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Wissen · Klima

Klimageschichte: Eiszeiten, Vulkane und das Tempo des Wandels

„Das Klima hat sich schon immer geändert.“ Das stimmt, und es ist gut belegt. Diese Seite zeigt, woher man das weiß, was die Eiszeiten taktet, was Vulkane anrichten können und warum die Kleine Eiszeit nicht überall zugleich kalt war. Und sie zeigt, warum gerade die Klimageschichte sichtbar macht, was an der heutigen Erwärmung ungewöhnlich ist: das Tempo. Wo die Forschung unsicher oder uneins ist, steht es dabei. Was in Deutschland seit 1881 gemessen wurde, zeigt Klimawandel in Deutschland.

Woher man das weiß: Archive statt Thermometer

Flächendeckend gemessen wird die Temperatur in Deutschland erst seit 1881, weltweit brauchbar etwa seit 1850. Alles davor stammt aus Klimaarchiven: Spuren, die das Klima in Eis, Schlamm, Holz oder Tropfstein hinterlassen hat. Fachleute nennen sie Proxys, Stellvertreter, weil sie die Temperatur nicht messen, sondern nur widerspiegeln. Jedes Archiv hat eine eigene Reichweite, eine eigene Schärfe und eigene Fallen.

Die wichtigsten Klimaarchive, grob eingeordnet. Reichweiten sind Größenordnungen.
Archiv und ReichweiteStärke und Grenze
Eisbohrkerne aus der Antarktisausgewertet rund 800.000 Jahre; ein 2025 erbohrter Kern reicht über 1,2 Millionen Jahre zurückIn den Luftbläschen steckt echte Luft von damals: CO₂ und Methan lassen sich direkt messen. Die Temperatur dagegen nur indirekt über schwere und leichte Wassermoleküle, und zunächst nur für die Antarktis. Weil sich die Bläschen erst tief im Schnee schließen, ist die Luft jünger als das Eis ringsum — eine Quelle für Datierungsfehler. Der neue, älteste Kern wird noch ausgewertet.
Eisbohrkerne aus Grönlanddie letzte KaltzeitIm oberen Teil lassen sich Jahresschichten zählen; sie zeigen auch rasche Sprünge. Gelten aber vor allem für den Nordatlantik-Raum.
Ablagerungen am MeeresgrundMillionen JahreKalkschalen winziger Meereslebewesen speichern Wassertemperatur und Eismenge — in ihnen wurden die Takte der Eiszeiten entdeckt. Zeitlich unscharf, und die Umrechnung in Grad hat eigene Fehler.
BaumringeJahrtausendeJahrgenau datierbar. Zeigen vor allem die Wachstumszeit im Sommer, und Hitze lässt sich nicht immer von Trockenheit trennen.
Pollen aus Seen und Moorenmeist Zehntausende Jahre, in Einzelfällen über eine MillionZeigen, ob Wald oder Steppe wuchs. Pflanzen reagieren verzögert, und seit Beginn des Ackerbaus rodet auch der Mensch. Das längste durchgehende Profil Europas, Tenaghi Philippon in Nordgriechenland, reicht rund 1,35 Millionen Jahre zurück (Tzedakis und Kollegen, 2006).
Chroniken, Ernte- und Weinlesedatenin Mitteleuropa rund ein JahrtausendOft tagesgenau. Aber lückenhaft und regional, und Extreme wurden eher notiert als gewöhnliche Jahre. Für Deutschland und Mitteleuropa gibt es daraus eine Rekonstruktion ab etwa dem Jahr 1000 (Glaser und Riemann, 2009).

Zwei Folgen ziehen sich durch die ganze Seite. Erstens: Je weiter zurück, desto unschärfer. Kurze Ausschläge von wenigen Jahrzehnten verschwinden in vielen Archiven im Mittel. Zweitens: Die meisten Zahlen hier sind Rekonstruktionen mit Spanne, keine Messwerte. Dass zwei seriöse Studien für dieselbe Zeit um mehr als ein Grad auseinanderliegen, ist normal — und wird unten auch so gezeigt.

