Wie warm wird es hier?
Die Klimastreifen schauen zurück. Diese Seite schaut nach vorn — und zwar mit sieben verschiedenen Klimamodellen gleichzeitig. Sie rechnen denselben Ort, dieselben Jahre, denselben Antrieb. Und sie kommen zu verschiedenen Ergebnissen. Genau diese Spanne ist hier das Ergebnis, nicht ein Schönheitsfehler, den man wegmittelt. Wer eine einzelne Zahl für 2050 sucht, ist auf dieser Seite falsch.
Das Wichtigste zuerst: Das ist keine Wettervorhersage
- Projektion, nicht Prognose. Ein Klimamodell sagt nicht, wie das Wetter am 3. Juli 2049 wird — und auch nicht, wie warm das Jahr 2049 wird. Es rechnet ein statistisch plausibles Klima unter angenommenen Bedingungen. Die einzelnen Jahre darin sind erfundenes Wetter: Sie sehen echt aus, gehören aber zu keinem Kalender.
- Auch die Vergangenheit im Diagramm ist gerechnet. Die Linien beginnen 1950, aber sie zeigen nicht, wie warm es damals wirklich war. Jedes Modell erzeugt seine eigene Wetterabfolge. Wer wissen will, was tatsächlich gemessen wurde, geht zu den Klimastreifen oder zu Klimawandel in Deutschland.
- Nur 30-Jahre-Mittel sind aussagekräftig. Deshalb steht unter dem Linienbild ein zweites Diagramm, das nichts anderes vergleicht als zwei Dreißigjahresmittel. Wenn Sie von dieser Seite eine Zahl mitnehmen, dann von dort — nie von einem einzelnen Jahr.
- Der Gitterpunkt ist nicht Ihr Ort. Die Abfrage rastet auf ein Gitter ein und bringt eine eigene Geländehöhe mit. Beides steht in der Zahlentabelle.
Welches Emissionsszenario? So weit reicht der Beleg — und nicht weiter
Jede Klimaprojektion hängt an einer Annahme darüber, wie viel Treibhausgas die Menschheit noch ausstößt. Ohne diese Angabe ist eine Zahl für 2050 wertlos. Was der Betreiber dazu wörtlich sagt — die ersten beiden Sätze in der Dokumentation, der dritte in seinem Entwickler-Blog:
„The high resolution climate models are as close to RCP8.5 as possible within CMIP6.“ Dokumentation
„While other models consider different emission scenarios, the variations in these scenarios are less noticeable until 2050.“ Dokumentation
„Unlike other simulations, the data is not calculated for different emission scenarios and is only available until 2050.“ Entwickler-Blog
Mehr steht an beiden Stellen nicht. Daraus folgt, was wir sagen können und was nicht:
- Belegt: Es gibt hier nur einen Pfad. Man kann über diese Schnittstelle keine zwei Szenarien nebeneinanderlegen. Der Pfad liegt am oberen Ende der CMIP6-Bandbreite („so nah an RCP8.5 wie möglich“) — also ein Verlauf mit hohen Emissionen.
- Nicht belegt: Wir können nicht sagen, dass hier sauber SSP5-8.5 gerechnet wurde, und auch nicht, ob alle sieben Modelle denselben Antrieb verwenden. Die Dokumentation nennt keine SSP-Bezeichnung, sondern schreibt „so nah wie möglich“ — das ist eine Näherung, keine Kennzeichnung. Wir raten sie hier nicht zu einer aus.
- Der Trost dabei: Bis etwa 2050 laufen die verschiedenen Emissionspfade ohnehin dicht beieinander — die Treibhausgase der nächsten Jahrzehnte sind zum großen Teil schon in der Luft oder in bereits gebauter Infrastruktur angelegt. Erst danach spreizen sich die Szenarien deutlich auf. Dass diese Daten 2050 enden, ist insofern kein Zufall.
