Die Frage richtig stellen
„Hat der Klimawandel dieses Unwetter verursacht?“ lässt sich nicht beantworten — Unwetter gab es immer. Beantworten lässt sich eine andere Frage: Wie oft wäre ein solches Ereignis in einer Welt ohne die menschengemachte Erwärmung aufgetreten, und wie heftig wäre es gewesen? Aus dem Vergleich ergeben sich zwei Zahlen:
- Wahrscheinlichkeitsverhältnis: Ein Wert von 3 heißt, ein solches Ereignis ist heute dreimal so wahrscheinlich wie ohne Erwärmung.
- Intensitätsänderung: etwa „die Tagesregenmenge ist bei einem Ereignis dieser Seltenheit um x % größer“ oder „die Hitzewelle ist um y Grad wärmer“.
Wie das gerechnet wird
Die Forschungsgruppe World Weather Attribution hat dafür ein Standardverfahren entwickelt, das sie nach großen Ereignissen innerhalb von Tagen bis Wochen anwendet:
- Ereignis festlegen: Welche Größe, welches Gebiet, welcher Zeitraum? Etwa die höchste Tagesregenmenge eines Sommers in einer Region.
- Beobachtungen auswerten: Wie selten war das Ereignis im heutigen Klima, und hat sich die Häufigkeit über die Jahrzehnte verändert?
- Klimamodelle rechnen lassen: dieselbe Frage in einer simulierten Welt mit und einer ohne menschengemachte Treibhausgase. Wie diese Gase wärmen, erklärt Treibhauseffekt.
- Nur verwenden, was taugt: Modelle, die das Ereignis in der Vergangenheit nicht realistisch abbilden, fallen heraus.
- Zusammenführen — mit Spanne, nicht mit einer einzelnen Zahl.
Das Prinzip kennt diese Seite von der Wettervorhersage: Man stellt dieselbe Frage vielen Rechnungen und zeigt die Spanne der Antworten, statt eine Zahl zu behaupten.
Wie sicher das je nach Wetter ist
Der Weltklimarat (IPCC) hat 2021 zusammengetragen, wie gut sich Veränderungen bei verschiedenen Extremen belegen und dem Menschen zuordnen lassen. Die Unterschiede sind groß:
| Ereignis | Sicherheit | Warum |
|---|---|---|
| Hitzeextreme | sehr hoch | Nahezu sicher häufiger und intensiver geworden. Mehr Wärme führt direkt zu höheren Spitzen; Messreihen sind lang, Modelle bilden Hitze gut ab. |
| Starkregen | hoch | Über den meisten gut beobachteten Landflächen häufiger und heftiger. Physik: Wärmere Luft kann rund 7 % mehr Wasserdampf je Grad aufnehmen. Für einzelne lokale Gewittergüsse ist die Zuordnung deutlich schwieriger. |
| Dürre | mittel | In manchen Regionen belegt, in anderen nicht; Dürre hängt von Regen, Verdunstung und Boden zugleich ab. |
| Hagel, Tornados, Gewitterböen | niedrig | Zu klein für die Gitter der Klimamodelle, zu kurz und lückenhaft beobachtet. Hier ist die ehrliche Antwort meist: Man weiß es nicht. |
„Niedrig“ heißt nicht „kein Einfluss“, sondern „nicht nachweisbar mit den heutigen Daten und Modellen“. Wie klein und schwer vorherzusagen solche Ereignisse schon im Wettermaßstab sind, zeigen Tornados und Hagel.
Ein Beispiel: Juli 2021, Ahr und Erft
Nach dem Hochwasser im Juli 2021 hat World Weather Attribution die Regenfälle untersucht (Kreienkamp und Kollegen, 2021). Das Ergebnis für die größere Region zwischen Westdeutschland und den Benelux-Ländern: Ein Starkregen dieser Art ist durch die Erwärmung um den Faktor 1,2 bis 9 wahrscheinlicher geworden, und seine Tagesmenge um 3 bis 19 % größer.
Drei Dinge sind daran lehrreich. Erstens die Spanne: „1,2 bis 9“ ist eine ehrliche Angabe, keine ausweichende. Zweitens die Region: Für ein einzelnes Tal war die Datenlage zu dünn, gerechnet wurde für eine größere Fläche. Drittens, was die Studie nicht sagt: wie viel des Schadens auf den Regen zurückgeht und wie viel auf Bebauung im Überschwemmungsgebiet und darauf, wie gut die Warnungen die Menschen erreicht haben. Das ist eine andere Frage mit einer anderen Antwort.
Was diese Seite daraus macht
Die Wettervorhersage auf dieser Seite hat mit Attribution nichts zu tun — sie sagt, was in den nächsten Tagen kommt, nicht warum. Aber sie folgt derselben Haltung: eine Spanne statt einer Zahl, und dazu, wie sicher man sich sein kann. Wie sich das Klima an deinem Ort über die Jahrzehnte verändert hat, zeigen Klimastreifen, wie es weitergehen könnte, Wie warm wird es hier?
Quellen
IPCC, Sechster Sachstandsbericht, Arbeitsgruppe I (2021), Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger und Kapitel 11 (Wetter- und Klimaextreme) — ipcc.ch/report/ar6/wg1.
World Weather Attribution, Methodik und Studien — worldweatherattribution.org; darin: Kreienkamp, F. et al. (2021): Rapid attribution of heavy rainfall events leading to the severe flooding in Western Europe during July 2021.
Die Einordnung in der Tabelle ist vereinfacht zusammengefasst; die Originalberichte unterscheiden feiner nach Region und Beobachtungszeitraum.