Der Takt der Eiszeiten: die Milanković-Zyklen

Der serbische Ingenieur und Mathematiker Milutin Milanković (1879–1958) rechnete über Jahrzehnte von Hand aus, wie viel Sonnenlicht in welcher Breite und Jahreszeit ankommt, wenn sich die Erdbahn langsam verändert. Entscheidend wurde ein Briefwechsel mit Wladimir Köppen, dem Vater der Klimaklassifikation: Auf Köppens Anregung rechnete Milanković ab 1922 vor allem die Sommer-Einstrahlung in hohen nördlichen Breiten. Die Kurven erschienen 1924 im Buch von Köppen und dessen Schwiegersohn Alfred Wegener. Die Kernidee der beiden: Über eine Eiszeit entscheidet nicht der Winter, sondern der Sommer in hohen nördlichen Breiten. Ist er kühl genug, übersteht der Schnee des Winters den Sommer, und über Jahrtausende wachsen Eisschilde.

Die drei Bahnveränderungen. Sie überlagern sich; keine wirkt allein.
Was sich ändert, TaktWirkung
Form der Bahn (Exzentrizität)rund 100.000 und gut 400.000 Jahre Die Bahn ist mal fast ein Kreis, mal etwas elliptischer. Das ändert die Jahressumme an Sonnenlicht kaum, verstärkt oder dämpft aber die Wirkung der Präzession.
Neigung der Erdachse (Obliquität)rund 41.000 Jahre Pendelt zwischen etwa 22,1 und 24,5 Grad; heute sind es 23,44 Grad, Tendenz abnehmend. Mehr Neigung heißt ausgeprägtere Jahreszeiten, vor allem in hohen Breiten.
Taumeln der Achse (Präzession)rund 19.000 bis 23.000 Jahre Die Achse taumelt wie ein Kreisel, und die Ellipse der Bahn dreht sich langsam in die Gegenrichtung. Beides zusammen verschiebt, in welcher Jahreszeit die Erde der Sonne am nächsten ist — derzeit Anfang Januar, im Nordwinter.

Bestätigt wurde die Idee erst nach Milankovićs Tod: Hays, Imbrie und Shackleton (1976) fanden genau diese Perioden in Ablagerungen vom Meeresgrund und nannten die Erdbahn den „Schrittmacher der Eiszeiten“.

Ehrlich dazu: Die Bahnänderungen verschieben vor allem, wann und wo das Sonnenlicht ankommt, kaum, wie viel insgesamt. Dass daraus Temperaturunterschiede von mehreren Grad werden, liegt an Verstärkern: Wachsende Eisflächen werfen mehr Licht zurück, und in kalten Zeiten nimmt der Ozean mehr CO₂ auf. Und ein Rätsel ist geblieben: Seit etwa einer Million Jahren folgen die Kaltzeiten meist einem Takt von rund 100.000 Jahren, dem der Bahnform, die für sich genommen am schwächsten wirkt. Davor wechselten sie eher im 41.000-Jahre-Takt der Achsneigung. Warum, ist nicht abschließend geklärt; die Fachliteratur spricht vom 100.000-Jahre-Problem.

Und die nächste Eiszeit? Nach Modellrechnungen stünde auch ohne den Menschen in den nächsten Zehntausenden Jahren keine an, weil die Erdbahn derzeit nahezu kreisförmig ist und die Sommer im Norden deshalb nicht kühl genug werden (Berger und Loutre, 2002; Ganopolski, Winkelmann und Schellnhuber, 2016). Die Behauptung, eigentlich stünde bald eine Eiszeit bevor, trägt also nicht.

Die letzte Kaltzeit — und wie sie zu Ende ging

Ihren Höhepunkt, das letzte glaziale Maximum, erreichte die letzte Kaltzeit vor rund 20.000 Jahren. Das skandinavische Eis reichte bis in den Norden des heutigen Deutschlands, die Alpengletscher schoben sich weit ins Vorland. Weil so viel Wasser als Eis an Land lag, stand der Meeresspiegel um die 120 Meter tiefer als heute, und weite Teile der Nordsee waren Land.

Wie viel kälter es im weltweiten Mittel war, ist erstaunlich schwer zu sagen. Der Weltklimarat (IPCC, 2021) nennt 5 bis 7 °C gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung. Einzelstudien liegen bei gut 6 °C (Tierney und Kollegen, 2020; im IPCC-Bericht schon berücksichtigt) oder, neuer und weniger kalt, bei rund 4,5 °C mit einer angegebenen Unsicherheit von ±0,9 °C (Annan, Hargreaves und Mauritsen, 2022). Die Spanne ist nicht akademisch: Wie stark die Erde damals auf weniger CO₂ und mehr Eis reagiert hat, ist eine der Beweislinien dafür, wie empfindlich das Klima auf CO₂ reagiert (Treibhauseffekt).

