Großwetterlagen: Trog, Vb, Omega und Kaltlufttropfen

Die Rubrik Wetterlagen erklärt fünfzehn Gefahren — Gewitter, Sturm, Hitze, Dauerregen, Glätte. Diese Seite geht eine Ebene höher: zu den Mustern, aus denen diese Gefahren entstehen. Ein Dauerregen mit Hochwasser an Elbe und Oder hat fast immer dieselbe Zugbahn, eine Hitzewelle fast immer dieselbe Blockade in der Höhe. Vier dieser Muster, erklärt mit den Definitionen des DWD-Wetterlexikons und zwei Artikeln aus dem „Thema des Tages“ — wörtlich, und jedes mit einer Skizze.

Was eine Großwetterlage ist

„Die Großwetterlage ist definiert durch eine mittlere Luftdruckverteilung in Meereshöhe und der mittleren Troposphäre in einem großen Gebiet (z.B. Europa plus Teile des Nordatlantiks) und über eine Dauer von mehreren Tagen. Die Großwetterlage bestimmt den wesentlichen Charakter eines Witterungsabschnittes; lediglich in einzelnen Teilgebieten des Großraumes kann das Wetter aufgrund von Durchzug kleinräumiger Druckgebilde wechseln.“ […] „Großwetterlagen dienen der synoptischen Klimatologie und liegen für den europäischen Raum seit 1881 vor. Mit Verbesserung der numerischen Mittelfristvorhersagen verlieren die Großwetterlagen allerdings an Bedeutung für die mittelfristige Wettervorhersage.“ Deutscher Wetterdienst, Wetterlexikon, Eintrag „Großwetterlage“

Zwei Dinge daran sind wichtig. Erstens: Eine Großwetterlage ist ein Mittel über Tage und über einen Kontinent, kein Tageswetter. Zweitens sagt der DWD selbst, dass sie für die Vorhersage an Bedeutung verliert — die Modelle rechnen die Strömung heute direkt, statt sie in einen Katalog einzuordnen. Als Sprache, um Wetter zu verstehen, sind die Muster trotzdem unersetzt. Hier die vier, die in Deutschland am meisten anrichten.

1. Trog und Keil: die Welle in der Höhe

Fast alles, was auf der Bodenwetterkarte steht, wird von der Strömung in fünf bis neun Kilometern Höhe gemacht. Der DWD schreibt es in seiner Definition der Vb-Lage gleich mit:

„Die Entstehung und Verlagerung von Hoch- und Tiefdruckgebieten im Bodenniveau wird von dem Strömungsverlauf in den höheren Atmosphärenschichten verursacht und gesteuert. Beispielsweise kann dort, wo in der Höhe tiefer Luftdruck herrscht, das Barometer auch am Boden Druckfall anzeigen und es entsteht ein neues Tiefdruckgebiet oder es verstärkt sich ein bereits existierendes Tief, das sich dann mit der Höhenströmung verlagert.“ Deutscher Wetterdienst, Wetterlexikon, Eintrag „Vb-Wetterlage“
Schematische Höhenströmung von West nach Ost als Welle: ein nach Norden ausgebeulter Keil mit Hoch darunter, dann ein nach Süden ausgebeulter Trog mit Tief darunter. Norden ↑ Westen → Osten H unter dem Keil T unter dem Trog Keil (Rücken) Trog Jetstream / Höhenströmung
Rein schematisch. Die Höhenströmung läuft nicht gerade, sondern in Wellen: Wo sie nach Norden ausbeult, liegt ein Keil (Rücken) und darunter meist ein Hoch; wo sie nach Süden ausbeult, ein Trog und darunter Tiefdruck. Der DWD beschreibt es so: Die Bodenwetterlage wird „von dem Strömungsverlauf in den höheren Atmosphärenschichten verursacht und gesteuert“.

Ein Trog ist die nach Süden ausgebeulte Welle: In ihr fließt kalte Luft weit nach Süden, darunter bildet oder verstärkt sich Tiefdruck. Ein Keil (auch Rücken) ist das Gegenteil, die Beule nach Norden mit dem Hoch darunter. Warum die Strömung überhaupt in Wellen läuft, steht auf Jetstream; die drei folgenden Muster sind nichts anderes als drei besondere Formen dieser Welle.

