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Wissen · Wolken

Kann man das Wetter machen?

Wolken lassen sich impfen — das ist seit 1946 bekannt. Wie viel Regen, Schnee oder Hagel man damit aber wirklich ändert, gehört bis heute zu den am schwersten zu beantwortenden Fragen der Meteorologie. Diese Seite sortiert in der Art der Wettermythen: was belegt ist, was nicht stimmt und wo die ehrliche Antwort „weiß keiner“ lautet.

Auf einen Blick

Belegt — aber eng begrenzt

  • Unterkühlte Wolken lassen sich impfen. Aus Winterwolken am Gebirge fällt dann messbar etwas Schnee (mehr).
  • Unterkühlter Nebel lässt sich auflösen, etwa an Flughäfen (mehr).

Weiß keiner

  • Ob Hagelflieger Hagelschäden verringern (mehr).
  • Wie viel Regen die großen Programme in China und den Emiraten wirklich zusätzlich bringen (mehr).
  • Was das Wolkenimpfen als Waffe im Vietnamkrieg bewirkt hat; geächtet ist es heute durch einen UN-Vertrag (mehr).

Stimmt nicht

  • Hagelkanonen schießen den Hagel weg (mehr).
  • Hagelflieger stehlen den Regen und machen Trockenheit (mehr).
  • Man kann eine Dürre beenden oder Regen aus klarem Himmel holen (mehr).
  • Die Flut in Dubai 2024 kam vom Wolkenimpfen (mehr).
  • Mit HAARP wird das Wetter gesteuert (mehr).

Die Urteile sind unsere Einordnung. Sie stützen sich, wo möglich, auf die Stellungnahme der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zur Wetterbeeinflussung, deren überarbeitete Fassung der WMO-Exekutivrat im Juni 2025 angenommen hat. Sinngemäß sagt die WMO: Sie fördert Wetterbeeinflussung nicht und rät auch nicht davon ab. Wettersysteme sind so energiereich, dass sich Unwetter nicht aus der Welt schaffen und Regenwolken nicht aus dem Nichts erzeugen lassen; wer so große Wirkungen verspricht, etwa mit Hagelkanonen, hat keine tragfähige wissenschaftliche Grundlage. Den deutlichsten Fortschritt sieht die WMO beim Impfen winterlicher Wolken am Gebirge.

Wie man eine Wolke impft

In Wolken ist Wasser oft flüssig, obwohl es dort weit unter null Grad kalt ist. Winzige Tröpfchen gefrieren nicht von allein, solange ihnen ein Kern fehlt, an dem Eis ansetzen kann; erst unter etwa −38 °C gefrieren sie ohne Hilfe. Solche unterkühlten Tröpfchen sind der Angriffspunkt jeder Wolkenimpfung. Fallen sie als Regen auf gefrorenen Boden, entsteht übrigens Glatteis (Glätte).

Entdeckt wurde das Prinzip 1946 im Forschungslabor von General Electric im US-Bundesstaat New York, in der Gruppe um den Chemie-Nobelpreisträger Irving Langmuir. Vincent Schaefer kühlte eine Wolkenkammer mit Trockeneis und sah darin schlagartig Eiskristalle entstehen. Am 13. November 1946 streute er aus einem Flugzeug Trockeneis in eine unterkühlte Schichtwolke über Massachusetts; aus der Wolke fiel Schnee, der den Boden allerdings nicht erreichte. Noch im selben Monat fand sein Kollege Bernard Vonnegut einen zweiten Weg: Silberjodid, dessen Kristallgitter dem von Eis sehr ähnlich ist und das schon ab etwa −5 °C als Eiskeim wirkt. Silberjodid ist bis heute der gebräuchlichste Impfstoff.

