Schneetage im langjährigen Verlauf
„Früher lag hier mehr Schnee“ ist der Satz, der jeden Winter fällt. Diese Seite zählt nach: für 30 Winter, für einen frei wählbaren Ort, aus einer durchgehend gleich gerechneten Datenreihe. Was dabei herauskommt, ist interessanter als ein Ja oder Nein — und der wichtigste Teil dieser Seite ist der Abschnitt darüber, was diese Zahlen nicht sind. Was Schnee, Neuschnee und Schneehöhe überhaupt genau bedeuten, steht nebenan auf Schnee; hier geht es nur um die lange Reihe.
Ein Winter ist kein Kalenderjahr
Wer Schneetage nach Kalenderjahren zählt, zersägt jeden Winter in zwei Hälften: Der Januar 2010 landet in einem anderen Balken als der Dezember 2010, obwohl beide zu verschiedenen Wintern gehören — und der Dezember 2009, der mit dem Januar 2010 zusammengehört, landet wieder woanders. Eine so gebaute Reihe schwankt vor allem deshalb, weil sie falsch geschnitten ist.
Deshalb gilt hier: Ein Winter läuft vom 1. Juli bis zum 30. Juni. Der Winter „2024/25“ umfasst also den 1. Juli 2024 bis zum 30. Juni 2025 — und damit den Dezember 2024 und den Januar 2025 im selben Balken. Juli und August tragen in Mitteleuropa im Tiefland nichts bei; im Hochgebirge können sie es sehr wohl, und genau darum ist das ganze Jahr drin und nicht nur November bis März.
Diese Definition gilt für die Nordhalbkugel. Südlich des Äquators liegt der Winter im Juni, Juli und August — also genau auf der Naht, an der wir schneiden. Wer einen Ort dort abfragt, bekommt einen entsprechenden Hinweis über dem Diagramm statt einer stillschweigend falschen Bilanz.
Ein Winter zählt nur mit, wenn er vollständig geliefert wurde: mindestens 360 Tage insgesamt und der Kernzeitraum 1. November bis 31. März lückenlos. Unvollständige Winter fallen heraus, statt als niedriger Balken dazustehen und wie ein schneearmer Winter auszusehen. Wie viele Winter tatsächlich übrig blieben, steht unter jedem Diagramm.
Was hier gezählt wird — und woher es kommt
Quelle ist die ERA5-Reanalyse (Copernicus Climate Change Service / ECMWF), abgerufen über die keyless Archiv-Schnittstelle von Open-Meteo. Eine Reanalyse ist keine Stationsmessung: Ein Wettermodell wird durch die Jahrzehnte gerechnet und dabei fortlaufend an alle verfügbaren Beobachtungen gezwungen. Der Vorteil ist eine lückenlose, immer gleich gerechnete Reihe — auch für Orte, an denen nie eine Station stand.
- Wir pinnen das Modell fest (
models=era5). Ohne diese Angabe wählt Open-Meteo selbst aus mehreren Reanalysen aus, und dieselbe Abfrage liefert morgen etwas anderes. Dieselbe Festlegung begründen die Klimastreifen mit einem nachgerechneten Beispiel. - Tag mit Schneefall: Das Tagesfeld
snowfall_sumliegt über null. Die Einheit, die die Schnittstelle dazu selbst meldet, steht unter dem Diagramm — sie wird nicht behauptet, sondern aus der Antwort abgelesen. - Tag mit nennenswertem Schneefall:
snowfall_sumvon mindestens 1 Einheit dieser gemeldeten Größe. Das ist eine gesetzte Schwelle, angelehnt an den Niederschlagstag des DWD (ab 1 mm), und keine amtliche Definition für Schnee. - Die Zentimeter sind umgerechnet, nicht gemessen. Die Schnittstelle
meldet
cm, aber dahinter steckt eine feste Umrechnung aus dem Wasseräquivalent, das ERA5 tatsächlich rechnet: 1 mm Wasser entspricht 7 cm Schnee. Nachgezählt am 01.08.2026 über alle 4700 Tage mit Schneefall in den drei Reihen dieser Seite: jeder einzelne Wert ist ein glattes Vielfaches von 0,07 cm — also von 0,1 mm Wasser mal sieben. Echter Neuschnee ist aber mal locker und mal nass; sein Verhältnis reicht von etwa 1:5 bis 1:30. Die Zentimeter hier sind deshalb eine Rechengröße mit fester Annahme und kein Maßband. Wegen der Rasterung von 0,07 bedeutet die Schwelle „mindestens 1 cm“ in der Praxis „mindestens 1,05 cm“. - Frosttag: Tiefsttemperatur unter 0 °C
(
temperature_2m_min) — das ist die übliche Definition des DWD und steht im Glossar. Frosttage sind hier der ruhigere Vergleichswert: Temperatur trifft ein Modell deutlich besser als Schneefall.
Tiefland gegen Bergort — und warum ein Gitterfeld glättet
Eine Zahl allein sagt wenig. Der Vergleich lädt deshalb drei weitere Reihen: Hamburg für das Tiefland, die Zugspitze für das Hochgebirge — und Garmisch-Partenkirchen, das rund 2200 m tiefer liegt als die Zugspitze, aber in demselben Gitterfeld der Reanalyse. Das dritte Beispiel ist der eigentliche Punkt: Es macht sichtbar, was die Glättung konkret bedeutet. Was dabei herauskommt, wird nicht behauptet, sondern bei jedem Abruf nachgezählt und hingeschrieben.