2. Die Vb-Zugbahn: der Weg zum Hochwasser

„Fünf b“ gesprochen, nach der römischen Ziffer in der Zugbahn-Klassifikation von Wilhelm Jakob van Bebber aus dem Jahr 1891. Es ist die Zugbahn, die hinter dem Elbehochwasser 2002 steckte. Der DWD beschreibt sie vollständig:

„Im Falle einer Vb-Wetterlage (Klassifikation nach van Bebber 1891) liegt in höheren Luftschichten ein sogenannter Tiefdrucktrog über West- und Mitteleuropa, d.h. die Höhenströmung verläuft in einer lang gestreckten engen Kurve (Mäander) vom Nordatlantik kommend zunächst südwärts, um dann über Südeuropa scharf nach Norden umzubiegen und schließlich über Mitteleuropa nordwärts auszugreifen.“ […] „Ein zum Beispiel über dem Raum Genua entstandenes oder sich intensivierendes Genuatief wird dann mit der Höhenströmung über Oberitalien hinweg in einem Bogen um die Alpenostseite herum weiter nach Norden gesteuert und landet nach einem Weg über Tschechien und Polen hinweg meist in Skandinavien.“ Deutscher Wetterdienst, Wetterlexikon, Eintrag „Vb-Wetterlage“
Schematische Vb-Zugbahn: ein Tief entsteht über dem Golf von Genua, zieht über Oberitalien, östlich um die Alpen herum über Tschechien und Polen nach Skandinavien; über der Osthälfte Deutschlands fällt dabei Dauerregen. Alpen Deutschland Polen Skandinavien Golf von Genua T Zugbahn Vb (nach van Bebber, 1891) Dauerregen an der Westflanke des Tiefs, gestaut an Alpen und östlichen Mittelgebirgen
Rein schematisch, keine Karte. Das Tief entsteht oder verstärkt sich über dem Golf von Genua, wird mit der Höhenströmung „in einem Bogen um die Alpenostseite herum weiter nach Norden gesteuert und landet nach einem Weg über Tschechien und Polen hinweg meist in Skandinavien“ (DWD). Die feuchte, vorher über dem Mittelmeer aufgeladene Luft regnet dabei über der Osthälfte Deutschlands ab.

Warum ausgerechnet diese Bahn so viel Regen bringt, steht im selben Eintrag: Auf der Vorderseite des Trogs wird vorher heiße Luft aus der Sahara über das Mittelmeer geführt und dort „mit viel Feuchtigkeit angereichert“; diese „feuchtheißen Tiefs auf der Vb-Zugbahn“ führen „auch über der Osthälfte Deutschlands zu lang andauernden und ergiebigen Niederschlägen, die durch zusätzliche erzwungene Aufwärtsbewegung im Bereich der Alpen sowie der östlichen Mittelgebirge dort noch verstärkt werden können.“ Die Zahl dazu, ebenfalls aus dem Lexikon: Am Morgen des 13.08.2002 maß der DWD in Zinnwald-Georgenfeld im Erzgebirge 312 mm in 24 Stunden — „die größte Tagesregenmenge seit Beginn routinemäßiger Wetterbeobachtungen in Deutschland“. Der Wert steht auch in Wetterrekorde. Vb-Lagen „entwickeln sich bevorzugt im Frühling und Herbst“ und „gehören zu den eher seltenen Wetterlagen“. Was ein solcher Regen an einem Fluss auslöst, steht auf Hochwasser und Starkregen.

3. Die Omegalage: wenn das Wetter stehen bleibt

Wochenlang dasselbe Wetter — im Frühjahr trocken und warm, im Sommer eine Hitzewelle, im Winter Dauerfrost — hat fast immer dieselbe Ursache: Die Westströmung ist blockiert. Der DWD erklärte es im März 2026 an einem laufenden Fall:

„Bei einer Omegalage nimmt die Höhenströmung die Form des griechischen Buchstabens Ω an, daher der Name. Solche blockierenden Wetterlagen entstehen, wenn der Jetstream stark gewellt ist und ein kräftiges Hochdruckgebiet zwischen zwei Tiefdruckgebieten festliegt. Dadurch wird der Westwindstrom umgelenkt oder unterbrochen und das Muster bleibt über längere Zeit nahezu stationär.“ Deutscher Wetterdienst, Thema des Tages „Die Omegawetterlage“, 06.03.2026
Schematische Höhenströmung in Form des griechischen Buchstabens Omega: ein Hoch in der Mitte, flankiert von einem Tief im Westen und einem im Osten; die Westströmung ist unterbrochen. Norden ↑ H blockierendes Hoch T T Höhenströmung wie ein Ω Westwind unterbrochen →
Rein schematisch. „Bei einer Omegalage nimmt die Höhenströmung die Form des griechischen Buchstabens Ω an, daher der Name“ (DWD). Das Hoch in der Mitte kann nicht nach Osten abziehen, weil es zwischen zwei Höhentiefs eingekeilt ist — die Lage bleibt oft über Wochen.

