Woraus Luft besteht
Trockene Luft ist ein Gemisch aus drei Hauptgasen und vielen Spuren. Fast alles, was sie für Wetter und Klima wichtig macht, steckt ausgerechnet in den kleinsten Anteilen.
| Gas und was es tut | Anteil |
|---|---|
| Stickstoff (N₂)Hauptbestandteil, chemisch träge. Streut zusammen mit dem Sauerstoff das blaue Licht (Himmelsfarben). | 78,08 % |
| Sauerstoff (O₂)Zum Atmen; in der Stratosphäre der Rohstoff für das Ozon (Ozonschicht). | 20,95 % |
| Argon (Ar)Edelgas, fürs Wetter bedeutungslos — aber mehr als alle folgenden Gase zusammen. | 0,93 % |
| Kohlendioxid (CO₂)2025 am Mauna Loa auf Hawaii im Jahresmittel rund 427 ppm, weltweit gemittelt etwas weniger, und jedes Jahr mehr; das wichtigste langlebige Treibhausgas (Treibhauseffekt). | rund 0,04 % |
| Neon, Helium, Methan, Krypton, Wasserstoff, Lachgas und weitereDarunter weitere Treibhausgase wie Methan und Lachgas. | zusammen einige Tausendstel % |
Der wichtigste Stoff fürs Wetter fehlt in dieser Tabelle, weil er ständig kommt und geht: Wasserdampf. Wie viel davon in der Luft sein kann, hängt an der Temperatur (Luftfeuchtigkeit). An einem kalten, trockenen Wintertag mit einem Taupunkt von −5 °C macht er gut 0,4 % der Luft aus, in feuchter Tropenluft mit 25 °C Taupunkt gut 3 %. Das ist wenig — aber daraus bestehen alle Wolken, aller Regen und jedes Gewitter.
Bis in grob 80 bis 100 km Höhe wirbelt die Luft so gründlich durcheinander, dass diese Anteile überall gleich bleiben. Auf der Zugspitze oder dem Mount Everest atmet man also ebenfalls 21 % Sauerstoff — nur ist die Luft dünner (siehe unten). Erst darüber entmischen sich die Gase nach ihrem Gewicht; in einigen hundert Kilometern Höhe besteht der Rest der Luft überwiegend aus einzelnen Sauerstoffatomen.
Die Prozentwerte sind gerundet und nicht für immer fest: CO₂ steigt Jahr für Jahr, und durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas sinkt der Sauerstoffanteil messbar — allerdings so wenig, dass es fürs Atmen keine Rolle spielt.
Wie dünn die Hülle ist
Luft lässt sich zusammendrücken. Die oberen Schichten drücken mit ihrem Gewicht auf die unteren (Luftdruck), deshalb drängt sich die meiste Luft ganz unten zusammen, und Druck und Dichte nehmen nach oben rasch ab. In den unteren Kilometern halbiert sich der Druck etwa alle 5,5 km. Daraus folgt eine Zahl, die man sich merken kann: Die Hälfte aller Luft liegt unterhalb von 5,5 km, 90 % unterhalb von etwa 16 km, 99 % unterhalb von etwa 31 km.
Auf einem Globus von 30 cm Durchmesser wäre die Wetterschicht, je nach Breite 8 bis 17 km dick, nur 0,2 bis 0,4 mm stark — so viel wie zwei bis vier Blatt Papier.
| Höhe | Druck in hPa |
Temp. in °C | Luft darunter |
|---|---|---|---|
| 0 kmMeeresspiegel | 1013 | 15 | 0 % |
| knapp 3 kmZugspitze (rund 2960 m) | 705 | −4 | 30 % |
| 5,5 km | 505 | −21 | 50 % |
| 8,85 kmGipfel des Mount Everest | 315 | −42 | 69 % |
| 11 kmTropopause der Normatmosphäre, Reiseflughöhe | 227 | −56 | 78 % |
| 16 km | 104 | −56,5 | 90 % |
| 31 km10-hPa-Fläche, an der man den Polarwirbel misst | 10 | −46 | 99 % |
| 48 kmStratopause | 1 | −2,5 | 99,9 % |
| 80 kmMesosphäre, knapp unter den leuchtenden Nachtwolken | 0,01 | −75 | 99,999 % |
„Luft darunter“ ist der Anteil der gesamten Luftmasse, der unterhalb dieser Höhe liegt; er folgt direkt aus dem Druck, weil der Druck das Gewicht der Luft darüber ist. Am Everest-Gipfel ist der Sauerstoffanteil derselbe wie am Meer, aber der Druck beträgt nur rund ein Drittel — mit jedem Atemzug kommt deshalb nur rund ein Drittel so viel Sauerstoff in die Lunge.
