Was ein Gewitter ist
Ein Gewitter ist hochreichende Konvektion: warme, feuchte Luft am Boden ist leichter als die kühlere Luft darüber und steigt auf. Beim Aufsteigen kühlt sie ab, der Wasserdampf kondensiert zu einer Wolke und wird dabei Wärme frei — das treibt den Aufwind weiter an. So wächst eine Quellwolke in wenigen zehn Minuten zur mehrere Kilometer hohen Gewitterwolke (Cumulonimbus) heran.
Wie viel Energie für diesen Aufwind zur Verfügung steht,
beschreiben Meteorologen mit der Kennzahl CAPE (englisch für
„verfügbare potentielle Energie für Konvektion“). Viel CAPE bedeutet ein
kräftiger möglicher Aufwind — aber nur ein Potential: Ob es sich
entlädt, hängt davon ab, ob die Luft überhaupt in Gang kommt (etwa an einer
Front, einem Gebirge oder einer erhitzten Fläche). Deshalb kann ein Tag „geladen“
sein, ohne dass es irgendwo blitzt. Was CAPE genau misst, was der Lifted Index und die
Sperrschicht CIN dazu sagen — und wie die drei Zahlen für deinen Ort gerade stehen —,
erklärt Gewitterpotenzial.
In der reifen Wolke stehen Aufwind und Abwind nebeneinander: Der Abwind entsteht, wenn Niederschlag und verdunstungsgekühlte Luft nach unten stürzen. Trifft dieser kalte Abwind unten auf, breitet er sich als Böenfront aus — die plötzliche kalte Windbö vor dem Regen. In der Wolke trennen sich beim Aneinanderreiben von Eis- und Wasserteilchen elektrische Ladungen; gleichen sie sich schlagartig aus, ist das der Blitz, und die von ihm aufgeheizte Luft knallt als Donner. Oben breitet sich die Wolke als flacher Amboss aus, weil sie an die Tropopause stößt, die Obergrenze der Wetterschicht, über der es nicht mehr kälter wird (Aufbau der Atmosphäre).
Gefährlich ist selten der Blitz allein, sondern die Begleiterscheinungen, die aus demselben kräftigen Auf- und Abwind entstehen: Starkregen (viel Wasser auf engem Raum in kurzer Zeit), Hagel (im starken Aufwind wachsende Eiskörner) und Sturmböen aus dem Abwind. In seltenen, besonders organisierten Lagen kommt eine Rotation und damit Tornadogefahr hinzu. Genau nach diesen Begleiterscheinungen staffelt der DWD seine Warnung. Zwei davon haben eine eigene Seite: die amtlichen Schwellen und die Wiederkehrzeiten des Starkregens — und der Tornado mit den Zahlen, wie oft er in Deutschland wirklich auftritt.
Wie der DWD vor Gewittern warnt — die vier Stufen
Der Deutsche Wetterdienst warnt in vier Stufen. Eine Gewitterwarnung steigt nicht durch mehr Blitze in eine höhere Stufe, sondern durch stärkere Begleiterscheinungen — also durch schnellere Böen, mehr Regen in kurzer Zeit oder Hagel. Die Kurzbeschreibungen unten stehen wörtlich in der DWD-Kriterientabelle „Gewitter“; die konkreten Zahlen in km/h und Liter je Quadratmeter stammen aus den DWD-Tabellen „Wind“ und „Starkregen“ derselben Seite, auf die sich die Begriffe („Sturmböen“, „heftiger Starkregen“ …) beziehen.
-
1 Gewitter Stufe 1 · Wetterwarnung (gelb)
Elektrische Entladung, auch in Verbindung mit Windböen. Das schlichte Gewitter: Blitz und Donner, gegebenenfalls mit ersten kräftigen Böen, aber ohne die schweren Begleiterscheinungen der höheren Stufen.
- Windböen
- über 50 km/h (14 m/s, 7 Bft)
-
2 Starkes Gewitter Stufe 2 · markante Wetterwarnung (ocker)
In Verbindung mit Sturmböen, schweren Sturmböen, Starkregen oder Hagel. Sobald eine dieser Begleiterscheinungen erreicht wird, steigt die Warnung auf Stufe 2.
- Sturmböen
- 65 bis 89 km/h (8–9 Bft)
- Schwere Sturmböen
- 90 bis 104 km/h (10 Bft)
- Starkregen
- 15 bis 25 l/m² in 1 Stunde · 20 bis 35 l/m² in 6 Stunden
- Hagel
- Hagel (der DWD nennt für Gewitter keine Korngröße als Schwelle)
-
3 Schweres Gewitter Stufe 3 · Unwetterwarnung (rot)
Mit Hagelschlag, heftigem Starkregen oder orkanartigen / Orkanböen, gegebenenfalls Tornadogefahr. Ab hier spricht der DWD von einem Unwetter.
- Heftiger Starkregen
- 25 bis 40 l/m² in 1 Stunde · 35 bis 60 l/m² in 6 Stunden
- Orkanartige Böen
- 105 bis 119 km/h (11 Bft)
- Orkanböen
- ab 120 km/h (12 Bft)
- Hagel
- Hagelschlag · ggf. Tornadogefahr
-
4 Extremes Gewitter Stufe 4 · extremes Unwetter (violett)
Mit Hagelschlag, extrem heftigem Starkregen oder extremen Orkanböen, gegebenenfalls Tornadogefahr. Die höchste Stufe, selten und großflächig gefährlich.