Skizze des Wolkenimpfens in drei Schritten. Erstens: In einer unterkühlten Wolke bleiben die Tröpfchen trotz Frost flüssig, weil Eiskeime fehlen. Zweitens: Eingebrachtes Silberjodid wirkt ab etwa minus 5 Grad als Eiskeim. Drittens: Die entstehenden Eiskristalle wachsen auf Kosten der Tröpfchen, werden schwer und fallen als Schnee. 1 · vorher 2 · impfen 3 · danach Tröpfchen bleiben flüssig, obwohl es unter 0 °C ist Silberjodid wird ab etwa −5 °C zum Eiskeim Eis wächst auf Kosten der Tröpfchen und fällt als Schnee Tröpfchen (flüssig) Eiskristall Silberjodid Skizze des Wolkenimpfens in drei Schritten. Erstens: In einer unterkühlten Wolke bleiben die Tröpfchen trotz Frost flüssig, weil Eiskeime fehlen. Zweitens: Eingebrachtes Silberjodid wirkt ab etwa minus 5 Grad als Eiskeim. Drittens: Die entstehenden Eiskristalle wachsen auf Kosten der Tröpfchen, werden schwer und fallen als Schnee. 1 · vorher Tröpfchen bleiben flüssig, obwohl es unter 0 °C kalt ist 2 · impfen Silberjodid wird ab etwa −5 °C zum Eiskeim 3 · danach Eis wächst auf Kosten der Tröpfchen und fällt als Schnee Tröpfchen (flüssig) Eiskristall Silberjodid
Skizze, nicht maßstäblich. Der Vorgang im dritten Schritt heißt Wegener-Bergeron-Findeisen-Prozess, nach Alfred Wegener, der ihn 1911 beschrieb, und Tor Bergeron und Walter Findeisen, die ihn in den 1930er-Jahren ausbauten: Über Eis ist der Sättigungsdampfdruck niedriger als über Wasser, deshalb wandert Wasserdampf von den Tröpfchen zum Eis. Unter etwa −38 °C gefrieren Tröpfchen von selbst — dort gibt es nichts mehr zu impfen.

Daraus folgt die wichtigste Grenze: Impfen erzeugt kein Wasser. Es kann eine Wolke, die schon unterkühltes Wasser enthält, nur dazu bringen, es früher oder an anderer Stelle abzugeben. Ohne passende Wolke gibt es nichts zu impfen. Ein zweites Verfahren setzt am warmen, flüssigen Teil einer Wolke an: Salzteilchen sollen dort größere Tropfen anstoßen, die schneller zu Regentropfen zusammenwachsen („hygroskopisches Impfen“). Auch dafür gilt: Der Mechanismus ist plausibel, der Nachweis im Freien schwierig. Wie Wolken und Niederschlag ohne Nachhilfe entstehen, erklären Wie Wolken entstehen und Niederschlagsarten.

Was belegt ist: ein bisschen Schnee aus Winterwolken

Urteil: belegt, aber eng begrenzt

Noch 2003 kam ein Bericht der US-Akademien der Wissenschaften (National Research Council) zu dem Schluss, es gebe keinen überzeugenden wissenschaftlichen Beweis, dass absichtliche Wetterbeeinflussung wirkt — es gebe zwar starke Hinweise, aber keine geprüften und wiederholbaren Ergebnisse. Seither hat sich die Lage für genau einen Fall verbessert: flache, unterkühlte Winterwolken, die sich an einem Gebirge stauen (zum Stau am Gebirge siehe Föhn).

Den bislang klarsten Nachweis lieferte das Projekt SNOWIE im Winter 2017 in den Bergen von Idaho (USA). Ein Flugzeug flog quer zum Wind immer wieder dieselbe gerade Strecke hin und her und impfte dabei Wolken, aus denen gerade nichts fiel, mit Silberjodid. Weil der Wind das Silberjodid währenddessen weitertrug, erschienen im Radar stromab Zickzack-Linien aus Schnee, die genau zu diesem Flugmuster passten — ein Muster, das die Natur nicht erzeugt. Friedrich und Kollegen (2020) haben den Schnee für drei Januartage beziffert: Die Messgeräte am Boden verzeichneten zwischen 0,05 und 0,3 Millimeter, zusammen je Fall rund 120.000 bis 340.000 Kubikmeter Wasser. Das ist ein echter Nachweis — aber in Zehntelmillimetern, weit entfernt von dem, was man sich unter „Schnee machen“ vorstellt.

Wie viel das über einen ganzen Winter bringt, ist die schwierigere Frage. Im US-Bundesstaat Wyoming lief von 2008 bis 2013 ein Versuch mit zwei benachbarten Gebirgen: Bei jeder geeigneten Lage entschied der Zufall, über welchem der beiden vom Boden aus geimpft wurde; das andere diente als Vergleich. Die statistische Auswertung ergab keinen gesicherten Effekt; Modellrechnungen schätzen in den geimpften Zeiträumen rund 5 % mehr Niederschlag, aufs ganze Jahr gerechnet etwa 1,5 % (Rasmussen und Kollegen, 2018). Das sind Rechenwerte, keine Messwerte.

