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Wissen · Faktencheck

Wettermythen im Faktencheck

Manche Wetterweisheiten stimmen, manche sind gefährlich falsch, und bei manchen weiß es schlicht niemand genau. Diese Seite prüft zehn davon und sagt bei jeder, was man weiß — mit einem klaren Urteil, von stimmt nicht über teilweise bis unbelegt. Die klassischen Bauernregeln wie Siebenschläfer und Schafskälte stehen eigens auf Witterungsregelfälle.

Zehn Mythen, zehn Befunde

stimmt nicht

„Der Blitz schlägt nie zweimal an derselben Stelle ein.“

Hohe, freistehende Punkte werden immer wieder getroffen. Das Empire State Building in New York bekommt nach Angaben des US-Wetterdienstes im Mittel rund zwanzig Blitze im Jahr ab. Ein Ort, an dem es eingeschlagen hat, ist danach nicht sicherer als vorher — eher im Gegenteil, denn was ihn anziehend machte (Höhe, freie Lage), ist ja noch da.

stimmt nicht

„Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen.“

Der Blitz wählt nicht nach Baumart, sondern nach Höhe und Lage. Dass man an Buchen seltener Einschlagspuren sieht, liegt eher daran, dass ihre glatte, nasse Rinde den Strom außen ableitet, statt aufzuplatzen. Unter keinem einzeln stehenden Baum ist man bei Gewitter sicher (Warnungen verstehen).

stimmt nicht

„Im Auto ist man sicher, weil die Reifen isolieren.“

Im Auto mit Metalldach ist man tatsächlich gut geschützt — aber nicht wegen der Reifen. Ein paar Zentimeter Gummi halten einen Blitz nicht auf, der kilometerweit durch Luft gesprungen ist. Schützend wirkt die Metallhülle, die den Strom außen herum in den Boden leitet. Cabrios mit Stoffdach schützen deshalb kaum.

teilweise

„Abendrot – Gutwetterbot.“

In unseren Breiten zieht das Wetter meist von Westen heran. Leuchtet der Abendhimmel rot, scheint die tiefstehende Sonne im Westen durch klare Luft — das Wetter, das als Nächstes kommt, ist also eher trocken. Als Regel für den nächsten Tag hat das einen wahren Kern, taugt aber nur bei West-Wetterlagen und nur für kurze Zeit. Warum das Wetter von Westen kommt, erklärt Jetstream.

unbelegt

„Fliegen die Schwalben tief, gibt es Regen.“

Der Mechanismus ist plausibel: Schwalben jagen Insekten, und die fliegen bei feuchter, labiler Luft vor einem Wetterwechsel oft tiefer. Eine Studie, die Schwalbenflug als Vorhersage geprüft hätte, ist dieser Seite nicht bekannt. Deshalb steht hier nicht „stimmt“, sondern „unbelegt“ — eine Beobachtung mit Erklärung ist noch keine Vorhersage.

messbar, aber winzig

„Der Mond macht das Wetter.“

Der Mond zieht nicht nur am Meer, sondern auch an der Atmosphäre — das ist gemessen. Eine Auswertung von Satellitendaten (Kohyama & Wallace, 2016) fand sogar einen Einfluss auf die Regenmenge in den Tropen. Er ist aber so klein, dass man ihn nur über viele Jahre statistisch findet, und für kein einzelnes Wetter von Bedeutung. Einen „Wetterumschwung bei Vollmond“ gibt es nicht.

teilweise

„Ich spüre das Wetter in den Knochen.“

Dass sich viele Menschen bei Wetterwechseln schlechter fühlen, ist gut dokumentiert, und der DWD gibt sogar eine amtliche Biowetter-Vorhersage heraus. Wie gut sich einzelne Beschwerden einem bestimmten Wetterelement zuordnen lassen, ist dagegen umstritten. Was belegt ist und was nicht, steht ausführlich auf Biowetter.

stimmt nicht

„Unter null Grad schneit es, darüber regnet es.“

Schnee braucht einige Zeit, um zu schmelzen. Er fällt deshalb nach DWD-Richtwert 200 bis 300 Meter unter die Nullgradgrenze, bevor er zu Regen wird — am Boden kann es also schneien, obwohl das Thermometer deutlich über null zeigt. Umgekehrt kann bei Frost Regen fallen, der erst am Boden gefriert. Mehr auf Schneefallgrenze.

stimmt nicht

„Nach einem Hitzegewitter ist die Hitze vorbei.“

Ein Gewitter kühlt die Luft vor Ort für einige Stunden ab, weil Regen verdunstet und kalte Fallwinde aus der Wolke kommen. Bleibt die warme Luftmasse aber liegen, ist es am nächsten Tag genauso heiß — und oft schwüler. Dauerhaft kühler wird es erst, wenn eine Kaltfront eine andere Luftmasse bringt. Mehr auf Hitzegewitter.

stimmt nicht

„Ein kalter Winter widerlegt den Klimawandel.“

Ein Winter ist Wetter, dreißig Jahre sind Klima. Auch in einem sich erwärmenden Klima gibt es kalte Winter — nur seltener und weniger kalt als früher. Wie deutlich der Trend über viele Jahre ist, zeigen die Klimastreifen für deinen Ort; den Unterschied zwischen Wetter und Klima erklärt Wetter oder Klima?. Ein verwandter Einwand lautet, das Klima habe sich schon immer geändert. Das stimmt — ungewöhnlich ist heute aber das Tempo (Klimageschichte).

Warum hier auch „unbelegt“ steht

Ein Faktencheck, der jede Frage mit Ja oder Nein beantwortet, tut so, als wäre alles erforscht. Bei manchen Wetterweisheiten gibt es einen plausiblen Mechanismus, aber keine Untersuchung, die prüft, ob man damit wirklich vorhersagen kann. Dann steht hier „unbelegt“ — nicht, weil es falsch wäre, sondern weil niemand es nachgewiesen hat. Dieselbe Haltung hat die ganze Seite: lieber eine Lücke, die man sieht, als eine Antwort, die niemand geprüft hat.

Mit derselben Haltung sortiert die Seite Kann man das Wetter machen? Wolkenimpfen, Hagelflieger und Hagelkanonen; das offene Urteil heißt dort „weiß keiner“.

Quellen

Blitz: National Weather Service, Lightning Safety — weather.gov/safety/lightning (Mehrfacheinschläge, Schutz im Auto); Verhaltensregeln des VDE-Ausschusses für Blitzschutz — vde.com.

Abendrot: Met Office — metoffice.gov.uk (Erklärung von „Red sky at night“).

Mond: Kohyama, T. & Wallace, J. M. (2016): Rainfall variations induced by the lunar gravitational atmospheric tide and their implications for the relationship between tropical rainfall and humidity. Geophysical Research Letters 43.

Schneefallgrenze, Biowetter, Hitzegewitter, Klima: belegt auf den verlinkten Seiten dieser Webseite, jeweils mit DWD-Quellen.

Die Befunde sind zusammengefasst, nicht wörtlich zitiert.