Was ein Rekord hier heißt — und was nicht
Ein Wetterrekord ist ein Einzelereignis: der höchste oder tiefste Wert, den eine Messstation je gemessen hat. Das ist etwas anderes als Klima. Ein einzelner Hitzetag beweist keinen Klimawandel, und ein einzelner Rekordwinter widerlegt ihn nicht — solche Aussagen brauchen lange Mittel über viele Jahre. Wie Wetter und Klima zusammenhängen, steht auf der Seite Wetter und Klima. Hier geht es um die Extremwerte selbst.
Zwei Dinge sind dabei wichtig. Erstens: Ein Rekord zählt nur, wenn er unter genormten Bedingungen gemessen wurde — an einer ordentlich aufgestellten Station des offiziellen Messnetzes. Deshalb hat der DWD 2020 einen Hitzewert von 42,6 °C aus Lingen (2019) wieder aberkannt, weil das Umfeld der Station den Wert zu hoch trieb. Zweitens: Bergstationen sind Sonderfälle. Auf der Zugspitze ist es fast immer kälter, windiger und schneereicher als im besiedelten Flachland. Ihre Rekorde sind echt, aber sie beschreiben Hochgebirge, nicht das Wetter, in dem die meisten Menschen leben. Wo es darauf ankommt, trennen wir Berg und Flachland deshalb ausdrücklich.
Auch die Messwerte im Archiv dieser Seite sind kein Rekordregister: Es sind Höchstwerte aus Stundenmessungen der nächsten DWD-Station, abgerufen über Bright Sky und nicht vom DWD als Tageswert geprüft. Ein Stundenwert ist dabei eher eine Untergrenze des Tageshöchstwerts — liegt einer davon über dem amtlichen Rekord, ist das trotzdem noch kein amtlicher Rekord, sondern ein ungeprüfter Wert, der bis zum 26.09.2026 auch von einer Ersatzstation stammen konnte. Wie die Hitzetage im Archiv einzuordnen sind — und wie gut sie vorhergesagt wurden —, steht in Hitzetage im Rückspiegel.
Amtlich oder inoffiziell
Werte mit der Marke amtlich stammen aus dem offiziellen DWD-Messnetz. Werte mit inoffiziell sind real gemessen, aber nicht als amtlicher Deutschland-Rekord anerkannt — etwa weil die Station nicht zum Messnetz gehört oder ihre Lage nicht repräsentativ ist. Das bekannteste Beispiel ist der Funtensee (siehe unten).
Temperatur: heißeste und kälteste Werte
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Höchste je gemessene Temperatur amtlich41,2 °C
Am selben Tag an zwei Stationen erreicht — im Rahmen der Hitzewelle Ende Juli 2019, bei der der DWD an gleich mehreren Stationen den alten Rekord (40,3 °C, Kitzingen 2015) übertraf. Mehr zur Hitze und den DWD-Warnstufen auf Hitze.
- Datum
- 25. Juli 2019
- Station
- Duisburg-Baerl und Tönisvorst (Nordrhein-Westfalen)
- Quelle
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Klimadaten
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Tiefste amtlich gemessene Temperatur amtlich−37,8 °C
Der kälteste Wert des offiziellen Messnetzes, gemessen im strengen Winter 1928/29. Wie es zu solchen Extremen in Bodennähe kommt, steht unter Frost.
- Datum
- 12. Februar 1929
- Station
- Hüll bei Wolnzach (Oberbayern)
- Quelle
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Klimadaten
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Kälteloch Funtensee inoffiziell−45,9 °C
Kein amtlicher Rekord. In der abflusslosen Geländemulde des Funtensees (Berchtesgadener Alpen) sammelt sich in klaren Winternächten extrem kalte Luft. Am Heiligabend 2001 maß dort eine private Station −45,9 °C; eine DWD-Station am selben Ort zeigte −44,0 °C. Der DWD führt den Funtensee nicht als amtlichen deutschen Kälterekord, weil die Muldenlage für Deutschland nicht repräsentativ ist. Wir nennen den Wert der Vollständigkeit halber — klar gekennzeichnet als nicht amtlich.