Ein Sonderfall ganz ohne Niederschlagsfrage gilt seit Langem als zuverlässig: unterkühlter Nebel. Bringt man Eiskeime oder Kälte (Trockeneis, flüssiges Propan) in einen solchen Nebel, gefriert er zu Eiskristallen, die herausfallen, und die Sicht wird besser. Nach der WMO wird das an einigen Flughäfen und Straßen genutzt, an denen solcher Nebel häufig ist. Bei Nebel über null Grad hilft das nicht, weil dort nichts zu Eis gefrieren kann (Nebel).

Die Bundesregierung betreibt nach Auskunft des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags (2024) keine eigenen Programme zur Wolkenimpfung. Was hierzulande impft, sind vor allem Hagelflieger.

Hagelflieger in Süddeutschland

Urteil: weiß keiner — nicht schlüssig belegt

Im Landkreis Rosenheim startet die Hagelabwehr seit 1975 vom Flugplatz Vogtareuth; ihr Einsatzgebiet reicht nach eigenen Angaben über rund 4.800 km² bis in die Landkreise Miesbach und Traunstein und nach Tirol. In der Region Stuttgart fliegen Hagelflieger seit 1980 über ein Schutzgebiet von rund 2.700 km², weitere Vereine gibt es in anderen Teilen Baden-Württembergs. Bezahlt wird das von Landkreisen, Gemeinden, Obstbauern, Firmen, Privatleuten und Versicherern.

Die Flugzeuge fliegen unter eine entstehende Gewitterzelle und verbrennen dort eine Lösung von Silberjodid in Aceton; der Aufwind trägt die Teilchen in die Wolke. Die Idee: Mit mehr Eiskeimen verteilt sich das unterkühlte Wasser auf sehr viele kleine statt wenige große Hagelkörner, und kleine Körner schmelzen auf dem Weg nach unten eher. Physikalisch ist das nicht abwegig. Ob es in echten Gewittern funktioniert, ist aber seit Jahrzehnten offen:

Warum hier „weiß keiner“ steht und nicht „stimmt nicht“: Dass eine Wirkung nicht nachgewiesen ist, heißt nicht, dass es keine gibt. Belegt ist sie aber auch nicht, und die meisten Auswertungen, darunter das Zufallsexperiment Grossversuch IV, deuten eher auf keinen messbaren Nutzen. Gerade die gefährlichsten Hagelgewitter, Superzellen, sind nach Einschätzung der WMO so komplex, dass ein Impf-Effekt in ihrer natürlichen Schwankung untergeht. Verlassen sollte sich niemand darauf: Die Warnungen vor Hagel gelten unverändert, ob geflogen wird oder nicht. Wie Hagel entsteht, steht auf Hagel.

„Die Hagelflieger stehlen uns den Regen“

Urteil: stimmt nicht

Der Vorwurf taucht in trockenen Sommern regelmäßig auf. Dafür gibt es weder einen Beleg noch einen plausiblen Mechanismus. Hagelflieger impfen nur einzelne Gewitterzellen, die bereits entstehen, und das für Minuten; in einer trockenen Hochdrucklage gibt es solche Zellen gar nicht, dann fliegt auch niemand. Die Idee der Hagelabwehr zielt auf kleinere Körner, nicht auf weniger Wasser. Trockenheit entsteht, wenn eine Großwetterlage über Wochen Regengebiete fernhält (Dürre) — gegen solche Energiemengen kommt ein kleines Flugzeug nicht an.

Und das Silberjodid? Ausgebracht werden kleine Mengen. Messungen in Gebieten mit langjähriger Impfung fanden Silbergehalte im Bereich der natürlichen Hintergrundwerte, eine Umweltgefahr ist nicht belegt. Dass Regen aus geimpften Wolken Spuren des Impfstoffs enthält, vermerkt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags trotzdem ausdrücklich — lange Messreihen bleiben deshalb sinnvoll.

Hagelkanonen

Urteil: stimmt nicht

Eine Hagelkanone ist ein nach oben offener Trichter, in dem ein Gasgemisch gezündet wird. Die Druckwelle soll die Hagelbildung in der Wolke stören. Die Geräte stehen vereinzelt noch an Obst- und Weinbauflächen, auch am Bodensee, und knallen während eines Gewitters in kurzen Abständen — Streit mit Nachbarn eingeschlossen.