Drei Reihen sind viel — deshalb steht der Vergleich hinter einem Knopf und nicht automatisch auf der Seite: Die Archiv-Schnittstelle hat ein Abruflimit, und es ungefragt auszuschöpfen wäre unhöflich gegenüber allen, die danach kommen.
Was diese Seite bewusst nicht behauptet
- Das ist keine Schneehöhe.
snowfall_sumist der Niederschlag, der als Schnee fällt — eine Modellgröße für einen Tag. Ob dieser Schnee liegen bleibt, wie hoch die Decke wird und wie lange sie hält, steht hier nirgends. Ein Ort kann viele Schneefalltage haben und trotzdem selten eine geschlossene Schneedecke. Der Unterschied ist auf Schnee sauber auseinandergenommen. - Das ist keine Stationsmessung. Eine Reanalyse rekonstruiert; sie misst nicht. Für einen einzelnen Tag an einem einzelnen Ort kann sie danebenliegen — je weiter zurück und je dünner das Beobachtungsnetz, desto eher.
- Das Gitter glättet Berge und Täler. ERA5 rechnet auf Feldern von rund 30 km Kantenlänge, und in einem solchen Feld gibt es keinen Gipfel und keinen Talboden. Der Schneefall kommt roh aus diesem Feld: Alle Orte im selben Gitterfeld bekommen dieselbe Schneereihe, egal wie hoch sie liegen. Nachgemessen am 01.08.2026 für den 10. bis 20. Januar 2024: Zugspitzgipfel, Garmisch-Partenkirchen und Ehrwald rasten alle auf 47,5° N / 11,0° O ein und liefern eine Zahl für Zahl identische Schneereihe — bei rund 2200 m Unterschied in der Geländehöhe. Der Vergleich oben rechnet das für 30 Winter nach.
- Die Höhe in der Tabelle ist nicht die Höhe des Gitters. Was die
Schnittstelle als
elevationmeldet, ist die Geländehöhe des Abfragepunkts aus einem feinen Höhenmodell. Sie geht in die Temperatur ein — im selben Beispiel vom 01.08.2026 unterscheiden sich die Tagesmittel des 11. Januar 2024 zwischen Gipfel und Tal um mehr als 14 Grad (−18,9 °C gegenüber −4,5 °C) — in den Schneefall geht sie nicht ein. Deshalb unterscheiden sich auf dieser Seite die Frosttage zweier benachbarter Orte, ihre Schneefalltage aber nicht. - Schneefall ist für ein Modell besonders schwer. Er hängt an wenigen Zehntelgrad in der Luftschicht darunter; dieselbe Wolke bringt im Tal Regen und 200 m höher Schnee. Die Frosttage auf dieser Seite sind deshalb der belastbarere Teil, die Schneefalltage der interessantere.
- Keine Trendlinie, keine Hochrechnung. Wir zeichnen die Winter, wie sie sind. Wer eine Gerade durch 30 Punkte legt, behauptet damit eine Gleichmäßigkeit, die in diesen Daten nicht steckt — und eine Verlängerung nach vorn wäre eine Prognose, die diese Seite nicht liefern kann. Statt einer Linie steht unten der nüchterne Vergleich der beiden Hälften des Zeitraums, mit ausgewiesenen Jahreszahlen und der Zahl der Winter je Hälfte.
- Zwei Hälften sind kein Beweis. 15 Winter sind zu wenig für eine Klimaaussage; die WMO rechnet mit 30 Jahren. Der Halbperiodenvergleich sagt, was in diesen Daten steht — nicht, wie es weitergeht.
Quellen und Weiterlesen
Daten: ERA5-Reanalyse (Copernicus Climate Change Service / ECMWF), abgerufen über die
keyless Archiv-Schnittstelle von Open-Meteo
(Lizenz CC BY 4.0), Tagesfelder snowfall_sum, temperature_2m_mean
und temperature_2m_min, Modell fest auf era5. Kein
Zugangsschlüssel, kein eigener Server, keine Weitergabe deiner Eingaben.
Zum Nachrechnen: Jede Zahl dieser Seite ergibt sich aus genau dieser einen Abfrage durch Abzählen — Tage über der jeweiligen Schwelle, gruppiert nach Winter vom 1. Juli bis 30. Juni. Es wird nichts geglättet, nichts interpoliert und nichts ergänzt. Der abgefragte Zeitraum und die Zahl der verwendeten Winter stehen bei jedem Ergebnis.
Verwandt: Schneefallgrenze (warum sie unter der Nullgradgrenze liegt), Schnee (was Neuschnee, Schneedecke und Schneehöhe genau sind, mit den Definitionen des DWD) · Frost · Tauwetter · Lawinen · Glätte.
Die lange Reihe für Temperatur und Niederschlag zeigen die Klimastreifen; wie diese Seite grundsätzlich mit Zahlen umgeht, steht in Methodik & Quellen.