Dann wurde es wärmer, aber nicht gleichmäßig. Die Hauptphase der Enteisung lag nach dem Weltklimarat zwischen etwa 18.000 und 11.000 Jahren vor heute. Die globale Temperatur stieg dabei um rund 5 °C; der eigentliche Anstieg dauerte nach einer Erläuterung des Weltklimarats etwa 5.000 Jahre dieser Phase, in den schnellsten Abschnitten waren es etwa 1,5 °C pro Jahrtausend. Andere Rekonstruktionen setzen Anfang und Ende anders und kommen auf rund 6 bis 7 °C, verteilt auf knapp 10.000 Jahre (Osman und Kollegen, 2021). Seit gut 11.000 Jahren leben wir in einer Warmzeit, dem Holozän; in diese vergleichsweise ruhigen Jahrtausende fallen Ackerbau, Städte und Schrift.

Skizze: Im Wechsel von Kalt- und Warmzeiten der letzten 400.000 Jahre pendelte CO2 zwischen etwa 180 und 280 ppm, wobei Kaltzeiten langsam begannen und rasch endeten. 2025 lag der Wert bei rund 427 ppm, weit über dieser Spanne, erreicht seit Beginn der Industrialisierung. 180 280 400 300 200 100 heute Tausend Jahre vor heute CO₂ in ppm · Skizze 2025: rund 427 Anstieg seit der Industrialisierung
Skizze, keine Messkurve. Gemessen sind nur die Spanne von etwa 180 bis 280 ppm aus antarktischen Eisbohrkernen, ausgewertet über 800.000 Jahre (Lüthi und Kollegen, 2008), und der Jahresmittelwert 2025 auf dem Mauna Loa (NOAA). Form und Zeitpunkte der Zyklen sind vereinfacht; einzelne Warmzeiten lagen etwas über 280 ppm. Der rote Sprung am rechten Rand ist in diesem Maßstab ein senkrechter Strich, weil die gut 250 Jahre seit 1750 hier schmaler sind als ein Bildpunkt.

CO₂ in den Eiszeiten: Ursache oder Folge?

Mit der Temperatur stieg in der Enteisung auch das CO₂, von etwa 180 auf etwa 280 ppm. Ein beliebter Einwand lautet: In den Eisbohrkernen steige erst die Temperatur und dann das CO₂, also könne CO₂ nicht die Ursache sein. Die Antwort ist: Beides stimmt ein Stück weit, und es widerspricht sich nicht.

Heute läuft die Kette andersherum an: Der Mensch fügt das CO₂ zuerst hinzu. Das Jahresmittel 2025 auf dem Mauna Loa lag bei rund 427 ppm, weit oberhalb der Spanne aller Eiszeitzyklen, die die Eisbohrkerne zeigen. Wie CO₂ wärmt und wie viel eine Verdopplung bringt, erklärt Treibhauseffekt.

Die Kleine Eiszeit: kalt, aber nicht überall zugleich

Als Kleine Eiszeit bezeichnet man kühlere Jahrhunderte, grob vom 15. bis ins 19. Jahrhundert, je nach Region und Definition. In Europa rückten die Alpengletscher vor und erreichten vielerorts um die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren letzten Höchststand; seither schmelzen sie zurück. Chroniken berichten von strengen Wintern und Missernten.

Der Name führt in die Irre. Mit einer Eiszeit hat sie nichts zu tun: Im weltweiten Mittel ging es eher um Zehntelgrade als um Grade. Und sie war nicht überall gleichzeitig. Eine Auswertung von Klimaarchiven aus aller Welt (Neukom und Kollegen, 2019) fand die kältesten Jahrzehnte im zentralen und östlichen Pazifik eher im 15. Jahrhundert, in Nordwesteuropa im 17. Jahrhundert und in den meisten anderen Regionen erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Für die sogenannte Mittelalterliche Warmzeit gilt dasselbe: warm, aber nicht überall zur selben Zeit. Anders das 20. Jahrhundert: Es war nach derselben Studie für mehr als 98 Prozent der Erdoberfläche die wärmste Zeit der letzten 2.000 Jahre.