Physikalisch spricht alles dagegen: Hagel wächst Kilometer über dem Boden in kräftigen Aufwinden. Eine Druckwelle vom Boden verteilt sich auf dem Weg dorthin auf eine riesige Fläche und ist oben kaum mehr als ein Geräusch. Und ein Gewitter donnert selbst ständig, lauter als jede Kanone, und hagelt trotzdem. Schon Vergleichsversuche in Italien zu Beginn des 20. Jahrhunderts blieben ohne Erfolg. Eine Übersicht der Messungen von Wieringa und Holleman (2006) kommt zu dem Schluss, dass Kanonen und Hagelraketen mit Sprengladung Geld und Mühe verschwenden; die WMO nennt Hagelkanonen ausdrücklich als Beispiel für Verfahren ohne tragfähige wissenschaftliche Grundlage.

Regenmachen im großen Stil: China und die Emirate

Urteil: es wird gemacht — wie viel es bringt, weiß keiner

China betreibt das größte Programm der Welt. Nach einer Mitteilung des Staatsrats vom 2. Dezember 2020 sollte es bis 2025 eine Fläche von mehr als 5,5 Millionen km² für künstlichen Regen und Schnee abdecken — gut 15-mal die Fläche Deutschlands — und mehr als 580.000 km² für Hagelabwehr. Eine Fläche zum Impfen vorzusehen heißt aber nicht, dass dort entsprechend mehr regnet: Angaben über die gewonnene Wassermenge stammen von den Betreibern und lassen sich von außen nicht prüfen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate impfen Gewitterwolken vom Flugzeug aus mit Salzfackeln und finanzieren seit 2015 ein internationales Forschungsprogramm zur Regenverstärkung. Eine Auswertung von Mitarbeitern des nationalen Wetterzentrums, das die Flüge selbst durchführt (Al Hosari und Kollegen, 2021), meldet rund 23 % mehr Jahresregen in den Zielgebieten. Die Zahl beruht vor allem auf einem Vergleich der Jahre vor dem Programmstart mit den Jahren danach; eine Zufallszuteilung wie in einem Experiment gab es nicht. Ein solcher Vorher-Nachher-Vergleich über Jahrzehnte kann natürliche Schwankungen und Klimaveränderungen kaum vom Impfen trennen. Die Zahl ist deshalb ein Hinweis, kein Beleg.

Stimmt nicht

„Die Flut in Dubai kam vom Wolkenimpfen.“

Am 16. April 2024 fiel in den Emiraten der stärkste Regen seit Beginn der Aufzeichnungen 1949, an einer Station bei Al Ain mehr als 250 Millimeter in weniger als 24 Stunden. Schnell hieß es, das Wolkenimpfen sei schuld. Dagegen spricht: Die Wettermodelle hatten den Starkregen Tage vorher angekündigt, ein ungewöhnlich kräftiges Tiefdruckgebiet brachte Gewitter in mehreren Runden, und keine bekannte Technik kann Regen dieser Größenordnung erzeugen. Ob in den Tagen davor geimpft wurde, blieb widersprüchlich: Ein Meteorologe des nationalen Wetterzentrums sprach zunächst von Impfflügen, das Zentrum selbst bestritt danach, vor oder während des Unwetters geimpft zu haben — es ist allerdings selbst Betreiber des Programms. Für das Urteil kommt es darauf nicht an: Selbst die optimistischen Angaben zum Impfen sprechen von 10 bis 30 Prozent mehr Regen über ein ganzes Jahr, nicht von rund einem Jahresregen an einem Tag. Mehr zu solchen Lagen: Starkregen.

Stimmt nicht

„Mit Wolkenimpfen kann man eine Dürre beenden.“

Impfen braucht Wolken, die schon reichlich Wasser enthalten — in einer Dürre sind solche Wolken selten, und Impfen erzeugt kein Wasser. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hält das Verfahren für großflächige, lang anhaltende Dürren für ungeeignet (2024), und nach der WMO lassen sich Regenwolken weder erschaffen noch herbeilenken. Warum eine Dürre so zäh ist, steht auf Dürre.