Woher die sieben Modelle kommen
Es sind globale Klimamodelle aus der HighResMIP-Gruppe des CMIP6-Projekts — jener Sammlung von Modellläufen, auf die sich auch die Berichte des Weltklimarats stützen. HighResMIP rechnet bewusst feiner als üblich, damit regionale Aussagen überhaupt möglich werden. Open-Meteo gibt die ursprünglichen Gitterweiten mit 20 bis 51 km an und beschreibt den weiteren Weg der Daten so:
„The API offers climate data at a regional, rather than continental, level by downsizing it to a 10 km resolution.“ Dokumentation
„This is achieved by downscaling all climate models to a 10 km resolution using the ERA5-Land reanalysis as reference data. […] Statistical errors are corrected by calculating average long-term averages from 1950 to 2015.“ Entwickler-Blog
Das ist ein wichtiger Punkt für die Einordnung: Die Modelle wurden gegen die ERA5-Land-Reanalyse abgeglichen. Die absoluten Temperaturen sind dadurch für den Ort brauchbar — aber sie sind kein unabhängiger Beleg mehr, sondern tragen die Eigenheiten von ERA5-Land in sich. Und ein Abgleich auf lange Mittelwerte korrigiert das Mittel, nicht zwangsläufig die Extreme.
Wie viel diese Abhängigkeit von einer einzigen Reanalyse ausmachen kann, lässt sich nachmessen, indem man eine zweite danebenstellt: Zwei Weltmodelle, ein Ort — wie weit liegen sie auseinander? vergleicht die langjährigen Monatsmittel aus NASA POWER (aus MERRA‑2) mit denen aus dem Open-Meteo-Archiv (aus ERA5), beide über denselben Zeitraum 2001–2020. Das Ergebnis hängt am Gelände: im flachen Land Einigkeit bis auf Zehntelgrad (Norderney −0,2 K, Hamburg +0,6 K), am Alpenrand drei Grad Abstand (Garmisch +3,1 K). Keine der beiden Reihen ist die Wahrheit — die Spanne dazwischen ist die ehrlichere Angabe.
Was diese Seite kann — und was sie ausdrücklich nicht kann
- Die Spanne ist kein Fehlerbalken. Sie ist auch keine Wahrscheinlichkeit. Sieben Modelle sind eine Gelegenheitsstichprobe: Es sind die, die es gibt, nicht die, die man ziehen würde. Dass alle sieben in einem Bereich liegen, heißt nicht, dass die Wirklichkeit mit 100 % darin liegt — die Modelle teilen sich Annahmen und teilweise sogar Codebausteine.
- Wir bilden bewusst keinen Mittelwert über die Modelle. Ein Modellmittel sieht ruhiger aus, als die Sache ist, und glättet gerade das weg, worum es hier geht. In der Tabelle steht stattdessen der Median — als Ordnungszahl, nicht als Antwort.
- Kein Modell ist „das richtige“. Dass ein Modell näher an der gemessenen Vergangenheit liegt, macht es für die Zukunft nicht zuverlässiger. Wir sortieren die Modelle deshalb nicht nach Güte und lassen keines weg.
- Keine Trendlinie, keine Glättung, keine Extrapolation über 2050 hinaus. Die Daten enden dort, wo die Datenquelle endet.
- Niederschlag steht hier nicht. Klimamodelle treffen Temperatur deutlich besser als Niederschlag; für Regenprojektionen wäre die Spanne so groß, dass ein Diagramm mehr behaupten würde, als es einlöst.
Quellen und Weiterlesen
Daten: sieben Klimamodelle der HighResMIP-Gruppe im CMIP6-Projekt, statistisch auf 10 km herunterskaliert und gegen ERA5-Land abgeglichen, abgerufen über die keyless Klima-Schnittstelle von Open-Meteo (Lizenz CC BY 4.0). Kein Zugangsschlüssel, kein eigener Server, keine Weitergabe Ihrer Eingaben. Die wörtlichen Zitate oben stammen aus zwei Quellen des Betreibers, jeweils am Zitat vermerkt: der Dokumentation und dem Entwickler-Blog. Hier stand zunächst, alle stammten aus der Dokumentation — das war falsch: Zwei der vier Sätze stehen ausschließlich im Blog. Nachgeprüft am 01.08.2026, indem beide Seiten geladen und jeder Satz einzeln in beiden gesucht wurde.
Gemessene Zahlen statt gerechneter stehen auf Klimawandel in Deutschland (DWD) und in den Klimastreifen (ERA5-Reanalyse). Der Unterschied zwischen Wetter und Klima ist auf Wetter und Klima erklärt; warum mehr Treibhausgas überhaupt wärmt und wie groß die Spanne je CO₂-Verdopplung ist, auf Treibhauseffekt; wie diese Seite grundsätzlich mit Zahlen umgeht, in Methodik & Quellen.