Als Ursachen gelten eine Häufung großer Vulkanausbrüche, eine zeitweise schwächere Sonne — am bekanntesten ist das Maunder-Minimum, etwa in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als kaum Sonnenflecken zu sehen waren — und natürliche Schwankungen von Ozean und Atmosphäre. Wie viel welcher Faktor ausmacht, ist nicht abschließend geklärt; viele Studien sehen die Vulkane als wichtigsten Antrieb und den Anteil der Sonne als eher klein.

Ein Beispiel dafür, warum Archive Vorsicht verlangen: Die Themse in London fror in diesen Jahrhunderten mehrmals so fest zu, dass auf dem Eis Jahrmärkte stattfanden. Das lag aber nicht nur an der Kälte. Die alte London Bridge mit ihren engen Bögen bremste den Fluss und machte ihn anfälliger fürs Zufrieren. Seit sie im 19. Jahrhundert ersetzt und die Ufer ausgebaut wurden, fließt die Themse schneller, und Jahrmärkte auf dem Eis gab es nicht mehr — was auch am Ende der Kleinen Eiszeit liegt. Chroniken lügen nicht, aber sie messen nicht nur Klima.

Vulkanwinter: Tambora 1815 und das Jahr ohne Sommer

Im April 1815 brach auf der indonesischen Insel Sumbawa der Tambora aus, einer der gewaltigsten Ausbrüche der letzten Jahrtausende; in der Region starben Zehntausende Menschen. Fürs Klima entscheidend war nicht die Asche, die rasch zu Boden fällt, sondern der Schwefel: Er gelangte bis in die Stratosphäre, bildete dort feine Schwefelsäuretröpfchen, und dieser Schleier warf Sonnenlicht zurück ins All. Solche Schleier halten sich ein bis drei Jahre, weil es in der Stratosphäre nicht regnet; erst wenn die Tröpfchen in tiefere Schichten abgesunken sind, wäscht der Regen sie aus (Aufbau der Atmosphäre).

1816 ging als Jahr ohne Sommer in die Geschichte ein. In weiten Teilen Mittel- und Westeuropas war der Sommer kalt und verregnet, Getreide und Kartoffeln reiften nicht oder verfaulten. Die Preise stiegen stark, im Winter 1816/17 hungerten viele Menschen, besonders im Südwesten Deutschlands und in der Schweiz, und Tausende wanderten aus. Oft erzählt wird, dass der Mangel an Futter und Pferden Karl Drais 1817 in Mannheim zu seiner Laufmaschine gebracht habe, dem Vorläufer des Fahrrads. Das ist eine Vermutung, kein belegter Zusammenhang.

Ehrlich eingeordnet: Wie viel vom kalten Sommer 1816 allein auf Tambora geht, lässt sich nicht sauber trennen. Das Jahrzehnt war schon vorher kühl, nach Eisbohrkernen auch wegen eines weiteren großen Ausbruchs um 1809, dessen Vulkan nicht sicher bekannt ist. Und verregnete Sommer gibt es auch ohne Vulkan. Der Ausbruch gilt als Hauptursache der Kälte, aber das Wetter jenes Sommers bleibt auch ein Stück Zufall. Im weltweiten Mittel war die Abkühlung deutlich kleiner als in den am stärksten betroffenen Regionen.

Der am besten vermessene große Ausbruch ist der des Pinatubo auf den Philippinen im Juni 1991. Satelliten verfolgten, wie sich die Schwefelwolke um die Erde legte. Im Jahr darauf lag die globale Mitteltemperatur um bis zu etwa ein halbes Grad niedriger, nach zwei bis drei Jahren war der Effekt abgeklungen. Wie groß genau, hängt davon ab, wie man gleichzeitige Schwankungen wie El Niño herausrechnet.

Eine Klimavorhersage mit Nachkontrolle

Kurz nach dem Pinatubo-Ausbruch veröffentlichte eine Arbeitsgruppe um James Hansen (Hansen, Lacis, Ruedy und Sato, 1992) eine Modellrechnung: Die Schwefelwolke werde die Erde im Mittel um etwa ein halbes Grad abkühlen, am stärksten im folgenden Jahr, danach klinge der Effekt ab. So kam es, in der Größenordnung und im zeitlichen Verlauf.