Wetter als Waffe

Urteil: versucht wurde es, die Wirkung ist umstritten — heute geächtet

Von 1967 bis 1972 impfte die US-Luftwaffe im Vietnamkrieg Wolken über dem Ho-Chi-Minh-Pfad, um die Regenzeit zu verlängern und Nachschubwege aufzuweichen („Operation Popeye“). Das war Wolkenimpfen im Wortsinn, nur mit feindseligem Ziel. Wie viel Regen es tatsächlich brachte, ist umstritten. Nachdem das Programm bekannt geworden war, beschloss die UN-Generalversammlung 1976 die Konvention gegen die militärische oder sonstige feindselige Nutzung umweltverändernder Techniken (ENMOD); 1977 wurde sie zur Unterzeichnung aufgelegt, seit 1978 ist sie in Kraft. Sie verbietet den Vertragsstaaten, solche Techniken mit weiträumigen, lang anhaltenden oder schweren Folgen feindselig einzusetzen — binden kann sie nur die Staaten, die ihr beigetreten sind.

Was keine Wetterbeeinflussung ist

Im Netz landet unter „Wettermanipulation“ vieles, was physikalisch nichts miteinander zu tun hat. Der wichtigste Unterschied ist der Maßstab.

Wetterbeeinflussung und Geoengineering im Vergleich
Wetter­beein­flussungGeo­engi­neering
Zieleine Wolke, ein Gewitter, ein Gebirgstaldas Klima der ganzen Erde
DauerMinuten bis StundenJahrzehnte
Bei­spieleWolken­impfen, Hagel­fliegerCO₂ aus der Luft holen; Sonnen­licht mit Schwefel­teilchen in der Strato­sphäre abschirmen
Standseit Jahrzehnten im Einsatz, Wirkung meist unbelegtAb­schir­mung der Sonne bisher nirgends in klima­wirk­samem Maßstab eingesetzt

Geoengineering

Geoengineering (auch Climate Engineering) meint absichtliche Eingriffe in das globale Klima. Die eine Familie holt CO₂ aus der Luft; die andere soll einen Teil des Sonnenlichts abschirmen, etwa mit Schwefelteilchen in der Stratosphäre. Das Vorbild dafür liefern große Vulkane: Nach dem Ausbruch des Pinatubo 1991 sank die globale Mitteltemperatur 1992 um bis zu etwa 0,5 °C (Klimageschichte). Mit Wetterbeeinflussung hat das nichts zu tun, die Risiken sind aber groß: Schwefelteilchen in der Stratosphäre könnten die Erholung der Ozonschicht verzögern (Ozonschicht & Ozonloch) und regionale Niederschläge verändern, die Versauerung der Meere bremst eine Abschirmung nicht, und ein plötzlicher Abbruch ließe die Temperatur rasch hochschnellen. Das Umweltbundesamt lehnt Einsatz und Entwicklung dieser Abschirmung ab; die UN-Biodiversitätskonvention hat 2010 ein faktisches Moratorium für großflächige Vorhaben beschlossen. Was CO₂ mit dem Klima macht, steht auf Treibhauseffekt.

HAARP

Urteil: stimmt nicht

HAARP ist eine Forschungsanlage bei Gakona in Alaska, die mit starken Radiowellen die Ionosphäre untersucht — die elektrisch geladene Schicht der Hochatmosphäre, in der auch Polarlichter leuchten. Sie beginnt in etwa 60 bis 80 km Höhe. Wetter spielt sich darunter ab, in unseren Breiten in den untersten gut zehn Kilometern (Aufbau der Atmosphäre). Radiowellen wechselwirken mit geladenen Teilchen, kaum aber mit der Luft, in der Wolken entstehen. Die Betreiberin, seit 2015 die University of Alaska Fairbanks, verweist auf ein einfaches Argument: Wenn nicht einmal die gewaltigen Ionosphärenstürme, die die Sonne auslöst, das Wetter am Boden steuern, kann es ein Sender erst recht nicht.

Und „Chemtrails“? Die Streifen hinter Flugzeugen sind Eiswolken, deren Lebensdauer von der Luftfeuchte abhängt — ausführlich auf Kondensstreifen. Hagelflieger fliegen dagegen knapp unter der Wolkenbasis, weit unterhalb der kalten Höhen, in denen Kondensstreifen entstehen.

Warum das so schwer zu beweisen ist — und was diese Seite nicht kann

Niemand weiß, was eine Wolke getan hätte, wenn man sie nicht geimpft hätte. Zwei gleiche Gewitterzellen gibt es nicht, und vorhersagen lässt sich eine einzelne Zelle nur für kurze Zeit (Vorhersagbarkeit). Ein Beweis braucht deshalb viele Fälle, bei denen der Zufall entscheidet, welche geeignete Wolke geimpft wird und welche nicht — wie bei einer Arzneimittelstudie. Die Hagelabwehr impft möglichst jede bedrohliche Zelle, die sie erreicht; eine Vergleichsgruppe entsteht so nie. Die WMO fordert für statistische Auswertungen genau diese Zufallszuteilung.