- Extrem heftiger Starkregen
- über 40 l/m² in 1 Stunde · über 60 l/m² in 6 Stunden
- Extreme Orkanböen
- überörtlich mehr als 140 km/h
- Hagel
- Hagelschlag · ggf. Tornadogefahr
Die vier Warnfarben (gelb, ocker, rot, violett) sind die amtliche Kennzeichnung des DWD für die Stufen 1 bis 4. Nicht jedes Wetterelement hat alle vier Stufen — beim Gewitter gibt es sie vollständig.
Wie gut ist ein Gewitter vorhersagbar? Ehrlich: nur kurzfristig
Hier passt das Gewitter genau zur These dieser Seite. Dass es an einem Tag überhaupt gewittern kann, lässt sich oft ein bis zwei Tage im Voraus grob abschätzen — die großräumige Lage (feuchte, labile Luft, eine heranziehende Front) ist rechenbar. Wo genau und um welche Uhrzeit eine einzelne Gewitterzelle steht, ist es dagegen kaum.
Der Grund liegt in der Größe: Eine Gewitterzelle ist oft nur wenige Kilometer breit und lebt selten länger als ein bis zwei Stunden. Das ist feiner, als ein tagelanger Vorhersagelauf auflösen kann. Deshalb ist eine Aussage wie „um 16:40 Uhr trifft dich ein Gewitter“ drei Tage vorher unmöglich — wer sie trotzdem anzeigt, verkauft Präzision, die es nicht gibt.
Was funktioniert, ist der Nowcast: die Verfolgung und
Fortschreibung dessen, was das Radar gerade sieht, für die nächsten
Minuten bis etwa zwei Stunden. Genau das macht der DWD mit
NowCastMIX im Fünf-Minuten-Takt — und genau das zeigt
die Startseite: erst das Radarbild und den Nowcast, nicht eine falsch-genaue Uhrzeit
für übermorgen. Ein Gewitter ist die Wetterlage, bei der der Unterschied zwischen
„Nowcast“ und „Tagesvorhersage“ am größten ist.
Kurz gesagt
Ob Gewitter möglich sind: ein bis zwei Tage vorher grob abschätzbar. Wo und wann genau: erst im Nowcast der letzten Stunden verlässlich. Eine App, die dir das Gegenteil suggeriert, täuscht eine Sicherheit vor, die die Physik nicht hergibt.
Was tun bei Gewitter
Kurz und seriös — keine Panik, aber ein paar Dinge, die zählen. Maßgeblich sind im Ernstfall immer die aktuellen amtlichen Warnungen und Hinweise des DWD.
- Ins Gebäude oder ins Auto gehen. Freie Flächen, Anhöhen, einzelne Bäume und Wasser (Baden, Boot) meiden — der Blitz sucht den höchsten Punkt.
- Abstand zu allem halten, was Ströme leiten kann; draußen nicht unterstellen, wo Böen Gegenstände, Äste oder Bäume umwerfen können.
- Auf die Begleiterscheinungen achten, nicht auf den Blitz allein: Sturmböen und plötzlicher Starkregen sind die häufigere Gefahr. Unterführungen, Senken und Bachläufe können bei Starkregen in Minuten volllaufen.
- Vor geplanten Aktivitäten im Freien den Nowcast und die Warnungen ansehen — nicht die Tagesvorhersage von vorgestern. Bei Unwetterwarnung (Stufe 3) oder extremem Unwetter (Stufe 4) Aktivitäten draußen verschieben.
- Wer Donner hört, ist in Reichweite eines Blitzes — und erst 30 Minuten nach dem letzten Donner gilt ein Gewitter nach verbreiteter Faustregel als vorbei. Wie weit es entfernt ist, verrät die Sekundenregel (Blitz & Donner); stoppen und die halbe Stunde mitzählen lässt sich beides mit der Gewitter-Stoppuhr.
Aktuelle Lage für deinen Ort
Die Startseite zeigt live die DWD-Warnungen, den Nowcast (NowCastMIX) der nächsten Stunden und das Regenradar mit Warnlage — das sind die Werkzeuge, die bei einer Gewitterlage wirklich helfen.
Quellen
Alle Warnschwellen (km/h, l/m²) und die Stufenbeschreibungen stammen wörtlich aus den amtlichen Warnkriterien des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Tabellen „Kriterien für Wetter- und Unwetterwarnungen“ für die Wetterelemente Gewitter, Wind und Starkregen:
https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen_aktuell/kriterien/warnkriterien.html
Die vier Warnfarben (gelb, ocker, rot, violett) und die Stufennamen (Wetterwarnung, markante Wetterwarnung, Unwetterwarnung, extremes Unwetter) sind der amtlichen Piktogramm-Benennung derselben DWD-Seite entnommen. Der Nowcast der Startseite nutzt das DWD-Produkt NowCastMIX; Herkunft und Grenzen stehen unter Methodik & Quellen.