Das beweist nicht, dass Klimamodelle alles richtig machen. Aber es ist einer der schnellsten und klarsten Tests: vorher aufgeschrieben, nach zwei, drei Jahren an der Wirklichkeit geprüft. Auch längerfristige Prognosen werden so nachkontrolliert; eine Auswertung von 17 Klimaprojektionen aus den Jahren 1970 bis 2007 fand die meisten im Rahmen der später gemessenen Erwärmung (Hausfather, Drake, Abbott und Schmidt, 2020). Dasselbe Prinzip, im Kleinen, verfolgt diese Seite mit jeder Wettervorhersage: vorher festhalten, nachher vergleichen (Trefferquote, Faustregel).

Zwei Dinge folgen daraus. Ein einzelner Vulkan kann das Klima für ein paar Jahre abkühlen, aber keinen Trend über Jahrzehnte erzeugen — es sei denn, mehrere große Ausbrüche folgen dicht aufeinander, wie es für die Kleine Eiszeit diskutiert wird. Und falls der Einwand kommt, Vulkane stießen mehr CO₂ aus als der Mensch: Nach Schätzungen des US-amerikanischen Geologischen Dienstes (USGS) ist es umgekehrt, der Mensch setzt jährlich grob das Hundertfache frei.

„Das Klima hat sich schon immer geändert“ — stimmt. Was ist heute anders?

Die Klimageschichte liefert keinen Grund zur Entwarnung, sondern drei nüchterne Vergleiche.

Erstens das Tempo. Nach dem Weltklimarat stieg die globale Temperatur in der letzten Enteisung um rund 5 °C in etwa 5.000 Jahren, also im Mittel um etwa 0,1 °C pro Jahrhundert (rechnet man über die ganze Hauptphase von rund 7.000 Jahren, eher 0,07), in den schnellsten Phasen um etwa 0,15. Heute sind es rund 0,2 °C pro Jahrzehnt (IPCC-Einschätzung für 2017, wahrscheinlich 0,1 bis 0,3); für 2016–2025 beziffern Forster und Kollegen (2026) den menschengemachten Anstieg auf 0,27 °C pro Jahrzehnt, mit einer Spanne von 0,2 bis 0,4. Nach den Mittelwerten ist das gut zehn- bis knapp zwanzigmal so schnell wie in den schnellsten Phasen der Enteisung; auch am unteren Rand der Spannen bleibt es ein Vielfaches.

Letzte Enteisung im Mittel: etwa 0,1 °C pro Jahrhundert

Letzte Enteisung, schnellste Phasen: etwa 0,15 °C pro Jahrhundert

Heute nach dem Weltklimarat, Stand 2017: etwa 2 °C pro Jahrhundert, wahrscheinlich 1 bis 3

2016–2025, menschengemachter Anteil (Forster und Kollegen, 2026): etwa 2,7 °C pro Jahrhundert, Spanne 2 bis 4

Alle Werte auf Grad pro Jahrhundert umgerechnet: Enteisung nach dem Weltklimarat (IPCC 2021, FAQ 2.1: rund 5 °C in etwa 5.000 Jahren, höchstens etwa 1,5 °C pro Jahrtausend), heute 0,2 °C pro Jahrzehnt (IPCC 2018, Stand 2017, wahrscheinlich 0,1 bis 0,3) und 0,27 °C pro Jahrzehnt für den menschengemachten Anteil 2016–2025 (Forster und Kollegen, 2026, Spanne 0,2 bis 0,4). Die Querstriche zeigen diese Spannen; für die Enteisung sind die Balken so kurz, dass eine Spanne nicht zu sehen wäre. Vorsicht, ungleiche Zeitfenster: Die Werte der Enteisung sind Mittel über Jahrhunderte bis Jahrtausende, die heutigen gelten für ein bis wenige Jahrzehnte. Das Bild zeigt Größenordnungen, keine Nachkommastellen.

Der Vergleich hat eine offene Flanke, und die gehört dazu: Die Archive der Enteisung sind zu unscharf, um kurze Spitzen zu zeigen. Ein Jahrhundert mit schnellerem Anstieg könnte im Mittel verschwunden sein. Regional gab es sogar sehr schnelle Sprünge: In Grönland stieg die Temperatur während der letzten Kaltzeit mehrmals um viele Grad innerhalb weniger Jahrzehnte, vermutlich weil sich die Strömungen im Nordatlantik umstellten (Golfstrom). Das waren aber regionale Umverteilungen von Wärme, keine ebenso schnellen Sprünge des weltweiten Mittels. Wo die Archive scharf genug sind, ist das Urteil deutlich: Seit 1970 ist die globale Temperatur schneller gestiegen als in jedem anderen 50-Jahre-Zeitraum der mindestens letzten 2.000 Jahre (IPCC, 2021, hohes Vertrauen). Und der Ozean hat sich im letzten Jahrhundert schneller erwärmt als seit dem Ende der Enteisung vor rund 11.000 Jahren (mittleres Vertrauen).