  • Die Modelle hinter der Spanne dieser Seite wissen nichts von Impfeinsätzen. Wenn irgendwo Hagelflieger unterwegs sind, steht das in keiner unserer Zahlen.
  • Diese Seite weiß nicht, ob und wo gerade geimpft wird.
  • Unsere Nachkontrolle vergleicht Vorhersage und Messung. Einen Impf-Effekt von einigen Prozent könnte sie nicht herausrechnen: Bei Gewitterregen fällt schon ein Schauer drei Kilometer neben der Messstation durch das Raster (Regenprobe), darin verschwindet ein kleiner Effekt.
  • Die Urteile oben sind unsere Einordnung des Forschungsstands, nicht die der WMO oder anderer Stellen. Zeigt ein neues Zufallsexperiment etwas anderes, ändern wir sie — und vermerken das im Fehlerprotokoll.

Quellen

Einordnung: WMO, Statement on Weather Modification, überarbeitete Fassung, vom Exekutivrat im Juni 2025 angenommen — wmo.int (sinngemäß wiedergegeben, nicht übersetzt); National Research Council (2003), Critical Issues in Weather Modification Research, National Academies Press — nationalacademies.org.

Deutschland: Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste, „Zur sogenannten Wolkenimpfung in Deutschland“, WD 5 - 3000 - 095/24 (2024) — bundestag.de; DWD, Thema des Tages: Wolkenimpfung zur Hagelabwehr – Methode und Nutzen (11.08.2025); Hagelabwehr Rosenheim (Geschichte, Einsatzgebiet) — hagelabwehr-rosenheim.de; Landratsamt Rosenheim zur Auswertung der TH Rosenheim — landkreis-rosenheim.de; Einschätzung von Michael Kunz (KIT) nach Spektrum der Wissenschaft — spektrum.de; Ende des Baloise-Projekts nach Schweizer Radio und Fernsehen — srf.ch; DLR-Studie von 1993 nach Sekundärdarstellungen (Wikipedia-Artikel „Hagelabwehr“) — de.wikipedia.org; Hagelkanonen am Bodensee nach Schwäbische Zeitung — schwaebische.de.

China, Emirate, Dubai: Staatsrat der Volksrepublik China, Mitteilung vom 2. Dezember 2020 — english.www.gov.cn; Faktenprüfung zur Flut in Dubai, Australian Associated Press (2024) — aap.com.au; Dementi des Wetterzentrums nach CNBC (17.04.2024) — cnbc.com.

HAARP, ENMOD, Geoengineering: University of Alaska Fairbanks, HAARP-FAQ — haarp.gi.alaska.edu; Vereinte Nationen (ENMOD-Konvention) — un.org (Resolution 31/72 der Generalversammlung, 1976); Umweltbundesamt zu Solar Radiation Modification — umweltbundesamt.de; UN-Biodiversitätskonvention, Beschluss X/33 (2010) — cbd.int; IPCC, Sechster Sachstandsbericht — ipcc.ch; US Geological Survey zum Pinatubo — usgs.gov; Utah Division of Water Resources, Übersicht zu Silberjodid (2011) — water.utah.gov.

Fachliteratur: Wegener (1911), Thermodynamik der Atmosphäre; Schaefer (1946), Science 104; Vonnegut (1947), Journal of Applied Physics 18; Federer und Kollegen (1986), Journal of Climate and Applied Meteorology 25; Auf der Maur & Germann (2021), Atmosphere 12; Breed und Kollegen (2014), Journal of Applied Meteorology and Climatology 53; Wieringa & Holleman (2006), Meteorologische Zeitschrift 15; Rasmussen und Kollegen (2018), Journal of Applied Meteorology and Climatology 57; Friedrich und Kollegen (2020), PNAS 117; Al Hosari und Kollegen (2021), Atmosphere 12.

Die Angaben sind zusammengefasst, nicht wörtlich zitiert. Die Skizze ist schematisch. Flächenangaben zu Rosenheim und Stuttgart stammen von den Betreibern bzw. aus der Presse; die Urteile sind die Einordnung dieser Seite.