Die Normatmosphäre ist ein Mittelwert, kein Wetter
Die Normatmosphäre der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO ist eine vereinbarte Rechengrundlage: 15 °C und 1013,25 hPa auf Meereshöhe, Abkühlung um 0,65 K je 100 m bis 11 km, darüber gleichbleibend −56,5 °C bis 20 km, dann weitere Schichten mit festen Temperaturgradienten. Flugzeug-Höhenmesser sind darauf geeicht, und Meteorologen übersetzen damit Druckflächen in grobe Höhen, etwa 10 hPa in rund 31 km.
Das echte Wetter weicht davon jeden Tag ab: Warme Luftmassen sind „höher“ als kalte, Inversionen kehren die Abkühlung um (Temperaturinversion), und wie schnell es mit der Höhe kälter wird, hängt von der Feuchte ab (Wie Wolken entstehen). Ein Beispiel: Der Mount Everest liegt in den Subtropen, wo die Luftsäule wärmer ist als in mittleren Breiten. Der tatsächliche Luftdruck am Gipfel liegt deshalb im Mittel einige Prozent über den 315 hPa der Tabelle, im Sommer mehr als im Winter.
Wir haben die Tabelle mit zwei unabhängigen, frei verfügbaren Umsetzungen nachgerechnet (Quellen unten); beide liefern bis 80 km dieselben Werte. Den Druck für jede Höhe bis 80 km rechnet der Luftdruck-Rechner aus.
Stockwerke, erkannt an der Temperatur
Die Stockwerke der Atmosphäre werden nicht nach festen Höhen abgegrenzt, sondern nach dem Temperaturverlauf: Jedes Mal, wenn er umkehrt, beginnt ein neues Stockwerk. Die Grenzflächen enden auf „-pause“. Dass die Temperatur überhaupt umkehrt, liegt daran, wo die Atmosphäre ihre Wärme bekommt:
- Troposphäre: Sonnenlicht erwärmt vor allem den Boden, der Boden die Luft darüber. Erwärmte Luft steigt auf, kommt unter geringeren Druck, dehnt sich aus und kühlt dabei ab; sinkende Luft wird umgekehrt zusammengedrückt und warm. Weil die Troposphäre so ständig umgewälzt wird, ist es oben im Mittel kälter — nicht, weil die Luft dort einfach weiter von der „Heizplatte“ Boden entfernt wäre.
- Stratosphäre: Das Ozon schluckt UV-Strahlung der Sonne und heizt seine Umgebung. Nach oben wird es deshalb wieder wärmer, am stärksten heizt es ganz oben (mehr dazu unten).
- Mesosphäre: Oberhalb von etwa 50 km wird das Ozon so selten, dass diese Heizung nachlässt; die Temperatur sinkt auf die tiefsten Werte der ganzen Atmosphäre.
- Thermosphäre: Ganz oben schlucken die wenigen verbliebenen Teilchen die energiereichste Strahlung der Sonne. Die Temperatur steigt steil, je nach Sonnenaktivität auf mehrere hundert bis über tausend Grad.
Das Bild ist zugleich eine Landkarte der übrigen Wissensseiten: Die meisten ihrer Themen spielen in den unteren zwölf Kilometern, einige reichen weit darüber hinaus — der Polarwirbel in die Stratosphäre, das Polarlicht in die Thermosphäre, die Wettersatelliten ganz aus der Atmosphäre hinaus.
Troposphäre und Tropopause: das Stockwerk des Wetters
Die Troposphäre enthält in mittleren Breiten rund drei Viertel der gesamten Luftmasse und fast den gesamten Wasserdampf — und damit alle Wolken bis auf wenige Ausnahmen, allen Regen, alle Gewitter. Im Mittel wird es um 0,65 K je 100 m kälter; das nutzt zum Beispiel die Abschätzung der Schneefallgrenze, und es ist der Grund, warum es auf dem Berg kühler ist als im Tal (Bergwetter). Aufsteigende Luft dehnt sich aus und kühlt dabei ab, bis ihr Wasserdampf zu Wolken kondensiert (Wie Wolken entstehen).