- Datum
- 24. Dezember 2001
- Ort
- Funtensee, Nationalpark Berchtesgaden (Bayern)
- Status
- inoffiziell — private Messung, nicht amtlich anerkannt
Niederschlag und Schnee
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Höchste Tagesniederschlagsmenge amtlich312 l/m²
An einem einzigen Tag — gemessen während des Elbehochwassers im August 2002, als ein Tief auf der sogenannten Vb-Zugbahn feuchte Luft an das Osterzgebirge staute. Es ist die größte amtliche Tagessumme seit Messbeginn. Wie aus solchen Mengen Hochwasser wird, steht unter Hochwasser.
- Datum
- 12. August 2002
- Station
- Zinnwald-Georgenfeld (Osterzgebirge, Sachsen)
- Quelle
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Auswertung Starkniederschläge 2002
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Größte Schneehöhe amtlich780 cm
Fast acht Meter Schnee — gemessen auf der Zugspitze, einer Hochgebirgsstation auf rund 2960 m und damit ein Sonderfall, nicht vergleichbar mit dem Flachland. Ein älterer Wert von 830 cm (2. April 1944) wird wegen Unstimmigkeiten in den Originalaufzeichnungen nicht mehr als Rekord geführt.
- Datum
- 26. April 1980
- Station
- Zugspitze (Bayern, Hochgebirge)
- Quelle
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Schneehöhen-Archiv
Wind: stärkste Böen — Berg und Flachland getrennt
Beim Wind lohnt sich die Trennung besonders. In der Reibungsfreiheit des Hochgebirges werden Böen gemessen, die es im besiedelten Flachland nie gibt. Wir nennen beide Werte einzeln. Mehr zu Orkanen und den DWD-Windwarnstufen auf Sturm.
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Stärkste Böe — Bergstation amtlich335 km/h
Der höchste in Deutschland gemessene Windwert — auf dem Gipfel der Zugspitze auf rund 2960 m. Ein Hochgebirgswert, der zeigt, wie stark der Wind ohne Bodenreibung wird; für das Flachland ist er kein Maßstab.
- Datum
- 12. Juni 1985
- Station
- Zugspitze (Bayern, Hochgebirge)
- Quelle
- Deutscher Wetterdienst (DWD)
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Stärkste Böe — Flachland/Küste amtlich184 km/h
Der höchste im Tiefland gemessene Wert, während des Orkans Anatol, der Anfang Dezember 1999 über die Nordsee zog. Nach dieser Böe fiel die Messung wegen Stromausfalls für Stunden aus — noch höhere Werte sind daher nicht ausgeschlossen, aber nicht belegt.
- Datum
- 3. Dezember 1999
- Station
- List auf Sylt (Schleswig-Holstein)
- Quelle
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Klimastatusbericht 1999
Zum Vergleich: An Mittelgebirgsstationen liegen die Höchstwerte dazwischen — etwa 216 km/h auf dem Fichtelberg (1976). Das ist weder reines Flachland noch Hochgebirge und deshalb hier nur als Einordnung genannt.
Jahresrekorde im Deutschland-Mittel
Die bisherigen Werte sind Extreme einzelner Stationen. Der DWD rechnet
zusätzlich flächendeckende Mittelwerte für ganz Deutschland — die
Temperaturreihe und die
Niederschlagsreihe seit 1881, die Sonnenscheinreihe seit 1951.
Diese Jahreswerte sagen mehr übers Klima aus als ein einzelner Tag; auch dazu:
Wetter und Klima.
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Wärmstes Jahr amtlich10,9 °C
Jahresmitteltemperatur im Deutschland-Mittel (genau 10,89 °C) — das wärmste Jahr seit Beginn der DWD-Reihe 1881.
- Jahr
- 2024
- Bezug
- Flächenmittel Deutschland, Reihe seit 1881
- Quelle
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Zeitreihen
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Kältestes Jahr amtlich6,6 °C
Jahresmitteltemperatur im Deutschland-Mittel (genau 6,63 °C) — das kälteste Jahr der Reihe seit 1881.
