Was Hagel ist
„Niederschlag in Form von Eiskugeln oder Eisklumpen mit einem Durchmesser von 5 bis 50 mm (in Extremfällen über 10 cm).“ — DWD
Die Untergrenze ist keine Willkür, sondern die Abgrenzung zum Graupel: Graupelkörner haben laut DWD „Größen von ca. 2 bis 5 mm“; erreichen sie „größere Durchmesser als 5 mm, dann werden sie als Hagel bezeichnet“. Die 5-Millimeter-Marke ist damit die amtliche Trennlinie zwischen Graupel und Hagel.
Wie ein Hagelkorn wächst
Hagel braucht die kräftigen Auf- und Abwinde einer hochreichenden Gewitterwolke (Cumulonimbus). Ein Eiskeim wird immer wieder nach oben in eiskalte Höhen getragen und fällt wieder — der DWD spricht von „mehrfache[n] Auf- und Abbewegungen in der Wolke“, durch die er „zu größeren Hagelkörnern“ anwächst. Bei jedem Durchgang lagert sich eine neue Eisschicht an.
Durchsichtige und undurchsichtige Schichten
Schneidet man ein großes Hagelkorn auf, sieht man, dass es „aus durchsichtigen und undurchsichtigen Schichten besteht“ (DWD): klares Eis entsteht beim nassen Wachstum (Wasser gefriert langsam, blasenfrei), milchiges beim trockenen (Wasser gefriert sofort und schließt Luft ein). Die Schichten sind also ein Protokoll der Reise durchs Gewitter.
Das oft gehörte Bild der „Zwiebelschalen“ ist umgangssprachlich — diesen Begriff verwendet der DWD in den geprüften Quellen nicht; belegt sind die „durchsichtigen und undurchsichtigen Schichten“.
Warum Hagel ein Sommerphänomen ist
„… tritt Hagel zumeist im wärmeren Halbjahr auf, da die Konvektionswolken im Winterhalbjahr nicht so große Höhen erreichen wie im Sommerhalbjahr.“ — DWD
Es klingt widersinnig — Eis im Hochsommer — ist es aber nicht: Nur die kräftige Konvektion warmer Sommertage türmt Wolken hoch genug auf und liefert Aufwinde stark genug, um Hagelkörner lange genug in der Schwebe und im Wachstum zu halten. Im Winter fehlt diese Wucht. Die größten Körner stammen aus Superzellen, deren rotierender Aufwind besonders lange trägt. Was eine Superzelle von einem gewöhnlichen Gewitter unterscheidet, steht auf Superzelle.
Warnung und Einordnung
Hagel führt der DWD als Begleitphänomen seiner Gewitter-Warnstufen — starke Gewitter können Hagel bringen, schwere und extreme mit größeren Körnern. Die Warnungen der Startseite geben solche Lagen weiter (siehe Gewitter und Wetterlagen).
Ob sich Hagel verhindern lässt, indem Flugzeuge Silberjodid in die Gewitterwolke bringen, ist trotz jahrzehntelanger Einsätze in Bayern und Baden-Württemberg nicht schlüssig belegt; Hagelkanonen haben keine physikalische Grundlage. Was man über Hagelflieger und Wolkenimpfen weiß und was nicht, steht auf Kann man das Wetter machen?.
Ehrlich: Feste Zentimeter-Schwellen für Hagel-Warnstufen nennt der DWD in seinem Warnkriterien-Katalog nicht — Hagel steht dort als Begleiterscheinung der Gewitterstufen, nicht mit einer fixen Korngröße. Kursierende „2/3/5 cm“-Angaben stammen aus einzelnen Lage-Warnungen oder der Presse, nicht aus einem belegten Schwellenwert-Katalog. Deshalb hier bewusst keine erfundene Schwelle.
Quellen
Definitionen, Entstehung und Rekorde vom DWD (Wetterlexikon und „Thema des Tages“):
DWD-Glossar: Hagel · DWD-Glossar: Graupel · DWD, Thema des Tages: Aufbau eines Hagelkorns (28.08.2020) · DWD, Thema des Tages: Hagel & Rekorde (06.06.2025)
Verwandt: Niederschlagsarten · Gewitter · Wie Wolken entstehen · Wetterrekorde.