Die Obergrenze, die Tropopause, liegt nicht überall gleich hoch. Über den Polen liegt sie bei etwa 8 km, über Deutschland je nach Wetterlage und Jahreszeit zwischen etwa 8 und 13 km, über den Tropen bei etwa 16 bis 17 km. Warme Luft dehnt sich aus, eine warme Luftsäule ist also höher, und in den Tropen tragen kräftige Gewitter die Luft besonders weit nach oben. Ein Paradox folgt daraus: Weil sie so hoch liegt, ist die Tropopause über dem Äquator mit meist rund −80 °C deutlich kälter als über Deutschland.
Über der Tropopause nimmt die Temperatur nicht mehr ab. Für aufsteigende Luft wirkt das wie eine riesige Inversion: Sie wird dort rasch kälter und schwerer als ihre Umgebung und kommt nicht weiter. Deshalb breitet sich eine Gewitterwolke oben als flacher Amboss aus; nur die kräftigsten Aufwinde, etwa in einer Superzelle, schießen als Beule ein Stück darüber hinaus. Und deshalb reichen Gewitter im Winter, wenn die Tropopause tiefer liegt und die Aufwinde schwächer sind, weniger hoch (Hagel).
Nahe der Tropopause, an den Stellen, an denen sie springt, liegen die Jetstreams. In dieser Höhe fliegen auch Verkehrsflugzeuge: Die Luft ist dünn und bremst wenig, und das meiste Wetter liegt unter ihnen. Dort entstehen Kondensstreifen und die unsichtbaren Böen am Rand der Jetstreams (Turbulenz).
Stratosphäre: ruhig, trocken und geschichtet
Der Name kommt vom lateinischen stratum, Schicht — und das trifft es. Weil es nach oben wärmer wird, liegt leichte warme Luft über schwerer kalter: Die Stratosphäre ist stabil geschichtet, Luft steigt hier kaum auf oder ab. Die Wärme stammt vom Ozon. Die meisten Ozonmoleküle stecken in der Ozonschicht grob zwischen 15 und 35 km, wo rund 90 % allen Ozons liegen. Am wärmsten wird es aber darüber, an der Stratopause in etwa 50 km Höhe, mit knapp 0 °C fast so warm wie an einem Wintertag am Boden. Das ist kein Widerspruch: Dort oben ist zwar weniger Ozon, aber noch viel weniger Luft, die sich die Wärme teilt, und das UV-Licht kommt noch ungeschwächt an. Bis es die dichteste Ozonschicht erreicht, ist ein großer Teil schon geschluckt.
Die ruhige Schichtung hat Folgen, die man bis zum Boden spürt:
- Kaum Wolken. Die Stratosphäre ist extrem trocken, enthält nur wenige Millionstel Wasserdampf. Das liegt nicht an der Schichtung, sondern am Eingang: Die meiste Luft gelangt über die eiskalte Tropopause der Tropen hinein und friert dort ihren Wasserdampf fast vollständig aus, wie in einer Kältefalle. Wolken bilden sich deshalb erst, wenn es noch kälter wird, unter etwa −78 °C: Dann entstehen in rund 15 bis 25 km Höhe Perlmuttwolken, die in der Dämmerung schillern. Über der Antarktis wird es dafür jeden Winter monatelang kalt genug, über der Arktis im Mittel nur ein bis zwei Monate. Sie sind schön und schädlich zugleich: An ihnen wird das Chlor frei, das im Frühjahr das Ozonloch aufreißt (Ozonschicht & Ozonloch). In Deutschland sieht man sie nur selten.
- Was hinaufkommt, bleibt lange. In der Troposphäre wäscht Regen Staub und Tröpfchen binnen Tagen bis weniger Wochen aus; in der Stratosphäre regnet es nicht. Der Schwefelschleier eines großen Vulkanausbruchs, der bis dort hinauf gelangt, hält sich deshalb ein bis drei Jahre und kühlt so lange das Klima (Klimageschichte).
- Ein eigener Wirbel. Im Winter kreist in 15 bis 50 km Höhe der stratosphärische Polarwirbel. Bricht er bei einer plötzlichen Stratosphärenerwärmung zusammen, kann das Wochen später unser Wetter verändern — muss es aber nicht.
- Das Ende der Routinemessung. Die Wetterballone, die zweimal am Tag aufsteigen, platzen meist in 20 bis 30 km Höhe. Was darüber liegt, wird fast nur noch aus der Ferne gemessen.