Zweitens die Ursache. Die Antriebe, die früher das Klima bewegten, erklären die heutige Erwärmung nicht: Die Erdbahn ändert sich über Jahrhunderte kaum merklich, Vulkane kühlen nur für ein paar Jahre, und eine Kleine Eiszeit war eher ein Flickenteppich als ein weltweiter Trend. Und die Sonne? Satelliten messen ihre Strahlung seit Ende der 1970er-Jahre; einen Anstieg zeigen sie nicht (NASA). Sonne und Vulkane zusammen haben die globale Temperatur von 1850–1900 bis 2010–2019 nach dem Weltklimarat um −0,1 bis +0,1 °C verändert, also per Saldo kaum.

Forster und Kollegen (2026) schreiben deshalb praktisch die gesamte Erwärmung dem Menschen zu: für 2025 rund 1,37 °C mit einer Spanne von 1,1 bis 1,7 °C, bei gemessenen 1,39 °C über 1850–1900. Die beiden Zahlen sind keine Aufteilung des einen Jahres: Die menschengemachte Erwärmung ist ein geschätzter Pegel mit Spanne, einzelne Jahre liegen wegen Schwankungen wie El Niño mal darüber, mal darunter.

Drittens die Lehre. Die Eiszeiten zeigen, wie empfindlich das Klima ist: Kleine Verschiebungen im Sonnenlicht, verstärkt durch CO₂ und Eis, reichten für einige Grad und ein Meer, das um die 120 Meter stieg. Warm war es auch früher schon: Das Jahrzehnt 2011–2020 lag nach dem Weltklimarat über der wärmsten längeren Phase des Holozäns vor rund 6.500 Jahren (mittleres Vertrauen); die nächste vergleichbar warme Zeit liegt rund 125.000 Jahre zurück, als der Meeresspiegel mehrere Meter höher stand als heute. Dass sich das Klima schon immer geändert hat, heißt also nicht, dass Änderungen harmlos sind — nur, dass die Physik dahinter gut geprüft ist.

Wo die Forschung noch uneins ist

  • Wie kalt die Eiszeit war. Je nach Studie und Methode liegen die Schätzungen samt ihrer Unsicherheiten zwischen etwa 4 und 7 °C kälter als vor der Industrialisierung. Das sind mehrere Grad Spanne für eine der am besten untersuchten Zeiten.
  • Das Temperatur-Rätsel des Holozäns. Viele Rekonstruktionen zeigen einen Höhepunkt vor etwa 6.000 bis 7.000 Jahren und danach eine langsame Abkühlung (Marcott und Kollegen, 2013; Kaufman und Kollegen, 2020). Klimamodelle zeigen eher einen leichten Anstieg. Eine mögliche Erklärung: Manche Archive geben eher den Sommer wieder als das Jahresmittel (Bova und Kollegen, 2021). Entschieden ist das nicht.
  • Das 100.000-Jahre-Problem. Warum ausgerechnet der schwächste Bahntakt die letzten Eiszeitzyklen prägt, ist nicht abschließend geklärt.
  • Die Ursachen der Kleinen Eiszeit. Vulkane, Sonne und Zufall — über die Anteile wird weiter gestritten.

Keine dieser offenen Fragen stellt in Frage, dass mehr CO₂ wärmt. Sie betreffen, wie genau man die Vergangenheit rekonstruieren kann — und genau deshalb stehen hier Spannen statt einzelner Zahlen.

Was diese Seite nicht kann

  • Keine eigenen Rekonstruktionen. Alle Zahlen stammen aus Berichten des Weltklimarats und aus einzelnen Studien, gerundet und zusammengefasst. Das erste Diagramm ist eine Skizze.
  • Kein Ort, meist nur das globale Mittel. Was an deinem Ort seit 1950 los war, zeigen die Klimastreifen; gemessene Werte für Deutschland seit 1881 Klimawandel in Deutschland; Modelle für die nächsten Jahrzehnte Klimaprojektion.
  • Der Tempo-Vergleich vergleicht ungleiche Zeitfenster. Er zeigt Größenordnungen, und er hängt davon ab, wie man Anfang und Ende der Enteisung setzt.
  • Ein einzelnes kaltes oder warmes Jahr sagt über all das nichts aus (Wetter und Klima). Ist hier eine Zahl falsch oder überholt, gehört das ins Fehlerprotokoll.

