Was eine Superzelle ausmacht: die Rotation
„Wesentliches Merkmal einer Superzelle, über die sie sich auch definiert, ist die Rotation der Gewitterzelle. Genauer gesagt rotiert dabei der Aufwind um eine vertikal ausgerichtete Achse.“ — DWD
Dieser rotierende Aufwind heißt Mesozyklone — laut DWD „ein zyklonal um eine vertikale Achse rotierender Wirbel (Vortex) mit einer horizontalen Ausdehnung von 2 - 10 km innerhalb einer konvektiven Wolke“. Sie ist „sozusagen den Motor des Unwetters“. In einem gewöhnlichen Gewitter dagegen sind „Auf- und Abwinde … zufällig angeordnet und von eher chaotischer Natur“.
Warum sie rotiert: die Windscherung
Der Auslöser ist die vertikale Windscherung — „plötzliche scharfe Änderungen der Richtung und/oder der Geschwindigkeit des Windes“ (DWD). Der DWD präzisiert: „Entscheidend ist hierbei, dass dort der Wind mit der Höhe zunimmt und dabei auch seine Richtung ändert - beides zusammen bezeichnet man als vertikale Windscherung.“ Diese Höhenstaffelung des Windes „kippt“ die aufsteigende Luft in eine Drehung — Windscherung ist „ein unabdingbares Kriterium, damit sich entstehende Gewitter entsprechend organisieren können“.
Einzelzelle, Multizelle, Superzelle
Einzelzelle „besteht lediglich aus einem einzigen Auf- und Abwindbereich … wodurch sich der (meist schwache) Wind mit der Höhe kaum ändert“ — das kurze Wärmegewitter. Multizelle ist „ein Zusammenschluss mehrerer Gewitterzellen in verschiedenen Entwicklungsstadien“. Die Superzelle ist die höchste Organisationsstufe: ein gewaltiger, rotierender, unverzweigter Aufwind, der sich selbst am Leben hält (DWD).
Warum so gefährlich
„Superzellen sind in ihrer mächtigsten Ausprägung die räumlich und zeitlich größten und gefährlichsten Gewittergebilde.“ — DWD
Weil die Rotation Auf- und Abwind räumlich trennt, verstopft sich die Zelle nicht selbst mit ihrem Regen — sie hält stundenlang durch. Der DWD zählt die Gefahren: „bedrohliche[n] Downbursts, große[n] Hagelkörnern oder Überschwemmungen“ — „eine hohe Gefahr“ für Öffentlichkeit und Luftfahrt. Und im Herzen der Mesozyklone: „Im Einzugsgebiet des Updrafts, in dem die bodennahe Luft in extreme horizontale Rotation versetzt werden kann, bilden sich bevorzugt Tornados.“
Ehrlich: Nicht jeder Tornado braucht eine Superzelle (schwache „Landspouts“ und Wasserhosen entstehen anders) — aber die stärksten Tornados stammen aus Superzellen. Das ist die belastbare Aussage. Wie häufig Tornados in Deutschland wirklich sind, wie stark sie werden und warum der DWD sie ausdrücklich nicht vorhersagen kann, steht auf der Seite Tornado.
Gerade bei Superzellen stößt jeder Versuch an Grenzen, Hagel durch Wolkenimpfen zu verringern: In so komplexen Wolken geht ein möglicher Effekt nach Einschätzung der Weltorganisation für Meteorologie in der natürlichen Schwankung unter. Mehr dazu auf Kann man das Wetter machen?.
Kennzahlen & Vorkommen
| Merkmal | Wert (DWD) |
|---|---|
| Durchmesser der Wolkenbasis | 20–50 km |
| Lebensdauer | meist wenige Stunden; bis 6, extrem bis 12 Std. |
| Rotationsdurchmesser (Mesozyklone) | 2–10 km |
| Vorkommen in Deutschland | „jährlich mehrfach“ |
Der DWD stellt klar: „auch bei uns in Deutschland sind Superzellen gar nicht so selten und kommen jährlich mehrfach vor“ — oft im Zusammenhang mit sommerlichen Unwetterlagen, vor denen der DWD warnt (siehe Wetterlagen).
Quellen
Alle Angaben aus dem DWD (Wetterlexikon und „Thema des Tages"):
DWD-Glossar: Superzelle · DWD-Glossar: Mesozyklone · DWD-Glossar: Windscherung · DWD, Thema des Tages: Superzellen (Rotation) · DWD, Thema des Tages: Einzel-, Multi-, Superzelle
Verwandt: Gewitter · Hagel · Blitz & Donner · Hitzegewitter · Fallböe (Downburst).