Entdeckt wurde die Stratosphäre 1902, unabhängig voneinander von Léon Teisserenc de Bort in Frankreich und Richard Aßmann in Berlin, mit unbemannten Ballonen. Dass es oberhalb von etwa 11 km nicht mehr kälter wird, widersprach der Erwartung, und der Befund setzte sich erst durch, als viele Aufstiege ihn bestätigt hatten und ein Messfehler als Erklärung nicht mehr reichte. Einer unerwarteten Messung erst zu misstrauen und sie dann ernst zu nehmen: Diese Haltung hat die Wetterkunde oft weitergebracht (Geschichte der Vorhersage).
Mesosphäre: das kälteste und am schlechtesten vermessene Stockwerk
Oberhalb von etwa 50 km fällt die Temperatur wieder, bis zur Mesopause in etwa 85 bis 100 km Höhe. In der Normatmosphäre sind es dort rund −86 °C. Am kältesten wird es aber an einem Ort und zu einer Zeit, die man kaum erwarten würde: über dem Sommerpol, im Sommer. Eine großräumige Zirkulation, angetrieben von Wellen, die aus der Wetterschicht nach oben laufen, lässt die Luft dort aufsteigen, und aufsteigende Luft kühlt ab. Das empirische Atmosphärenmodell NRLMSISE-00 liefert für 69° Nord im Juli rund −135 °C in rund 88 km Höhe — die kälteste Luft der Erde liegt im Hochsommer über der Arktis. Messungen mit Fallkugeln, die von Forschungsraketen über Nordnorwegen ausgesetzt wurden, ergaben dort im Mittel sogar rund −143 °C (Lübken 1999) — ein Beispiel dafür, wie weit Modell und Messung in dieser Höhe auseinanderliegen können.
In der Mesosphäre und knapp darüber verglühen die Sternschnuppen, grob in 70 bis 120 km Höhe: meist winzige Körner aus dem All, die mit mehreren zehn Kilometern pro Sekunde eintauchen und dabei so stark aufgeheizt werden, dass sie verdampfen.
Leuchtende Nachtwolken selbst sehen
In der eisigen Sommer-Mesopause entstehen die höchsten Wolken der Erde: leuchtende Nachtwolken in rund 80 bis 85 km Höhe, sechs- bis siebenmal so hoch wie die höchsten Federwolken, die höchsten gewöhnlichen Wolken. Sie bestehen aus winzigen Eiskristallen, die sich vermutlich an Staub von verglühten Meteoren bilden.
- Wann: nur im Sommerhalbjahr, auf der Nordhalbkugel etwa von Ende Mai bis Anfang August, am ehesten ein bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang oder vor Sonnenaufgang.
- Wo: tief über dem Nordhorizont; in Norddeutschland häufiger als im Süden.
- Woran man sie erkennt: Am Boden ist es schon dunkel, aber in 80 km Höhe scheint noch die Sonne. Die Wolken leuchten silbrig-blau mit feinen Wellen, während normale Wolken davor als dunkle Schatten stehen.
Beschrieben wurden sie zuerst 1885, zwei Jahre nach dem Ausbruch des Krakatau. Ob es sie vorher nicht gab oder niemand darauf geachtet hat, ist bis heute nicht sicher geklärt. Ebenso offen ist, wie stark ihre Häufigkeit seither von Methan (das oben zu Wasserdampf wird) und CO₂ (das die Hochatmosphäre kühlt) beeinflusst wird; von Sommer zu Sommer schwanken sie ohnehin stark.
Kein Stockwerk ist so schlecht vermessen wie dieses. Für Ballone und Flugzeuge ist es zu hoch — der Rekord-Wetterballon des Observatoriums Lindenberg kam bis 40 km (Radiosonde) —, für Satelliten zu tief: Sie würden abgebremst und abstürzen. Messungen kommen von Forschungsraketen, die nur Minuten lang durch die Schicht fliegen, von Laser- und Radargeräten am Boden, in Deutschland etwa am Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn, und von Satelliten, die schräg von oben durch die Schicht blicken. Unter Fachleuten heißt sie halb im Scherz „Ignorosphäre“. Die Zahlen für diese Höhen sind deshalb unsicherer als die für die Wetterschicht.
Thermosphäre: heiß und trotzdem kalt — und wo das All beginnt
Oberhalb der Mesopause steigt die Temperatur steil an. Die wenigen Teilchen dort schlucken die energiereichste Strahlung der Sonne, und weil so wenige da sind, werden sie sehr heiß. Nach dem Modell NRLMSISE-00 liegen die Temperaturen in 400 km Höhe je nach Sonnenaktivität und Tageszeit grob zwischen 400 und über 1200 °C. Warm würde einem trotzdem nicht: Die Luft ist dort je nach Sonnenaktivität nur grob ein Billionstel bis ein Hundertmilliardstel so dicht wie am Boden. Ein Thermometer im Schatten würde von den wenigen Teilchen kaum getroffen, strahlte mehr Wärme ab, als es bekäme, und zeigte tiefe Kälte.