Quellen

IPCC, Sechster Sachstandsbericht, Arbeitsgruppe I (2021): Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Tempo seit 1970, Vergleich mit der Warmphase vor rund 6.500 und 125.000 Jahren, Ozean seit der Enteisung, Beitrag natürlicher Antriebe −0,1 bis +0,1 °C), FAQ 2.1 (Enteisung: rund 5 °C in etwa 5.000 Jahren, höchstens etwa 1,5 °C pro Jahrtausend) und Kapitel 2 (letztes glaziales Maximum 5 bis 7 °C kälter, Enteisung etwa 18.000 bis 11.000 Jahre vor heute, Erwärmung des Ozeans) — ipcc.ch/report/ar6/wg1. Sonderbericht 1,5 °C (2018): 0,2 °C pro Jahrzehnt, Stand 2017 — ipcc.ch/sr15.

Heutige Erwärmung: Forster und Kollegen (2026): Indicators of Global Climate Change 2025, Earth System Science Data 18 — menschengemachte Erwärmung 2016–2025 0,27 (Spanne 0,2 bis 0,4) °C pro Jahrzehnt; 2025 gemessen 1,39 °C über 1850–1900, menschengemacht 1,37 (Spanne 1,1 bis 1,7) °C — essd.copernicus.org. CO₂-Jahresmittel 2025 auf dem Mauna Loa: NOAA Global Monitoring Laboratory — gml.noaa.gov.

Erdbahn und Eiszeiten: Milanković (1941), Kanon der Erdbestrahlung und seine Anwendung auf das Eiszeitenproblem; Köppen & Wegener (1924), Die Klimate der geologischen Vorzeit; Hays, Imbrie & Shackleton (1976), Science; Berger & Loutre (2002), Science; Ganopolski, Winkelmann & Schellnhuber (2016), Nature. Werte der Bahnelemente (Neigung 22,1 bis 24,5 Grad, heute 23,44) und Satellitenmessungen der Sonnenstrahlung seit 1978 nach NASA — science.nasa.gov.

Eiszeit, Enteisung und CO₂: Lüthi und Kollegen (2008), Nature; Tierney und Kollegen (2020), Nature; Osman und Kollegen (2021), Nature; Annan, Hargreaves & Mauritsen (2022), Climate of the Past 18; Shakun und Kollegen (2012), Nature 484; Parrenin und Kollegen (2013), Science; Marcott und Kollegen (2013), Science; Kaufman und Kollegen (2020), Scientific Data; Bova und Kollegen (2021), Nature; Sigman, Hain & Haug (2010), Nature (Rolle des Südpolarmeers beim CO₂).

Klimaarchive: Beyond EPICA – Oldest Ice, Bohrung bis zum Fels im Januar 2025 — beyondepica.eu; Tzedakis und Kollegen (2006), Quaternary Science Reviews (Tenaghi Philippon); Glaser & Riemann (2009), Journal of Quaternary Science (Temperatur Mitteleuropas aus Chroniken seit etwa 1000).

Kleine Eiszeit: Neukom und Kollegen (2019), Nature 571 — keine weltweit gleichzeitigen Warm- oder Kaltphasen vor der Industrialisierung.

Vulkane: Hansen, Lacis, Ruedy & Sato (1992), Geophysical Research Letters (Vorhersage der Pinatubo-Abkühlung); Hausfather, Drake, Abbott & Schmidt (2020), Geophysical Research Letters (Nachprüfung früherer Klimaprojektionen); US Geological Survey, Volcano Hazards Program, zu Vulkanen, Klima und vulkanischem CO₂ — usgs.gov. Messbeginn der Flächenmittel in Deutschland 1881: DWD — dwd.de.

Die Angaben sind zusammengefasst, nicht wörtlich zitiert; Stand 30.09.2026. Das erste Diagramm ist eine Skizze, das zweite rechnet die genannten Raten nur auf eine gemeinsame Einheit um.