Was eine solche Blockade anrichtet, hängt an der Jahreszeit und daran, wo genau das Hoch liegt. Ein Jahr zuvor, an einem blockierenden Hoch mit 1055 hPa Kerndruck über Nordwestrussland, hat der DWD das aufgeschlüsselt:

„Eine blockierende Wetterlage ist definiert durch einen Übergang von einem zonalen in ein meridionales Strömungsmuster und einer Aufspaltung des Jetstreams in zwei Bereiche.“ […] „Im Winterhalbjahr treten vor allem auf der Ost- und Südseite des blockierenden Druckgebildes Kältewellen und teils auch kräftige Schneefälle auf. Im Sommer kommt es dagegen im Bereich des Hochs sowie auf dessen Westseite zu Hitzeperioden, während große Trockenheit vorwiegend im direkten Einflussbereich auftritt.“ M.Sc. Nico Bauer, Deutscher Wetterdienst, Thema des Tages „Blockierende Hochdrucklagen und extreme Wetterereignisse über Europa“, 09.02.2025

Zonal heißt: die Strömung läuft von West nach Ost, das Wetter zieht durch. Meridional heißt: sie läuft von Nord nach Süd und zurück, das Wetter bleibt. Derselbe Artikel nennt als Winterbeispiel den Februar 2012, in dem die Mitteltemperatur in Teilen Europas „über mehrere Tage über 10 Kelvin unter dem langjährigen Klimamittel“ lag. Und der Artikel vom März 2026 endet mit einem Satz, der zu Klimawandel in Deutschland gehört: „In den vergangenen Jahren häuften sich solche Omegalagen im Frühling, sodass es oft zu trockenen und warmen Phasen kam.“ Das ist eine Beobachtung des DWD, keine Zuschreibung — ob die Häufung eine Ursache im Klimawandel hat, sagt der Artikel nicht, also sagt es diese Seite auch nicht.

4. Der Kaltlufttropfen: das Tief, das die Bodenkarte nicht zeigt

„Als Kaltlufttropfen werden kalte Höhentiefs bezeichnet, unter denen sich im Bodenfeld keine oder nur eine schwache zyklonale Zirkulation befindet. Sie treten überwiegend im Winter über dem Festland in Erscheinung. In selteneren Fällen findet man sie auch im Sommer.“ […] „Kaltlufttropfen haben im Gegensatz zu den Bodenzyklonen auch keine Fronten, weil es sich um mehr oder weniger kreisförmige Gebilde mit der kältesten Luft in der Mitte handelt.“ Deutscher Wetterdienst, Wetterlexikon, Eintrag „Kaltlufttropfen“
Schematischer Querschnitt durch einen Kaltlufttropfen: in der Höhe ein abgeschlossener Kern kalter Luft mit Tiefdruck, am Boden darunter kaum ein Tief und keine Fronten. Höhe ↑ Boden Höhentief mit kaltem Kern kälteste Luft in der Mitte, etwa kreisförmig am Boden: keine oder nur schwache Zirkulation, keine Fronten abgeschnürt von der Höhenströmung
Rein schematisch. Ein Kaltlufttropfen ist ein „kaltes Höhentief, unter dem sich im Bodenfeld keine oder nur eine schwache zyklonale Zirkulation befindet“ (DWD) — auf der Bodenwetterkarte ist er deshalb leicht zu übersehen, und er hat keine Fronten.

Das macht ihn tückisch: Auf der Bodenwetterkarte steht kaum etwas, und trotzdem regnet oder schneit es tagelang, weil die kalte Luft in der Höhe die Schichtung labil macht. Kaltlufttropfen bewegen sich außerdem langsam und unregelmäßig, weil sie von der Höhenströmung abgeschnürt sind — genau die Sorte Lage, bei der die Modelle auf der Startseite weit auseinanderlaufen. Warum das so ist, erklärt Vorhersagbarkeit.

Was diese Seite nicht behauptet

Quellen

Alle Adressen am 12.09.2026 selbst abgerufen (HTTP 200). Der Lexikon-Eintrag „Trog“ existiert ebenfalls, ließ sich aber nicht als Text auslesen — deshalb wird der Trog hier mit den Worten des Vb-Eintrags erklärt und nicht aus dem eigenen Eintrag zitiert. Verwandt: Jetstream, Luftdruck, Hoch und Tief, Luftmassen & Fronten, Globale Zirkulation, Wetterlagen, Polarwirbel (warum blockierende Lagen nach einer Stratosphärenerwärmung häufiger werden).