Die Sonnenstrahlung reißt hier oben Elektronen von den Teilchen ab. Ab etwa 60 bis 80 km entsteht so die elektrisch leitende Ionosphäre, an der Kurzwellen-Funk zurückgeworfen wird und die GPS-Signale verzögert. Wo geladene Teilchen hineinprasseln, leuchtet sie als Polarlicht in rund 100 bis über 200 km Höhe; die Teilchen stammen dabei größtenteils aus dem Magnetfeld der Erde selbst, der Sonnenwind liefert die Energie, die sie beschleunigt. In Deutschland sieht man es nur bei kräftigen geomagnetischen Stürmen. Mit dem Wetter darunter hat das nichts zu tun. Warum man umgekehrt mit Radiowellen in der Ionosphäre auch kein Wetter machen kann, steht auf Wetterbeeinflussung.
Eine scharfe Grenze zum Weltraum gibt es nicht; die Luft wird nur immer dünner. Üblich ist die Kármán-Linie bei 100 km, eine Festlegung des Luftsport-Weltverbands FAI. US-Behörden zählen schon ab 50 Meilen, rund 80 km, und der Astrophysiker Jonathan McDowell hat 2018 nachgerechnet, dass diese niedrigere Grenze physikalisch besser begründet ist. Die Internationale Raumstation ISS kreist in rund 400 km Höhe mitten in der sehr dünnen Thermosphäre und muss regelmäßig angehoben werden, weil selbst diese Luft sie bremst. Die polumlaufenden Wettersatelliten fliegen in rund 800 km, Meteosat in rund 36.000 km (Wettersatelliten).
Die Thermosphäre reagiert auf das Weltraumwetter: Bei einem geomagnetischen Sturm heizt sie sich auf, dehnt sich aus, und in Satellitenhöhe wird die Luft dichter. Im Februar 2022 verlor die Firma SpaceX auf diese Weise 38 von 49 frisch gestarteten Starlink-Satelliten, die in ihrer niedrigen Startbahn zu stark abgebremst wurden und verglühten — bei einem nur mäßigen Sturm.
Was der Klimawandel in der Höhe verändert
Treibhausgase erwärmen die Troposphäre, aber sie kühlen die Stockwerke darüber. Dort oben, wo die Luft dünn ist, strahlt zusätzliches CO₂ mehr Wärme ins All ab, als es von unten aufnimmt. Genau diese Kombination — unten wärmer, oben kälter — gilt als Fingerabdruck des menschengemachten Treibhauseffekts. Wäre eine stärkere Sonne die Ursache der Erwärmung, müssten sich beide Stockwerke erwärmen.
Ehrlich dazugesagt: In der unteren Stratosphäre überlagern sich zwei Ursachen. Der Weltklimarat schreibt die Erwärmung der Troposphäre seit 1979 vor allem den Treibhausgasen zu, die Abkühlung der unteren Stratosphäre von 1979 bis Mitte der 1990er-Jahre aber vor allem dem Ozonabbau. Am klarsten ist das CO₂-Signal weiter oben. Weil sich die Troposphäre ausdehnt und die Stratosphäre abkühlt, steigt die Tropopause langsam an. Mesosphäre und Thermosphäre kühlen sich ebenfalls ab und ziehen sich zusammen, so zeigen es Messreihen und Modellrechnungen; die Luft in Satellitenhöhe wird dünner, und Weltraumschrott bleibt länger im Orbit. Wie stark diese Trends oberhalb von etwa 50 km genau sind, ist wegen der dünnen Messlage unsicherer als am Boden. Wie der Wandel bei uns am Boden aussieht, zeigt Klimawandel in Deutschland.
Was diese Seite nicht kann
- Keine Höhenprofile von heute. Alle Höhen und Temperaturen hier sind Mittelwerte oder Modellwerte. Gemessene Profile liefern die Wetterballone. Die Startseite zeigt Werte für den Boden; die Nullgradgrenze für deinen Ort aus der Modellvorhersage steht auf der Seite Schneefallgrenze.
- Grenzen sind Zonen, keine Linien. Die Tropopause über Deutschland kann an einem Tag bei 9 und wenige Tage später bei 12 km liegen, manchmal gibt es sogar zwei übereinander. Wer eine Höhenangabe auf dieser Seite auf den Meter genau nimmt, nimmt sie genauer, als sie gemeint ist.