- Jahr
- 1940
- Bezug
- Flächenmittel Deutschland, Reihe seit 1881
- Quelle
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Zeitreihen
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Nassestes Jahr amtlich1018 l/m²
Jahresniederschlag im Deutschland-Mittel (genau 1018,1 l/m²) — das nasseste Kalenderjahr seit 1881. Zum Vergleich: das langjährige Mittel liegt bei rund 770 l/m² — genauer 771 l/m² im Mittel der gesamten Reihe 1881–2025. Das ist nicht dasselbe wie eine Referenzperiode: 1961–1990 waren es 789, 1991–2020 sogar 792 l/m². Wer „langjähriges Mittel“ liest, denkt meist an eine Referenzperiode — deshalb steht hier beides. Nachgerechnet am 01.08.2026 aus der DWD-Flächenmittelreihe.
- Jahr
- 2002
- Bezug
- Flächenmittel Deutschland, Reihe seit 1881
- Quelle
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Zeitreihen
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Trockenstes Jahr amtlich551 l/m²
Jahresniederschlag im Deutschland-Mittel (genau 551,1 l/m²) — das trockenste Kalenderjahr seit 1881. Was längere Trockenheit bedeutet, steht unter Dürre.
- Jahr
- 1959
- Bezug
- Flächenmittel Deutschland, Reihe seit 1881
- Quelle
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Zeitreihen
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Sonnenscheinreichstes Jahr amtlich2024 Stunden
Sonnenscheindauer im Deutschland-Mittel (genau 2024,1 Stunden) — das sonnigste Jahr seit Beginn der flächendeckenden Sonnenscheinreihe 1951.
- Jahr
- 2022
- Bezug
- Flächenmittel Deutschland, Reihe seit 1951
- Quelle
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Pressemitteilung Jahresbilanz 2022
Was Rekorde sagen — und was nicht
Rekorde sind eindrucksvoll, aber sie sind Momentaufnahmen. Ein einzelner Wert hängt stark von Zufall und Örtlichkeit ab: Die tiefste Kälte entsteht in einer speziellen Mulde, die stärkste Böe auf einem Gipfel, der größte Tagesregen unter einem einzelnen gestauten Tief. Sie beschreiben, was möglich war — nicht, was normal ist.
Aussagekräftig fürs Klima werden erst die langen Reihen: Dass die wärmsten Jahre der Temperaturreihe fast alle in den letzten beiden Jahrzehnten liegen, ist mehr als ein Rekord — das ist ein Trend. Genau diesen Unterschied zwischen Einzelwert und Statistik erklärt die Seite Wetter und Klima. Und wenn ein Rekord konkret gefährlich wird, helfen die Seiten zu den einzelnen Lagen weiter: Hitze, Sturm und Glätte.
Quellen
Alle amtlichen Werte stammen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) — aus dessen Klimadaten, Zeitreihen, Pressemitteilungen und Berichten zu Extremereignissen. Die Kennzeichnung „inoffiziell“ (Funtensee) folgt der Haltung des DWD, der diesen Wert nicht als amtlichen deutschen Rekord führt.
- DWD, Zeitreihen und Trends für Deutschland (Temperatur, Niederschlag, Sonnenschein seit 1881 bzw. 1951): dwd.de/DE/leistungen/zeitreihen/zeitreihen.html
- DWD, Jahresbilanz und Sonnenscheinrekord 2022: dwd.de · Deutschlandwetter im Jahr 2022
- DWD, Auswertung der Starkniederschläge vom 11.–13. August 2002: dwd.de · Starkniederschläge August 2002
- DWD, Klimastatusbericht 1999, Orkantief „Anatol“ (Windrekord Flachland): dwd.de · Orkantief Anatol 1999 (PDF)
- DWD, Schneehöhen Deutschland: dwd.de/DE/leistungen/schneehoehe/schneehoehe.html
- Zusammenstellung der Temperatur- und Stationsrekorde auf Basis der DWD-Daten: de.wikipedia.org · Liste der Temperaturrekorde in Deutschland
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