon und „Thema des Tages"):

Schafskälte · Siebenschläfer (Definition Singularität) · Altweibersommer · Weihnachtstauwetter · Hundstage · Eisheilige · DWD, Thema des Tages: Die Eisheiligen — nur ein Mythos?

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