- Je höher, desto unsicherer. Für die unteren 30 km gibt es täglich Tausende Ballon- und Flugzeugmessungen, für die Mesosphäre nur wenige Messreihen. Die Wettermodelle, deren Spanne die Startseite zeigt, rechnen zwar viel höher, als man vermuten würde — das Modell des Europäischen Zentrums ECMWF bis in rund 80 km Höhe —, weil die Stratosphäre das Wetter mitbestimmt. Ganz oben sind aber auch sie schwächer durch Messungen gestützt (Die elf Wettermodelle).
Quellen
Normatmosphäre: ICAO, Manual of the ICAO Standard Atmosphere (Doc 7488) — icao.int; NOAA, NASA und US Air Force, U.S. Standard Atmosphere, 1976. Alle Tabellenwerte und die Kurve in der ersten Abbildung sind damit nachgerechnet, gegengeprüft mit den quelloffenen Python-Bibliotheken fluids (US-Standardatmosphäre 1976) und ambiance (ICAO-Normatmosphäre); der Anteil der Luft unterhalb einer Höhe folgt aus 1 − p/p₀. Aus der US-Standardatmosphäre 1976 stammen auch die Anteile von Stickstoff, Sauerstoff und Argon in der ersten Tabelle.
Zusammensetzung, Hochatmosphäre: empirisches Modell NRLMSISE-00, Picone, Hedin, Drob & Aikin (2002), Journal of Geophysical Research 107 — daraus die Entmischung oberhalb von etwa 90 km, die Temperatur der Sommer-Mesopause über der Arktis und die Thermosphärentemperaturen und -dichten in 400 km (ebenfalls mit fluids gerechnet). Gemessene Sommer-Mesopause: Franz-Josef Lübken (1999), Journal of Geophysical Research 104. Tropische Tropopause: Seidel, Ross, Angell & Reid (2001), Journal of Geophysical Research 106, Radiosonden-Klimatologie. Trockenheit der Stratosphäre: Alan Brewer (1949), Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society 75. CO₂-Jahresmittel 2025 am Mauna Loa: NOAA Global Monitoring Laboratory — gml.noaa.gov. Wasserdampfanteile aus dem Sättigungsdampfdruck bei −5 und 25 °C Taupunkt gerechnet.
Wetterschicht: Deutscher Wetterdienst (Platzhöhe der Wetterballone 20 bis 30 km und Rekord 40 km, zitiert auf Radiosonde; 10 hPa in etwa 31 km, zitiert auf Polarwirbel; 300 hPa um 9100 m, zitiert auf Jetstream; 0,65 K je 100 m, zitiert auf Schneefallgrenze) — dwd.de; Jetstream-Höhe 9 bis 12 km nach NOAA, ebenfalls zitiert auf Jetstream. Die Spannen für die Tropopause über Deutschland (8 bis 13 km) und den Polarwirbel (15 bis 50 km) sind gerundete Richtwerte dieser Wetterseite, keine wörtlichen DWD-Angaben. Ozon und Perlmuttwolken nach Ozonschicht & Ozonloch, Polarlicht nach Polarlicht, Bahnhöhen nach Wettersatelliten.
Mesosphäre und Klimawandel in der Höhe: Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik, Kühlungsborn — iap-kborn.de; IPCC, Sechster Sachstandsbericht, Arbeitsgruppe I (2021), Kapitel zu beobachteten Veränderungen und zur Zuordnung — ipcc.ch. Kármán-Linie: Fédération Aéronautique Internationale — fai.org. Die 80-km-Grenze: Jonathan McDowell (2018), The edge of space: Revisiting the Karman Line, Acta Astronautica 151. Weltraumwetter, Polarlicht und Satelliten: NOAA Space Weather Prediction Center — swpc.noaa.gov; Verlust der Starlink-Satelliten: Fang und andere (2022), Space Weather 20. Ozonheizung an der Stratopause: Guy Brasseur & Susan Solomon (2005), Aeronomy of the Middle Atmosphere, 3. Auflage. Perlmuttwolken über Arktis und Antarktis: Ozon-Sachstandsberichte von WMO und UNEP, Teil „Twenty Questions“.
Die Angaben sind zusammengefasst, nicht wörtlich zitiert. Die zweite Abbildung ist eine Skizze; die Kurve der ersten ist gerechnet, zeigt aber ein Modell, keine Messung.